„Die Tränen des Sonnengottes: Der Bronzehimmel“ von Robert Steinhauser – Zwischen Frieden, Verrat und Aufbruch
Robert Steinhauser entführt uns mit seinem Roman „Die Tränen des Sonnengottes: Der Bronzehimmel“ tief in eine ferne Vergangenheit – ins Jahr 1761 v. Chr., in die dunklen Wälder der Mittelgebirge. Der Stamm ...
Robert Steinhauser entführt uns mit seinem Roman „Die Tränen des Sonnengottes: Der Bronzehimmel“ tief in eine ferne Vergangenheit – ins Jahr 1761 v. Chr., in die dunklen Wälder der Mittelgebirge. Der Stamm von Albia lebt dort in friedlicher Eintracht – bis eine Kette dramatischer Ereignisse alles verändert.
Nachdem in den Wäldern Menschen als Opfer gefangen wurden, wird die junge Gefangene Geyfry befreit – kurz darauf wird Großhäuptling Bohdan ermordet. Der Mord wird so inszeniert, dass Geyfry die Schuldige scheint. Bei der anschließenden Wahl zum neuen Häuptling setzt sich Rayhan durch – sehr zum Missfallen von Bohdans Söhnen Burnaby und Arben. Sie verlassen den Stamm.
Auf ihrer Reise in den Süden wollen sie neue Erfahrungen sammeln, um eines Tages gestärkt zurückzukehren und ihren Anspruch auf die Führung des Stammes geltend zu machen. Mit im Gepäck: ein Sack voller Bernsteine – die „Tränen des Sonnengottes“ –, die im Süden als seltene Kostbarkeiten gelten.
Die Reise führt die Brüder zum Volk der Minoer, wo sie auf den weitgereisten Taxidos treffen. Gemeinsam setzen sie ihren Weg fort – bis nach Babylon. Dort schlagen sie unterschiedliche Wege ein: Burnaby schließt sich Hammurapis Armee an, während Arben sich dem Studium der Wissenschaften und Religion widmet. Zwei Jahre später planen sie, in ihre Heimat zurückzukehren – verändert, gereift und bereit, sich ihrer Vergangenheit zu stellen.
Ein besonderer Anreiz, zu diesem Buch zu greifen, war für mich das Cover: Es zeigt die Himmelsscheibe von Nebra – ein bedeutendes Artefakt aus meiner Heimatregion. Die Scheibe spielt im Roman tatsächlich eine Rolle, wenn auch eine kleinere, als ich erwartet hatte. Vielleicht wird dieses faszinierende Symbol im angekündigten zweiten Band noch stärker in den Mittelpunkt gerückt.
Der Autor erzählt diese Abenteuergeschichte sehr spannend und mitreißend. Einige Szenen sind recht makaber, was aber zur Zeit passt, in der Menschenopfer Teil des Alltags waren. Besonders gut gefallen hat mir die Wahl der Protagonisten: Burnaby, Arben und Geyfry sind sehr unterschiedlich, was eine interessante Dynamik erzeugt. Die Verknüpfung mit historischen Elementen gelingt insgesamt gut.
Ein kleiner Wermutstropfen bleibt für mich: Etwas mehr Tiefe bei der Ausarbeitung der Charaktere hätte der Geschichte guttun können. Dennoch hat mir das Buch insgesamt gut gefallen. Es bietet eine spannende Handlung, reichlich historisches Wissen und regt dazu an, sich intensiver mit einzelnen Themen dieser Zeit auseinanderzusetzen.
Ich vergebe 4 von 5 Sternen für ein atmosphärisches Abenteuer mit historischem Hintergrund, das neugierig auf mehr macht.