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Veröffentlicht am 09.01.2019

Ein interessanter Reihenauftakt

Die Krone der Dunkelheit
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Der Hype um "Die Krone der Dunkelheit" im Herbst ist auch mir nicht entgangen und ich bin gerade dadurch auf das neuste Buch von Laura Kneidl aufmerksam geworden. Nicht nur das wunderschöne Cover, sondern ...

Der Hype um "Die Krone der Dunkelheit" im Herbst ist auch mir nicht entgangen und ich bin gerade dadurch auf das neuste Buch von Laura Kneidl aufmerksam geworden. Nicht nur das wunderschöne Cover, sondern auch die packende Inhaltsangabe haben mich neugierig auf das Buch gemacht.

Soweit ich weiss, handelt es sich hierbei um den ersten High Fantasy Roman der Autorin, deshalb war ich sehr gespannt, was für ein Worldbuilding sie sich ausgedacht hat. Das Buch ist am Anfang mit einer Karte ausgestattet, die dem Leser einen Überblick über die Welt geben soll, in der die Geschichte spielt. So etwas finde ich immer sehr hilfreich, wirkt aber bei der Printversion vermutlich viel besser, weil man auch während dem Lesen hin und her blättern kann, um sich zu orientieren, wo sich die einzelnen Charaktere gerade befinden. Bei einem Ebook funktioniert das leider nicht ganz so einfach, deshalb habe ich die Karte nur ein einziges Mal, vor dem Lesen, studiert. Trotzdem eine schöne Idee, bei der ich mir gewünscht hätte, das Buch auch einmal "in Echt" in den Händen zu halten. Ungefähr in der Mitte des Ebooks sind dann noch einmal ein paar Illustrationen enthalten, die zeigen, wie die wichtigsten Charaktere aus der Geschichte aussehen. Das fand ich eine sehr tolle Idee. Ich weiss nicht, ob die Illustrationen in der Printversion farbig sind, aber ich könnte mir vorstellen, dass auch sie im "Original" besser als Schwarz/Weiss auf einem eReader aussehen.

Die Story selbst wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, wobei sich die verschiedenen Charaktere zu Beginn noch fast alle an unterschiedlichen Orten befinden. Oftmals habe ich bei häufigen Orts- und Perspektivenwechsel Mühe damit, einen Überblick zu behalten, wer genau wer ist, aber in diesem Buch ist es mir erstaunlich einfach gefallen, in die Welt hineinzutauchen und mich darin mitsamt den verschiedenen Wesen und Protagonisten zurechtzufinden. Hilfreich war dabei vermutlich der Umstand, dass Kneidl ein sehr gemächliches Erzähltempo an den Tag gelegt hat, das es einem vereinfacht, die Charaktere und deren Verbindungen untereinander nach und nach zu erfahren. Gleichzeitig ist das Erzähltempo aber auch etwas, das ich als Kritikpunkt anfügen muss, denn vor allem in der ersten Hälfte des Buches zieht sich die Geschichte stellenweise schon sehr in die Länge und für meinen Geschmack hätten einzelne Erzählstränge etwas kompakter erzählt werden können und das Buch hätte um gut mindestens 100 Seiten gekürzt werden können, ohne das relevante Informationen verlorengegangen wären.

Was die Charaktere angeht, hat die Autorin eine grosse Vielfalt bewiesen. Auf der einen Seite haben wir Prinzessin Freya, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, ihren verschollenen Bruder Talon ausfindig zu machen. Mit Hilfe von Magie (die in ihrem Land eigentlich strengstens untersagt ist) kann sich den Aufenthaltsort ihres Bruders herausfinden, doch zu ihrem Leidwesen, befindet sich der sich ausgerechnet im Land der Fae, die den Menschen nicht sehr wohlgesinnt sind und wo sich auch andere gefährliche Wesen aufhalten. Sie beschliesst deshalb den Wächter Larkin aus dem Gefängnis zu befreien und mit seiner Hilfe zu ihrem Bruder zu gelangen.
Auf der anderen Seite haben wir Ceylan, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, als erste weibliche Novizin bei den Wächtern aufgenommen zu werden, deren Aufgabe es unter anderem ist, auf einer Mauer die Grenzen zweier Ländern zu schützen. Sie hat es vor allem ihrer Dickköpfigkeit und ihrem leichtsinnigen Mut zu verdanken, dass sie es tatsächlich schafft, ihr Ziel zu erreichen und eine Novizin zu werden. Bei einer Aufnahmezeremonie lernt sie den Fae-Prinzen Kheeran kennen, der kurze Zeit später wieder in sein Königreich zurückkehrt um sich auf die bevorstehende Krönung vorzubereiten. Für diesen Anlass reisen viele Gäste heran, darunter auch ein böswilliger Halbling, der es sich zum Ziel gemacht hat, den Fae-Prinzen noch vor seiner Krönung umzubringen.
Das sind nur einige ausgewählte Charaktere, die man im Laufe der Geschichte kennenlernt, es würde den Rahmen sprengen, auch noch die vielen Nebencharaktere zu erwähnen, die ebenfalls im Buch vorkommen.

Positiv fand ich, dass Laura Kneidl versucht, in ihrem Buch Diversity einzubauen. Ein Thema ist dabei Homosexualität, das in der Welt der Fae sehr offen gelebt wird. Schade fand ich, dass es aber lediglich bei dieser Andeutung blieb, denn an einer Stelle berichtet Prinz Kheeran zwar, dass er schon das Bett mit einer weiblichen und einem männlichen Fae geteilt hat und sehr viele Fae homosexuelle Beziehungen eingehen, aber er selbst gehört - natürlich und leider - nicht dazu. Stattdessen greift Kneidl lieber auf das altbewährte Mittel einer "klassischen" Mann-Frau-Konstellation zurück und deutet eine potentielle Liebesbeziehung zwischen Kheeran und Ceylan an, die vermutlich im weiteren Verlauf noch eine Rolle spielen könnte. Sehr schade, dass die Autorin an dieser Stelle eine Gelegenheit für Diversity bei einem wichtigen Protagonisten auslässt, für die sie selbst die perfekte Vorlage geliefert hat. Für mich muss Diversity nicht auf Biegen und Brechen in jedes Buch eingebaut werden, aber hier hat es mich nach der Erläuterung der sehr offen gelebten Sexualität der Fae schon fast irritiert, dass Kheeran sich selbst als eindeutig heterosexuell einordnet.

Obwohl das Buch seine Längen aufweist, konnte es mich dennoch durchweg gut unterhalten und es war nie so, dass ich das Gefühl hatte, ich müsste mich zum Weiterlesen zwingen. Trotzdem war ich überrascht, wie wenig man am Ende eigentlich über die Hintergründe des Worldbuildings erfährt, wenn man bedenkt, dass das Buch über 600 Seiten lang ist. Ich hätte mir hier mehr Hintergrundinformationen zu dem bestehenden Konflikt zwischen den Menschen und den Fae gewünscht. Die Fae selbst werden noch einmal zwischen Seelie und Unseelie unterschieden, wobei mir bis zuletzt nicht ganz klar war, was denn den Unterschied überhaupt ausmacht - das wäre für mich als Leserin vor allem deshalb noch wichtig gewesen zu erfahren, weil man dadurch die Beweggründe des Bösewichts hätte verstehen können, der den Mord an Kheeran in Auftrag gegeben hat.
Das Worldbuilding von Kneidl erinnert zudem teilweise an andere High Fantasy Romane, wobei es vermutlich bei der Masse an Büchern auch schwierig ist, das Rad neu zu erfinden. Aber gerade bei der Erwähnung der Mauer, die durch die Wächter beschützt wird, ist mir die Ähnlichkeit zu Game of Thrones schon sehr ins Auge gestochen und auf mich hat die Idee deshalb ein bisschen abgekupfert gewirkt.

Eine weitere Kleinigkeit, die ich schade fand, war die Einführung des Piraten Elroy, der in meinen Augen etwas stiefmütterlich behandelt wurde und dadurch auch widersprüchlich beschrieben wurde. Elroy ist ein Charakter, der sofort mein Interesse wecken konnte und über den ich gerne mehr erfahren hätte. Er ist einer der wenigen, der Freya zu Beginn ihrer Reise - trotz Verkleidung - sofort als Prinzessin erkennt und sie darauf anspricht. Das deutet für mich darauf hin, dass er nicht auf den Kopf gefallen ist. Freya und Larkin gehen mit ihm kurze Zeit später einen Deal ein, damit Elroy sie mit seinem Schiff und seiner Crew ins Land der Fae bringt. Der Deal basiert allerdings auf einer wenig durchdachten und sehr schlechten Lüge von Larkin und Freya, die Elroy aber weder bemerkt, noch irgendwie hinterfragt. Stattdessen geht er den Deal gutgläubig ein, bringt Freya und Larkin problemlos zu ihrem Wunschort und verabschiedet sich dann für den ganzen Rest der Geschichte. Dadurch, dass Elroy zuvor aber als sehr cleverer und gerissener Charakter eingeführt wurde, hat mich diese Leichtgläubigkeit sehr irritiert. Ich nehme an, dass es in den Folgebänden ein Wiedersehen mit ihm geben wird und die Lüge von Larkin noch ein Nachspiel haben wird, aber für mich hat es durch die Art und Weise wie Elroy eingeführt wurde, überhaupt keinen Sinn gemacht. Für mich hat der Ablauf des Deals total konstruiert und unglaubwürdig gewirkt, denn Elroy hat im Gegenzug für seine Hilfe gefordert, dass Larkin das bestgehütete Geheimnis der Wächter preisgibt, wogegen sich Larkin anfangs auch noch lautstark gewehrt hat. Kurze Zeit später hatte er nach einem Gespräch mit Freya dann einen kompletten Sinneswandel und das Geheimnis ohne zu Zögern preiszugeben - das hätte Elroy doch misstrauisch machen müssen. Das hätte man sicher irgendwie besser lösen können. Und trotzdem hoffe ich natürlich sehr, dass wir noch mehr von Elroy sehen werden.

Nachdem man die Gelegenheit hat, alle Charaktere einzeln besser kennenzulernen, gelingt es der Autorin am Ende auf eine sehr geschickte Art und Weise die einzelnen Erzählstränge zu einem Ganzen zusammenzuführen. Auslöser dafür ist vor allem auch ein Plot Twist, den ich nicht habe kommen sehen und der mich deshalb positiv überrascht hat. Am Ende des Buches erwartet den Leser schliesslich ein (vorübergehender) Showdown, der die Handlung ein ganzes Stück voranbringt und mich sehr neugierig auf die Fortsetzung gemacht hat.

Fazit:
Laura Kneidl hat mit "Die Krone der Dunkelheit" einen interessanten Auftakt für eine High Fantasy Trilogie geliefert, in dem sie sich vor allem auf die Einführung der verschiedenen Charaktere und Orte ihres Worldbuilding fokussiert. Das Erzähltempo ist sehr gemächlich und führt dazu, dass das Buch stellenweise seine Längen aufweist, allerdings nie so, dass ich das Interesse an der Story verloren hätte. Dennoch hätte das Buch vermutlich etwas kompakter und temporeicher erzählt werden können. Durch vielschichtige Charaktere und einem spannenden Showdown am Ende des Buches hat mich die Autorin für ihren Fantasyroman begeistern können und ich bin gespannt, wie die Geschichte von Freya, Kheeran und Co. weitergehen wird, nachdem die Grundsteine nun gelegt wurden. Von mir gibt es für das Buch aufgrund einiger Schwächen 4 Sterne.

Veröffentlicht am 05.01.2019

Solider Auftakt mit Luft nach oben

Revenge. Sternensturm (Revenge 1)
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Vorneweg: Ich bin ein grosser Fan der Lux-Mutterserie, auf der dieses Spin-Off basiert. Ich habe die Bücher vor einigen Jahren regelrecht verschlungen und bin erst dadurch ein grosser Fan der Autorin geworden. ...

Vorneweg: Ich bin ein grosser Fan der Lux-Mutterserie, auf der dieses Spin-Off basiert. Ich habe die Bücher vor einigen Jahren regelrecht verschlungen und bin erst dadurch ein grosser Fan der Autorin geworden. Als ich gehört habe, dass JLA eine neue Reihe im Lux-Universum schreiben wird, war ich einerseits natürlich gespannt und hoch erfreut, andererseits hatte ich nach der grandiosen Lux-Reihe entsprechend hohe Erwartungen an das Buch, die leider nicht ganz erfüllt werden konnten.

Die Geschichte in Revenge handelt einerseits von Luc, einem Origin, der bereits in der Lux-Reihe seiner Erwähnung findet. Er spielt dort meines Wissens nach keine riesige Rolle, hat sich aber damals durch seine Art schnell in die Herzen der Fans geschlichen. Mir ging es nicht ganz so, für mich war er einfach eine Randfigur, die mit den Hauptcharakteren interagiert hatte. Ich mochte ihn zwar, aber wäre nicht schon früh ein Spin-Off mit ihm angekündigt worden, wäre er bei mir vermutlich schnell wieder in Vergessenheit geraten.
Dem Origin gegenüber steht natürlich eine weibliche Protagonistin: Evie. Sie ist ein scheinbar normales Mädchen, das zur High School geht und sich eines Nachts mit ihrer besten Freundin Heidi ins "Vorbote" schleicht - einem Club, in dem sich Gerüchten nach auch Lux aufhalten. Es dauert nicht lange, bis sie auf Luc trifft, der von Anfang an eine gewisse Faszination für Evie zu hegen scheint. In der ganzen ersten Hälfte hatte ich befürchtet, dass es sich um eine platte Insta-Lovestory handelt, doch der Schein trügt und nach und nach erfährt man, dass zum Glück noch mehr dahinter steckt, als man als Leser anfangs vermutet.
Evie kommt durch den Abend im Club mit der Welt der Lux in Berührung, nicht zuletzt dadurch, dass Luc einen sehr engen Kontakt zu der Alienrasse hegt und scheinbar auch krumme Geschäfte mit ihnen tätigt. Gleichzeitig treibt aber auch ausserhalb des Clubs irgendein Bösewicht sein Unwesen. Immer wieder verschwinden Menschen, hauptsächlich junge Frauen, auf unerklärlicherweise. Einige Zeit später werden sie tot aufgefunden. Den Leichen fehlen jeweils die Augen und sie sehen aus, als wären sie durch einen heftigen Stromschlag gestorben. Die Vermutung liegt deshalb nahe, dass ein oder mehrere Lux die Täter sind. Und nun gilt es herauszufinden, wer hinter dem Bösen steckt. Denn das weiss nicht mal Luc, der in der Welt der Aliens ansonsten bestens vernetzt und informiert ist.

Die Handlung war für meinen Geschmack, insbesondere in der ersten Hälfte des Buches, sehr dünn. Es passiert gar nicht so viel, abgesehen davon, dass die beiden Hauptcharaktere sich anschmachten. Luc und Evie wirken dabei wie Abziehbildchen von Daemon und Katy aus der Mutterserie - und das fand ich extrem schade und war bis zuletzt mein Hauptkritikpunkt. JLA hat sich bei der Charakterisierung in meinen Augen nicht sehr viel Mühe gegeben und den beiden Protagonisten fehlt es nicht nur an Eigenheiten (die sie insbesondere von ihren "Vorgängern" abheben), sondern auch eine gewisse Tiefe und Vielschichtigkeit. Luc ist zwar etwas zahmer als Daemon, aber gerade bei Evie konnte ich (bis auf ihre persönliche Vorliebe für Cola) kaum Charakterzüge entdecken, die sie einzigartig gemacht hätten. JLA setzt dem Ganzen die Krone auf, indem Luc sich den Spitznamen "Peaches" für Evie ausdenkt und sie während des gesamten restlichen Buches so nennt, wohlwissend, dass Evie davon genervt ist und ihn mehrfach darum bittet, dies sein zu lassen. Na, klingelt es da bei wem? Exakt das gleiche hat Deamon auch mit Katy in der Lux-Reihe gemacht, indem er sie "Kitten" genannt hat. Da hätte die Autorin für meinen Geschmack etwas mehr Kreativität beweisen können, gerade wenn sie eines ihrer Universen "recycelt" und es sich dadurch ersparen kann, eine neue Welt erschaffen zu müssen. Das bedeutet für mich nämlich nicht, dass man die Charaktere auch recyceln muss.

In der zweiten Hälfte bessert sich die Situation dann etwas. Es geschieht ein unerwartete Plot Twist der etwas über Evies Vergangenheit und ihrer Verbindung zu Luc und den Lux verrät, den ich so nicht habe kommen sehen. Ab diesem Zeitpunkt konnte mich das Buch etwas mehr begeistern, denn endlich wurde es durch eine grosse Enthüllung ein bisschen interessanter. Der Schlussteil endete dann, wie man es von JLA gewohnt ist, mit einem eher kurzen Showdown, der schnell abgehandelt ist. Dadurch, dass nicht alle Geheimnisse aufgeklärt wurden, ist mein Interesse für die Fortsetzungen aber geweckt.

Fazit:
Für Fans der Lux-Mutterserie ist "Revenge - Sternensturm" sicher ein Muss, nicht zuletzt dadurch, dass es ein kurzes Wiedersehen mit einem alten Bekannten gibt, das mein Fan-Herz höher schlagen liess. Man sollte jedoch nicht mit zu hohen Erwartungen an das Buch herangehen, denn an die Lux-Reihe ist dieses Buch für mich nicht herangekommen. Grund dafür war die teilweise etwas dünne Story und die Protagonisten, die wie Abziehbildchen der Hauptcharaktere aus Obsidian gewirkt haben. Es handelt sich um einen soliden Reihenauftakt, der mich aber nicht vollends überzeugen konnte. Für die Fortsetzungen bleibt noch Luft nach oben und ich hoffe, dass JLA da wieder etwas mehr Kreativität beweist. Aufgrund des überraschenden Plot Twists, der mich dann doch noch begeistern konnte, vergebe ich dem Buch trotz einiger Schwächen 3,5 Sterne.

Veröffentlicht am 16.12.2018

Ein kurzweiliger Thriller

The Dead List
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"The Dead List" ist mein zweiter Thriller, den ich von Jennifer L. Armentrout gelesen habe. Neu war allerdings, dass ihr neuster Thriller mit den Stichworten "Sexy Crime" auf dem Cover vermarktet wurde. ...

"The Dead List" ist mein zweiter Thriller, den ich von Jennifer L. Armentrout gelesen habe. Neu war allerdings, dass ihr neuster Thriller mit den Stichworten "Sexy Crime" auf dem Cover vermarktet wurde. Als grosser Fan der Autorin, habe ich bislang fast jedes ihrer Bücher gelesen, musste aber feststellen, dass in ihren neueren Romanen immer mehr explizit ausgeschriebene erotische Szenen miteinfliessen und dadurch für mich teilweise die eigentliche Handlung in den Hintergrund gedrängt wird. Ich war also einerseits neugierig, andererseits auch skeptisch, wie JLA den Mix zwischen Erotik und Thriller bewerkstelligen wollte, wusste aber auch nicht so richtig, was mich eigentlich erwarten wird.

Der Thriller handelt von Ella, einer Schülerin die eines Nachts von einem Unbekannten mit einer Clownsmaske überfallen wird. Glücklicherweise kann sie aus dieser Situation gerettet werden, doch der Vorfall hinterlässt deutliche Spuren bei Ella, die vermutlich erst ganz verschwinden können, wenn der Täter gefasst wird. Und als hätte sie seit dem Angriff nicht schon genug Angst, tauchen in den folgenden Wochen immer wieder verschiedene ominöse Hinweise auf, die darauf schliessen lassen, dass der Täter sie nach wie vor im Auge behält und sogar in ihre Wohnung einbrechen kann, ohne dass sie es gemerkt hat.
Um wenigstens ein bisschen das Gefühl von Sicherheit zurückzuerlangen, entschliesst sie sich einen Selbstverteidigungskurs zu machen. Der Kursleiter ist jedoch kein Unbekannter, sondern ausgerechnet ihr ehemals bester Freund Jensen, in den sie vor einigen Jahren heimlich verliebt war. Obwohl sich die beiden lange Zeit nicht mehr gesehen haben, weil Jensen damals wegezogen ist, werden nach dem Wiedersehen wieder alte Gefühle wach und es beginnt zwischen den beiden zu knistern - trotz der ständigen Angst, die Ella durchs Leben begleitet. Doch Jensen schafft es, sie wenigstens für ein paar Augenblicke von dieser Furcht abzulenken und ihr Schutz zu geben.
Neben diesem Hauptplot sind auch immer wieder Kapitel eingefügt, die von einem tragischen Ereignis aus der Vergangenheit erzählen, bei dem Penn, einer von Ellas und Jensens damaligen besten Freunden, ums Leben gekommen ist. Angestossen werden diese Erinnerungen ausgerechnet durch Ereignisse aus der Gegenwart. Ella war nicht die Einzige, die von einem Unbekannten überfallen wurde. Nach und nach verschwinden immer mehr Mädchen, die Penn zu seinen Lebzeiten gemobbt haben. Auch die Hinweise, die der Täter Ella immer wieder hinterlegt, erinnern an Penn, so dass Ella nicht mehr an einen Zufall glaubt, sondern davon ausgeht, dass die Entführungen und Überfälle aus der Gegenwart auf irgendeine Art mit Penn in Verbindung stehen. Doch wer steckt hinter diesem ganzen Übel?

Durch den packenden und flüssigen Schreibstil der Autorin, ist das Buch sehr kurzweilig und es liest sich sehr schnell. Kaum habe ich mit dem Lesen begonnen, war ich auch schon mittendrin in der Handlung und die Seiten sind sprichwörtlich dahin geflogen. Dabei gelingt es ihr auf geschickte Weise, durch die Verknüpfung von der Vergangenheit mit der Gegenwart, die Spannung während des gesamten Buches aufrecht zu erhalten. Bis zuletzt habe ich mitgerätselt, wer der Täter sein könnte. Die Enthüllung war am Schluss zwar nicht so schockierend oder überraschend, wie ich erwartet hätte, aber sie fügt sich gut in die restliche Geschichte ein und machte für mich als Leserin Sinn.
Neben dem Thriller-Aspekt möchte ich aber natürlich auch auf den anfänglich angesprochenen erotischen Teil zu sprechen kommen. Der blieb nämlich, wider Erwarten und zu meiner positiven Überraschung, fast gänzlich aus. Zwar ist die Liebesgeschichte, die sich zwischen Ella und Jensen entwickelt, sehr vorhersehbar und ja, teilweise auch etwas kitschig, aber es gibt im Buch keine expliziten erotischen Szenen. Alle Sexszenen - und das waren zum Glück sehr wenige - werden nur kurz angedeutet und stören somit nicht den eigentlichen Verlauf der Handlung. Als "Sexy Crime" würde ich den Thriller damit nicht unbedingt bezeichnen, da es kaum sexy wird, aber der romantische Anteil fügt sich gut in den Plot ein und bietet dem Leser ein bisschen "Verschnaufpausen" neben der beklemmenden, eigentlichen Handlung.

Fazit:
Bei "The Dead List" handelt es sich um einen kurzweiligen Thriller, der mit ein paar romantischen Anteilen ergänzt wird, die sich gut in den Hauptplot einfügen, in meinen Augen aber nicht unbedingt nötig gewesen wären. Es handelt sich um kein literarisches, hochkomplexes Meisterwerk, aber ich wurde während der gesamten Lesezeit gut unterhalten und habe ich mich an keiner Stelle gelangweilt. Da mir aber dennoch das gewisse Etwas gefehlt hat, dass das Buch aus der Masse an Thrillern herausstechen lassen würde, gibt es von mir 3,5 Sterne.

Veröffentlicht am 10.12.2018

Eine berührende Geschichte

Jeder von uns ist ein Rätsel
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Auf "Jeder von uns ist ein Rätsel" bin ich in erster Linie aufgrund des auffälligen Covers aufmerksam geworden. Das Cover stellt ein Labyrinth dar, das im Laufe der Handlung seine Erwähnung findet und ...

Auf "Jeder von uns ist ein Rätsel" bin ich in erster Linie aufgrund des auffälligen Covers aufmerksam geworden. Das Cover stellt ein Labyrinth dar, das im Laufe der Handlung seine Erwähnung findet und einen direkten Zusammenhang mit der Protagonistin Alvie aufweist, die unter dem Asperger Syndrom - also einer Form von Autismus - leidet. Als Leser hat man nicht direkt von Anfang an Kenntnis von dieser Diagnose und man wird zuerst einmal mit den teilweise sonderbaren Verhaltensauffälligkeiten und Eigenheiten von Alvie vertraut gemacht. Wenn man das Buch sehr aufmerksam liest und sich ein Stück weit mit Autismus auskennt, dann wird man vermutlich sehr bald einmal auf die Verdachtsdiagnose Autismus oder Asperger kommen - zumindest erging es mir so. Das erwähne ich deshalb besonders, weil dieser Umstand dafür spricht, dass es der Autorin gelungen ist, die Krankheit sehr authentisch und realistisch darzustellen, ohne das Kind direkt beim Namen zu nennen. Dafür gibt es einen grossen Pluspunkt von mir. Man kann sich selbst als Nicht-Autist/in sehr gut in die Gedanken- und Gefühlswelt von Alvie einfühlen und ein Stück weit erleben, wie herausfordernd für sie ganz alltägliche Situationen mit sozialem Kontakt sein können.

A. J. Steiger ist es gelungen, mit Alvie eine sehr tiefgründige, vielschichtige und vor allem liebenswerte Protagonistin zu schaffen, ohne ihre psychische Erkrankung beschönigend darzustellen. Jedes Mal wenn Alvie an die Grenzen ihres Aspergers Syndroms gelangt ist, habe ich mit ihr mitgefühlt. Was Alvies Schicksal doppelt so traurig macht, ist ausserdem der Umstand, dass sie sich mit gerade mal 17 Jahren alleine durchs Leben kämpfen muss, da ihre Mutter, die ihre einzige Bezugsperson gewesen war, vor ein paar Jahren verstorben ist. Wie es dazu gekommen ist, erfährt man auch erst nach und nach und ich will nur so viel verraten: Auch dieser Schicksalsschlag hat mich sehr berührt und mitgenommen.

Neben all den bedrückenden Thematiken, die besonders Alvies Autismus und ihre Vergangenheit betreffen, gibt es aber auch viele amüsante und wunderschöne Szenen im Buch, die einen immer wieder über die traurigen Erinnerungen hinwegtrösten. Grund dafür ist unter anderem Stanley, ein 19-jähriger junger Mann, den Alvie eher durch Zufall in einem Chat kennenlernt, nachdem sie sein Handy aus einem Teich im Park gefischt hat. Sehr bald entsteht zwischen den beiden eine enge Bindung, und das trotz Alvies auffälligem und teilweise sonderbarem Verhalten, das auch Stanley nicht entgangen ist und immer wieder zu ulkigen Situationen führt. Trotz, oder gerade wegen Alvies Eigenheiten scheint Stanley ein besonderes Interesse für sie zu entwickeln und die beiden verlieben sich ineinander, was sie immer wieder vor neue Herausforderungen stellt - denn was Alvie anfangs nicht weiss: Nicht nur sie, sondern auch Stanley hat eine Krankheit, die sein Leben beeinträchtigt. Auch seine Charakterisierung ist der Autorin sehr gelungen, was Alvie und Stanley zu einem aussergewöhnlichen und tollen Pärchen macht.

Die Geschichte wird eher in einem gemächlichen Tempo erzählt, so dass zwischenzeitlich manchmal für kurze Momenten ein paar Längen entstanden sind, die aber durch meist darauffolgende berührende Szenen wieder wett gemacht werden. Der Schreibstil der Autorin ist sehr angenehm und flüssig zu lesen und passt perfekt zu einer Geschichte aus den Augen einer 17-jährigen.

Fazit:
Das Buch hat mich mit seinen Themen wie Erwachsenwerden, erste Liebe, schwierige Familiengeschichten und Schicksale und psychische und körperliche Erkrankungen sehr bewegt. Es war sehr berührend, die 17-jährige Alvie, die unter Asperger leidet, ein Stück weit auf ihrem Lebensweg zu begleiten. Es gelingt der Autorin sehr gut, die täglichen Herausforderung von Betroffenen mit Autismus realistisch darzustellen, so dass man als Leser ein Stück weit nachempfinden kann, wie schwierig selbst alltägliche soziale Situationen für Betroffene sein können. Insgesamt ein wunderschönes Buch, das zwischenzeitlich ein paar Längen aufweist, aber sehr empfehlenswert ist. Von mir gibt es deshalb 4,5 Sterne.

Veröffentlicht am 08.12.2018

Ein Buch ohne roten Faden

Elfenkrone
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Auf "Elfenkrone" bin ich aufgrund des grossen Hypes und den zahlreichen positiven Bewertungen auf Goodreads aufmerksam geworden, die nach dem Erscheinen des englischen Originals überall aufgetaucht sind. ...

Auf "Elfenkrone" bin ich aufgrund des grossen Hypes und den zahlreichen positiven Bewertungen auf Goodreads aufmerksam geworden, die nach dem Erscheinen des englischen Originals überall aufgetaucht sind. Da ich YA Fantasy liebe und Fae als Wesen bisher sehr interessant gefunden habe, waren meine Erwartungen dementsprechend hoch an das neuste Werk von Holly Black.
Vor ein paar Monaten, kurz nachdem das englische Original erschienen ist, habe ich schon einmal einen Versuch gestartet und wollte das Buch im Zuge einer Leserunde lesen. Bei knapp 20% ist es aber dann irgendwie bei mir in der Versenkung verschwunden, weil mich der Plot bis dahin nicht fesseln konnte und ich irgendwann einfach vergessen habe, weiterzulesen. Als ich erfahren habe, dass das Buch auf Deutsch erscheint, wollte ich Elfenkrone noch einmal eine neue Chance geben - bei all den guten Bewertungen muss es ja schliesslich gut sein, oder? Na ja, das dachte ich zumindest...
Nachdem ich das Ebook auf Deutsch erhalten hatte, habe ich noch einmal voller Elan in die Geschichte gestartet und war überrascht, wie wenig mir vom Inhalt nach nur wenigen Monaten hängen geblieben ist. Sowohl die Story, als auch die Charaktere (und davon gibt es sehr viele) waren mir völlig fremd. Doch ich wollte mich davon nicht beirren lassen. Ironischerweise habe ich es wieder bis ungefähr 20% des Ebooks geschafft, als ich eine erste Pause einlegen musste, weil ich keine Lust mehr hatte, weiterzulesen. (Mir ist erst im Nachhinein bei einem Vergleich mit meinen Leseupdates auf Goodreads aufgefallen, dass ich damals an einem ganz ähnlichen Punkt aufgehört habe weiterzulesen).

Man wird als Leser direkt ins Geschehen hinein geworfen: Judes Eltern werden ermordet, es erfolgt ein Zeitsprung und sie und ihre Geschwister(?) leben im Reich der Feen, in dem man sich als Leser praktisch selbst zurechtfinden muss. Es gibt bis dahin keinen ersichtlichen roten Faden, der mir zumindest eine annähernde Richtung vorgegeben hätte, in die sich der Plot entwickeln will. Das Geschehen plätschert vor sich hin und es tauchen viele verschiedene Namen von Charakteren auf, die ich aufgrund von fehlenden Hintergrundgeschichten nur schwer auseinander halten konnte. Selbst zu Jude konnte ich keinen Zugang aufbauen (ich war mir anfangs nicht mal sicher, ob sie eine Frau oder Mann ist), was für mich eher für eine schlechte Charakterisierung spricht. Insgesamt lässt sich sagen, dass die Autorin das Worldbuilding fast gänzlich weglässt und es für mich als Leser deshalb schwierig war, mich in der Welt der Fae zurechtzufinden. Man erfährt zwar hier und da über ein paar Gespräche von Jude, was im gegenwärtigen Zeitpunkt stattfindet, aber wieso und weshalb die Fae sich so verhalten und wie deren Welt aufgebaut ist, bleibt dem Leser vorenthalten.
Die fehlenden Erläuterungen zu den einzelnen Charakteren, der Welt und der Hintergrundgeschichte hat es mir extrem schwer gemacht, einen Zugang zur Geschichte zu finden. Ich wollte diesmal aber nicht so schnell aufgeben und habe mich dann noch bis zu 40% des Buches durchgequält, bevor ich endgültig aufgegeben habe, das Buch oder die fehlende Handlung verstehen zu wollen. Da dies bereits mein zweiter Versuch ist und mich das Buch beide Male nicht packen konnte, gehe ich nicht davon aus, dass ich das Buch noch gut finden würde. Dafür ist der Einstieg in das Buch in meinen Augen missglückt. Ich kann auch beim besten Willen nicht verstehen, wie der Hype um das Buch zustande gekommen ist, denn "Elfenkrone" war eines der schlechtesten Bücher, das ich in diesem Jahr gelesen habe. (Oder es zumindest versucht habe).


Fazit:
Ein Buch über Fae, das leider scheinbar ganz ohne roten Faden oder Worldbuilding auskommen muss und mich deshalb nicht fesseln konnte. Ich kann den Hype um das Buch beim besten Willen nicht verstehen und ich habe zweimal versucht, einen Zugang zu der Geschichte und den Charakteren zu finden, der beide Male missglückt ist. Bei knapp 40% habe ich das Buch abgebrochen, weil ich mich nicht länger durch eine Lektüre durchquälen wollte, die mir offensichtlich keinen Spass macht und deren Handlung nur so dahinplätschert. Von mir gibt es für das Buch 1.5 Sterne, das ich aufgrund der Idee mit der Feen-Welt auf 2 Sterne aufrunde. Man hätte aus der Grundlage aber viel mehr machen können. Dieser Versuch wirkte auf mich eher chaotisch und ziellos.