Cover-Bild Der Traum von Olympia
17,90
inkl. MwSt
  • Verlag: Carlsen
  • Themenbereich: Graphic Novels, Comics, Cartoons - Memoiren und Tatsachenberichte
  • Genre: Weitere Themen / Comics
  • Seitenzahl: 152
  • Ersterscheinung: 27.01.2015
  • ISBN: 9783551736390
  • Empfohlenes Alter: 14 bis 99 Jahre
Reinhard Kleist

Der Traum von Olympia

Die Geschichte von Samia Yusuf Omar
Dass Reinhard Kleist in der Lage ist, schwierigste historische Themen in einer Graphic Novel umzusetzen, hat er mit "Der Boxer" bewiesen. Jetzt nimmt er ein aktuelles Thema anhand einer wahren Geschichte auf:
Die Sprinterin Samia Yusuf Omar vertrat Somalia bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking. In ihrer Heimat wurde sie jedoch von islamistischen Extremisten bedroht, die ablehnen, dass Frauen Sport treiben. In der Hoffnung, an der Olympiade in London teilnehmen zu können, versuchte sie die Flucht nach Europa. Samia Yusuf Omar ertrank 2012 im Alter von 21 Jahren vor der Küste Maltas im Mittelmeer.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.08.2018

wahren Begebenheiten basiert und nicht nur eine ergreifende Geschichte erzählt, sondern auch ein wichtiges Thema näher beleuchtet

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Der Traum von Olympia – Die Geschichte von Samia Yusuf Omar ist die bewegende und zugleich erschütternde wahre Geschichte einer jungen Sportlerin aus Somalia, gekonnt umgesetzt von Reinhard Kleist als ...

Der Traum von Olympia – Die Geschichte von Samia Yusuf Omar ist die bewegende und zugleich erschütternde wahre Geschichte einer jungen Sportlerin aus Somalia, gekonnt umgesetzt von Reinhard Kleist als mitreißenden Graphic Novel.
Samia ist eine mutige und willensstarke Protagonistin, deren trauriges Schicksal repräsentativ für das tausender weiterer Flüchtlinge ist. Sie träumt von ihrer zweiten Teilnahme an den olympischen Spielen und will einfach nur dafür trainieren. In ihrer Heimat scheint das jedoch nicht möglich zu sein, denn das einzige Stadion ist heruntergekommen und die Al-Shabaab-Miliz will ihr Training verhindern, weil sie eine Frau ist. Auch in Äthiopien will man sie nur wegen ihres Geschlechts nicht trainieren lassen oder sie gar ins Team aufnehmen. Voller Verzweiflung lässt sie sich daher auf den riskanten Plan ihrer Tante ein nach Europa zu fliehen und begibt sich zusammen mit ihr auf eine überaus beschwerliche und gefährliche Reise, die für die junge Athletin schließlich tödlich endet.

Ihr schwerer Weg wird anschaulich beschrieben und durch ihre (fiktiven) Facebook-Posts lässt Reinhard Kleist den Leser an Samias Gedanken, Sorgen, Ängsten und Hoffnungen teilhaben. Es ist wahrlich erschreckend, wie Samia und die anderen Flüchtlinge behandelt werden und wie rücksichtslos Schlepper ihre Hoffnungen und Träume von einer besseren Zukunft ausnutzen, um sich schamlos zu bereichern. Wie der Autor selbst in seinem berührenden Vorwort schreibt, kann man sich als behütet aufgewachsener Europäer kaum vorstellen, was einem Flüchtling auf seiner langen Reise alles widerfährt, was er dabei durchmacht. Obwohl es den Flüchtenden in der Regel schon kaum möglich ist das anfänglich aufgerufene Geld zu beschaffen, wird der Preis unterwegs beispielsweise mehrfach erhöht und wenn sie nicht in irgendeiner Zelle verrotten wollen, müssen sie Freunde oder Verwandte kontaktieren und geradezu anflehen ihnen Geld zu schicken. Geld, das sie ihnen auf jeden Fall zurückzahlen wollen, sobald sie es nach Europa geschafft und dort Arbeit gefunden haben.

Es ist einem unbegreiflich, warum so viele Menschen hierzulande die Beweggründe dahinter scheinbar nicht nachvollziehen können. Man kann es doch niemandem verdenken, ein Land verlassen zu wollen, in dem Krieg und Gewalt herrschen und in dem es, zumindest zurzeit, keine Perspektiven für die Menschen gibt. Ein Großteil der Bevölkerung wird im eigenen Land von militanten Bewegungen, deren fundamentalistische Ansichten sie nicht zwingend teilen, terrorisiert und unterdrückt, im schlimmsten Fall sogar getötet. Auch Samia bekommt von ihnen schließlich Todesdrohungen. Außerdem fällt es keinem von ihnen leicht ihre Familien zurückzulassen, sie alle hoffen allerdings auf eine friedliche Zukunft und einen Job, durch den sie ihre Familien aus der Ferne wenigstens finanziell unterstützen können, um ihnen so ein besseres Leben zu ermöglichen.

Das Werk macht demzufolge auf ein ausgesprochen wichtiges Thema aufmerksam, das in den Medien zwar nach wie vor präsent ist, aber dennoch nicht genug beleuchtet wird. Viel zu viele Menschen machen sich kaum Gedanken darüber oder verschließen die Augen vor den Konsequenzen. Fakt ist jedoch, dass jährlich unzählige Menschen bei dem Versuch sterben nach Europa zu gelangen. Sie sind sich dieser Gefahr durchaus bewusst – Samia und den anderen Flüchtlingen in der Geschichte ist ebenfalls vollkommen klar, dass ein Schlauchboot auf dem offenen Meer keineswegs ein sicheres Transportmittel ist, doch sie haben schlicht keine andere Wahl als einzusteigen, aus verschiedenen Gründen – trotzdem gehen sie das Risiko ein dabei ihr Leben zu verlieren, weil sie keine andere Chance sehen und darauf hoffen, dass es ihnen gelingen wird. Für die meisten von ihnen gibt es tatsächlich auch keine andere – legale – Möglichkeit nach Europa zu kommen.

Zusätzlich zur eigentlichen Lebensgeschichte von Samia, enthält das Buch unter anderem noch eine Karte mit der Route, die Samia von Somalia an die Küste Libyens führte, eine kurze, hilfreiche Erklärung zweier möglicherweise unbekannter Begriffe sowie ein geradezu beschämendes Nachwort des deutschen Journalisten Elias Bierdel, der sich mit einer eigenen Organisation für Flüchtlinge einsetzt.

Noch ein paar abschließende Worte zu den Zeichnungen von Reinhard Kleist: Sie sind grob und eher schlicht; Personen lassen sich besser anhand ihrer Kleidung als an den selten gleich aussehenden Gesichtszügen unterscheiden. Der Fokus des Graphic Novels liegt aber ohnehin unverkennbar auf der Handlung und einzelne Seiten enthalten teilweise nur wenig oder gar keinen Text. Der Autor lässt viele Zeichnungen also einfach für sich sprechen und erzielt dadurch eine ebenso starke Wirkung.


FAZIT

Der Traum von Olympia – Die Geschichte von Samia Yusuf Omar ist ein sehr empfehlenswerter Graphic Novel, der auf wahren Begebenheiten basiert und nicht nur eine ergreifende Geschichte erzählt, sondern auch ein wichtiges Thema näher beleuchtet, über das viel zu viele Menschen viel zu wenig wissen.

Veröffentlicht am 04.05.2018

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Ergreifender Stoff, den ich mitsamt Vor- und Nachwort geradezu verschlungen habe. Die Gründe für Samias Flucht wurden sehr plastisch und einleuchtend gezeigt, sowie ihre beschwerliche Flucht selber. Auch ...

Ergreifender Stoff, den ich mitsamt Vor- und Nachwort geradezu verschlungen habe. Die Gründe für Samias Flucht wurden sehr plastisch und einleuchtend gezeigt, sowie ihre beschwerliche Flucht selber. Auch die Protagonistin war mir sehr nah und ich mochte sie sehr. Ich hätte mir allerdings gewünscht, man hätte sich etwas mehr Zeit für ihre Geschichte genommen. Einiges ist doch sehr oberflächlich geblieben. Ein paar mehr Details, die man über Somalia oder die Realität der Flüchtlinge noch nicht weiß, hätten dem Comic mehr Tiefe gegeben. Ich halte dem Künstler aber auch zugute, dass er nah an der Realität und den wahren Ereignissen, die er gekannt und recherchiert hat, geblieben hat und wenig dazugedichtet hat.

Der Zeichenstil ist angemessen, auch wenn er nicht unbedingt mein Fall ist. Trotzdem ein toller Comic. Vielleicht schaue ich mir noch "Der Boxer" von ihm an, denn über den habe ich auch schon so einiges an Lob mitbekommen.

Veröffentlicht am 08.03.2023

✎ Reinhard Kleist - Der Traum von Olympia: Die Geschichte von Samia Yusuf Omar

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Im Januar las ich bereits "Der Boxer - Die wahre Geschichte des Hertzko Haft". Also nahm ich auch "Der Traum von Olympia - Die Geschichte von Samia Yusuf Omar" aus der Bibliothek mit nach Hause.

Bereits ...

Im Januar las ich bereits "Der Boxer - Die wahre Geschichte des Hertzko Haft". Also nahm ich auch "Der Traum von Olympia - Die Geschichte von Samia Yusuf Omar" aus der Bibliothek mit nach Hause.

Bereits das Vorwort lies mich stocken, denn dort heißt es:

"Viele Ereignisse der fast ein Jahr dauernden Reise von Samia Yusuf Omar sind nicht mehr zweifelsfrei nachvollziehbar, so dass ich manche Situationen aus Berichten anderer Migranten entnehmen oder gar konstruieren musste. Dabei war ich auf meine Vorstellungskraft angewiesen, wie Menschen in Situationen handeln, was logisch auf eine Handlung folgt, was ein Mensch in einer bestimmten Situation denken und fühlen würde. Doch viele Vorkommnisse sind für einen behütet aufgewachsenen Europäer wie mich kaum begreifbar." (S. 5)

Da habe ich schon das erste Mal gedacht, dass man sich als Autor hätte Hilfe holen können. Man hätte Betroffene fragen können. Man hätte Helfende fragen können. Es gibt so viel mehr, als Situationen zu konstruieren. Vor allem bei diesem Thema.

Und ich finde, genau das merkt man diesem Comic auch irgendwie an.

Obwohl die Lebenslagen für Samia Yusuf Omar ständig bedrohlich sind, obwohl sie sich nie sicher fühlen kann und am Ende auch noch stirbt, konnte ich keine Nähe zu ihr aufbauen. Alles bleibt sehr an der Oberfläche.

Warum wurde sie beispielsweise für Peking ausgewählt? Wie kommt sie an die Unsummen von Geld, die sie für ihre Flucht benötigt? Was, verdammt nochmal, läuft am Ende schief, obwohl Hilfe so nah scheint?

Mit all den Fragen werden Lesende allein gelassen.

Mir scheint, dass Reinhard Kleist mit Omars Geschichte schnell seine Reihe fortsetzen wollte, doch meines Erachtens nach hätte hier tiefgreifendere Recherche betrieben werden müssen.

Als Denkanstoß in Bezug auf Flüchtlingspolitik ist diese Graphic Novel bestens geeignet. In den letzten Jahren hat sich auch schon einiges getan. Dennoch sehen wir tagtäglich, dass weiterhin Menschen sterben, die versuchen, ein besseres Leben (in Europa) zu erreichen.

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