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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.09.2018

Fünf Teile ergeben ein stimmiges Ganzes

Land im Sturm
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Buchmeinung zu Ulf Schiewe – Land im Sturm

„Land im Sturm“ ist ein Historicher Roman von Ulf Schiewe, der 2018 bei Lübbe erschienen ist.

Zum Autor:
Ulf Schiewe wurde 1947 geboren. Er begann seine Berufskarriere ...

Buchmeinung zu Ulf Schiewe – Land im Sturm

„Land im Sturm“ ist ein Historicher Roman von Ulf Schiewe, der 2018 bei Lübbe erschienen ist.

Zum Autor:
Ulf Schiewe wurde 1947 geboren. Er begann seine Berufskarriere als Software-Entwickler und war später in mehreren europäischen Ländern als Marketingmanager internationaler Softwarehersteller tätig. Ulf Schiewe war schon immer eine Leseratte, den spannende Geschichten in exotischer Umgebung faszinierten. Im Laufe der Jahre wuchs der Wunsch, selbst historische Romane zu schreiben. So entstand »Der Bastard von Tolosa«, sein erster Roman, dem inzwischen eine ganze Reihe weiterer, gut recherchierter und vor allem spannender Abenteuerromane folgten. Ulf Schiewe ist verheiratet, hat drei erwachsene Kinder und lebt in München.

Klappentext:
Bayern, AD 995: Weil er zu Unrecht eines Verbrechens beschuldigt wird, flieht der junge Schmied Arnulf vor seinen Verfolgern über die Berge. Mitten im Wald trifft er auf Hedwig, die von feindlichen Ungarn verschleppt wurde, aber entkommen konnte. Gemeinsam wandern sie nach Augsburg, wo sie in die Ereignisse um die große Ungarnschlacht König Ottos verwickelt werden. Dabei verlieben sie sich - und legen den Grundstein einer Familie, deren Nachkommen durch manchen Sturm gehen müssen, bevor sie fast tausend Jahre später die Staatsgründung des Deutschen Reiches miterleben ...

Meine Meinung:
Dieses Buch beschreibt fünf Episoden der deutschen Geschichte aus der Sicht kleiner Leute.
Es beginnt mit der Abwehr der Ungarnraubzüge, dann der Kreuzzug gegen die Wenden, eine Episode aus dem 30-jährigen Krieg, eine Geschichte zum Zeitpunkt der Völkerschlacht zu Leipzig und dann die Revolution von 1848 im Berlin Preußens. In jedem Abschnitt wird die Geschichte aus der Sicht eines Beteiligten erzählt. Sie ist als Abenteuer- oder Liebesgeschichte angelegt und behandelt schwerpunktmäßig das Leben und Empfinden von Personen aus dem Mittelstand, wie man heute sagen würde. In die Erzählung sind historische Vorgänge und Entwicklungen eingebunden, vorrangig wird aber das Leben in der jeweiligen Zeit beschrieben. So wird an den jeweiligen Protagonisten die Entwicklung der Menschen deutlich. Der Autor legt Wert auf das Denken der Leute und berücksichtigt gesellschaftliche Entwicklungen. Vor allem aber sind die fünf Episoden spannende Abenteuer- oder Liebesgeschichten. Die Protagonisten sind allesamt Sympathieträger, auch oder gerade weil sie vielleicht die ein oder andere Schwäche haben. In Anbetracht der Kürze der einzelnen Abschnitte ist die Figurenzeichnung gelungen und auch die Besonderheiten der jeweiligen Zeit sind deutlich hervorgehoben worden. Sehr schön sieht man dies beispielsweise an der Entwicklung der Frauenrollen. Es gelingt dem Autor jedes Mal, die Atmosphäre der Zeit lebendig werden zu lassen und dazu eine spannende Handlung zu entwerfen. Man fieberte mit den Guten, auch wenn nicht alles glücklich endete – aber auch das ist Geschichte.

Fazit:
Die einzelnen Geschichten haben mir durch die Bank gefallen und auch die Atmosphäre wurde gut getroffen. Mich hat das Werk von Anfang bis Ende gefangen genommen und ich vergebe gerne fünf von fünf Sternen (90 von 100 Punkten). Dazu kommt eine uneingeschränkte Leseempfehlung für die Freunde historischer Romane.

Veröffentlicht am 14.01.2018

Oft überzogen, aber auch spannend und eindringlich

Der Todesmeister
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Buchmeinung zu Thomas Elbel – Der Todesmeister

„Der Todesmeister“ ist ein Thriller von Thomas Elbel, der 2017 im Blanvalet Taschenbuch Verlag erschienen ist. Dies ist der erste Fall für den Berliner Ermittler ...

Buchmeinung zu Thomas Elbel – Der Todesmeister

„Der Todesmeister“ ist ein Thriller von Thomas Elbel, der 2017 im Blanvalet Taschenbuch Verlag erschienen ist. Dies ist der erste Fall für den Berliner Ermittler Viktor Puppe.

Zum Autor:
Thomas Elbel, geboren 1968 in Marburg, studierte Rechtswissenschaften in Göttingen, Hannover und den USA. Er arbeitete u.a. für eine amerikanische Anwaltskanzlei, das Bundesministerium des Innern und das Land Berlin. Seit 2011 bekleidet er eine Professur für Öffentliches Recht an der Hochschule Osnabrück. In seiner Freizeit singt er klassischen Bariton und schreibt Romane. Der Todesmeister ist sein erster Thriller um den Berliner Ermittler Viktor von Puppe. Thomas Elbel lebt mit seiner Familie in Berlin.

Klappentext:
An der Oberbaumbrücke wird die Leiche eines jungen Mädchens angespült. Der Körper weist grausame Folter- und Missbrauchsspuren auf. Es handelt sich um die Nichte des Berliner Justizsenators, und sie scheint nicht das einzige Opfer zu sein: Im Internet tauchen Videos auf, in denen junge Frauen auf perverse Weise zu Tode gequält werden. Viktor von Puppe, frisch aus dem Innenministerium zum Berliner LKA gewechselt, und seine Kollegen stehen unter Druck, doch in höheren Kreisen scheint nicht jeder an einer Aufklärung interessiert zu sein …

Meine Meinung:
Dies ist mein erstes Buch von Thomas Elbel und es hat Stärken und Schwächen. Zu den Schwächen zählt die oft übertriebene Darstellung von Figuren. Da sollen Figuren cool sein im Umgangston, aber es wirkt sexistisch. Da trifft die Hauptfigur Viktor Puppe eine hübsche Pathologin und schon sind sie in der Kiste. Dies gilt auch für die beiden anderen Ermittler Kenji Tokugawa und Begüm Duran. Jeder hat seine Probleme und leidet daran. Durch die überzogene Darstellung wirken die Figuren irgendwie konstruiert und leblos. Kenji und Viktor sind hochgebildet, selbstbewußt, in bester körperlicher Verfassung und beide hüten ihr eigenes Geheimnis. Begüm ist alleinerziehende Mutter, die erhebliche Probleme mit dem Vater ihres Kindes hat. Alle drei wirken unnahbar und agieren lange Zeit wie geborene Einzelgänger. Auch ihr Chef agiert überzogen und hat ein Geheimnis (natürlich!). Dagurch gibt es viele Nebenhandlungen und der eigentliche Fall tritt in den Hintergrund. Aber Thomas Elbel kann erzählen. Die Tagebuchauszüge des toten jungen Mädchens und die Beschreibung der Vorgänge um die entführten Mädchen sind einfühlsam und atmosphärisch dicht. Durch häufige Perspektivwechsel wird Tempo erzeugt. Gerade die Szenen aus der Sicht des Täters erzeugen Gänsehaut. Trotz aller Defizite kommt gehörig Spannung auf und ich habe mit den Entführten gezittert und gelitten. Bei der Beschreibung der Folterungen zeigt der Autor ein gelungenes Mass an Darstellung, die die Vorstellunskraft des Lesers aktiviert und sich dennoch nicht in blutigen Details verliert. Es gibt einen ordentlichen Showdown und es endet nicht in eitel Sonnenschein. Das hat mir gut gefallen.

Fazit:
Dieses Buch leidet daran, dass der Autor oft zuviel will, sowohl bei den Figuren als auch bei der Handlung. Als er sich auf den Fall und seine Auflösung konzentriert wird es erheblich besser. Von mir gibt es trotz deutlicher Mängel deshalb drei von fünf Sternen (60 von 100 Punkten). Ich werde den Autor weiter verfolgen und hoffe, dass er seine Schwächen abstellen kann, denn erzählen – das kann Thomas Elbel.

Veröffentlicht am 20.11.2018

Überzogene Darstellungen mindern das Lesevergnügen

Vier Tage in Kabul
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Buchmeinung zu Anna Tell – Vier Tage in Kabul

„Vier Tage in Kabul“ ist ein Thriller von Anna Tell, der 2018 bei Rowohlt Taschenbuch in der Übersetzung von Ulla Ackermann erschienen ist. Der Titel der ...

Buchmeinung zu Anna Tell – Vier Tage in Kabul

„Vier Tage in Kabul“ ist ein Thriller von Anna Tell, der 2018 bei Rowohlt Taschenbuch in der Übersetzung von Ulla Ackermann erschienen ist. Der Titel der schwedischen Originalausgabe lautet „Fyra dagar i Kabul“ und ist 2017 erschienen. Die ungekürzte Hörbuchfassung ist im Audiobuch Verlag erschienen und wird durch Svenja Pages vorgetragen.

Zum Autor:
Anna Tell lebt in Stockholm und ist Politologin und Kriminalkommissarin. Sie verfügt über zwanzig Jahre Polizei- und Militärerfahrung und war sowohl in Schweden als auch im Ausland im Einsatz. «Vier Tage in Kabul» ist ihr Debütroman und Auftakt zu einer Reihe um die schwedische Unterhändlerin Amanda Lund.

Klappentext:
Die schwedische Polizeiausbilderin und Verhandlungsführerin Amanda Lund ist für ein Jahr in Afghanistan stationiert, sie soll die Sicherheitskräfte vor Ort schulen. Gerade erst hat die 35-Jährige einen Angriff der Taliban überlebt, da erhält sie einen neuen heiklen Auftrag: In Kabul wurden zwei Diplomaten der schwedischen Botschaft entführt, Amanda soll als Unterhändlerin fungieren. Der Druck ist immens, denn in Schweden erwartet man afghanischen Staatsbesuch …

Meine Meinung:
Dieses Buch ist sehr spannend und gut konstruiert, aber was die Heldin aushalten muss, ist derart übertrieben, dass es den guten Gesamteindruck schmälert. Bei einem Einsatz in Afghanistan erschießt sie wohl einen Angreifer, hat es mit Leuten zu tun, die sie betrügen und stellt dann auch noch fest, dass sie schwanger ist. Der Mann ist verheiratet und zieht sich aus der Verantwortung. Zugesagte Verstärkungen verzögern sich, ihr Vater ist dement und auch ihre Auftraggeber und Ansprechpartner vor Ort haben eigene Interessen. Allein ihr Einsatzpartner in Stockholm ist eine verlässliche Größe. Aber auch in Stockholm gibt es Leute, die nicht an der Wahrheit interessiert sind. Amanda Lund ist eine hochqualifizierte Polizistin, die sich der Wahrheit verpflichtet fühlt und sich auch durchsetzen kann.
Sie ist intelligent und gut vernetzt, so dass sie viele Informationen erhält und diese auch in einen Zusammenhang stellen kann. Es werden viele Punkte thematisiert und auch hier war mein Eindruck, weniger wäre mehr gewesen. Entführung, Rauschgift, sexuelle Ausrichtung, politische Rücksichten und Einmischung in die Ermittlungsarbeit, Vertuschungen und …
So entsteht ein Bild einer unwirklichen Protagonistin, die mehr einer Comicfigur als einer realen Ermittlerin gleicht. Amanda arbeitet in einem dunklen Loch und doch lässt sie sich nicht einschüchtern und ermittelt furchtlos weiter. Das Bild der schwedischen Gesellschaft ist dunkel und das Bild Afghanistan ist noch mehr als eine Spur dunkler. Die Handlung wechselt zwischen ruhigen Phasen und Kommandoeinsätzen ohne dabei an Spannung zu verlieren. Mühsam lüftet Amanda die Geheimnisse und am Ende gibt es noch eine große Überraschung.

Sprecher:
Svenja Page überzeugt. Sie gibt jeder Figur eine erkennbare Stimme und verzichtet auf übertriebene Darstellungen, so dass das Buch auch unterwegs gut verständlich ist. Ihre Stimme ist angenehm und ihre Aussprache lässt keine Wünsche offen.

Fazit:
Eigentlich ist es ein sehr guter Thriller, der sehr spannend und interessant ist. Allein die Übertreibungen hinsichtlich der Hauptfigur und dem Umfeld schmälern das Lesevergnügen deutlich. In beiden Fällen wäre weniger mehr gewesen. So reicht es zu dreieinhalb Sternen (70 von 100 Punkten).

Veröffentlicht am 07.11.2018

Erinnerung an eine starke Persönlichkeit

Hemingway und ich
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Buchmeinung zu Paula McLain – Hemingway und ich

„Hemingway und ich“ ist ein Roman von Paula McLain, der 2018 im Aufbau Verlag in der Übersetzung von Yasemin Dincer erschienen ist. Der Titel der amerikanischen ...

Buchmeinung zu Paula McLain – Hemingway und ich

„Hemingway und ich“ ist ein Roman von Paula McLain, der 2018 im Aufbau Verlag in der Übersetzung von Yasemin Dincer erschienen ist. Der Titel der amerikanischen Originalausgabe lautet „Love and Ruin“ und ist 2018 erschienen.

Zum Autor:
Paula McLain, geboren 1965, studierte an der University of Michigan Kreatives Schreiben und lebte in den Künstlerkolonie Yaddo und MacDowell. Paula McLain lebt mit ihrer Familie in Cleveland.

Klappentext:
Eine große Liebe vor der bedrohlichen Kulisse des Zweiten Weltkriegs: Meisterhaft inszeniert Paula McLain die außergewöhnliche Geschichte von Ernest Hemingway und seiner dritten Frau, der berühmten Kriegsreporterin Martha Gellhorn.
Als Martha sich haltlos in den zehn Jahre älteren Ernest verliebt, ist sie gerade achtundzwanzig Jahre alt. An seiner Seite legt sie den Grundstein für ihre Karriere als Autorin. Doch als Ernest immer größere Erfolge feiert, muss Martha sich entscheiden: Möchte sie die Frau eines weltberühmten Mannes sein oder ihren eigenen Weg gehen?

Meine Meinung:
Dieses Buch hat mich zwiegespalten zurück gelassen. Eindrucksvoll wird der Aufstieg der Hauptfigur geschildert, die ohne Frage eine starke Frau ist. Es ist eine Hommage an Martha Gellhorn und ich muss sehr aufpassen, nicht Fiktion und Wirklichkeit zu vermischen. Obwohl die Geschichte fast ausschließlich als Ich-Erzählung Marthas erfolgt, ist sie mir fremd geblieben. Man erfährt viel von Begebenheiten aus Friedens- und Kriegszeiten, aber trotzdem hatte ich das Gefühl, dass es fast immer an der Oberfläche blieb. Deutlich wurde, dass Martha einen starken Willen und den festen Vorsatz hat, als eigenständige Schriftstellerin anerkannt zu werden. Nicht deutlich wurde, was sie ausgerechnet an der Figur Hemingway so angezogen hat. Einerseits ist Martha eine Frau der nüchternen Analyse, aber im Umgang mit Hemingway ist sie seltsam inkonsequent. Dazu kommen die Stellen, die nicht in der Ich-Form erzählt werden. In ihnen kommt Hemingway sehr schlecht davon und so fand ich es nicht in Ordnung und wirkte wie billige Stimmungsmache. Positiv empfand ich, dass Martha auch Schwächen zugestanden worden. In vielen Bereichen sind sich Martha und Ernest sehr ähnlich. Sie sind beide Alphatiere, die ein Leben nach eigenen Maßstäben führen und denen die öffentliche Meinung relativ egal. Natürlich ist es aber bei Martha etwas Besonderes, weil sie es sich als Frau einfach herausnimmt. Bei beiden Figuren wird der Konflikt zwischen persönlichem Glück und beruflichem Erfolg herausgearbeitet. Bei beiden Figuren ist der Erfolgswille dominant und so können sie nicht über längere Abschnitte gemeinsam glücklich sein. Keiner von beiden kann oder will sich dem Partner unterordnen.

Fazit:
Eine Hommage an die Schriftstellerin Martha Gellhorn, aber auch ein unglücklicher Versuch, ihre Beziehung zu Ernest Hemingway zu beschreiben und zu analysieren. Gerade hier blieb vieles blass. Deshalb vergebe ich drei von fünf Sternen (60 von 100 Punkten).

Veröffentlicht am 27.10.2018

Ein Mensch an der Grenze des Wissens

Der Spielmann
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Buchmeinung zu Oliver Pötzsch – Der Spielmann

„Der Spielmann“ ist ein Roman von Oliver Pötzsch, der 2018 bei List Hardcover erschienen ist. Dies ist der erste Band der Serie um Johann Georg Faustus.

Zum ...

Buchmeinung zu Oliver Pötzsch – Der Spielmann

„Der Spielmann“ ist ein Roman von Oliver Pötzsch, der 2018 bei List Hardcover erschienen ist. Dies ist der erste Band der Serie um Johann Georg Faustus.

Zum Autor:
Seine blutige Familiengeschichte beschäftigt Oliver Pötzsch, Jahrgang 1970, bereits seit der Kindheit. Bei seinen Recherchen stieß er auf die Folterwerkzeuge seiner Ahnen und einen Meisterbrief, der seinem Vorfahren eine 'besondere Kunstfertigkeit beim Köpfen' bescheinigt. Er fand außerdem heraus, dass das Richtschwert der Familie in den 70ern des letzten Jahrhunderts aus einem Heimatmuseum gestohlen wurde und seitdem verschollen ist. Sein 2008 erschienener Roman „Die Henkerstochter“ wurde für den Friedrich-Glauser-Preis nominiert. Der Autor arbeitet für den Bayrischen Rundfunk und lebt in München.

Klappentext:
1486: Knittlingen ist ein ruhiger Ort im Kraichgau. Bis zu dem Tag, als die Gaukler in die Stadt kommen – und plötzlich Kinder verschwinden. Johann Georg, genannt „Faustus“, der Glückliche, kümmert das nicht. Ihn interessiert nur der Spielmann und Magier Tonio del Moravia: Von dem blassen Mann mit den stechend schwarzen Augen, der Johann eine große Zukunft als Gelehrter voraussagt, geht eine seltsame Faszination aus. Johann schließt sich ihm an, gemeinsam ziehen sie durch die deutschen Lande. Der junge Mann saugt alles auf, was Tonio ihm beibringt. Doch von Tonios Lehren geht eine ungeahnte Gefahr aus, und schon bald beschleicht Johann das Gefühl, dass sein Meister mit dunklen Mächten im Bunde steht. Mächte, die Johanns ganzes weiteres Leben bestimmen werden …

Meine Meinung:
Dieses Buch hat mich zwiegespalten zurück gelassen. Der Anfang und das Ende haben mir vorzüglich gefallen und mich regelrecht mitgerissen. Aber die Zeit als Gaukler und als Student in Heidelberg haben mich nicht gepackt. Sie waren mir zu ausführlich und ich hatte stellenweise das Gefühl, in eine Abart von „Und täglich grüßt das Murmeltier“ geraten zu sein. Die Besuche der Privatbibliothek in Venedig oder die wiederkehrenden Treffen mit Margarethe sorgten für wenig Spannung und brachten kaum etwas Neues. Kein Vergleich mit den wirklich gelungenen Erzählungen aus Knittlingen oder Nürnberg. Diese Passagen hatten Atmosphäre, Tempo und Spannung. Dort zeigte der Autor seine Extraklasse.
Die Figur des Johann Georg hat mir sehr gut gefallen. Anfänglich ein sympathischer Junge, der ob seines Verstandes und seiner Herkunft als Bastard sehr häufig gemoppt wurde, entwickelte er sich zu einem intelligenten, aber nur auf den eigenen Vorteil ausgerichteten Menschen, der so gut wie keine Freunde hatte und selbst diese betrog. Einzig Margarethe und sein Hund Satan bedeuteten ihm etwas. Faustus ist ein Mensch mit ungewöhnlichen Fähigkeiten, der unentwegt nach mehr Wissen verlangt. Sein Gegenpart Tonio del Moravia ist aus ähnlichem Holz gestrickt und wirft seine Erfahrung und seine Kontakte in die Waagschale. Dieser Zweikampf zieht sich durch das ganze Buch, auch wenn es längere Passagen gibt, in denen Tonio im Hintergrund bleibt. Man leidet mit Faustus, der alles versucht, um in diesem ungleichen Kampf zu bestehen. Unterstützt wird er von nur wenigen, die zudem von viel geringerem Kaliber sind. So ganz nebenbei erfährt man viel über den Stand der Wissenschaft, das an den Hochschulen gelehrte Wissen und die Gefahr, der sich forschende Geister ausgesetzt sahen. Diese Darstellungen sind faszinierend.

Fazit:
Dieser Roman ist in einigen Teilen faszinierend und fesselnd, verliert aber zwischenzeitlich an Spannung und Tempo. Deshalb vergebe ich (nur) vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten), spreche aber eine Leseempfehlung aus, weil besonders der Anfang und das Ende herausragend sind.