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Veröffentlicht am 10.03.2026

Familiengeschichte mit deutsch-polnischem Hintergrund

Wir Töchter
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Das Buch hat von Anfang an in seinen Bann gezogen. Es geht um die Lebensgeschichten von drei polnischen Frauen – Großmutter Marianna, Mutter Rosa und Tochter Waleria, die jeweils von ihrer Zeit und ihren ...

Das Buch hat von Anfang an in seinen Bann gezogen. Es geht um die Lebensgeschichten von drei polnischen Frauen – Großmutter Marianna, Mutter Rosa und Tochter Waleria, die jeweils von ihrer Zeit und ihren Lebensumständen geprägt werden. Die Großmutter verbringt ihr gesamtes Leben als Bäuerin in einem Dorf in Polen, von wo Rosa unbedingt fort will. Zum Sprungbrett wird für sie ein Mann, dem sie zunächst nach Danzig und später nach Deutschland folgt, wo sie nicht willkommen ist. Waleria wiederum ist zerrissen, was ihre Identität und Herkunft anbelangt. Die Geschichte hat viele bereichernde Einblicke in den polnischen Alltag gegeben. Was mich allerdings sehr beim Lesen gestört hat, sind die vielen polnischen Vokabeln und Ausdrücke, die nur zu einem kleinen Teil im Glossar übersetzt bzw. erläutert sind. Sie machen die Geschichte zwar authentischer, beeinträchtigen den Lesefluss aber sehr. Abschreckend wirkt auf mich schließlich auch das Buchcover, das auf einen historischen Roman hindeutet.

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Veröffentlicht am 02.03.2026

Entgegen der Erwartungshaltung kein anspruchsvoller Roman

Einatmen. Ausatmen.
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Von Maxim Leo hatte ich früher schon „Wo wir zu Hause sind“ und „Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße“ gelesen, die mir beide gut gefallen haben, weil sie meinem Leseanspruch an gehobene Literatur genügten. ...

Von Maxim Leo hatte ich früher schon „Wo wir zu Hause sind“ und „Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße“ gelesen, die mir beide gut gefallen haben, weil sie meinem Leseanspruch an gehobene Literatur genügten. Mit derselben Erwartungshaltung, geschürt auch durch die Inhaltsangabe, bin ich an diesen neuen Roman gegangen und wurde leider etwas enttäuscht. Er lässt sich eher seichter Unterhaltungsliteratur zuordnen, ist aber als unterhaltende Lektüre gut zu lesen. Dabei deuten Klappen- und Buchrückentext auf mehr hin. Eine fachlich sehr kompetente, zwischenmenschlich aber als empathielose Sklaventreiberin verschrieene Managerin steht kurz vor ihrer Berufung zur Vorstandsvorsitzenden. Ihr wird auferlegt, an einem Achtsamkeitsseminar teilzunehmen, das der kurz vor dem Bankrott stehende beste Coach Deutschlands leitet. Statt das Verhältnis der beiden zueinander und das Wesen von Achtsamkeitsschulungen psychologisch vertieft darzustellen, werden Nebenfiguren eingeführt, denen so recht keine weiterführende Rolle zukommt. Nicht gefallen hat mir zudem, wie rasch die Protagonistin eine persönliche Veränderung erfährt. Die eine oder andere Passage lädt zum Nachdenken darüber ein, wie man sich selbst kennenlernen kann.
Empfohlen für alle, die kurzweilige Bücher mögen.

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Veröffentlicht am 18.02.2026

Familiäre Zugehörigkeit zu den Siebenbürger Sachsen

Halber Stein
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Der vorliegende Roman ist die Taschenbuchausgabe des bereits im Jahr 2012 erschienenen Hardcovers und ist der Debütroman der Autorin.
Er erzählt von einer jungen Frau, die vor 20 Jahren als kleines Mädchen ...

Der vorliegende Roman ist die Taschenbuchausgabe des bereits im Jahr 2012 erschienenen Hardcovers und ist der Debütroman der Autorin.
Er erzählt von einer jungen Frau, die vor 20 Jahren als kleines Mädchen mit ihren Eltern – Siebenbürger Sachsen – von Hermannstadt in Rumänien nach Deutschland auswanderte. Jetzt (im Jahr 2006) kehrt sie das erste Mal anlässlich der Beisetzung ihrer Großmutter zurück.
Sehr gut gefallen haben mir die geschichtlichen Details über die Minderheit der Siebenbürger Sachsen, die mir bislang nur grob bekannt gewesen sind. Mit der Ausarbeitung der Geschichte konnte ich mich allerdings weniger anfreunden. Das fängt bei den Personen an, die zu klischeehaft eingeführt werden, z.B. die sich entspinnende Liebesgeschichte der Erzählerin mit ihrem Freund aus Kindestagen, Nachbarn und Pastor, die sie aufnehmen, als sei sie nur kurz abwesend gewesen, oder die ehemalige Studienkollegin ihres Vaters, die ihm Avancen macht. Auch das Familiengeheimnis – eine Beziehung ihrer Großmutter mit einem Rumänen in der Nachkriegszeit – ist nicht gerade ungewöhnlich. Der Erzählstil ist mir fast etwas zu poetisch und kunstvoll. Beschreibungen von Natur und Gegenständen sind detailreich.
Interessant für Leser von Familiengeschichten.

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Veröffentlicht am 15.02.2026

Der einstigen Liebe nachspüren

Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen
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Dieses Buch hat es wirklich in sich, was vielleicht daran liegt, dass Autorin eine renommierte niederländische Soziologin ist. Es ist autobiografisch und die Autorin schreibt schonungslos über ihre langjährige ...

Dieses Buch hat es wirklich in sich, was vielleicht daran liegt, dass Autorin eine renommierte niederländische Soziologin ist. Es ist autobiografisch und die Autorin schreibt schonungslos über ihre langjährige Ehe mit ihrem kürzlich verstorbenen, von ihr stets nur „A“ betitelten Ehemann, der gleichfalls ein bekannter Intellektueller war. Nach seinem Tod erkennt sie, dass das gemeinsame Haus den Werdegang ihrer Beziehung wiederspiegelt. Es ist völlig heruntergekommen. So wie ihre Ehe, in der sich beide zusehends voneinander distanzierten und entfremdeten. Der Aufräumprozess im Haus soll ihr Klarheit verschaffen, wann die einstige Liebe verloren ging. Vor allem befasst sie sich mit der Auseinandersetzung darüber, wieso sie sich als studierte und selbstbewusste Frau ihrem schwierigen Mann untergeordnet hat und wieso ihr Mann so hat werden können, wie er war. Der eigentliche Text ist eine Aneinanderreihung von Erinnerungen und Gedanken. Die Erklärungen, die die Autorin für das Verhalten ihres Mannes gibt (z.B. der Verlust seiner Schwester im Kindesalter), kann ich nicht richtig nachvollziehen. Etwas störend fand ich die häufigen Inbezugnahmen auf Bücher, da ich diesen Quellen kaum nachgehen werde.

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Veröffentlicht am 15.02.2026

Zwischen zwei Kulturen

Trag das Feuer weiter
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Als ich dieses Buch für meine Lektüre ausgewählt habe, war mir gar nicht bewusst, dass es sich um den letzten Band einer Familien-Trilogie handelt. Ich hatte früher sogar schon einmal den ersten Band „Das ...

Als ich dieses Buch für meine Lektüre ausgewählt habe, war mir gar nicht bewusst, dass es sich um den letzten Band einer Familien-Trilogie handelt. Ich hatte früher sogar schon einmal den ersten Band „Das Land der Anderen“ gelesen, woran ich mich erst erinnerte, als mir der Plot in Marokko bekannt vorkam. Es lässt sich durchaus isoliert ohne Vorkenntnisse lesen. Hier nun steht die Enkelin Mia im Mittelpunkt, während es im ersten Band ihre französische Großmutter ist, die bald nach dem Zweiten Weltkrieg einen Marokkaner heiratet und ihm auf eine Farm nach Marokko folgt. Ihre gemischte französisch-marokkanische Vergangenheit wird für Mia zu einem Identitäts- und Zugehörigkeitsproblem. Einer privilegierten Schicht angehörend, fühlt sie sich weder der marokkanischen Gesellschaft verbunden, in der Frauen nichts gelten und der Staatsapparat unberechenbar ist, noch der französischen Gesellschaft, die sie wegen ihrer arabischen Herkunft nicht anerkennt, nachdem sie dort seit ihrem jungen Erwachsenenalter lebt.
Mich hat die Geschichte nicht richtig in den Bann ziehen können. Als störend, weil den Lesefluss beeinträchtigend, empfand ich, dass sie aus verschiedenen Perspektiven erzählt wird. Die jeweilige Erzählperson schildert mal nur kurz, mal aber auch in ganzen Kapiteln. Mia, um die es doch eigentlich gehen soll, tritt damit ziemlich in den Hintergrund. Der Sprachstil war für meine Begriffe oft etwas derb. Versöhnt haben mich die Betrachtungen über die marokkanische Gesellschaft, die mir viel neues Wissen vermittelt haben. Dennoch bleiben mir die zahlreichen Vier- und Fünf-Sterne Bewertungen dieses Buches unverständlich.

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