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Veröffentlicht am 19.01.2022

Rozie und die Queen

Die unhöfliche Tote
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Die Forstsetzung der amüsanten „Die Queen ermittelt“-Reihe beschert uns ein Wiedersehen mit der Queen und ihrer unkonventionellen Privatsekretärin Rozie.
Die englische Schriftstellerin S.J. Bennett orientiert ...

Die Forstsetzung der amüsanten „Die Queen ermittelt“-Reihe beschert uns ein Wiedersehen mit der Queen und ihrer unkonventionellen Privatsekretärin Rozie.
Die englische Schriftstellerin S.J. Bennett orientiert sich an klassische Kriminalromane und so wirkt auch ihr Roman im besten Sinne altmodisch.

Zur Queen werde ich immer Distanz haben, aber die sympathische 30jährige Rozie bietet Identifikationspotential und man verbringt gerne seine Lesezeit mit ihr.

Eine Haushälterin wird tot am Pool aufgefunden. Unfall oder Mord?

Auch dieser Teil ist klar Cozy Crime und ziemlich britisch. Das Erzähltempo lässt aber zu wünschen übrig und für den Leser wird es zum Geduldsspiel.
Überzeugend sind aber die Details über das königliche Leben im Buckingham Palace und kurz auch in den schottischen Highlands.
Auch einige der Erinnerungen der Queen sind sehr interessant.
Insgesamt eine Steigerung zum ersten Teil.

Veröffentlicht am 17.01.2022

Folgen des Mobbings

Creep
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Creep von Philliip Winkler hält nicht ganz das, was ich von dem Buch erwartet hatte. Ich habe allerdings seinen Erfolgsroman Hool nicht gelesen.

In Creep wird von 2 Menschen in emotionaler Schieflage ...

Creep von Philliip Winkler hält nicht ganz das, was ich von dem Buch erwartet hatte. Ich habe allerdings seinen Erfolgsroman Hool nicht gelesen.

In Creep wird von 2 Menschen in emotionaler Schieflage erzählt: Fanni in Deutschland und Junya in Japan, die beide Außenseiter sind. Die Kapitel wechseln zwischen den beiden.
Während ich den Fanny-Part relativ langweilig fand sind die Junya-Abschnitte schmerzhaft. Er ist ein unglücklicher Mensch, dessen Qualen sich in Wut und Gewalt äußern.
Winklers Stil kommt mir sehr kühl vor. Das muss man auch aushalten.
Das düstere Weltbild scheint mir vom Autor aber auch kalkuliert.
Schade, dass die beiden Handlungsstränge Fanni und Junya außer dem rein thematischen nie miteinander verbunden werden.
So lässt mich der Roman am Ende ratlos zurück.

Veröffentlicht am 17.01.2022

Befindlichkeiten

Strömung
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Jakob Augstein hat mit Strömung seinen ersten Roman geschrieben und es geht zentral um die Befindlichkeiten eines Mannes mittleren Alters. Damit begibt er sich in eine literarische Tradition.
Er nutzt ...

Jakob Augstein hat mit Strömung seinen ersten Roman geschrieben und es geht zentral um die Befindlichkeiten eines Mannes mittleren Alters. Damit begibt er sich in eine literarische Tradition.
Er nutzt stilistisch auch diese Mittel, zum Beispiel sprechende Namen. Der Protagonist heißt Franz Xaver Misslinger und er befindet sich in einer Lebenskrise. Seine Ehe steht kurz vor dem Aus, seine politischen Ambitionen führen nicht zum Ziel.
Als Leser ist man zunächst ratlos, was mit diesem Mann eigentlich los ist. Der Autor mutet einen schon etwas zu.

Besser wird es im zweiten Teil. Misslinger ist in die USA gereist. Es ist eine Art Flucht. Seine jugendliche Tochter begleitet ihn.
Das USA-Porträt halte ich für gelungen. Die Stimmung im Land ist spürbar.
Es ist die Zeit des Wahlkampfes, als sich Trump so viele Entgleisungen erlaubte.
Einige Dialoge, auch die zwischen Misslinger und seiner Tochter sind wirklich gut.
Dennoch führt der Roman nur zur Sehnsucht nach dem Verschwinden und das war mir zu wenig.

Veröffentlicht am 15.01.2022

Das Jahr der Challenger

Die Nelsons greifen nach den Sternen
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Die vielfach preisgekrönte amerikanische Schriftstellerin Erin Entrada Kelly hat mit „Die Nelsons greifen nach den Sternen“ (Originaltitel We Dream of Space) einen Roman um 3 Geschwister geschrieben. Das ...

Die vielfach preisgekrönte amerikanische Schriftstellerin Erin Entrada Kelly hat mit „Die Nelsons greifen nach den Sternen“ (Originaltitel We Dream of Space) einen Roman um 3 Geschwister geschrieben. Das sind die Zwillinge Fitch und Bird und der 1 Jahr ältere Cash. Die Perspektiven wechselt in den Kapiteln zwischen diesen dreien und da sie teilweise sehr unterschiedliche Charaktere sind, spürt man auch erzählerisch Unterschiede in den Kapiteln.
Der Zeitpunkt 1986 ist auch wichtig für die Handlung. Die Zeit prägt auch die Kinder. Damals war die Raumfahrt ein großes Thema. Das wird in die Challenger-Unglück münden. Dabei wird auch die Astronautin Judith Resnick sterben, die Bird als Vorbild so sehr bewundert.
Das Wissen um die Katastrophe, die kommen wird, beeinflusst den Leser während die Kinder noch nichts davon wissen. Das erzeugt eine gewisse Beklemmung.
Der Plot hat viele gute Ansätze und das Buch Qualität, aber sprachlich hat mich der Roman nicht ganz überzeugt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
Veröffentlicht am 14.01.2022

2 Persönlichkeiten: Christa Wolf – Franz Führmann

Monsieur – wir finden uns wieder
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Dieser interessante Briefwechsel zwischen den DDR-Schriftstellergrößen Christa Wolf und Franz Führmann ging von 1968 bis zu Führmanns Tod 1984.
Dabei sind die Briefe nicht besonders literarisch verfasst. ...

Dieser interessante Briefwechsel zwischen den DDR-Schriftstellergrößen Christa Wolf und Franz Führmann ging von 1968 bis zu Führmanns Tod 1984.
Dabei sind die Briefe nicht besonders literarisch verfasst. Insbesondere Christa Wolfs Briefe sind etwas bieder, als würde einen Tante Christa einen Brief schreiben. Einige Briefe wirken banal und überwiegend humorbefreit.
Bei ihren Romanen funktionierte ihr sachlicher Erzählton besser.
Führmanns Briefe sind emotionaler, er traut sich auch mal eine kleine Spitze gegen Christa auszusprechen.

Aber lesenswert wird es immer, wenn es um das zeitgeschichtliches geht. Zum Beispiel sind zwischendurch auch Briefe an Obrigkeiten der Diktatur gerichtet, Honecker oder Konrad Wolf
Da beklagen Wolf und Führmann den Umgang mit Schriftstellern und setzen sich z.B. für junge Schriftsteller ein, die verhaftet wurden.
Aber auch bei den privaten Briefen spürt man besonders bei Franz Führmann die Verbitterung und Verzweiflung über den Zustand im DDR-Literaturbetrieb. Manchmal scheint er zu resignieren. Den Bruch mit dem System haben beide aber nie in Betracht gezogen, im Gegensatz zu vielen anderen Schriftstellern, die das Land Richtung Westen verlassen hatten.

Abgerundet wird der Briefwechsel mit einem umfangreichen Anhang mit Anmerkungen und Reden und einem Nachwort von Christa Wolf.