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Veröffentlicht am 08.11.2020

Wie lässt sich das Glück finden?

Aufgetaut
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Nach „Mieses Karma“ und „Die Ballade von Max und Amelie“ ist dies nun das dritte Buch von David Safier, das ich gelesen habe. Ein Kennzeichen ist es offensichtlich, Geschichten rund um sprechende Tiere ...


Nach „Mieses Karma“ und „Die Ballade von Max und Amelie“ ist dies nun das dritte Buch von David Safier, das ich gelesen habe. Ein Kennzeichen ist es offensichtlich, Geschichten rund um sprechende Tiere oder wie hier eine aus der Steinzeit stammende Frau zu weben. Man muss also bereit sein, sich auf irreale Umstände einzulassen, die sich hier wie folgt darstellen:
Die Steinzeitfrau Urga hat mit einem Mini-Mammut mehr als 33000 Jahre in einem Eisblock zugebracht und wird lebendig, aber unglücklich aufgetaut. An ihr haben diverse Personen aus unterschiedlichen Motiven ein Interesse: Der erfolglose Felix will sie glücklich machen, um die Erkenntnisse für die Entwicklung einer Glücks-App zu verwenden, seine Jugendfreundin Amanda verfolgt wissenschaftliche Ziele, der einsame Kapitän Lovskar hat sich in Urga verliebt. Nur Felix Tochter hat altruistische Ziele – sie will eine bessere Welt schaffen. Die gesamte Gruppe begibt sich auf eine Reise in mehrere Orte in der ganzen Welt.
Obwohl die Geschichte eigentlich einfach gestrickt ist, empfand ich sie als zäh zu lesen. Es häufen sich schlichtweg zu viele Binsenwahrheiten zum Glück und es scheint, dass humorige Stellen auf Teufel komm raus eingearbeitet werden sollten. Leider kann ich mich nicht erinnern, überhaupt auch nur geschmunzelt zu haben, denn verkrampft wirkende Wortschöpfungen, verdrehtes Deutsch und unkenntlich gemachte Flüche aus der Fäkalsprache waren alles, was hierzu aufgeboten wurde.
Alles in allem nur ein Buch für zwischendurch ohne Tiefgang.

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Veröffentlicht am 08.11.2020

Satire über die Allmacht der Banken

Die Liebe Geld
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Geschrieben ist dieses Büchlein (denn ein solches ist es mit seinen nur 112 Seiten) wie eine Theatervorlage/ein Drehbuch (in Österreich ist es tatsächlich auch bereits auf der Bühne aufgeführt worden).
Aufhänger ...

Geschrieben ist dieses Büchlein (denn ein solches ist es mit seinen nur 112 Seiten) wie eine Theatervorlage/ein Drehbuch (in Österreich ist es tatsächlich auch bereits auf der Bühne aufgeführt worden).
Aufhänger ist das erfolglose, beharrliche Unterfangen des Bankkunden Alfred, einen Bargeldbetrag von seiner Bank ausgezahlt zu erhalten. Beraterin und Bankdirektor weisen seinen Wunsch rhetorisch geschickt trotz ausreichend vorhandener Sparrücklagen unter Hinweis auf die überschätzte Bedeutung von Geld von sich und lassen Alfred ohnmächtig resignieren. Am Ende wartet eine ironische Pointe. Wortwitz, Ironie und irrsinnige Dialoge rund ums Geld machen das Buch lesenswert. Es besticht durch typisches österreichisches Vokabular, Verwendung der dort so wichtigen Titel und Bezugnahme auf lokale Vorkommnisse wie die Ibiza-Affäre.

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Veröffentlicht am 02.11.2020

Über tiefe Trauer und tiefe Geschwisterliebe

Marianengraben
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Die Trauer der jungen Protagonistin Paula um ihren vor zwei Jahren beim Baden tödlich verunglückten geliebten kleinen Bruder ist so tief wie der tiefste Punkt der Erde in dem bekannten Tiefseegraben aus ...

Die Trauer der jungen Protagonistin Paula um ihren vor zwei Jahren beim Baden tödlich verunglückten geliebten kleinen Bruder ist so tief wie der tiefste Punkt der Erde in dem bekannten Tiefseegraben aus dem Buchtitel. Schuldgefühle und Depressionen lassen sie verzweifeln. Erst eine Bekanntschaft vom Friedhof, Helmut, der auch mit schweren Schicksalsschlägen zu kämpfen hat und mit dem sie sich auf eine Fahrt in die Berge zu Helmuts Elternhaus begibt, bringt sie zurück ins Leben.
Die Geschichte, so wie sie sich mit den Themen Trauer und Trauerbewältigung auseinandersetzt, ist unheimlich traurig und gefühlvoll geschrieben, ohne aber labile Leser in ein Loch zu stürzen. Es gibt viele humorige Einschübe. Besonders schön zu lesen sind die vielen eingeschobenen Gespräche zwischen den Geschwistern, an die Paula sich erinnert und die von der unendlichen Wissbegier des kleinen Jungen mit Interesse an der Meeresbiologie zeugen.
Ein empfehlenswerter Debütroman.

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Veröffentlicht am 31.10.2020

Amüsante Kindheitsbiografie

Vorstadtprinz
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Als Kabarettist im Fernsehen ist mir Egersdörfer überhaupt kein Begriff, weil mir entsprechende Sendungen fernliegen. Aber auch ohne eine bekannte Person vor Augen zu haben, ist dieses Buch wirklich lesenswert. ...

Als Kabarettist im Fernsehen ist mir Egersdörfer überhaupt kein Begriff, weil mir entsprechende Sendungen fernliegen. Aber auch ohne eine bekannte Person vor Augen zu haben, ist dieses Buch wirklich lesenswert. Der Autor erzählt über seine Kindheit und Jugend in einer bayrischen Kleinstadt. Das erfolgt in einer blumigen, sarkastischen Sprache und vom Hölzchen aufs Stöckchen kommend, gerade deshalb so ansprechend. Da aus einem Zeitraum in den 1970er/80er Jahren erzählt wird, war das Buch umso interessanter für mich, weil auch ich in dieser Zeit aufwuchs und mich an Vieles erinnern konnte. Das Buch ist auf jeden Fall Anlass, mir Egersdörfer einmal im Fernsehen anzuschauen.

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Veröffentlicht am 26.10.2020

Essstörungen und familiäre Ursachen

Jägerin und Sammlerin
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Dies ist ein sehr lesenswerter Roman, der uns in aller Härte und sehr anschaulich mit der Thematik Bulimie konfrontiert.
Die junge Alisa ist als Kleinkind in den 1990er mit ihren Eltern aus der Ukraine ...

Dies ist ein sehr lesenswerter Roman, der uns in aller Härte und sehr anschaulich mit der Thematik Bulimie konfrontiert.
Die junge Alisa ist als Kleinkind in den 1990er mit ihren Eltern aus der Ukraine nach Berlin gekommen. Über diesen Hintergrund zu Zeiten von Perestroika und davor ist Interessantes zu erfahren. So wie ihre junge Mutter aus problematischen familiären Verhältnissen stammt, über die sie Stillschweigen bewahrt, hat auch Alisa mit ihrer fordernden, perfektionistischen Mutter zu kämpfen, die nie zufriedenzustellen ist. So wundert es nicht, dass die Mutter-Tochter-Beziehung völlig verkorkst ist und Alisa in Folge schon als junges Mädchen unter zunehmend extremer werdenden Essstörungen leidet und auch mit ihrem Äußeren nie zufrieden ist. Ihr Leidensweg dauert jahrelang, bis er einen Tiefpunkt erreicht und Alisa sich in klinische Behandlung begibt. Als Teil der Therapie schreibt sie dort ihre Biografie und bewegt hierzu auch ihre Mutter, so dass sich ein rundes und vollständiges Bild über die Familie und die Gründe der Erkrankung Alisas ergibt.
Nach ihrem Debüt „Kukolka“ erneut ein beachtliches Buch aus der Feder der aus der Ukraine stammenden Autorin.

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