Eine schonungslose Erzählung zur unterschätzten Droge Alkohol
Gin BoomDas Cover deutet schon an, in welche Richtung es geht: Alkoholexzesse. Verena Titze hat einen Roman geschaffen, der viel mehr Aufmerksamkeit erhalten sollte. Es geht um Alkohol, der Droge, die meines Erachtens ...
Das Cover deutet schon an, in welche Richtung es geht: Alkoholexzesse. Verena Titze hat einen Roman geschaffen, der viel mehr Aufmerksamkeit erhalten sollte. Es geht um Alkohol, der Droge, die meines Erachtens nach immer noch absolut unterschätzt wird. Im Gegenteil: Wenn man ein Glas ablehnt, erhält man zumeist doofe Sprüche.
Aber kommen wir zum Buch: "Gin Boom" erzählt Helenas Geschichte. Helena ist in der PR-Abteilung eines Fernsehsenders tätig. Sie beherrscht ihren Job, allerdings macht sie ihn scheinbar zum ersten Mal nüchtern. Sie ist nach einem Alkoholentzug zurück am Arbeitsplatz und fühlt sich schon bald überfordert: Leistungsdruck im Job, Aftershowpartys, die ohne Alkohol und Drogen scheinbar nicht funktionieren, die Sucht, die immer wieder präsent ist. Es gibt diverse, wirklich gute Perspektivwechsel in dem Roman - die Darstellung der Eltern, die gerne vertuschen, was mit ihrer Tochter passiert, Arbeitskollegen und ihre Wahrnehmung Helenas, auch die besorgte Sicht ihrer Freundin Moni, die ihr eigentlich Halt geben möchte, aber damit total überfordert ist. Und immer wieder dazwischen: Der Alkohol. Der Spritzer nach Feierabend, der Wein zum Entspannen, der Gin Tonic nach dem Sex. Ohne geht es in dieser Gesellschaft nicht - zumindest ist es kaum denkbar. Chapeau für diese gewagte und herrlich brutale Erzählung, die man dank des großartigen Schreibstils einfach weglesen kann! Eine absolute Leseempfehlung nicht nur für Menschen, die Alkoholiker in ihrem Umfeld haben oder selbst mehr mit Alkohol zu tun haben, als ihnen gut tut, sondern auch für diejenigen, die der Meinung sind, Alkohol wäre keine Droge und bestimmt nicht das Problem.