Profilbild von walli007

walli007

Lesejury Star
offline

walli007 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit walli007 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.03.2022

Wie ein Gast

60 Kilo Sonnenschein
0

Nur Gestur und die Kühe haben den Lawinenabgang überlebt. Sein Vater ist entsetzt darüber, dass sein ganzer Besitz, seine Frau und seine Tochter nicht mehr sind. Trotzdem versucht er Gestur ein Vater zu ...

Nur Gestur und die Kühe haben den Lawinenabgang überlebt. Sein Vater ist entsetzt darüber, dass sein ganzer Besitz, seine Frau und seine Tochter nicht mehr sind. Trotzdem versucht er Gestur ein Vater zu sein. Nicht lange danach ist Gestur allein und dann froh, dass er beim Kaufepapa unterkommt. Aber auch das ist nur eine Station. Gestur wird schließlich auf einem Bauernhof geduldet und er erlebt wie sich das Leben auf Island nach ändert. Da sei nur der neue Pfarrer erwähnt, dem die Kirche davonfliegt. Oder die Schiffe, die mit dem Versprechen von Amerika, anlanden.

Wie ist es für ein Kind, dass seine Familie früh verliert und dann zwar irgendwie nicht richtig gewollt wird, aber doch Sympathien findet. Gestur blickt auf die Veränderungen in seinem Ort. Konstanten bilden eher die Tiere, die ihn begleiten. Mit wachen Augen blickt Gestur um sich, sieht, was im Ort vor sich geht. Die Moderne geht auch an Island nicht vorbei. Die Arbeit ändert sich und die Menschen ändern sich. Und doch bleiben die Strukturen gleich, manche sind begünstigt und gewollt, andere wieder nicht. Und Gestur streift herum, denkt sich sein Teil und macht seinen Weg.

Auch in diesem Roman genießt man den besonderen Humor, mit dem der Autor seine Sätze garniert. Gleichzeitig erfährt man etwas über das schwere Leben der Landbevölkerung, das nur aus Eis, Schafen, viel Arbeit und wenig Lohn zu bestehen schien. Wenn man kein Islandkenner ist, fehlt vielleicht eine genauere zeitliche Einordnung. Dafür sind die witzigen und skurrilen Beschreibungen der Charaktere sehr unterhaltsam. Gestur, dessen Name wohl Gast bedeutet, ist ein heller Kopf mit außerordentlichem Überlebenswillen. Dieser reicht nicht nur für ihn, sondern auch für seine Umgebung. Auch wenn man unsicher ist, wie lange diese Erzählung im Gedächtnis bleibt, wo handelt es sich bei Gestur doch um einen sehr einnehmenden und sympathischen Charakter.

Veröffentlicht am 15.03.2022

Die Zeugenvernehmung

Am roten Strand
0

Ein Kind wurde gerettet und ein mutmaßlicher Täter verhaftet. Doch dieser schweigt zu seinen Taten und dem Netzwerk. Das Computernetzwerk wurde von einem anderen betrieben und modernisiert, der jünger ...

Ein Kind wurde gerettet und ein mutmaßlicher Täter verhaftet. Doch dieser schweigt zu seinen Taten und dem Netzwerk. Das Computernetzwerk wurde von einem anderen betrieben und modernisiert, der jünger ist. Doch auch er schweigt, angeblich weiß er von nicht. Allerdings gibt es Aufzeichnungen, die den Verdacht gegen ihn bestätigen. Er wird vor den Augen seiner Familie verhaftet. Schon am Anfang des ersten intensiven Verhörs stirbt der Verdächtige. Die Polizisten sind entsetzt und ratlos. Was ist passiert? Vieles deutet auf eine Vergiftung hin. Eine Vergiftung in Polizeigewahrsam ist eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren.

Dieser zweite Fall von Ben Neven und Christian Sandner schließt direkt an den ersten an. Es gibt genügend Hinweise zum Geschehen, so dass es wohl nicht zwingend ist, den ersten Fall zu kennen. Es könnte aber durchaus hilfreich sein. Auch diese Ermittlung hat es in sich. Mit schwer traumatisierten Opfern müssen die Beamten behutsam umgehen, mit Tätern dafür umso energischer. Und auch ihr eigenes Inneres dürfen die Polizisten nicht außer Acht lassen. Auch da können ungeahnte Risiken lauern und so mancher muss ein Gefecht mit seinen inneren Dämonen ausführen.

Diesem Roman gibt die Art der Darstellung zwar eine gewisse Distanz, aber auch eine große Spannung. Das Thema ist allgegenwärtig in der Presse und alles andere als leicht zu ertragen. Es gibt einfach Dinge, von denen man lieber nicht wüßte, dass Menschen dazu fähig sind. Dennoch ist die Darstellung gelungen, da den Opfern mit viel Empathie und sehr behutsam begegnet wird. Die inneren Kämpfe einzelner Beamter kann man als wahrheitsgetreue Darstellung empfinden, denn wahrscheinlich stellen die bei der Polizei Tätigen einen Querschnitt der Gesellschaft dar. Ob einem dieser Ansatz gefällt, muss man halt entscheiden. Möglicherweise erscheint einem die Reihe des Autors um Kimma Joentaa etwas gelungener, aber dennoch hat man hier einen packenden Krimi mit einem folgerichtigen Finale.

Veröffentlicht am 11.03.2022

Frauen von heute

In all deinen Farben
0

Es sind alte Geschichten und Sagen, denen die Autorin ganz neue Kleider überstreift. Mal moderner, mal fast sagenhaft. Oft machen die jungen Frauen ihren Weg. Mitunter leben sie in gefährlichen Zeiten, ...

Es sind alte Geschichten und Sagen, denen die Autorin ganz neue Kleider überstreift. Mal moderner, mal fast sagenhaft. Oft machen die jungen Frauen ihren Weg. Mitunter leben sie in gefährlichen Zeiten, manchmal sind sie privilegiert, manchmal sehen sie sich selbst mit Makeln behaftet. Doch wie in der Jugend so häufig, machen sie eine Zeit der Veränderung durch. Eine Zeit, in der ihnen Gefahren begegnen können oder auch die Liebe.

Die meisten der hier vorliegenden Stories basieren auf bereits vorhandenen Geschichten, doch auch ein paar komplett selbst komponierte Kurzgeschichten kredenzt die Autorin den Leserinnen und Lesern. Es ist schon eine coole Mischung, mit etlichen ansprechenden Erzählungen mit Wurzeln aus der großen Teilen der Welt. Wenn allerdings manche Originale nicht so bekannt sind, kommt der Wiedererkennungseffekt ein wenig abhanden, der sonst dazu beitragen kann, die Abwandlung noch besser zu würdigen. Doch auch unabhängig davon, zeichnen die Kurzgeschichten häufig starke junge Frauen, die schnell Sympathie erwecken. Mitunter sind es Teenager mit der süßen ersten Liebe, mitunter kämpferische Amazonen, die doch auch eine empfindsame Seite haben oder auch gestandene Frauen, die sich doch nach einer verlorenen Liebe sehnen. In der Welt dieser Geschichten muss man sich erst etwas zurechtfinden, doch dann kann man den zuversichtlichen und positiven Tonfall richtig genießen.

Ein echter Hingucker ist das Zuversicht und Frechheit ausstrahlende farbenfrohe Cover. Es weckt den Gedanken, das will unbedingt in mein Regal.

Veröffentlicht am 10.03.2022

Mops with no Name

Miss Merkel: Mord auf dem Friedhof
0

Da ist sie wieder: Miss Merkel schiebt den Kinderwagen durch die Uckermark, ihr Mops ist natürlich mit dabei. Nur Achim ist mit einem Freund zu einem Wanderurlaub aufgebrochen. Wie schon bekannt, ist das ...

Da ist sie wieder: Miss Merkel schiebt den Kinderwagen durch die Uckermark, ihr Mops ist natürlich mit dabei. Nur Achim ist mit einem Freund zu einem Wanderurlaub aufgebrochen. Wie schon bekannt, ist das Rentnerdasein manchmal etwas trist. Angela ist deshalb sehr angetan als sie den Steinmetz und Bestatter Kurt Kunkel trifft. Mit ihm kann sie über Shakespeare reden und Kunkel, den sie bald insgeheim Aramis nennt, sieht auch noch gut aus. Doch dann findet ihr Mops auf dem Friedhof eine Leiche. Nur die Füße ragen aus der Erde. Nun sind Angelas Lebensgeister vollends geweckt. Es gibt wieder etwas zu ermitteln.

Obwohl der Autor eigentlich keine Reihen schreibt, ist Miss Merkel wieder da. Und sie hat nichts von ihrem Charme verloren. Glücklicherweise sind auch einige Figuren wieder mit von der Partie, die man im ersten Teil schon lieb gewonnen hatte. Die junge Erbin Marie, deren kleiner Sohn Adrian von Angela durch die Gegend geschoben wird. Angelas Personenschützer Mike, der diesmal richtig gefordert wird. Neu ist dagegen die Kuh Luise. Gerne büxt sie mal aus und landet dabei unversehens auf dem Friedhof. Nur Achim macht sich am Anfang etwas rar, mit ihm führt Angela aber jeden Tag um die gleiche Zeit ein Video-Telefonat.

Wenn man in diesen Zeiten ein Buch sucht, das Freude macht, könnte man hier genau richtig liegen. Miss Merkel und ihre Mitstreiter gehen mit Energie ans Werk und lassen sich bei ihren Nachforschungen in der Bestatterszene nicht so leicht abwimmeln. Wobei bei diesem Gespinst aus feinsinnigen Anspielungen, lustigen Momenten und Gefühlsverwirrungen der Fall vielleicht nicht ganz so wichtig ist. Miss Merkel macht gute Laune und Nana Spier als Sprecherin dieses Hörbuchs verstärkt dies noch. Man denke nur an ein Gespräch zwischen Angela und ihrem Mops, das die Vorleserin bestens interpretiert. Miss Merkel - immer wieder gerne.

Veröffentlicht am 09.03.2022

Die Story

Das Jahr der Gier
0

Ein entfernter Bekannter von Melia Adan, der in London lebt, wird bei einem Aufenthalt in Düsseldorf überfallen und verletzt. Ihr Onkel bittet Melia, die eine Abteilung bei der Polizei leitet, sich der ...

Ein entfernter Bekannter von Melia Adan, der in London lebt, wird bei einem Aufenthalt in Düsseldorf überfallen und verletzt. Ihr Onkel bittet Melia, die eine Abteilung bei der Polizei leitet, sich der Sache anzunehmen. Obwohl es nicht zu erwarten war, findet Melia ein paar Ungereimtheiten. So sicher, dass es ein rassistischer Übergriff war, ist sie nicht. Sie bittet Vincent Veih sich auch noch mal um den Vorgang zu kümmern. Beinahe zur gleichen Zeit wird eine weibliche Leiche gefunden. Es handelte sich wie sich herausstellt um eine aufstrebende junge Frau.

Bei ihrem dritten Fall bekommen es Kriminalrätin Melia Adan und Kommissar Vincent Veih mit brisanten Fällen zu tun. So ist zunächst nicht klar, wieso sich Melias Bekannter aus Jugendtagen überhaupt in Düsseldorf aufgehalten hat. Auch der Tod der jungen Frau gibt Rätsel auf. Erst als sich eine vage Verbindung zwischen beiden Geschehen auftut, kommt Bewegung in die Ermittlung. Derweil bekommt der ehemalige Polizist Sebastian Pagel einen neuen Job, nachdem er überhaupt nicht gesucht hat. Er sieht es als Chance, sich seiner Fähigkeiten zu versichern, denn der Anlass für seinen Austritt aus dem Polizeidienst war ein Ereignis, das ihn immer noch sehr belastet. Diesmal soll alles besser laufen.

Möglicherweise haben es Bücher, die so relativ aktuelle Themen aufgreifen, momentan etwas schwerer als sonst. Irgendwie wird zur Zeit alles von der Tagespolitik rechts überholt. Dennoch kann man sich auf den Autor verlassen, der es wieder schafft, ein interessantes Thema hier aus der Wirtschaftskriminalität so aufzubereiten, dass man das Buch fast in einem Rutsch durchliest. Wie war das nochmal mit den verschwundenen Millionen? Wer hat da die Hand über wen gehalten? Hat die Polizei überhaupt eine Chance, das Geflecht zu entwirren? Die einzelnen Handlungsstränge greifen so ineinander, dass man immer gefesselt bleibt und wissen will, was es noch für Verwicklungen gibt. Man merkt, dass der Autor genau recherchiert hat, um ein authentisches, wenn auch fiktionales Bild, von einem der größten Fälle von Wirtschaftskriminalität der letzten Jahre zu geben. Leseempfehlung.