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Veröffentlicht am 26.09.2025

Eine Außenseiterin

Prinzessin Alice
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Alice von Battenberg wurde gehörlos in eine Familie des englisch-deutschen Hochadels geboren und war mit allen Königshäusern in Europa verwandt. Sie war ihr ganzes Leben über eine Außenseiterin, heiratete ...

Alice von Battenberg wurde gehörlos in eine Familie des englisch-deutschen Hochadels geboren und war mit allen Königshäusern in Europa verwandt. Sie war ihr ganzes Leben über eine Außenseiterin, heiratete einen griechischen Prinzen, wurde aus Griechenland nach einem Militärputsch vertrieben, lebte abhängig von Verwandten in Paris und kehrte schließlich nach der Wiederherstellung der Monarchie nach Griechenland zurück. Bei ihr wurde Schizophrenie diagnostiziert, weil sie sich intensiv in den Glauben an Gott hineinsteigerte, aber gesichert war diese Diagnose nicht, eher ein Vorwand, um sie in "Kurkliniken" abzuschieben.
In diesem Buch gibt Irene Dische der einsamen, verkannten Frau eine Stimme und lässt sie selbst aus ihrem Leben erzählen. Dabei findet Dische einen ganz besonderen Tonfall, der die Leser in das Leben von Alice mitnimmt und ihr Handeln teilweise nachvollziehbar macht. Ihr einziger Sohn Prinz Philipp von Edinburgh holte sie später zu sich in den Buckingham Palace, wo sie auch starb. So konnte sie am Ende ihres Lebens dann doch noch ihren Frieden finden.
Es ist hilfreich, wenn man sich über Alice von Battenberg und ihre Verwandtschaft abseits des Buches informiert, denn Dische gibt dazu keine weiteren Informationen. Die vielfältigen Verflechtungen im Hochadel aber erschließen sich dadurch besser.

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Veröffentlicht am 25.09.2025

Harte Realität

Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104
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Ich hatte schon die beiden "Gretchen"-Bücher von Susanne Abel gelesen, sie haben mir gut gefallen. Auf dieses neue Buch war ich sehr gespannt, denn viele Ereignisse aus der Nachkriegszeit sind längst nicht ...

Ich hatte schon die beiden "Gretchen"-Bücher von Susanne Abel gelesen, sie haben mir gut gefallen. Auf dieses neue Buch war ich sehr gespannt, denn viele Ereignisse aus der Nachkriegszeit sind längst nicht aufgearbeitet und müssen gerade heute wieder ins Bewusstsein der Menschen rücken, denn alles war eine Folge der Nazidiktatur und man darf den Rechtsruck in der Gesellschaft nicht unterschätzen.

Ein kleiner Junge bleibt auf der Flucht aus dem Osten am Ende des 2. Weltkriegs allein zurück, er weiß weder seinen Namen noch kennt er seine Verwandtschaft. Im Kinderheim erhält er den Namen Hartmut und die Nummer 104. Das Leben im Heim ist grausam, noch immer herrscht die schwarze Pädagogik und die Kinder bekommen weder genug zu essen noch Liebe und Zuwendung. Zum Glück lernt Hartmut die Kriegswaise Margret kennen, die etwas älter ist und sich um den Kleinen kümmert.

Das Buch wird auf zwei Ebenen erzählt, in der Gegenwart sind Margret und Hartmut verheiratet, sind Eltern einer Tochter, ihre Urenkelin lebt bei ihnen, weil die Mutter sich nicht kümmert. In Rückblicken erfährt man viel über das Leben im Heim und darüber, wie Margret und Hartmut sich wiedergefunden haben.

Manchmal ist die Geschichte nur schwer zu ertragen und die Triggerwarnung zu Beginn besteht nicht grundlos. Man kann es kaum fassen, wie die Kinder im "christlichen" Heim behandelt wurden, dass man sogar Medikamentenversuche an Heimkindern unternahm und sie schnell für "debil" erklärte und wegsperrte. In einigen Passagen erinnert das Buch an "Am Meer ist es schön", da geht es allerdings um die Verschickungskinder, die aber oft ähnlich behandelt wurden.

Man weiß heute, dass sich Traumata über Generationen hinweg vererben und auch in diesem Buch wird deutlich, dass auch spätere Generationen noch schwer an dem grausamen Erbe ihrer Eltern und Großeltern zu tragen haben.

Für dieses Buch gibt es eine unbedingte Leseempfehlung, man muss es aber auch aushalten können.

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Veröffentlicht am 12.09.2025

Dick aufgetragen

Animal
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Das Schwein Rosa klagt auf Freilassung aus der engen Käfighaltung. Geht das? Was steht im Gesetz?

Der Anwalt Dr. Ben Lorenz muss für seine Großkanzlei den beklagten Konzern vertreten, auf der Gegenseite ...

Das Schwein Rosa klagt auf Freilassung aus der engen Käfighaltung. Geht das? Was steht im Gesetz?

Der Anwalt Dr. Ben Lorenz muss für seine Großkanzlei den beklagten Konzern vertreten, auf der Gegenseite steht der renommierte Anwalt Henrik Rabenstein mit seiner Assistentin Enna. Da Tiere gesetzlich wie eine Sache behandelt werden, scheint die Klage aussichtslos. Doch dann ergeben sich neue Aspekte und Ben fliegt mit Enna nach Mexiko, wo es ein Projekt gibt, um die Sprache der Tiere zu verstehen. Ben beginnt am Sinn der Arbeit für den Konzern zu zweifeln.

Tibor Rode hat einen sehr spannenden Thriller geschrieben, der von Anfang an fasziniert und zum Nachdenken anregt. Die Personen handeln nachvollziehbar, egal, auf welcher Seite sie stehen. Allerdings gleitet das Buch gegen Ende immer mehr ins Märchenhafte ab und den Schluss fand ich zu sehr an den Haaren herbeigezogen und ziemlich realitätsfern.

Insgesamt habe ich das Buch gern gelesen und es hat mich nachdenklich gemacht. Da wir kaum noch Fleisch essen, aber nicht ganz darauf verzichten, werden wir in Zukunft noch mehr auf die Fleischqualität achten. Aber Veganer werden wir trotzdem vermutlich nicht...

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Veröffentlicht am 28.08.2025

Willkommen in Absurdistan

Dr. No
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Das Buch "James" von Perceval Everett hat mich total fasziniert, deshalb wollte ich auch sein neues Buch unbedingt lesen. Und es ist ganz anders als der Vorgängerroman!
Wala Kitu ist Experte für das Nichts ...

Das Buch "James" von Perceval Everett hat mich total fasziniert, deshalb wollte ich auch sein neues Buch unbedingt lesen. Und es ist ganz anders als der Vorgängerroman!
Wala Kitu ist Experte für das Nichts und Professor an einer amerikanischen Universität. Der Schwarze Milliardär John Sill heuert ihn an, um in Fort Knox eine Schachtel zu stehlen, in der sich "nichts" befindet und ihm die Weltherrschaft sichern soll. Sill sieht sich als Schurken in der Nachfolge von Flemmings Schurken in den James-Bond-Romanen, die ja ebenfalls nach der Weltherrschaft streben.
Der Roman ist schwer zu beschreiben und schwer zu bewerten, da er sich allen "normalen" Maßstäben entzieht. Da purzeln die Einfälle von einer Absurdität zur nächsten, dass dem Leser fast schwindelig wird. Ohne Zweifel ist das Buch sehr geschickt aufgebaut und es hat dem Autor auch sicher Spaß gemacht es zu schreiben, als Leser hatte ich aber einige Probleme zu folgen. Allerdings ist eins einfach genial: der letzte Satz!
Die ist kein Buch für mal eben zwischendurch, es ist anspruchsvoll und man braucht eine Menge Konzentration.

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Veröffentlicht am 21.08.2025

Gute Familienngeschichte

Die Freiheit so weit
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Dieses Buch ist der zweite Band einer Familiengeschichte, die sich über mehr als hundert Jahre hinzieht. Im ersten Band "Der Unendlichkeit so nah" lernen wir Emma und Elias kennen. Emma möchte Astronautin ...

Dieses Buch ist der zweite Band einer Familiengeschichte, die sich über mehr als hundert Jahre hinzieht. Im ersten Band "Der Unendlichkeit so nah" lernen wir Emma und Elias kennen. Emma möchte Astronautin werden und lernt durch einen Zufall die Mutter von Elias kennen, die für die NASA im Astronautenprogramm war. Emma und Elias verlieben sich auf Hawaii, doch dann haben sie einen Unfall und Elias liegt im Koma, während Emma nur leichtere Verletzungen hatte. Sie merkt, dass sie von ihrem Freund, von dem sie sich getrennt hat, schwanger ist und fliegt zurück nach Deutschland. Hat ihre Liebe noch eine Chance? Immer wieder eingestreut ist die Geschichte von Marie und Susanna, die in Siebenbürgen Freundinnen waren und aus deren Familien Elias und Emma hervorgingen.

Es ist hilfreich, wenn man beide Bände nacheinander liest, denn die Vorgeschichte im ersten Band ist wichtig für das Verständnis des zweiten Bandes. Die Geschichten der drei unterschiedlichen Frauen ist ungewöhnlich, aber spannend. Auch wenn mir einige Passagen zu kitschig waren, hat mir auch der zweite Band gut gefallen. Ich tauche gern in die Erzählungen von vergangenen Zeiten ein und bin überzeugt davon, dass wir viele Begebenheiten aus der Vergangenheit in unserer Geschichte "mitschleppen".

Theresa Kern schreibt locker und gut lesbar, ihr Stil hat mir gefallen. Wer gern Geschichten liest, die ans Herz gehen, aber nicht oberflächlich sind, der sollte diese beiden Bände lesen!

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