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Veröffentlicht am 09.02.2026

Grausamkeiten

Medea
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Medea von Rosie Hewlett ist ein Retelling der gleichnamigen Sagenfigur aus der griechischen Mythologie. Dabei begleiten wir Medea durch die verschiedenen Phasen ihres Lebens. Da Medea eine mächtige Hexe ...

Medea von Rosie Hewlett ist ein Retelling der gleichnamigen Sagenfigur aus der griechischen Mythologie. Dabei begleiten wir Medea durch die verschiedenen Phasen ihres Lebens. Da Medea eine mächtige Hexe ist, wird sie gefürchtet, verachtet, aber auch begehrt. Um ihrem gewalttätigen Vater zu entkommen, verbündet sie sich mit dem jungen Helden Jason, in den sie sich verliebt. Doch was macht Gewalt mit einer jungen Frau, die eigentlich nur die Hoffnung auf Freiheit in sich trägt?

Der Sage um Medea war mir zwar nicht gänzlich, aber in ihren Details eher unbekannt. Dementsprechend konnte ich unvoreingenommen ins Geschehen eintauchen und die Geschichte auf mich wirken lassen. Hätte ich mal besser vorher gewusst, worauf ich mich einlasse…

Medea erlebt an unterschiedlichen Stationen ihres Lebens verschiedene Formen von Gewalt. Ein Schicksal, dem sie nicht entkommen kann und dem sie irgendwann anfängt, mit ihrer eigenen Gewalt zu antworten. Ich lese gerne Bücher mit Female Rage, aber Medea treibt diese so weit auf die Spitze, dass ich es kaum ertragen konnte. Besonders tragisch finde ich, dass ihr die Frauen in der Geschichte immer wieder die Hände reichen und einen Ausweg bieten. Doch Medea ist nur auf ihre Wut und die Männer fixiert, die für diese verantwortlich sind.

Ich fand das Buch aufgrund der kontinuierlichen Grausamkeit sehr anstrengend zu lesen. Es gab keine Pausen, kein Aufatmen. Ich hatte bis zuletzt Hoffnung, dass sich irgendetwas zum Guten wendet, aber die blieb unerfüllt.
Das Buch hat kein Happy End. Im Gegenteil: das Buch zeigt eindrücklich, wie Gewalt Gewalt hervorbringt. Bis zu unvorstellbarer Grausamkeit. Und doch zeigt es eine Perspektive, die Medeas Handeln verständlich, wenn auch nicht verzeihbar macht.
Wer die Medea-Sage besser kennt oder sich der Grausamkeit dieser bewusst macht, kann das Buch sicherlich mehr genießen. Das Retelling an sich finde ich gut gelungen und Medeas Perspektive nachvollziehbar umgesetzt.

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Veröffentlicht am 09.02.2026

Gewollt anstrengend

Half His Age
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Half His Age von Jennette McCurdy hat mich beim Lesen und auch danach erstmal ratlos zurückgelassen. Zunächst einmal muss ich sagen, dass mir die Geschichte aus mehreren Gründen nicht sonderlich gut gefallen ...

Half His Age von Jennette McCurdy hat mich beim Lesen und auch danach erstmal ratlos zurückgelassen. Zunächst einmal muss ich sagen, dass mir die Geschichte aus mehreren Gründen nicht sonderlich gut gefallen hat. Ich mochte die Protagonistin Waldo und ihren Lehrer Mr. Korgy gar nicht. Die Handlung fand ich zusammen mit der schnörkellosen, zum Teil derben Sprache eher anstrengend zu lesen und ich musste das Buch nach kurzen Passagen immer wieder zur Seite legen. Lesefreude hatte ich bis zum Ende nicht und auch dieses konnte mich letztendlich nicht zufriedenstellen oder positiv stimmen.

Und doch erkenne ich in der Thematik, die das Buch behandelt, durchaus einen gesellschaftlichen Wert, der auch in mir etwas angestoßen hat und Raum für Diskussionen bietet. Diese werde ich hier in Teilen aufmachen und einige Aspekte ansprechen, wodurch die Rezension durchaus spoilern könnte.
Denn Half His Age behandelt die Beziehung zwischen einer 17-jährigen Schülerin und ihrem mehr als doppelt so alten Lehrer. Vom Kennenlernen, der Entstehung der Beziehung, den Aufs-und-Abs bis schließlich zur Trennung. Die Beziehung weist aufgrund des Altersunterschieds, Waldos Minderjährigkeit und der Lehrer-Schülerin-Beziehung ein riesiges Machtgefälle auf und ist natürlich absolut problematisch. Dazu kommen dann noch Themen wie eine komplizierte, toxische Mutter-Tochter-Beziehung und als Bewältigungsstrategie übertriebenes Konsumverhalten.

Im ersten Moment, in dem ich die Geschichte reflektiert habe, dachte ich, dass hier eine eher untypische Dynamik dieser Beziehung zwischen Lehrer und seiner Schülerin beschrieben wird. Denn das Interesse, Fantasien und erste Annäherungsversuche gehen von Waldo aus. Dabei überschreitet sie auch mehrfach Mr. Korgys Grenzen, die er wiederholt kommuniziert und zunächst auch einhält. Allerdings weichen diese Grenzen nach und nach auf und er missbraucht Waldos Interesse und ihr verzweifeltes Bedürfnis nach Anerkennung und Liebe.
Was für mich zunächst nach einem Twist einer solchen Geschichte klang, habe ich auf den zweiten Blick in Frage gestellt. Vielmehr bildet diese Geschichte beispielhaft einen Teil der Bandbreite an individuellen Erfahrungen solcher Beziehungen ab. Denn in Waldos Verhalten liegt keinerlei Rechtfertigung dafür, dass sich Mr. Korgy letztendlich auf sie einlässt und damit seine Machtposition missbraucht. Auch nicht, dass sie "besonders reif für ihr Alter ist". Eine lahme vermeintliche Rechtfertigung von Männern, warum sie auf junge Frauen, zum Teil minderjährige Mädchen, stehen oder gar Beziehungen mit ihnen führen.

Abschließend fällt es mir sehr schwer, das Buch jetzt bewerten zu müssen. Habe ich das Buch gerne gelesen? Leider nein. Sollte mensch das Buch gelesen haben? Nicht unbedingt, ich konnte wenig bis nichts Neues aus der Geschichte ziehen. Diese beispielhafte Geschichte ist dafür - tragischerweise - zu alltäglich. Bietet der Roman dennoch eine Erinnerung, sich unter anderem mit dem Thema Machtmissbrauch in Lehrer-Schülerin-Beziehungen auseinanderzusetzen und schafft dafür einen Raum für Diskussionen? Definitiv! Besonders, da McCurdy eine gewisse Reichweite mitbringt und viele, die solch eine Thematik nie gelesen hätten, schon alleine ihres Namens wegen zu dem Buch greifen werden.

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Veröffentlicht am 30.01.2026

Crescendo

Alle glücklich
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Die Geschichte beginnt sanft und recht ereignislos. Abwechselnd begleiten wir die vier Familienmitglieder durch ihren Alltag und in ihre Gedanken- und Gefühlswelt. Nichts Außergewöhnliches. Eine auf den ...

Die Geschichte beginnt sanft und recht ereignislos. Abwechselnd begleiten wir die vier Familienmitglieder durch ihren Alltag und in ihre Gedanken- und Gefühlswelt. Nichts Außergewöhnliches. Eine auf den ersten Blick glückliche, eher durchschnittliche Familie. Und doch stimmt etwas unter der Oberfläche nicht richtig. Der Alltag ist eingekehrt und eine immer stärker spürbare Unzufriedenheit schleicht sich ein. Bis man nur noch darauf wartet, dass irgendwas passiert. Dass irgendwer ausbricht und die bröckelnde Fassade gänzlich zerspringt. Und schlussendlich in einem lauten Knall verhallt.

Nina ist Mutter und Ehefrau, übernimmt den Großteil der Care-Arbeit und hält die Familie zusammen. Alexander ist vor allem Oberarzt, der zu viele Überstunden macht und so die Familie finanziert. Emilia ist mit ihren 16 Jahren Hals über Kopf verliebt und Ben, ihr großer Bruder, ist Student und ein eher zurückgezogener Gamer.
Mohn gelingt es, mit unaufgeregter, beinahe schon nüchterner, aber stechend präziser Sprache, vier ganz unterschiedlichen Perspektiven eine Stimme, ihre vielschichtigen Charaktere und tiefe Emotionen zu verleihen. Auch einer der Stimmen, der ich nicht allzu viel Sympathie entgegenbringen kann, begegnet die Autorin auf empathischer Ebene, lässt aber trotzdem die notwendige Kritik ganz ungezwungen spürbar werden.

Alle glücklich ist ein Blick in eine Familie, die es genau so geben könnte. Lässt Strukturen, Gedanken oder Gefühle in sich selber wiedererkennen. Verleitet zum Nachdenken. Mit erzählerischer Leichtigkeit und gleichzeitig emotionaler Schwere. Wie das bitter-süße Schwelgen in einer Erinnerung oder einem Tagtraum.

Ich habe die Geschichte sehr gerne verfolgt und konnte mich nicht von den Worten lösen. Immer noch berührt und nachdenklich kann ich Alle glücklich sehr empfehlen.

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Veröffentlicht am 30.01.2026

Leider oberflächlich

To Cage a Wild Bird
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To Cage a Wild Bird ist der Auftakt einer dystopischen Romantasy-Reihe von Brooke Fast. Die Bewerbung mit großen dystopischen Titeln wie beispielsweise Die Tribute von Panem haben mich sehr neugierig auf ...

To Cage a Wild Bird ist der Auftakt einer dystopischen Romantasy-Reihe von Brooke Fast. Die Bewerbung mit großen dystopischen Titeln wie beispielsweise Die Tribute von Panem haben mich sehr neugierig auf die Geschichte gemacht, meine Erwartung aber auch sehr hoch gesetzt. Dabei ist die Grundidee auch wirklich vielversprechend gewesen, die Umsetzung war für mich aber leider enttäuschend.

Das Setting an sich bietet auf verschiedenen Ebenen Potential: ein kastenähnliches System, in dem viel Ungleichheit und Ungerechtigkeit herrscht; die Kopfgeldjägerin Raven, die selber ins Gefängnis kommt und dort auf die Menschen trifft, für deren Inhaftierung sie verantwortlich ist; die tödlichen Jagden auf die Häftlinge durch zahlendes Publikum; ein noch nie geglückter Ausbruchsversuch und eine verbotene Liebe zwischen Häftling und Wachmann.
Ich habe Systemkritik, Strategie, Rebellion und einen Funken Romantik erwartet, doch leider bleibt alles oberflächlich. Besonders, dass mich diese ungerechte und brutale Welt kaum berührt hat, ist dafür ein aussagekräftiges Zeichen. Denn eigentlich kann ich mich in Ungerechtigkeiten sehr schnell emotional reinsteigern. Aber auch die anderen Aspekte bleiben nahezu ungenutzt. Komplexe Probleme finden einfache Lösungen, was sehr konstruiert wirkt und die erwartbaren Konflikte mit den Mithäftlingen bleiben quasi aus. Auch die Lovestory konnte ich bis zum Ende nicht nachvollziehen, wodurch sich die Spice-Szenen für mich nicht harmonisch in die Geschichte eingefügt haben und eher unangenehm zu lesen waren.

Insgesamt fand ich die Geschichte trotz der Kritikpunkte aber unterhaltsam für Zwischendurch. Ob ich die Reihe weiterverfolge, halte ich mir offen. Zum jetzigen Zeitpunkt ist die Divided-Fates-Reihe für mich keine, die man unbedingt gelesen haben muss.

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Veröffentlicht am 23.01.2026

Ein außergewöhnliches Leben

Das Dreizehnte Kind
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Das Dreizehnte Kind von Erin A. Craig ist ein düsterer Fantasy-Einzelband und handelt von Hazel, die ein außergewöhnliches Leben vor sich hat. Es beginnt mit einer schwierigen Kindheit. Da sie als dreizehntes ...

Das Dreizehnte Kind von Erin A. Craig ist ein düsterer Fantasy-Einzelband und handelt von Hazel, die ein außergewöhnliches Leben vor sich hat. Es beginnt mit einer schwierigen Kindheit. Da sie als dreizehntes Kind dem Tod versprochen ist, bekommt sie von ihren Eltern kaum Liebe oder Fürsorge. Mit zwölf Jahren wird sie vom Todesgott geholt und beginnt ihr Studium zur Heilerin. Hier erlebt sie zwar Bindung, aber weiterhin keine Stabilität und ist in so jungen Jahren mit Einsamkeit, zu viel Verantwortung und Tod konfrontiert. Jahre später wird sie als Heilerin an den königlichen Hof geholt. Es herrscht Krieg und der König droht an einer geheimnisvollen Krankheit zu sterben. Am Hof muss sie weitreichende Entscheidungen treffen und begegnet zudem Prinz Leopold, den sie - zumindest zunächst - nicht leiden kann.

Die erste Hälfte hat mich sehr abgeholt, in der zweiten Hälfte hätte ich mir manche Entwicklung oder inhaltliche Schwerpunkte anders gewünscht, sodass es einige Längen gab. Aber durch viele spannende und emotionale Momente habe ich das Buch bis zum Ende gerne gelesen.

Besonders die düstere Atmosphäre war in dem Buch spürbar. Die Welt ist geprägt von Leid, Krankheit, Krieg, Armut und Tod. Wir begleiten auch Hazel durch viele schwierige Phasen in ihrem Leben, die sie erträgt und aus denen sie sich kämpfen muss. Ihre Entwicklung ist dabei spürbar. Ich habe mit Hazel gelitten und sie dabei schnell in mein Herz geschlossen. Prinz Leopold ist für mich eher ein Nebencharakter geblieben, ich konnte die Slow-Burn-Romance zwischen den beiden aber trotzdem nachempfinden.
Den Tod fand ich als Charakter sehr spannend. Als Gott ist er nahezu allmächtig und trotzdem so unperfekt, was sich auch in der Beziehung zwischen ihm und Hazel zeigt. Er nimmt gleich mehrere Rollen in ihrem Leben ein und liebt Hazel, wenn auch nicht ohne Erwartungen oder auf die gesündeste Art und Weise. Er ist irgendwie eine unkonstante Konstante in Hazels Leben.

Insgesamt hatte ich mit Das Dreizehnte Kind eine gute Lesezeit und würde es allen weiterempfehlen, die eine düstere Fantasy suchen. Aufgrund ein paar persönlicher Kritikpunkte bekommt das Buch 3,5 Sterne von mir.

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