Roman | Eine radikal ehrliche Anklage an toxische Beziehungen und das System, das sie ermöglicht
Ruth-Maria Thomas erzählt in ihrem gefeierten Debütroman,
nominiert für den Deutschen Buchpreis 2024
, die Geschichte von Jella und Yannick. Es ist eine Geschichte vom Aufwachsen in der ostdeutschen Provinz und der ersten großen Liebe, deren anfängliche Leichtigkeit sich in ihr Gegenteil verkehrt und eine toxische, gewaltvolle Dynamik entwickelt.
«Ein Muss für uns und wirklich jeden Mann, der ansatzweise verstehen möchte, wie das Aufwachsen als Frau im Patriarchat uns kaputtmachen kann.» – Louisa Dellert
Mit stilistischer Brillanz und seltener Drastik legt "Die schönste Version" die Abgründe einer Beziehung und die gesellschaftlichen Strukturen dahinter frei. Es ist die funkelnde und zugleich erschütternde Geschichte eines Erwachens, eine große Introspektion und eine Anklage – fesselnd, tiefgründig und von unerhörter Aktualität.
Ich liebe dieses Buch, diesen Schreibstil, die Geschichte, das Augenmerk, alles einfach. Es ist so so so so gut geschrieben und auch echt anstrengend, schockierend, emotional, mitreißend. Ich liebe Jella, ...
Ich liebe dieses Buch, diesen Schreibstil, die Geschichte, das Augenmerk, alles einfach. Es ist so so so so gut geschrieben und auch echt anstrengend, schockierend, emotional, mitreißend. Ich liebe Jella, die Protagonistin und vor allem liebe ich Ruth-Maria Thomas, die Autorin und freue mich auf Weiteres.
Ich habe mich zu Beginn selbst dabei ertappt wie ich dachte „Ja klar, Frau wird von Mann geschlagen, das übliche eben“, doch dass es sich dann im Laufe der Geschichte zu etwas ganz anderem ...
💭 M E I N U N G
Ich habe mich zu Beginn selbst dabei ertappt wie ich dachte „Ja klar, Frau wird von Mann geschlagen, das übliche eben“, doch dass es sich dann im Laufe der Geschichte zu etwas ganz anderem entwickelt hat, hat mich einerseits schockiert und gleichzeitig das Buch für mich zu einem unglaublichen Page-Turner gemacht. Mehr möchte ich zum Inhalt gar nicht verraten - lies es bitte unbedingt (!!!) selbst!
Ja, die Geschichte war hart. Ja, die Wortwahl war teilweise vulgär und ja, die Geschichte war auch intensiv, aber genau das hat es für mich zu einer besonders authentischen und aufrüttelnden Story gemacht, die unverblümt dargestellt und von der Realität leider oft nicht so viel abweicht, wie man es sich wünschen würde.
Einziger Minuspunkt: mir hat eine Triggerwarnung gefehlt. Auch wenn ich mich selbst, zumindest meinem Empfinden nach, gut von gelesenen Geschichten distanzieren kann, kann ich mir vorstellen, dass gerade Personen, die sexuelle Übergriffe erlebt oder von häuslicher Gewalt betroffen sind/waren, eine solche Warnung vor dem Lesen dieses Buches gebraucht hätten.
⭐️ F A Z I T
Das Buch hat bei mir eine ganze Palette an Emotionen ausgelöst und ist total unter die Haut gegangen. Es ist für mich kaum zu glauben, dass das ein Debüt-Roman war - Chapeau @Ruth 🎩! Aber nicht zu Unrecht war es wochenlang auf der Spiegel-Bestsellerliste und im Erscheinungsjahr (2024) für den Deutschen Buchpreis nominiert.
Das ist auf jeden Fall unter meine Jahreshighlights gehüpft! Absolute Empfehlung - 5 ⭐️ !
Wenn du selbst von häuslicher Gewalt betroffen sein solltest, findest du hier den Link zur Webseite des weißen Rings: https://weisser-ring.de/haeuslichegewalt
und die Nummer des Hilfetelefons: 116 016.
"Die schönste Version" von Ruth-Maria Thomas ist eine schonungslose, intensive Reflexion über eine toxische Beziehung und das Erwachsenwerden in der ostdeutschen Provinz. Jella verarbeitet ihre Jugend, ...
"Die schönste Version" von Ruth-Maria Thomas ist eine schonungslose, intensive Reflexion über eine toxische Beziehung und das Erwachsenwerden in der ostdeutschen Provinz. Jella verarbeitet ihre Jugend, sowie Erlebnisse mit Gewalt und Missbrauch und sucht währenddessen nach der "schönsten Version" ihres Lebens.
Bei der Erzählweise habe ich gemischte Gefühle. Einerseits ist die Geschichte sehr schön und außergewöhnlich geschrieben. Andererseits ist die Ausdrucksweise auch sehr vulgär, was mich an einigen Stellen beim Lesen gestört hat (es tut mir leid, aber ich kann das Wort "Muschi" nicht mehr sehen/lesen/hören). Aber andererseits passte es einfach sehr gut zu Jella, ich weiß nicht.
Themen wie Grooming, Vergewaltigung und Drogenmissbrauch konfrontieren die Leserschaft mit der brutalen Realität einer Gesellschaft, in der Frauen oft nicht gehört werden und ihre Erlebnisse klein geredet werden. Gleichzeitig stellt sich immer wieder die Frage nach Schuld und Verantwortung.
Eine ungeschönte, ehrliche und schmerzhafte Geschichte, die mich emotional sehr berührt und mitgenommen hat und mich so schnell nicht loslassen wird.
Die schönste Version ist eines dieser Bücher, bei denen man vorher weiß, worauf man sich einlässt. Man weiß, dass es kein schönes, aber ein wichtiges Buch sein wird. Und genau das war es auch: an einigen ...
Die schönste Version ist eines dieser Bücher, bei denen man vorher weiß, worauf man sich einlässt. Man weiß, dass es kein schönes, aber ein wichtiges Buch sein wird. Und genau das war es auch: an einigen Stellen war es grausam, Yannicks Übergriffe auf Jella zu lesen und hautnah mitzuerleben, wie er sie jedes Mal soweit manipuliert, bis sie austickt, um ihr am Ende die Schuld für die Eskalation der Situation geben zu können. Stark fand ich Jellas Weg aus der Beziehung mit Yannick - auch nach einem solchen Übergriff ist es sicher nicht leicht, von heute auf morgen alles hinter sich zu lassen und ins Elternhaus zurückzukehren mit einer "gescheiterten Beziehung". Mit jedem von Jellas Zweifeln habe ich gelitten und gehofft, dass sie trotz allem stark bleibt und nicht zu Yannick zurückkehrt. Gleichzeitig hätte ich mir gewünscht, dass sie eine tiefere Beziehung zu ihren Freundinnen hat und sich ihnen gleich anvertrauen kann, damit jemand für sie da ist und ihr mit all den Gedanken, Zweifeln und Gefühlen beisteht.
So krass ich den Schreibstil an mancher Stelle auch fand, weil er doch sehr direkt und an mancher Stelle derb ausgedrückt ist, genauso sehr bin ich auch der Überzeugung, dass "die schönste Version" genau diesen Erzählstil gebraucht hat - eine Schilderung von einer Betroffenen, nicht mehr, nicht weniger. Kein Schönreden, keine objektive Erzählung, sondern die ungeschönt hässliche Wahrheit.
Inhalt:
Jella und Yannick, eine scheinbar perfekte Liebesgeschichte. Doch eines Tages geht er zu weit und wird handgreiflich. Es gibt eine Zeugin, es gibt eine Aussage und in zahlreichen Rückblenden werden ...
Inhalt:
Jella und Yannick, eine scheinbar perfekte Liebesgeschichte. Doch eines Tages geht er zu weit und wird handgreiflich. Es gibt eine Zeugin, es gibt eine Aussage und in zahlreichen Rückblenden werden Hintergründe und Abgründe ertastet. Freundschaften, Machtgefälle, Missbrauch und herausfordernde Familienstrukturen prägen Jellas Alltag genau so, wie die gefährlichen Beziehungen, aus denen sie kaum ausbrechen kann.
Meine Meinung:
Ich bin froh, das Buch gemeinsam mit Sina gelesen und diskutiert zu haben. Im Austausch konnten wir einiges besser einordnen und verarbeiten. Und auch wenn zum Glück nicht alle Details aus Jellas Leben auch Teil meines Lebens sind (oder waren), so habe ich mich und mein Umfeld doch immer wieder in einigen der Szenen, Erinnerungen oder Gedanken erkannt. Ruth-Maria Thomas ist es mit ihrem Debüt gelungen, aufzurütteln, zu schockieren und zu berühren. Und leider zeigt sie einen Alltag auf, den so viele von uns so, die in den 90er-Jahren geboren worden sind, zumindest in Teilen erlebt haben. Vom Kontrollieren und Aushungern des eigenen Körpers über den Gruppenzwang, sich riskanten Spielen, Substanzen oder Menschen hinzugeben bis hin zum von abwesenden Eltern und Erziehungsberechtigten fast komplett unbeaufsichtigten Verbringen der Freizeit in Hinterhöfen, Kneipen und Betten viel älterer Männer lässt Thomas kein damals wie heute für einige Mädchen und junge Frauen noch immer hochaktuelles Thema aus.
Jella lebt und überlebt nach Yannicks Tat bei ihrem Vater. Sie beginnt, gesellschaftliche Strukturen zu durchschauen und zeigt anhand ihrer Kindheit und Jugend auf, was unter anderem dazu geführt hat, dass sie an den Punkt gelangt ist, an dem sie gerade steht. Sie erinnert sich an das Dulden, das in-Schutz-Nehmen, das Ausprobieren und das Bewundern von denen, die alles durften und konnten und älter und stärker waren.
Meine Empfehlung:
Ruth-Maria Thomas erzählt knapp und intensiv, vulgär, messerscharf und aufrüttelnd. Sie sorgt dafür, dass wir hinsehen, dass wir unser jüngeres Ich an die Hand nehmen und gemeinsam mit unserer Protagonistin Jella heilen wollen. Und dafür, dass wir beginnen, die Vorläufer und Anfänge von häuslicher und sexualisierter Gewalt ernst zu nehmen, dass wir aufhorchen und einschreiten und mitdenken, dass wir Täter klar benennen und uns mit anderen Frauen verschwestern. Lest dieses Buch und sprecht darüber.