Profilbild von yesterday

yesterday

Lesejury Star
offline

yesterday ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit yesterday über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.11.2019

Thrill ja, aber kein klassischer Thriller

Blood Orange - Was sie nicht wissen
0

Der Titel bildet gewissermaßen die Klammer um diesen 379 Seiten starken Roman. Ansonsten spielen jede Menge Dinge eine Rolle, Orangen aber eher weniger.

Ich schreibe übrigens Roman, weil ich mich nicht ...

Der Titel bildet gewissermaßen die Klammer um diesen 379 Seiten starken Roman. Ansonsten spielen jede Menge Dinge eine Rolle, Orangen aber eher weniger.

Ich schreibe übrigens Roman, weil ich mich nicht recht mit dem “Thriller” auf dem Cover anfreunden kann. Ein Krimi ist es auch nicht, es gibt viele psychologische Aspekte im Buch und auch eine teilweise packende Handlung, viel Gefühl (in alle Richtungen), auch Erotik und somit schwankt das Genre eigentlich ständig. Man bekommt es nicht klar zu fassen.

Alison ist eine Londoner Prozessanwältin, die Mann und Kind zugunsten von Karriere und Geliebtem immer mal wieder vernachlässigt. Sie trinkt gerne und manchmal (zu) viel. Sie weiß von beidem, hat aber Mühe, etwas zu ändern.

Ich hatte mir mehr Gerichtsszenen, Mandanten-Befragungen und all das erhofft, das kommt für mich als Spannungsleser etwas zu kurz. Im Wesentlichen geht es um Alisons Zerrissenheit, ihren Kampf an mehreren Fronten und die Probleme, die all das mit sich bringt. Man hat Zeit, die wichtigsten Charaktere zumindest so weit kennenzulernen, um die leisen Veränderungen zu bemerken.

Wer weiß von ihrer Affäre, woher kommen die bedrohlichen anonymen Nachrichten? Und warum hat Alison Filmrisse auch ohne zu viel Alkohol? Die Beziehung driftet in Zeitlupe auseinander und obwohl Alison sich bemüht, kommt es zum Showdown.

Das Spannende an “Blood Orange” ist hier dieses “Wie reagiert sie? Wie reagiert er? Was passiert denn noch Seltsames?”. Das lässt einen dann doch noch für ein Kapitel mehr umblättern und nur eines noch und eines noch. Man kann sich hier in jeder Situation den Spiegel vorhalten: Was hätte ich getan?

Das Buch wird von Alison selbst aus der Ego-Perspektive erzählt, was Frauen wohl stärker anspricht.

Veröffentlicht am 18.11.2019

Zwei Mädchen, zwei Kriege und ein Geheimnis

Die Schuld jenes Sommers
0

Verliert man seine beste Freundin oder besten Freund im Kindesalter, ist das an sich schon dramatisch und er wirkt lange nach. Protagonistin Frances ist genau das passiert, aber im selben Sommer geschah ...

Verliert man seine beste Freundin oder besten Freund im Kindesalter, ist das an sich schon dramatisch und er wirkt lange nach. Protagonistin Frances ist genau das passiert, aber im selben Sommer geschah noch einiges mehr, das viele Jahre im Dunklen lag…

In den Wirren gegen Ende des ersten Weltkriegs lebten Frances und Wyn ein für damalige Zeiten in Großbritannien normales Kinderleben, träumten von fernen Ländern und reichen Männern die sie mal heiraten würden. Dann verschwand Wyn für immer und ihre Leiche wurde 24 Jahre lang nicht gefunden.

Fast ein Vierteljahrhundert später, die ganze Nation noch einen großen Krieg überstehen muss, spielt die Geschichte im Jahr 1942. Bomben werden über Bath abgeworfen, wo Frances aktuell wieder lebt. Es gibt viele Tote und noch mehr zertrümmerte Gebäude, das Chaos bricht aus. Und mittendrin: Wyn.

Dieser Tag nach den Bomben ist eine weitere Zäsur für Frances. Langsam kommen Erinnerungsfetzen von damals wieder zurück und sie setzt ein lange verschollen gedachtes Puzzle wieder zusammen, um zu lüften, was 1918 wirklich passierte. Mit Wyn - aber auch mit ihr selbst.

“Die Schuld jenes Sommes” ist ein historischer Roman mit Spannungselementen, der sehr authentisch aufgebaut wurde, was das Setting, die Lebensumstände betrifft. Manches läuft sehr detailliert ab, daher gibt es ein paar Längen. Durch die häufigen Wechsel zwischen 1942 und 1918 (Rückblicke aus Frances’ Sicht) wird es aber nicht zu langweilig. Man kann selbst gut mitraten, versuchen, die Erinnerungen zu deuten, die wahren Ereignisse von den verklärten zu unterscheiden.

Am Ende gibt es eine Auflösung für die drängendsten Fragen, danach bricht das Buch allerdings ab. Inwieweit Frances’ Aussagen und Entdeckungen noch nachwirken, kann sich der Leser selbst ausmalen. Die Geschichte (da so breit angelegt) wirft einige Nebenschauplätze und -geschichten auf. Wenn die alle ebenfalls zu einem Ende gekommen wären, hätten aber wohl noch einige Dutzend Seiten auf die ohnehin schon 462 folgen müssen.

Veröffentlicht am 18.11.2019

Terror, Drogen und Rachepläne: Für Zack Herry geht es wieder rund

In den Klauen des Falken
0

Terror in Zacks Revier: Zack Herry, grenz-genialer, vom Leben nicht immer begünstigter und teilweise jenseits von Gut und Böse agierender Polizist (Teil einer Sondergruppe von Ermittlern) muss sich in ...

Terror in Zacks Revier: Zack Herry, grenz-genialer, vom Leben nicht immer begünstigter und teilweise jenseits von Gut und Böse agierender Polizist (Teil einer Sondergruppe von Ermittlern) muss sich in seinem fünften Band entscheiden. Könnte ich ein Kind erschießen, wenn hunderte Menschenleben davon abhängen?

Wie sehr dieser Moment im Rest des Buches noch nachwirkt, wie genau er in die Hauptstory verstrickt ist, erfährt man als Leser nicht gleich, hat aber immer das Gefühl, dass er noch eine größere Rolle spielen könnte.

In “In den Klauen des Falken” vermisst die Polizei einen ihrer wichtigsten undercover-Ermittler. Er sollte mittels einer Kontaktperson eine Stockholmer Drogen-Gang überwachen. Ist er in Gefahr? Und was passiert mit dem eingeschleusten Helfer?

Wie für die Zack-Herry-Krimis typisch, überschlagen sich bald die Ereignisse, da Zack, seine Kollegin Deniz und die anderen der Sondereinheit mit ihren Ermittlungen ins Wespennest stechen. Leichen werden gefunden, Machenschaften in Gang gesetzt und auch Zacks Freund Abdula spielt wieder eine Rolle.

Als Kenner der bisherigen Bände war ich hier besonders neugierig, wie sich der Einfluss der neuen Co-Autorin Anna Karolina äußern würde. Ich fand, dass vor allem die erste Hälfte des Buches was Harry betrifft, einen etwas ruhigeren Touch hatte, aber Erzählstil und Pageturner-Qualitäten der Reihe haben sich nicht verändert.

Die Bände lassen sich auch einzeln lesen, aber es gibt durchaus manchmal detaillierte, manchmal kürzere Andeutung an ältere Ereignisse. Wer einfach nur schwedischen Thrill-Kick erleben möchte und sich nicht an Andeutungen stört, der kann bedenkenlos zu diesem und jedem der anderen 4 Bücher mit Zack Herry greifen. Oder natürlich die Serie von Beginn an starten, um dranzubleiben.

Veröffentlicht am 06.11.2019

Nicht alles ist rational erklärbar

Perchtenjagd
0

Auch wenn immer noch ein bisschen mehr geht - dieser Krimi hat definitiv eine gute Portion Lokalkolorit erhalten. Ob es nun der hartnäckige Gerichtspsychologe Thomas Meiberger, der klassisch untalentierte ...

Auch wenn immer noch ein bisschen mehr geht - dieser Krimi hat definitiv eine gute Portion Lokalkolorit erhalten. Ob es nun der hartnäckige Gerichtspsychologe Thomas Meiberger, der klassisch untalentierte wie uninteressierte Inspektor Bacher, der ambitionierte Inspektor Ganslinger oder ein abgekämpfter Salzburger Kripochef ist, sie alle tragen zur besonderen Atmosphäre dieses Salzkammergut-Krimis bei.

Doch mit der österreichischen Gemütlichkeit bei Würstel oder Kaffee ist es schnell vorbei, als ein Kind verschwindet und Meiberger schmerzlich an einen eigenen Verlust erinnert wird. Nicht zuletzt deshalb beißt er sich an diesem Fall fest und zieht die richtigen aber auch die falschen Schlüsse.

Seltsam verzierte Männerleichen tauchen auf, Meiberger wird vom Fall abgezogen und als er eine wichtige Zeugin beschützen will, überschlagen sich die Ereignisse.

Alles in allem ist ein Teil der Geschichte gut erzählt, manche Zusammenhänge spannend und Wendungen gelungen. Ein anderer Teil ist dann doch unerwartet actiongeladen und letzten Endes sind einige Passagen im Krimi enthalten, die nicht ganz zur ansonsten realistischen Story zu passen scheinen. Als jemand der die Fernsehserie rund um Meiberger nicht kennt und mit Magie und Mystik nicht so viel anfangen kann, musste ich da immer wieder stutzen.

Wer da aber darüber hinwegsehen kann, wird hier gut unterhalten.

Veröffentlicht am 06.11.2019

Düster und behäbig

Verborgen im Gletscher
0

Schwer- und wankelmütig, ganz wie “der Isländer” gerne etwas stereotyp gesehen wird, präsentiert sich dieser Krimi von Arnaldur Indriðason. Hauptfigur ist der kürzlich pensionierte Polizist Konráð, ein ...

Schwer- und wankelmütig, ganz wie “der Isländer” gerne etwas stereotyp gesehen wird, präsentiert sich dieser Krimi von Arnaldur Indriðason. Hauptfigur ist der kürzlich pensionierte Polizist Konráð, ein gutes Beispiel für den eben angesprochenen “Isländer”.

Er beschäftigt sich zwar gerne und viel mit seinen Enkeln, trauert aber immer noch intensiv um seine verstorbene Frau, hängt gedanklich generell viel in der Vergangenheit. Das sind auch durchaus interessante Passagen, die sich in möglichen Fortsetzungen auch mehr Raum verdient hätten. Konráðs Vater hatte eine sehr düstere Seite, die wohl auch auf ihn als Jungen abgefärbt hat. Doch Konráð schaffte rechtzeitig den Absprung.

Aus seinem ehemaligen Beruf dagegen gelang das noch nicht so gut, auch hier holt ihn die Vergangenheit ein. Eine Leiche wird gefunden und sie passt zu einem von Konráðs wenigen alten Fällen, die nie aufgeklärt werden konnten. Lässt sich nach so vielen Jahren nun noch etwas herausfinden?

Wer einen blutigen, actiongeladenen Krimi erwartet, ist hier Fehl am Platz. “Verborgen im Gletscher” hat seine eigenen Gesetze und lässt den Leser die Mühsal eines Cold Case spüren. Feinste, kleinste Hinweise verstecken sind in langen Befragungen, ein gefundener Zeuge oder Name ergibt den nächsten. Konráð wird wider Willen hineingezogen und kann am Ende dann doch nicht die Finger von diesem Fall lassen und ermittelt auf eigene Faust.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Spannung
  • Geschichte
  • Stimmung
  • Figuren