Coming‑of‑Age‑Geschichte mit Tiefgang
Bevor ich in Yay!There eintauche, lese ich einen Auszug aus einem Abibuch, in dem Norina Rüther über Mobbing schreibt. Dieser Einstieg berührt mich emotional und schafft einen nahtlosen Übergang zur Geschichte.
Ich ...
Bevor ich in Yay!There eintauche, lese ich einen Auszug aus einem Abibuch, in dem Norina Rüther über Mobbing schreibt. Dieser Einstieg berührt mich emotional und schafft einen nahtlosen Übergang zur Geschichte.
Ich lerne den sechzehnjährigen Protagonisten Jay kennen, dessen Leben bisher von Demütigungen und Ausgrenzung geprägt ist. Durch die jahrelangen physischen und psychischen Verletzungen ist sein Selbstbild stark beeinträchtigt. Er wird von Selbstzweifeln geplagt und verbirgt sich hinter misstrauischem und mürrischem Verhalten.
Nach dem Verlust seiner Mutter und dem Rausschmiss aus dem Internat muss Jay seinen Vater bei dessen Arbeit als Sicherheitschef der koreanischen Boyband Yay!There begleiten. Die Band befindet sich derzeit auf Welttournee, und Jay hat keine Wahl, als mitzufahren. Zwischen Vater und Sohn besteht kaum eine Verbindung, da sich der Vater sein Leben lang kaum um Jay gekümmert hat. Die spürbare Distanz zwischen ihnen und Jays Gefühl, nirgendwo dazuzugehören, berühren mich sehr.
Die Themen Verlust und Ausgrenzung werden ungeschönt vermittelt, doch zugleich schimmert ein Funken Hoffnung hindurch.
Der personale Erzähler bleibt dicht an Jay, verliert sich jedoch nicht in seiner Perspektive. Dadurch erhalte ich einen intensiven Einblick in Jays innere Zerrissenheit und gleichzeitig in die Mechanismen der K-Pop-Industrie, auf politische Untertöne und gesellschaftliche Spannungen zum Thema Queerness. Diese Vielfalt macht Yay!There besonders interessant.
Insgesamt gewinnen alle Figuren rasch an Tiefe, wodurch ihre weiteren Entwicklungen glaubwürdig und berührend wirken.
Auch ohne große Vorkenntnisse rund um K-Pop fällt es mir leicht, in diese besondere Welt einzutauchen. Das gelingt besonders dadurch, dass der Fokus klar auf den Emotionen, dem persönlichen Wachstum von Jay und den Beziehungen, die sich entwickeln, liegt.
Der Blick hinter die Kulissen der K-Pop-Welt ist eindrucksvoll. Harte Trainingspläne, minutiöses Marketing, strenge Regeln und enormer Erwartungsdruck zeigen ungeschönt, dass nicht alles Gold ist, was glänzt.
Gleichzeitig gelingt es S. Rayker aufzuzeigen, dass echte Menschen dies alles leisten. Die Mitglieder der K-Pop-Band sind nicht die unnahbaren Idole, für die sie Jay hält. Sondern junge Erwachsende, die trotz Ruhm und Disziplin sich ihre Menschlichkeit bewahrt haben.
Die aufkeimende Beziehung zwischen Jay und Yi-jun, einem Mitglied von Yay!There, bildet den Kern dieses emotionalen Jugendromans. Yi‑jun begegnet Jay mit Geduld und Feinfühligkeit, die Jays verhärtete Sichtweise langsam aufbricht. Mir ist Jay dabei nicht immer sympathisch. Seine manchmal ungerechte Art ist teilweise nur schwer auszuhalten, aber das macht seine Entwicklung nur authentischer. Wie Jay lernt, dass Nähe nicht automatisch Gefahr bedeutet und dass Vertrauen ein Risiko ist, das sich lohnen kann, ist sehr bewegend für mich.
Die Freundschaft, die sich zwischen Jay und den Bandmitgliedern entwickelt, ist feinfühlig und glaubwürdig gezeichnet. Der anfängliche Kontrast zwischen „Superstars“ und „Außenseiter“ löst sich zunehmend auf.
Parallel dazu baut ein Nebenhandlungsstrang eine stetig wachsende Spannung auf, die im Showdown rasant eskaliert. Dieser finale Abschnitt wirkt wie ein Bruch und hinterlässt eine Momentaufnahme, die nachhallt.
Fazit:
Yay!There ist ein einfühlsames und wichtiges Jugendbuch, das dazu ermutigt, die eigene Perspektive zu erweitern, das eigene Handeln zu hinterfragen und Anderssein zu akzeptieren.