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Veröffentlicht am 16.04.2025

Blumige Familiengeschichte

Frau im Mond
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Dass es im Libanon in den 1960er Jahren erfolgreiche Raketenforschung gab, das war mir vollkommen neu. Um diese Tatsache herum hat Pierre Jarawan eine wunderbare Familiengeschichte komponiert.
Die Zwillinge ...

Dass es im Libanon in den 1960er Jahren erfolgreiche Raketenforschung gab, das war mir vollkommen neu. Um diese Tatsache herum hat Pierre Jarawan eine wunderbare Familiengeschichte komponiert.
Die Zwillinge Lilit und Lena wachsen in Montreal auf, ihre Großeltern sind armenischer Abstammung, aber über die Familiengeschichte wissen sie wenig. Lilit ist Dokumentarfilmerin und macht sich irgendwann auf in den Libanon, um die Wurzeln der Familie ihrer Großeltern zu finden. Besonders ihre Großmutter Anoush, die früh verstorben ist, interessiert Lilit, denn auch sie hatte eine Zwillingsschwester, die allerdings verschollen ist. Bei ihrer Suche erfährt sie auch mehr über das Raketenprojekt ihres Großvaters Maroun, der im hohen Alter noch begeistert von der Weltraumforschung ist.
Das Buch ist wunderbar, reich an Details und eindringlich geschrieben. Man erfährt viel über die elenden Lebensbedingungen im heutigen Libanon, das Land ist vollkommen dysfunktional, es ist im Besitz korrupter Eliten und die Menschen müssen sich irgendwie durchschlagen.
Die Familiengeschichte ist spannend und voller Poesie und das findet sich auch in dem eigentlich verlorenen Land wieder. Viele Ereignisse sind eher tragikomisch als lustig, aber es gibt immer wieder Momente von wunderbarer Leichtigkeit.
Die fast 500 Seiten haben zwar auch ein paar Längen, aber das hat den guten Gesamteindruck nicht gestört.
Ein Buch, auf das man sich einlassen muss, das die Leser aber reich belohnt!

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Veröffentlicht am 10.04.2025

Eine schreckliche Familie

Die Garnett Girls
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"Die Garnett Girls" - das sind Rachel, Imogen und Sasha und dazu ihre Mutter Margo, die alles unter Kontrolle hat und nicht alt werde kann.
Vor vielen Jahren hat Richard seine Frau verlassen, er war Alkoholiker ...

"Die Garnett Girls" - das sind Rachel, Imogen und Sasha und dazu ihre Mutter Margo, die alles unter Kontrolle hat und nicht alt werde kann.
Vor vielen Jahren hat Richard seine Frau verlassen, er war Alkoholiker und hatte eine "Zweitfamilie". Margo hat dieses Ereignis so aus der Bahn geworfen, dass sie ein Jahr lang ihr Bett praktisch nicht verlassen hat. Die kleinen Kinder mussten sehen, wie sie klar kamen und Rachel hatte als Zehnjährige viel zu viel Verantwortung. Der Bruch in der Familie wirkt bis in die Zeit nach, in der das Buch spielt und man erkennt schnell, dass alle ein Trauma davongetragen haben.
Während Margo weiterhin ihre großen Feste feiert und mit ihren Liebhabern herumspielt, sind die jungen Frauen alle auf ihre Weise unglücklich. Das beschreibt Georgina Moore sehr eindrücklich und man leidet mit. Die Kommunikation zwischen den Familienmitgliedern ist schrecklich oder nicht vorhanden, die einzig Vernünftige ist Margos Schwester Alice.
Das alles spielt sich vor der Kulisse der Isle of Wight ab, die wunderschön sein muss und auch so beschrieben wird. Der Gegensatz von der herrlichen Kulisse zu den zerrissenen Menschen hat mir gut gefallen.
Das Buch hat mich gefesselt und tief in die Probleme der Familie eintauchen lassen. Das ist nicht immer einfach zu verarbeiten und manchmal möchte man die Personen nehmen und schütteln, damit sie endlich zu Verstand kommen.
Eine richtig gute Lektüre!

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Veröffentlicht am 08.04.2025

Verwirrend

Die unversöhnliche Vergangenheit
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Eine bewaffnete Frau dringt in die Münchner Staatsanwaltschaft ein und sprengt ein Büro in die Luft. So weit, so gut, dass könnte ein interessanter Plot mit dem ehemaligen Polizisten Nik Pohl werden. Leider ...

Eine bewaffnete Frau dringt in die Münchner Staatsanwaltschaft ein und sprengt ein Büro in die Luft. So weit, so gut, dass könnte ein interessanter Plot mit dem ehemaligen Polizisten Nik Pohl werden. Leider gelingt es Hartung nicht das Buch stringent fortzuschreiben. Denn er verliert sich in der Geschichte, sie wird verwirrend und nicht alle Handlungsstränge werden sauber beendet. Nik Pohl ist eigentlich ein interessanter Ermittlertyp, er kann sich Freiheiten nehmen, die Polizisten nicht haben und verfügt über gute Beziehungen zu vielen hervorragenden Fachleuten. Aber all das wird im Laufe des Buches verschenkt und die Geschichte wird immer komplizierter und unlogischer.

Schade, ich hatte mehr erwartet.

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Veröffentlicht am 06.04.2025

Spannend!

The Surf House
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Bea ist ein gefragtes Model und eines Tages, als sie einen Job in Marokko hat, schmeißt sie von einem Moment zum anderen alles hin. Sie verschwindet in den Gassen von Marrakesch, wird überfallen und Marnie ...

Bea ist ein gefragtes Model und eines Tages, als sie einen Job in Marokko hat, schmeißt sie von einem Moment zum anderen alles hin. Sie verschwindet in den Gassen von Marrakesch, wird überfallen und Marnie rettet sie vor den Angreifern. Marnie besitzt ein Surferhotel an der Küste und nimmt Bea mit dorthin, damit sie erst einmal zur Ruhe kommen kann. Doch dann taucht Seth auf, der seine verschwundene Schwester sucht, die vor einiger Zeit genau hier zuletzt gesehen wurde. Bea wird immer misstrauischer gegenüber den Menschen um sich herum.
Das Buch ist - wie bei Lucy Clarke eigentlich immer - sehr spannend geschrieben und man kann kaum aufhören zu lesen.
Die Beschreibungen der Stadt Marrakesch und der Surferszene sind eindringlich und man sieht alles genau vor sich. Clarke kennt sich in der Szene gut aus und das spürt man auch als Laie, denn die Faszination des Wellenreitens überträgt sich auch auf die Leserinnen und Leser, die selbst diesem Sport fremd gegenüberstehen.
Im Mittelteil gibt es ein paar Längen, aber auch überraschende Wendungen, insgesamt ist das Buch sehr spannend bis zum Schluss.

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Veröffentlicht am 02.04.2025

Flache Charaktere

Die Bücherfrauen von Listland. Der Gesang der Seeschwalben
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Dies war mein erstes Buch von Gabriella Engelmann, ich hatte schon viel von ihr gehört und wollte auch mal "mitreden". Der Titel ist der erste Band einer Dilogie, ein weiterer folgt also noch.

Das Buch ...

Dies war mein erstes Buch von Gabriella Engelmann, ich hatte schon viel von ihr gehört und wollte auch mal "mitreden". Der Titel ist der erste Band einer Dilogie, ein weiterer folgt also noch.

Das Buch spielt auf zwei Zeitebenen, einmal in der Gegenwart mit der Journalistin Anna März, die ein Buch über Fenja Lorenzen schreiben will und dafür zu deren einsamen Haus am Nordende der Insel Sylt reist. Die zweite Ebene spielt ab 1937 und man ahnt gleich, dass hier schwere Zeiten auf die Bewohnerinnen und Bewohner der Insel zukommen. Zu dieser Zeit verliebt sich Fenjas Mutter Lene in den jungen Marten, der aber ganz plötzlich von der Insel verschwindet, die beiden sehen sich nie wieder. Doch Lene ist schwanger...

Der Plot hört sich erst einmal gut an, ich mag Familiengeschichten, die weit in die Vergangenheit zurückführen. Doch die Ausführung lässt meiner Meinung nach zu wünschen übrig. Das Buch verliert sich in zahlreichen Nebenhandlungen, die Hauptperson Fenja taucht erst nach etwa der Hälfte des Buches auf und bleibt blass. Auch die anderen Figuren haben wenig Tiefgang, dazu kommen die klischeehaften Beschreibungen, die manchmal in echten Kitsch abgleiten. Da heißt es z.B. auf Seite 139, Lene schmiegte sich in in seine Arme und ergötzte sich an seinen leidenschaftlichen Küssen, na ja...!

Manchmal hat man den Eindruck, dass das Buch künstlich aufgebläht wurde, damit es auch noch für einen zweiten Band reicht.

Leider war das Buch für mich eine Enttäuschung. Ein weiteres Buch von Gabriella Engelmann werde ich nicht lesen.

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