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Veröffentlicht am 15.04.2024

Mr. Bogart

Der Wind kennt meinen Namen
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Samuel Adler ist erst fünf Jahre als er von seiner Mutter von Wien nach England geschickt wird. Im Jahr 1938 werden auch in Österreich die Mitbürger jüdischen Glaubens verfolgt und die Reise nach England ...

Samuel Adler ist erst fünf Jahre als er von seiner Mutter von Wien nach England geschickt wird. Im Jahr 1938 werden auch in Österreich die Mitbürger jüdischen Glaubens verfolgt und die Reise nach England scheint die einzige Möglichkeit zu sein, Samuel zu retten. Viele Jahre später flieht Marisol mit ihrer siebenjährigen Tochter Anita von Südamerika in die USA. An der Grenze werden sie aufgegriffen und getrennt. Anita wird in ein Waisenhaus gebracht und verzweifelt wartet sie auf ihre Mutter. Ein wenig Glück im Unglück hat Anita, denn ihr wird die engagierte Sozialarbeiterin Selena an die Seite gestellt, die versucht Marisol zu finden.

Zwei Schicksale so unterschiedlich, so weit entfernt in der historischen Abfolge und doch mit einer gewissen Ähnlichkeit. Samuel und Anita müssen in ganz jungen Jahren damit leben, dass sie ihre Eltern zumindest vorläufig verloren haben. Samuel hat zunächst wenig Hilfe in England. Seine Zieheltern kommen nicht mit ihm klar, im Waisenhaus geht es rau zu. Erst später findet er ein Ehepaar, die ihn an Kindesstatt annimmt und wo er sich wohlfühlen. Anita ist durch einen Unfall erblindet und so fällt es ihr in der Fremde schwer sich einzugewöhnen. Sie vermisst ihre Mutter und der Gedanke, dass Marisol nicht auffindbar ist macht es ihr noch schwerer.

Die Schriftstellerin steht für ihre berührenden Romane, mit denen Schicksale und Ereignisse mit eindringlichen Worten beleuchtet werden. Man nimmt Teil an den schmerzhaften Erlebnissen von Samuel, der als Kind eine Art Glück hat, gerettet zu werden, der aber doch lange allein bleibt. Ebenso nimmt man Teil am Entsetzen, dass Anita empfindet als sie von ihrer Mutter getrennt wird. Ihre Mutter, die das Beste für ihr Kind wollte. Es berührt einen wie die Kinder irgendwie vieles überleben und verarbeiten, aber eben nicht alles. Das weiß insbesondere Samuel zu berichten. Zwar gibt es auch Abschnitte, die etwas distanziert wirken. Jedoch bleibt man immer gefesselt und berührt. Man wünscht sich, dass die die Übles wollen nicht mehr zum Zuge kommen und es ist doch klar, dass das nicht so kommen wird.

Das Cover des Buches ist farbenfroh gestaltet, wirkt aber doch ruhig und ein wenig melancholisch. Dennoch scheint es eine Hoffnung anzudeuten.

Veröffentlicht am 14.04.2024

Fröhliche Heimkehr?

Not Worth Saving
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Brooke hat ein paar Jahre bei ihrer Mutter in Auckland gelebt. Nun kehrt sie in ihr Elternhaus zurück, denn ihr Vater hatte einen Unfall und sie möchte ihrem Bruder mit dem Repair-Café helfen. Sie ist ...

Brooke hat ein paar Jahre bei ihrer Mutter in Auckland gelebt. Nun kehrt sie in ihr Elternhaus zurück, denn ihr Vater hatte einen Unfall und sie möchte ihrem Bruder mit dem Repair-Café helfen. Sie ist nicht darauf gefasst, auch Greys Kumpel Noah anzutreffen. Allerdings gehen die alten Streitereien mit Grey bald schon wieder los. Der Hofhund Columbo scheint der einzige zu sein, der sich aufrichtig freut. Aber mit Noah kann Brooke bestimmt warm werden. Es soll ja nichts Festes sein. So ein Sommerflirt wäre gerade das Richtige. Auch die Arbeiten, die Grey verteilt, wären dann nur noch halb so schlimm.

Bei diesem Roman handelt es sich um den ersten Band einer zweiteiligen Reihe. Brooke und Noah lernen sich kennen und finden sich sympathisch. Die Chemie stimmt. Zugeben wollen sie das beide nicht so richtig. Und sowohl Brooke als auch Noah müssen mit Ereignissen aus ihrer Vergangenheit leben, die sie lieber für sich behalten. Warum hat Brooke ihr Elternhaus verlassen?
Wieso ist Noah die Freundschaft zu Grey so wichtig? Stehen die Chancen überhaupt gut, dass Brooke sich auf dem Land wieder wohlfühlen wird? Man kann es mal auf sich zukommen lassen. Zumindest der Krankenbesuch bei ihrem Vater läuft besser als erwartet.

In Neu Seeland ist Weihnachten im Sommer. Und zur Weihnachtszeit spielt dieser romantische Roman. Weihnachten und Strandspaziergänge - das hat etwas Besonderes. Wenn man als älterer Mensch mit der Lektüre des Romans beginnt, erhofft man sich eine Romantische Komödie, in der sich die Protagonisten annähern und es kommt zum Unvermeidlichen. Ganz so läuft es zwischen Noah und Brooke allerdings nicht. Manchmal sind sie einfach sehr direkt, um im nächsten Moment mit irgendetwas hinter dem Berg zu halten, was auch in Verlauf teilweise nicht deutlich angesprochen wird. Was allerdings angesprochen wird, ist recht heftig und man fragt sich, wieso Brooke damit allein gelassen wurde. Und wegen des Ungleichgewichts zwischen Ausgesprochenem und Unausgesprochenem, könnte es schwierig werden, sich in die Protagonisten hineinzuführen. Da es sich hier um einen ersten Band handelt, werden einige Fäden zwangsläufig noch nicht entknotet. Man kann also auf den zweiten Band hoffen. So richtig überzeugt haben Brooke und Noah noch nicht. Dennoch gibt es Verbale Schlagabtausche, die beim Lesen Spaß machen.

Das abstrakte Cover ist farblich schön gestaltet und gibt mit seiner bläulichen Tönung vielleicht einen Hinweis auf die Stimmung.

Veröffentlicht am 13.04.2024

Im Gespür

Kriegsenkel
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Wird das Leben davon beeinflusst, was die vorherigen Generationen erlebt haben? Man könnte meinen oder auch hoffen, neues Spiel, neues Glück und jede Generation kann von Neuem beginnen. Doch so ist es ...

Wird das Leben davon beeinflusst, was die vorherigen Generationen erlebt haben? Man könnte meinen oder auch hoffen, neues Spiel, neues Glück und jede Generation kann von Neuem beginnen. Doch so ist es nicht. Jede Kindergeneration ist belastet oder auch bestärkt von den Erlebnissen ihrer Eltern und Großeltern. Was die Autorin hier von den Kriegsenkeln berichtet, die sie interviewt hat. Könnte man vielleicht auch von den Enkeln anderer Menschen berichten, die starke Traumata erlebt haben. Doch wohl kaum so massiv sind diese im Vergleich mit den Traumata, die im zweiten Weltkrieg zunächst in der Kindergeneration und dann auch in der Enkelgeneration ausgelöst haben. Die Eltern und Großeltern waren meistens stumm. Insbesondere die Großeltern hätten sich auch mit ihren Taten auseinandersetzen müssen. Fraglich, ob das jemals mehr als vereinzelt geschehen ist. Die, die jung genug waren, um nicht Täter zu sein, wurden möglicherweise durch Flucht, Verlust und Leid zu Opfern. Zu einer Zeit, in der es noch keinen groß gekümmert hat. Und die Enkel wissen manchmal nicht wie ihnen geschieht. Auch sie sind von der Sprachlosigkeit betroffen. Sie kämpfen um ihre Identität und sie schaffen es mehr oder weniger gut. Die Autorin nähert sich den Kriegsenkeln durch einfühlsam geführte Interviews. Sowohl mit Männern als auch mit Frauen hat sie gesprochen. Dies wird durch die unterschiedlichen Sprecher ausgedrückt, wobei Devid Striesow die männlichen Kriegsenkel repräsentiert und Claudia Mechelsen die weiblichen. Das Hörbuch ist ein sehr gelungener Einstieg und ein schwieriges Thema, dass nicht in Vergessenheit geraten sollte.

Veröffentlicht am 13.04.2024

Eine tragische Geschichte

Provokateure
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Aus Afghanistan erhält Bruno, Chef de Police in St. Denis, die Nachricht, dass ein junger Mann aus dem Ort fernab der Heimat aufgetaucht ist. Der junge Sami, kam als Kind nach einem traumatischen Ereignis ...

Aus Afghanistan erhält Bruno, Chef de Police in St. Denis, die Nachricht, dass ein junger Mann aus dem Ort fernab der Heimat aufgetaucht ist. Der junge Sami, kam als Kind nach einem traumatischen Ereignis von Algerien nach Frankreich. Er wurde von Verwandten aufgenommen und wegen seines Autismus in einer Schule unterrichtet worden, die einer Moschee angegliedert ist. Von dort verschwand er vor einigen Jahren. Tja, und nun ist er wieder da. Und die Dschihadisten sind hinter ihm her. Bruno versucht den jungen Sami zu schützen und gleichzeitig wollen etliche staatliche Stellen wissen, was er ihnen von seinem Aufenthalt in Afghanistan berichten kann.

Zum siebten Mal ermittelt Bruno, Chef de Police. Und der Fall ist heikel. Schließlich hört man nicht gerne, dass ein junger Mann, der möglicherweise wegen seiner Einschränkung nicht gut zwischen richtig und falsch unterscheiden kann, plötzlich unter Terroristen auftaucht, aber wieder nach Frankreich geschickt werden kann. Damit geraten so ziemlich alle, die mit ihm zu tun haben, in Gefahr. Zur gleichen Zeit erfährt Bruno von einem Erbe, das der Stadt St. Denis zufallen soll. Der Erblasser schreibt, er sei als Kind zusammen mit seiner Schwester im zweiten Weltkrieg in die Gegend gebracht und versteckt worden. Doch davon hat Bruno noch nicht gehört.

Dieser siebte Fall von Bruno Courréges hat es wirklich in sich. Was soll man anfangen mit einem möglichen Terroristen, dem man aufgrund seines Autismus die Taten, die ihm vorgeworfen werden, garnicht zutraut. Und dann gilt es noch die gesamte Familie zu schützen, denn die ehemaligen falschen Freunde sind nicht begeistert von der Idee, Sami könnte in seiner Naivität zu viel erzählen. Und dann will er noch dafür sorgen, dass sich das Städtchen St. Denis würdig erweist das Erbe des unbekannten Gönners anzunehmen. Bruno hat mal wieder alle Hände voll zu tun. Natürlich geht es auch wieder um Bruno und die Frauen. Veränderungen bahnen sich an. Wichtiger aber sind die spannenden und politisch brisanten Ermittlungen, die der Autor sehr überzeugend dargestellt hat. Und schon im Jahr 2014 war ihm klar, dass die westliche Gemeinschaft in Afghanistan nicht Fuß fassen würde, Wie wahr, leider. Diese Reihe ist sehr empfehlenswert, da nicht nur der Charme einer Urlaubsgegend herausgestellt wird.

Veröffentlicht am 11.04.2024

Die Saga Stiftung

Meeresfriedhof
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Im Jahr 1940 reist die junge Ehefrau und Mutter Vera Falck auf einem Hurtigrutenschiff in den Norden Norwegens. Sie ist im dem Schiffseigner Thor Falck verheiratet. Allerdings nicht mehr lange, denn die ...

Im Jahr 1940 reist die junge Ehefrau und Mutter Vera Falck auf einem Hurtigrutenschiff in den Norden Norwegens. Sie ist im dem Schiffseigner Thor Falck verheiratet. Allerdings nicht mehr lange, denn die Ehe läuft nicht gut. Der gemeinsame gerade erst geborene Sohn hält die beiden noch zusammen. Plötzlich erschüttert eine Explosion das Schiff und es beginnt zu sinken. 75 Jahre später ist Vera soweit, dass sie ein Unrecht wieder gutmachen will. Kurz darauf stirbt sie und es sieht so aus, als habe sie sich selbst umgebracht. Ihr Testament ist in der Folge nicht auffindbar und ihre Enkelin Sasha möchte Veras letzte Wünsche erfüllen.

Mit diesem Roman startet eine bisher auf drei Bände angelegte Reihe um die Familie Falck. Der Selbstmord ihrer Großmutter, die in ihren jüngeren Jahren Schriftstellerin war, ist ein einschneidendes Ereignis für Sasha Bei aller Trauer beginnt sie, nach dem Testament ihrer Großmutter zu suchen. Sie meint, dem anderen Teil der Familie Falck müsse Gerechtigkeit widerfahren. Hans Falck war einfach der Sohn vom falschen Bruder, der es im Gegensatz zu Thore nie zu etwas gebracht haben. Auch ihrer Großmutter wurde übel mitgespielt. Ihr letztes Buch wurde nicht nur nicht veröffentlich, nein, es wurde auch noch vom Staatsschutz beschlagnahmt.

Die Mischung aus geschichtlichen Ereignissen aus der Zeit des zweiten Weltkriegs und den 1970er Jahren mit solchen aus der Gegenwart weckt sofort Interesse. Was hat es mit der Familie Falck auf sich? Was ist in der Vergangenheit geschehen, das sich immer noch auswirkt? Wie kommt die Familie damit zurecht, dass ihr Ahne mit den Deutschen kollaboriert hat? Die Konflikte in der Familie auch mit Bezug auf die Vergangenheit sind so geschildert, dass man neugierig ist und bleibt und hinter die Geheimnisse kommen will. Richtig spannend wird es allerdings erst, wenn man zu ahnen beginnt, dass in der Familiengeschichte ein richtig heftiges Geheimnis begraben ist. Und vielleicht nicht nur eins.

Beim Anblick des Covers fühlt man sich in die Vergangenheit zurückversetzt, in der die Fjordlandschaft genauso beeindruckend aussah, wie heutzutage.