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26,00
inkl. MwSt
  • Verlag: btb
  • Themenbereich: Gesellschaft und Sozialwissenschaften - Gesellschaft und Kultur, allgemein
  • Genre: Sachbücher / Geschichte
  • Seitenzahl: 384
  • Ersterscheinung: 16.10.2024
  • ISBN: 9783442759651
Olivia Laing

Everybody

Warum unser Körper politisch ist
Thomas Mohr (Übersetzer)

Warum unser Körper politisch ist: Olivia Laing erzählt unter völlig neuen Vorzeichen von den Protestbewegungen des 20. Jahrhunderts.

Eine Tour de Force von »einer der bedeutendsten Stimmen unserer Zeit« (Financial Times). Brandaktuell geht Olivia Laing der Frage nach, was es bedeutet, einen Körper zu haben, der uns behindert, uns gefangen hält und zugleich befreit.

Der Körper ist eine Quelle des Vergnügens und des Schmerzes, gleichzeitig hoffnungslos verletzlich und doch voller Kraft. Mit einem radikal neuen Blick auf das letzte Jahrhundert analysiert Olivia Laing den langen Kampf um körperliche Freiheit. Laing erzählt von sexueller Befreiung und LGBTQ-Bewegungen, von Feminismus, globalen Gesundheitskrisen und dem Civil Rights Movement, stützt sich auf eigene Protesterfahrungen und unternimmt Reisen vom Berlin der Weimarer Zeit bis zu den Gefängnissen der McCarthy-Ära in Amerika. In den Recherchen begegnet Laing ausgehend von Wilhelm Reich und seinen Theorien einigen der spannendsten und kompliziertesten Persönlichkeiten des vergangenen Jahrhunderts, darunter Nina Simone, Sigmund Freud, Susan Sontag und Malcolm X.

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.02.2025

Unsere Körper sind politisch - erfahrt in Olivia Laings Buch, warum!

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Warum ist unser Körper politisch?! Dieser Frage geht Olivia Laing in ihrem Buch „Everybody“ nach. Sie führt dabei eine tiefgreifende Analyse der politischen (und sozialen) Dimension unserer Körper durch. ...

Warum ist unser Körper politisch?! Dieser Frage geht Olivia Laing in ihrem Buch „Everybody“ nach. Sie führt dabei eine tiefgreifende Analyse der politischen (und sozialen) Dimension unserer Körper durch.
Sie zeigt uns die Ambivalenzen in allen ihren Nuancen, die zwischen Unterdrückung und Freiheit stecken und ordnet sie in historische Zusammenhänge, nimmt Bezug auf die Relevanz von Identität und erläutert die Rolle, die Aktivismus dabei spielt.

Besonders die Auswahl der Persönlichkeiten, über die Olivia Laing spricht, hat mich fasziniert.
So erfahren wir beispielsweise, dass die Essayistin Susan Sontag, die vornehmlich als Intellektuelle wahrgenommen wurde, auch sehr unter ihrer Krebserkrankung und den damit verbundenen Folgen für ihren Körper, litt. Oft nehmen wir Werke von Autorinnen mehr auf einer körperlosen Ebene wahr - aber die Gedanken über ein Werk wandeln sich enorm, wenn man den Körper als Aspekt hinzuzieht, es gibt ihm mehr Tiefe. Mein wichtigstes Learning aus „Everybody“: Die Berücksichtigung, aus welchem Körper ein Mensch spricht und schreibt, ist enorm wichtig! Düstere, schmerzvolle Bücher sieht man in einem anderen Licht, wenn man weiß, dass der/die Schreibende in einem Körper lebt, der dem Tod gegenübersteht.

Laing denkt auch - ausgehend von Wilhelm Reich - darüber nach, wie der politische Aktivist Malcolm X zu seinem Körper stand, über Nina Simone oder den Psychiater Sigmund Freud. Sie verwebt dabei eigene Protesterfahrungen mit diesen inspirierenden historischen Persönlichkeiten und zeigt uns deren Einflüsse auf die Gesellschaft auf. Jede einzelne dieser Figuren hat einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der politischen Dimension unserer Körper beigetragen. So war Malcolm X in doppeltem Sinne eingesperrt, im Gefängnis und in seinem Körper. Laing macht das Gefängnis in ihrem Buch zu einer Metapher - wir können unseren Körper nur durch das Sterben und den Tod verlassen. Im eigenen Körper zu leben, fühlt sich für viele Menschen an, wie eingesperrt sein, was muss das nur für eine unerträgliche Erfahrung sein?! Warum also kollidieren gesellschaftliche Normen und individuelle Freiheit immer wieder miteinander?! Laing hat
Antworten!

Bezüglich der Identitätspolitik plädiert Laing auf Solidarität und Kommunikation, es sei wichtig über Unterschiede miteinander sprechen zu können. Sie denkt über Gemeinschaftlichkeit mit Fremden nach, sieht alles im Wandel und spricht sich gegen Stammeszugehörigkeiten aus.

Die sozialen Medien sieht sie kritisch, da Menschen dort präsent sind, aber doch verborgen bleiben.
„Meine Gefühle den sozialen Medien gegenüber haben sich sehr verändert in den vergangenen zehn Jahren. Als ich „The Lonely City“ geschrieben habe, dachte ich noch, das seien positive Orte, in denen man in Kontakt treten kann. Jetzt denke ich, ein Grund, warum sie so gefährlich sind, ist, dass sie körperlos sind, dass sie keine Körper einbeziehen. Wie Sie sagen, präsentieren sie perfekte Versionen von Körpern. Und Menschen sprechen dort miteinander, wie sie es nie täten, wenn sie zwei Körper in einem Raum wären – wegen des sozialen Umfelds und der Vorsicht, die herrscht, wenn wir mit einem anderen Menschen zusammen sind. Wir sehen ein Gesicht und wir sehen, welche Wirkung unsere Worte auf dieses Gesicht haben. Ich bin also skeptischer, als ich es war, was die sozialen Medien betrifft. Sie fördern das Verlangen nach diesen unerreichbaren Körpern, besonders bei jungen Leuten seit der Pandemie, als sie so viel Zeit vor dem Computer verbracht haben. Sie wollen eine unangreifbare, perfekte Hülle. Gleichzeitig sind diese jungen Leute voller Zorn, Angst und Verzweiflung. Das wollen sie nicht zeigen, so ziehen sie Masken an, um ihre Gefühle verbergen zu können.“

Für wen ist „Everbody“ von Olivia Laing die passende Lektüre?!
Ich würde sagen, für alle Leser
innen, die sich für die Zusammenhänge von Gesellschaft, Körperpolitik und Geschichte interessieren. Schonungslos ehrlich animiert sie dabei, über unsere eigene Lebensrealität nachzudenken und diese zu hinterfragen. Sie berichtet vom langen Kampf um körperliche Freiheit und dessen Meilensteine, wie sexuelle Befreiung, dem Foranschreiten des Feminismus, LGBTQ-Bewegungen, dem Civil Rights Movement und so vielem mehr.
Mir hat „Everybody - warum unser Körper politisch ist“ in vielerlei Hinsicht die Augen geöffnet und ich könnte nicht dankbarer sein für die Lektüre. Absolute Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 08.11.2024

Kampf und Freiheit

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Bei diesem Buch hat mich der Titel sofort neugierig gemacht. Olivia Laing geht der Überlegung nach was es bedeutet einen Körper zu haben, der einen gefangen hält oder befreit. Hier geht es weiter mehr ...

Bei diesem Buch hat mich der Titel sofort neugierig gemacht. Olivia Laing geht der Überlegung nach was es bedeutet einen Körper zu haben, der einen gefangen hält oder befreit. Hier geht es weiter mehr um die körperliche Freiheit, denn es geht auch um die Rechte eines jeden Körpers.

Vor der Lektüre dieses Buches war mit die Autorin Olivia Laing völlig unbekannt. Sie bringt viele kluge Gedanken und Überlegungen aufs Papier, die einen aufregen, anregen und zum Nachdenken bringen. Wie stark und mächtig ein Körper ist, zeigt sich hier auf jeder Seite. Nebenbei erfährt man auch viel über die Autorin selbst, ihren Werdegang und was sie antreibt.

Laing hat das Buch unterteilt indem sie den Fokus auf unterschiedliche Themenbereiche des Körpers legt. So werden unter dem Abschnitt Krank sowohl die körperlichen wie auch die psychologischen Krankheiten genauer beleuchtet. Hierbei erinnert die Autorin u.a. an die begrenzte Lebensdauer.

Insgesamt analysiert die Autorin das letzte Jahrhundert mit dem Blick auf die körperliche Freiheit und den Kampf um das Recht um ihn. Hierbei werden einige Begebenheiten aus der Geschichte neu aufgerollt, gleichzeitig zeigt sich die Bewegung unterschiedlicher Richtungen. Das Buch ist dadurch eine Mischung aus Sachbuch/Memoir/Essay und bietet dadurch sehr anregende Lesestunden.

Mir ist dieses Buch sehr positiv aufgefallen auch wenn ich einige der historischen Begebenheiten oder Persönlichkeiten nicht erlebt oder gekannt habe. Frau Laing hat sich akribisch mit einem wichtigen Thema auseinander gesetzt und hat dabei viele scharfsinnige Erfahrungen und Überlegungen zu Papier gebracht.

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Veröffentlicht am 07.08.2025

Der Traum vom freien Körper: Anspruchsvolles Sachbuch/Memoir

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„Everybody: Warum unser Körper politisch ist“ von Olivia Laing ist ein gleichermaßen interessantes wie anspruchsvolles Sachbuch über die Zusammenhänge von Gesellschaft, Körperpolitik und Geschichte.

Die ...

„Everybody: Warum unser Körper politisch ist“ von Olivia Laing ist ein gleichermaßen interessantes wie anspruchsvolles Sachbuch über die Zusammenhänge von Gesellschaft, Körperpolitik und Geschichte.

Die Autorin berichtet detailliert über den langen Kampf um körperliche Freiheit, von der Geschichte des Feminismus, der sexuellen Befreiung, LGBTQ-Bewegungen, der Bürgerrechtsbewegung und vielem mehr.

"Bei allen Kämpfen des vergangenen Jahrhunderts, vom Feminismus über die Emanzipation der Homos•xuellen bis zur Bürgerrechtsbewegung, ging es im Grunde um das Recht, nicht unterdrückt zu werden, nur weil man eine bestimmte Art von Körper bewohnt: zu leben, wo man möchte, zu arbeiten, wo man möchte, zu essen, wo man möchte, zu gehen, wohin man möchte, ohne das Risiko, attackiert oder getötet zu werden; eine Abtreibung vornehmen zu lassen, sich in der Öffentlichkeit zu küssen, einvernehmlichen S•x zu haben ohne die Angst, im Gefängnis zu landen. Die errungenen Siege waren hart erkämpft, aber nicht für die Ewigkeit gesichert, und nun droht der Rückfall in unüberwunden geglaubte Verhältnisse."

In ihren Recherchen befasst sich die Autorin mit Wilhelm Reich und seinen Theorien (das nahm für meinen Geschmack etwas zu viel Raum in Anspruch), außerdem geht sie auf weitere eindrucksvolle Persönlichkeiten des vergangenen Jahrhunderts ein wie z.B. James Baldwin, Nina Simone, Sigmund Freud, Susan Sontag und Malcolm X. Die historischen Zusammenhänge fand ich sehr interessant, teilweise etwas zu ausschweifend.

Das Augenmerk der Autorin liegt besonders bei Frage nach der Freiheit des Körpers sowie die Rechte bzw. Einschränkungen der einzelnen Körper.

"Doch meine Kindheit hat mich nicht nur gelehrt, dass der Körper ein Objekt ist, dessen Freiheit durch die Außenwelt beschränkt wird, sie hat mir auch gezeigt, dass der Körper selbst ein Mittel zur Freiheit sein kann."

"Wenn über Körper gesprochen wird, besonders in der Populärjultur, ist das Themenspektrum in der Regel eng begrenzt und es geht zumeist um das Erscheinungsbild oder die Gesunderhaltung des Körpers. Der Körper als eine Ansammlung von Oberflächen von mehr oder minder ansprechendem Aussehen. Der perfekte, unerreichbare Körper, so glatt und glänzend, praktisch nicht von dieser Welt. Womit man ihn füttert, wie man ihn pflegt und die ständige Angst, dass er womöglich abweichend oder ungenügend ist. Mich hingegen interessiert in erster Linie die Erfahrung, in ihm zu leben, etwas zu bewohnen, das so katastrophal verletzlich war, so hilf- und wehrlos Lust und Schmerz, Hass und Begehren ausgesetzt."

"Wir alle sind in unserem Körper gefangen, will sagen in einem Raster widersprüchlicher Auffassungen zu der Frage, was dieser Körper bedeutet, wozu er fähig ist und was er tun und lassen darf. Wir sind nicht bloß Individuen, hungrig und sterblich, sondern repräsentieren Typen und sehen uns Erwartungen, Ansprüchen, Forderungen, Verboten und Strafen ausgesetzt, die stark variieren können, je nachdem, welche Art von Körper wir bewohnen. Freiheit bedeutet nicht nur, wie der Sade hemmungslos seinen materiellen Gelüsten zu frönen. Sie bedeutet auch, sein Leben führen zu können, ohne gehemmt, behindert, beschädigt oder kaputt gemacht zu werden, sprich ohne fortwährend eingetrichtert zu bekommen, was der eigenen Körperkategorie erlaubt ist und was nicht."

Obwohl ich das Buch thematisch sehr interessant fand, bin ich anhand des Klappentextes offenbar mit etwas anderen Erwartungen an dieses Buch herangegangen. Diese wurden also nicht alle erfüllt; dennoch kann ich dieses Buch weiterempfehlen, da es einigen Stoff zum Nachdenken sowie viele kluge Gedanken bietet.
Es ist weniger ein reines Sachbuch, sondern auch teilweise Memoir, da man einiges über das Leben der Autorin erfährt, die mir bisher noch völlig unbekannt war.

"Und doch ist der Traum vom freien Körper keineswegs vergangen. Er liegt in der Luft."

"Ein freier Körper muss nicht heil oder unbeschädigt oder naturbelassen sein. Er verändert sich ständig, immerzu, in einem fort, er ist schließlich eine fluide Form. Stellen Sie sich einen Moment lang vor, wie es wäre, einen Körper zu bewohnen ohne Angst, ohne Angst haben zu müssen. Stellen Sie sich vor, wozu wir in der Lage wären. Was wir für eine Welt erbauen könnten."

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