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Veröffentlicht am 17.03.2026

Verworren

Illusion – A Lie Worth Believing
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Leider konnte ich in den Auftakt der Illusion-Dilogie von Janine Ukena nicht hineinfinden. Auch wenn der Schreibstil flüssig war und an einigen Stellen ins Poetische mäandriert, war die Story für mich ...

Leider konnte ich in den Auftakt der Illusion-Dilogie von Janine Ukena nicht hineinfinden. Auch wenn der Schreibstil flüssig war und an einigen Stellen ins Poetische mäandriert, war die Story für mich insgesamt zu verworren. Zwischen den abstrakt beschriebenen Illusionen und dem geheimnisvollen, verworrenen Suspense-Anteil blieb mir zu wenig, was mich durch die Geschichte geführt hat, sodass sie mich leider immer wieder verloren hat. Die Lovestory konnte ich dadurch, dass ich nicht in der Geschichte angekommen bin, leider auch nicht greifen und hat mich unberührt gelassen. Mehrfach habe ich deswegen darüber nachgedacht, das Buch abzubrechen und bin schließlich auf das Hörbuch umgestiegen.

Auf die abstrakten Illusionen konnte ich mich nicht einlassen. Für mich wirkten sie schon eher magisch, was in mir Verwirrung ausgelöst hat. Als Fantasy-Titel hätte mich die Geschichte vielleicht mehr abholen können. Ich habe mich generell stark an Glory of Broken Dreams von Ruby Braun erinnert gefühlt, wo ich ähnliche Anmerkungen hatte, diese aber besser akzeptieren konnte. Die Shows konnte ich somit leider auch nicht genießen und habe mich eher durch die Beschreibungen durchgequält. Stellas Gesang war mir dabei am zugänglichsten.
Ich kann mir gut vorstellen, dass dieser Aspekt, den ich kritisiere, genau so gewollt ist und für viele Lesende auch funktioniert.

Später in der Geschichte wird ein Aspekt kritisch reflektiert, den ich aus Spoilergründen nicht nennen kann, der mir aber sehr gefallen hat und mein kleines Highlight war.

Nach dem Ende, das noch etwas Spannung ausgelöst hat, habe ich trotzdem kein Interesse daran, die Dilogie zu beenden und kann auch keine Empfehlung aussprechen.

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Veröffentlicht am 16.03.2026

Eine außergewöhnliche Perspektive

Ich, die ich Männer nicht kannte
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Ich, die ich Männer nicht kannte von Jacqueline Harpman ist ein Roman über ein namenloses Mädchen, das zusammen mit 39 weiteren Frauen in einem Keller eingesperrt aufwächst und dabei viele Fragen über ...

Ich, die ich Männer nicht kannte von Jacqueline Harpman ist ein Roman über ein namenloses Mädchen, das zusammen mit 39 weiteren Frauen in einem Keller eingesperrt aufwächst und dabei viele Fragen über das Leben aufwirft.

Der Einstieg in das Buch fühlt sich an wie das sanfte, aber unmittelbare Eindringen in die Gedanken und Beobachtungen eines Mädchens, dessen Perspektive aufgrund ihrer bisherigen Lebensumstände sehr außergewöhnlich ist. Denn auch wenn sie die Welt draußen und alles, was für uns Lesende selbstverständlich scheint, nicht kennt, ist sie unglaublich neugierig und mutig. Diesen frischen Blick auf alltägliche Dinge fand ich sehr spannend. Ein Blick, der nur beeinflusst ist durch die Erzählungen der 39 Frauen und ihre eigene Fantasie. Das Buch ist für mich somit philosophisch, psychologisch und soziologisch äußerst spannend und regt zum Nachdenken und Diskutieren an.
Nachdem die Frauen eines Tages aus dem Keller entkommen können, ändern sich die Szenerie und das Gruppengefüge. Von nun an müssen sie zusammen in der Welt draußen zurechtkommen, wozu ich leider nicht mehr verraten kann und möchte.

Das Buch wird als feministisch beworben, wonach ich beim Lesen auch durchgehend Ausschau gehalten habe. Und dem würde ich insgesamt auch zustimmen, auch wenn ich ein bisschen etwas anderes erwartet hatte. Harpman übt weniger direkte Kritik aus, als diese in den Handlungen der Frauen, ihrer Gemeinschaft und in der Entwicklung der Protagonistin darzustellen. So gibt es unter den Frauen zum Beispiel keine Hierarchie, sondern jede Frau trägt mit ihren Fähigkeiten etwas zur Gemeinschaft bei. Ich konnte viele feministische Aspekte bei genauem Hinsehen wahrnehmen und bin mir sicher, dass mir auch noch viele weitere entgangen sind. Deutlich wird das auch in der Gegenüberstellung der 39 Frauen, die ein Leben vor der Gefangenschaft hatten und davon geprägt wurden und der Protagonistin, die sich freier davon entwickeln konnte. Dieser und einige wenige andere Aspekte sind aber auch mindestens diskutabel bis problematisch. Zu berücksichtigen ist dabei, dass das Original bereits aus dem Jahr 1995 stammt.

Ich, die ich Männer nicht kannte wirft viele Fragen auf, die kaum geklärt werden. Während das für einige sicherlich unbefriedigend sein kann, liegt darin für mich eine große Stärke. Weil mir die Geschichte noch lange Zeit über das Lesen hinaus nachhängt und ich das Bedürfnis nach Austausche habe.
Von mir gibt es mit 4,5 Sternen definitiv eine Empfehlung für diese besondere Erzählstimme.

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Veröffentlicht am 24.02.2026

Gib mir mehr von der Magie

Empire of Whispers and Shadows
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Empire of Whispers and Shadows ist der Auftakt einer Dilogie von Ursa Jaumann, der in einem an Japan angelehnten Setting spielt. Wir begleiten die verfeindeten Protagonist*innen Saya und Teno aus wechselnder ...

Empire of Whispers and Shadows ist der Auftakt einer Dilogie von Ursa Jaumann, der in einem an Japan angelehnten Setting spielt. Wir begleiten die verfeindeten Protagonist*innen Saya und Teno aus wechselnder Perspektive, die ihre Assassinen-Prüfung ablegen und dabei zusammenarbeiten müssen.

Ich bin aufgrund der Japan-Thematik, der Enemies-to-Lovers Romance und dem sehr vielversprechenden Einstieg - der Prolog hat mich vor Vorfreude und Erwartung auf ein komplexes und tiefgründiges Magiesystem ganz kribbelig gemacht - sehr euphorisch in die Geschichte reingegangen.

Saya handelt getrieben von Rache, da sie mit ihren 18 Jahren schon viele schlimme Erfahrungen machen musste. Dazu hat sie eine Todesliste, die sie abarbeiten möchte, und Teno führt diese an erster Stelle an. Ihre schlagfertige Art hat mir sehr gefallen und ein gutes Maß Humor in die Geschichte reingebracht.
Teno konnte ich dagegen schwerer einordnen. Er nimmt Saya gegenüber die Beschützerrolle ein, was meiner Meinung nach zum Teil problematische Züge annimmt. Es gab aber auch viele süße Momente, in denen er Saya echte Wertschätzung entgegenbringen konnte.
Die Slowburn Enemies-to-Lovers-Dynamik konnte ich dadurch trotzdem nicht gänzlich an mich ranlassen, wodurch mir die emotionale Ebene eher verschlossen blieb.

Den Schreibstil fand ich leider an vielen Stellen holprig, was mich immer wieder aus dem Lesefluss gebracht hat. Außerdem fehlte mir ein Roter Faden, wodurch ich mich auch in der Handlung oft verloren fühlte. Es gab einige massive Zeitsprünge in einer zeitlich eigentlich stark limitierten Prüfungssituation und abrupte Szenenwechsel, die zum Teil willkürlich aneinandergereiht wirkten.

Die Magie kam mir leider etwas zu kurz. Das aufgeregte Kribbelige, was ich im Prolog gespürt habe, war im Verlauf der Geschichte kaum Thema mehr. Und auch die Fähigkeiten von Saya und Teno als Assassine, die bereits fertig ausgebildet sind und nur noch die Prüfung ablegen müssen, fand ich enttäuschend.

Positiv hervorheben möchte ich zum Schluss noch die Wasserkobolde, die durch die Geschichte hinweg immer wieder auftauchen. Sie haben eine ganz eigene, beinahe unschuldige Art an sich, die mich fasziniert hat und die ich gerne weiter studiert hätte.

Insgesamt bin ich leider enttäuscht vom ersten Band. Nach dem Ende bin ich aber trotzdem noch neugierig auf das Finale, wobei ich mir erhoffe, dass darin dieser magische Funke aus dem Prolog wieder eingefangen werden kann.

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Veröffentlicht am 09.02.2026

Grausamkeiten

Medea
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Medea von Rosie Hewlett ist ein Retelling der gleichnamigen Sagenfigur aus der griechischen Mythologie. Dabei begleiten wir Medea durch die verschiedenen Phasen ihres Lebens. Da Medea eine mächtige Hexe ...

Medea von Rosie Hewlett ist ein Retelling der gleichnamigen Sagenfigur aus der griechischen Mythologie. Dabei begleiten wir Medea durch die verschiedenen Phasen ihres Lebens. Da Medea eine mächtige Hexe ist, wird sie gefürchtet, verachtet, aber auch begehrt. Um ihrem gewalttätigen Vater zu entkommen, verbündet sie sich mit dem jungen Helden Jason, in den sie sich verliebt. Doch was macht Gewalt mit einer jungen Frau, die eigentlich nur die Hoffnung auf Freiheit in sich trägt?

Der Sage um Medea war mir zwar nicht gänzlich, aber in ihren Details eher unbekannt. Dementsprechend konnte ich unvoreingenommen ins Geschehen eintauchen und die Geschichte auf mich wirken lassen. Hätte ich mal besser vorher gewusst, worauf ich mich einlasse…

Medea erlebt an unterschiedlichen Stationen ihres Lebens verschiedene Formen von Gewalt. Ein Schicksal, dem sie nicht entkommen kann und dem sie irgendwann anfängt, mit ihrer eigenen Gewalt zu antworten. Ich lese gerne Bücher mit Female Rage, aber Medea treibt diese so weit auf die Spitze, dass ich es kaum ertragen konnte. Besonders tragisch finde ich, dass ihr die Frauen in der Geschichte immer wieder die Hände reichen und einen Ausweg bieten. Doch Medea ist nur auf ihre Wut und die Männer fixiert, die für diese verantwortlich sind.

Ich fand das Buch aufgrund der kontinuierlichen Grausamkeit sehr anstrengend zu lesen. Es gab keine Pausen, kein Aufatmen. Ich hatte bis zuletzt Hoffnung, dass sich irgendetwas zum Guten wendet, aber die blieb unerfüllt.
Das Buch hat kein Happy End. Im Gegenteil: das Buch zeigt eindrücklich, wie Gewalt Gewalt hervorbringt. Bis zu unvorstellbarer Grausamkeit. Und doch zeigt es eine Perspektive, die Medeas Handeln verständlich, wenn auch nicht verzeihbar macht.
Wer die Medea-Sage besser kennt oder sich der Grausamkeit dieser bewusst macht, kann das Buch sicherlich mehr genießen. Das Retelling an sich finde ich gut gelungen und Medeas Perspektive nachvollziehbar umgesetzt.

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Veröffentlicht am 09.02.2026

Gewollt anstrengend

Half His Age
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Half His Age von Jennette McCurdy hat mich beim Lesen und auch danach erstmal ratlos zurückgelassen. Zunächst einmal muss ich sagen, dass mir die Geschichte aus mehreren Gründen nicht sonderlich gut gefallen ...

Half His Age von Jennette McCurdy hat mich beim Lesen und auch danach erstmal ratlos zurückgelassen. Zunächst einmal muss ich sagen, dass mir die Geschichte aus mehreren Gründen nicht sonderlich gut gefallen hat. Ich mochte die Protagonistin Waldo und ihren Lehrer Mr. Korgy gar nicht. Die Handlung fand ich zusammen mit der schnörkellosen, zum Teil derben Sprache eher anstrengend zu lesen und ich musste das Buch nach kurzen Passagen immer wieder zur Seite legen. Lesefreude hatte ich bis zum Ende nicht und auch dieses konnte mich letztendlich nicht zufriedenstellen oder positiv stimmen.

Und doch erkenne ich in der Thematik, die das Buch behandelt, durchaus einen gesellschaftlichen Wert, der auch in mir etwas angestoßen hat und Raum für Diskussionen bietet. Diese werde ich hier in Teilen aufmachen und einige Aspekte ansprechen, wodurch die Rezension durchaus spoilern könnte.
Denn Half His Age behandelt die Beziehung zwischen einer 17-jährigen Schülerin und ihrem mehr als doppelt so alten Lehrer. Vom Kennenlernen, der Entstehung der Beziehung, den Aufs-und-Abs bis schließlich zur Trennung. Die Beziehung weist aufgrund des Altersunterschieds, Waldos Minderjährigkeit und der Lehrer-Schülerin-Beziehung ein riesiges Machtgefälle auf und ist natürlich absolut problematisch. Dazu kommen dann noch Themen wie eine komplizierte, toxische Mutter-Tochter-Beziehung und als Bewältigungsstrategie übertriebenes Konsumverhalten.

Im ersten Moment, in dem ich die Geschichte reflektiert habe, dachte ich, dass hier eine eher untypische Dynamik dieser Beziehung zwischen Lehrer und seiner Schülerin beschrieben wird. Denn das Interesse, Fantasien und erste Annäherungsversuche gehen von Waldo aus. Dabei überschreitet sie auch mehrfach Mr. Korgys Grenzen, die er wiederholt kommuniziert und zunächst auch einhält. Allerdings weichen diese Grenzen nach und nach auf und er missbraucht Waldos Interesse und ihr verzweifeltes Bedürfnis nach Anerkennung und Liebe.
Was für mich zunächst nach einem Twist einer solchen Geschichte klang, habe ich auf den zweiten Blick in Frage gestellt. Vielmehr bildet diese Geschichte beispielhaft einen Teil der Bandbreite an individuellen Erfahrungen solcher Beziehungen ab. Denn in Waldos Verhalten liegt keinerlei Rechtfertigung dafür, dass sich Mr. Korgy letztendlich auf sie einlässt und damit seine Machtposition missbraucht. Auch nicht, dass sie "besonders reif für ihr Alter ist". Eine lahme vermeintliche Rechtfertigung von Männern, warum sie auf junge Frauen, zum Teil minderjährige Mädchen, stehen oder gar Beziehungen mit ihnen führen.

Abschließend fällt es mir sehr schwer, das Buch jetzt bewerten zu müssen. Habe ich das Buch gerne gelesen? Leider nein. Sollte mensch das Buch gelesen haben? Nicht unbedingt, ich konnte wenig bis nichts Neues aus der Geschichte ziehen. Diese beispielhafte Geschichte ist dafür - tragischerweise - zu alltäglich. Bietet der Roman dennoch eine Erinnerung, sich unter anderem mit dem Thema Machtmissbrauch in Lehrer-Schülerin-Beziehungen auseinanderzusetzen und schafft dafür einen Raum für Diskussionen? Definitiv! Besonders, da McCurdy eine gewisse Reichweite mitbringt und viele, die solch eine Thematik nie gelesen hätten, schon alleine ihres Namens wegen zu dem Buch greifen werden.

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