Viel Zorn, wenig Liebe
In Sabaa Tahirs damaligen Jugendroman hatte ich nur kurz reingelesen und er konnte mich nicht recht überzeugen, daher hatte ich keine Erwartungen an "So viel Zorn und so viel Liebe" - umso mehr wurde ich ...
In Sabaa Tahirs damaligen Jugendroman hatte ich nur kurz reingelesen und er konnte mich nicht recht überzeugen, daher hatte ich keine Erwartungen an "So viel Zorn und so viel Liebe" - umso mehr wurde ich von einer emotionale und tiefgreifenden Geschichte überrascht und mitgerissen.
Sabaa Tahir beschreibt in ihrem Roman das tragische Leben zweier pakistanischer Jugendliche, die in das amerikanische Leben geworfen werden und hier wenig Schutz erfahren, sondern stattdessen Rassismus, Vorurteilen, Hass und ständiger Kontrolle ausgesetzt werden. Bei den Lebensumständen, die Sabaa Tahir den beiden gezeichnet hat, ist es kaum verwunderlich, dass einer von beiden auf die schiefe Bahn Gerät und bald das Leben beider aus den Angel gerissen wird.
Der Roman wird aus der Sicht beider Jugendlicher geschrieben: Sowohl Salahudin, als auch Noor. Ich mochte beide sehr gerne und ihre unterschiedlichen Charaktere kamen gut zur Deutung. Insbesondere Noor wirkte in ihrer ruhigen, analytischen Art sehr sympathisch. Man spürt aber auch, dass beide bereits auf eine lange Lebensgeschichte zurückblicken können, die sie verändert hat. Da ist Noor, die langsam den Glauben in sich selbst und ihre Träume verliert und Sal, der all seinen Kämpfen zum Trotz kein Kind mehr sein darf und verzweifelt versucht, das Familiengeschäft zu retten. Gespickt werden die Geschichten beider durch Rückblicke in das Leben von Salahudings Mutter.
Generell lebt der Roman vor allem von seiner Tragik. Die Autorin schafft es, dass ich mich immer wieder gefragt habe, wie viel Leid ein einzelner Mensch ertragen kann und ich mich erinnern musste, dass es sich hierbei um eine fiktive Geschichte handelt. Gleichzeitig habe ich nie daran gezweifelt, dass genau solch ein Lebenslauf die Realität für eine Migranten ist. Sabaar Tahir ist hier ein großer Drahtseilakt gelungen. Manchmal war die Geschichte für mich so erschütternd, dass ich von der Traurigkeit Pausen brauchte. Es ist auf jeden Fall ein Buch, das einen mitnimmt und das keine leichten Lesestunden beschert.