Profilbild von uli123

uli123

Lesejury Star
offline

uli123 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit uli123 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.02.2026

Familiäre Zugehörigkeit zu den Siebenbürger Sachsen

Halber Stein
0

Der vorliegende Roman ist die Taschenbuchausgabe des bereits im Jahr 2012 erschienenen Hardcovers und ist der Debütroman der Autorin.
Er erzählt von einer jungen Frau, die vor 20 Jahren als kleines Mädchen ...

Der vorliegende Roman ist die Taschenbuchausgabe des bereits im Jahr 2012 erschienenen Hardcovers und ist der Debütroman der Autorin.
Er erzählt von einer jungen Frau, die vor 20 Jahren als kleines Mädchen mit ihren Eltern – Siebenbürger Sachsen – von Hermannstadt in Rumänien nach Deutschland auswanderte. Jetzt (im Jahr 2006) kehrt sie das erste Mal anlässlich der Beisetzung ihrer Großmutter zurück.
Sehr gut gefallen haben mir die geschichtlichen Details über die Minderheit der Siebenbürger Sachsen, die mir bislang nur grob bekannt gewesen sind. Mit der Ausarbeitung der Geschichte konnte ich mich allerdings weniger anfreunden. Das fängt bei den Personen an, die zu klischeehaft eingeführt werden, z.B. die sich entspinnende Liebesgeschichte der Erzählerin mit ihrem Freund aus Kindestagen, Nachbarn und Pastor, die sie aufnehmen, als sei sie nur kurz abwesend gewesen, oder die ehemalige Studienkollegin ihres Vaters, die ihm Avancen macht. Auch das Familiengeheimnis – eine Beziehung ihrer Großmutter mit einem Rumänen in der Nachkriegszeit – ist nicht gerade ungewöhnlich. Der Erzählstil ist mir fast etwas zu poetisch und kunstvoll. Beschreibungen von Natur und Gegenständen sind detailreich.
Interessant für Leser von Familiengeschichten.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.02.2026

Der einstigen Liebe nachspüren

Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen
0

Dieses Buch hat es wirklich in sich, was vielleicht daran liegt, dass Autorin eine renommierte niederländische Soziologin ist. Es ist autobiografisch und die Autorin schreibt schonungslos über ihre langjährige ...

Dieses Buch hat es wirklich in sich, was vielleicht daran liegt, dass Autorin eine renommierte niederländische Soziologin ist. Es ist autobiografisch und die Autorin schreibt schonungslos über ihre langjährige Ehe mit ihrem kürzlich verstorbenen, von ihr stets nur „A“ betitelten Ehemann, der gleichfalls ein bekannter Intellektueller war. Nach seinem Tod erkennt sie, dass das gemeinsame Haus den Werdegang ihrer Beziehung wiederspiegelt. Es ist völlig heruntergekommen. So wie ihre Ehe, in der sich beide zusehends voneinander distanzierten und entfremdeten. Der Aufräumprozess im Haus soll ihr Klarheit verschaffen, wann die einstige Liebe verloren ging. Vor allem befasst sie sich mit der Auseinandersetzung darüber, wieso sie sich als studierte und selbstbewusste Frau ihrem schwierigen Mann untergeordnet hat und wieso ihr Mann so hat werden können, wie er war. Der eigentliche Text ist eine Aneinanderreihung von Erinnerungen und Gedanken. Die Erklärungen, die die Autorin für das Verhalten ihres Mannes gibt (z.B. der Verlust seiner Schwester im Kindesalter), kann ich nicht richtig nachvollziehen. Etwas störend fand ich die häufigen Inbezugnahmen auf Bücher, da ich diesen Quellen kaum nachgehen werde.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.02.2026

Zwischen zwei Kulturen

Trag das Feuer weiter
0

Als ich dieses Buch für meine Lektüre ausgewählt habe, war mir gar nicht bewusst, dass es sich um den letzten Band einer Familien-Trilogie handelt. Ich hatte früher sogar schon einmal den ersten Band „Das ...

Als ich dieses Buch für meine Lektüre ausgewählt habe, war mir gar nicht bewusst, dass es sich um den letzten Band einer Familien-Trilogie handelt. Ich hatte früher sogar schon einmal den ersten Band „Das Land der Anderen“ gelesen, woran ich mich erst erinnerte, als mir der Plot in Marokko bekannt vorkam. Es lässt sich durchaus isoliert ohne Vorkenntnisse lesen. Hier nun steht die Enkelin Mia im Mittelpunkt, während es im ersten Band ihre französische Großmutter ist, die bald nach dem Zweiten Weltkrieg einen Marokkaner heiratet und ihm auf eine Farm nach Marokko folgt. Ihre gemischte französisch-marokkanische Vergangenheit wird für Mia zu einem Identitäts- und Zugehörigkeitsproblem. Einer privilegierten Schicht angehörend, fühlt sie sich weder der marokkanischen Gesellschaft verbunden, in der Frauen nichts gelten und der Staatsapparat unberechenbar ist, noch der französischen Gesellschaft, die sie wegen ihrer arabischen Herkunft nicht anerkennt, nachdem sie dort seit ihrem jungen Erwachsenenalter lebt.
Mich hat die Geschichte nicht richtig in den Bann ziehen können. Als störend, weil den Lesefluss beeinträchtigend, empfand ich, dass sie aus verschiedenen Perspektiven erzählt wird. Die jeweilige Erzählperson schildert mal nur kurz, mal aber auch in ganzen Kapiteln. Mia, um die es doch eigentlich gehen soll, tritt damit ziemlich in den Hintergrund. Der Sprachstil war für meine Begriffe oft etwas derb. Versöhnt haben mich die Betrachtungen über die marokkanische Gesellschaft, die mir viel neues Wissen vermittelt haben. Dennoch bleiben mir die zahlreichen Vier- und Fünf-Sterne Bewertungen dieses Buches unverständlich.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.02.2026

Kurzer, aber inhaltsreicher Roman

Ich möchte zurückgehen in der Zeit
0

Die Romane, die ich bislang von der Autorin gelesen habe – „Wir hätten uns alles gesagt“ und „Daheim“ -, sind kurz und knapp gehalten. Ihr neues Buch fällt mit 156 Seiten sogar noch knapper aus, ist aber ...

Die Romane, die ich bislang von der Autorin gelesen habe – „Wir hätten uns alles gesagt“ und „Daheim“ -, sind kurz und knapp gehalten. Ihr neues Buch fällt mit 156 Seiten sogar noch knapper aus, ist aber sehr inhaltsreich. Die Autorin geht ihrer Familiengeschichte nach und folgt den Spuren ihres Großvaters, über den die Familie sich wegen seiner unrühmlichen Vergangenheit lange ausgeschwiegen hat. Er war im Zweiten Weltkrieg für die SS im polnischen Radom stationiert, wo er an der Errichtung und Auflösung eines Ghettos beteiligt war. Das eigentlich Gelungene an der Geschichte ist, dass die Autorin über die Vergangenheit ihres Großvaters nur spekulieren kann, weil sie weder am Tatort in Radom Ermittlungsansätze findet noch ihre Mutter wesentlich zur Erhellung beiträgt. Diese meint, zum Vergessen berechtigt zu sein. Das Ringen der Autorin nach Antworten ist sehr bildhaft dargestellt. Für mich hätte sie es bei der Darstellung ihrer Reise nach Polen belassen können, ohne dass sie noch zwei weitere Abschnitte anschließt. In ihnen geht es um ihren Besuch bei ihrer Schwester in Neapel, der sie nach ihrem bedrückenden Besuch Polens wieder belebt, und um ein merkwürdiges Vorkommnis im Leben ihrer betagten Schwiegereltern. Literarisch ist das Buch ein Kleinod, weil immer wieder Titel anderer Autoren genannt und aus ihren Büchern zitiert wird.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 31.01.2026

Geschichten von Essenslieferanten

Liefern
0

Das bequeme Bestellen von Essen mit der anschließenden schnellen Anlieferung durch Boten verbreitet sich immer mehr in unserer Gesellschaft. Doch haben wir uns schon einmal Gedanken über das Leben dieser ...

Das bequeme Bestellen von Essen mit der anschließenden schnellen Anlieferung durch Boten verbreitet sich immer mehr in unserer Gesellschaft. Doch haben wir uns schon einmal Gedanken über das Leben dieser Boten gemacht, die wir meistens kaum wahrnehmen? Dieses Buch bietet nun dafür hinreichend Anlass. Der Autor hat mehrere Geschichten über Essenslieferanten verfasst, die überall auf der Welt unterwegs sind – in Tel Aviv, Delhi, Berlin, Istanbul, Buenos Aires. Wir machen quasi eine Weltreise, die sehr rasant und atemberaubend verläuft (für meine Begriffe schon fast zu schnell). Die Schicksale dieser Essensboten sind, wenn wir die Wohlstandsmaßstäbe unserer deutschen Gesellschaft ansetzen, unfassbar. Da ist etwa der eritreische Flüchtling, der von seinem letzten Aufenthaltsort Tel Aviv unbedingt zur Zusammenführung mit seiner Familie nach Berlin will und sich mit Essensauslieferungen durchschlägt, oder der Türke in Istanbul, der trotz Universitätsabschlusses in Literatur im korrupten türkischen System keine Anstellung findet und deshalb vom Ausliefern lebt, oder die allein erziehende Inderin, die auf dem Motorrad Essensbestellungen im gefährlichen Straßenverkehr Delhis ausfährt. Allen gemeinsam ist, dass sie Ausbeutung, Gefahren, Rassismus und Diskriminierungen ausgesetzt sind, das aber aushalten, um „was zu werden“. Positiv ist, dass die einzelnen Kapitel, die den Fokus grundsätzlich auf jeweils einen Lieferanten legen, nicht lose aneinandergereiht sind, sondern in ihnen als Bindeglied die Protagonisten früherer Kapitel erneut auftauchen. Ein Tüpfelchen auf dem i ist noch, dass ein Kapitel von dem kurzen Zusammentreffen des Erzählers selbst mit einem Boten erzählt. Der Autor soll mehrere Jahre für das Buch recherchiert haben, was in den guten lokalen Kenntnissen gut erkennbar wird. Bei dieser Gelegenheit lernen wir Vieles über lokale Besonderheiten der einzelnen Länder, z.B. das indische Lichterfest Diwali, dass sich Istanbul mit Touristenschönheitsoperationen einen großen Bekanntheitsgrad verschafft hat, die Rosenindustrie Kenias.
Ein Buch mit einer gehörigen Portion Gesellschaftskritik, geeignet für Globetrotter und an globaler Politik Interessierten.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere