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22,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Diogenes
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 368
  • Ersterscheinung: 28.10.2020
  • ISBN: 9783257071436
Steven Price

Der letzte Prinz

Malte Krutzsch (Übersetzer)

Sizilien, 1955: Giuseppe Tomasi ist der Letzte im Geschlecht der Lampedusa. Melancholisch streift er durch das staubige Palermo, vorbei an den Palazzi seiner Vorfahren, von Café zu Café, und ignoriert seine prekäre finanzielle Situation. Als bei ihm ein Lungenemphysem diagnostiziert wird, reift in Tomasi ein Plan: Im Angesicht des eigenen Todes und des Todes einer ganzen Welt, beschließt er, etwas Bleibendes zu schaffen. Der 59-Jährige schreibt den weltberühmten Roman ›Der Leopard‹.

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.12.2020

Melancholischer Künstlerroman und Abbild einer vergangenen Epoche

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Künstlerroman und Abbild einer vergangenen Epoche

Biografische Romane lassen den Verfasserinnen und Verfassern Spielräume beim Umgang mit bekannten Lebensdaten und beim Ergänzen fehlender Details. Selbstverständlich ...

Künstlerroman und Abbild einer vergangenen Epoche

Biografische Romane lassen den Verfasserinnen und Verfassern Spielräume beim Umgang mit bekannten Lebensdaten und beim Ergänzen fehlender Details. Selbstverständlich erwarte ich auch hier, dass die große Linie der äußeren Lebensdaten berücksichtigt wird, ich toleriere darüber hinaus aber kleinere Abweichungen und fantasievolle Ausschmückungen. Entscheidend ist, ein stimmiges Gefühl für die Person, ihre Zeit und ihr Umfeld entsteht. Genau dies ist für mich bei "Der letzte Prinz", einem Künstlerroman über den sizilianischen Autor Giuseppe Tomasi di Lampedusa (1896 – 1957) des kanadischen Lyrikers, Autors und Literaturdozenten Steven Price, gegeben. Bestärkt hat mich in dieser Auffassung, dass Gioacchino Lanza Tomasi, der Adoptivsohn, mit der Beschreibung seines Adoptivvaters im Roman einverstanden war.

Ein Mann der Vergangenheit
Fürst Giuseppe Tomasi di Lampedusa entstammte einer der mächtigsten und reichsten Adels- und Großgrundbesitzerfamilien Siziliens. Als letzter Spross seines Geschlechts erlebte er den unaufhaltsamen Niedergang nicht nur seiner Familie, sondern seiner ganzen Welt.

Auf eine als „golden“ empfundene Kindheit folgten traumatische Erfahrungen Tomasis als Soldat im Ersten Weltkrieg und in einem ungarischen Gefangenenlager, wohin ihm die dominante, weltfremde Mutter Pakete schickte:

"Im März kam das erste Paket seiner Mutter aus Palermo. Es enthielt zwei Bücher von Stendhal und absurderweise einen Tennisschläger, einen Abendanzug und ein Paar feine Lederschuhe." (S. 193)

Nach seiner Heimkehr reiste er unruhig durch Europa. Die Liaison und schließlich Heirat mit einer deutsch-baltischen Baronesse und Psychoanalytikerin bedeutete das Ende seiner überaus engen Mutter-Sohn-Beziehung. Von Geldsorgen geplagt, bewohnte der Literaturenthusiast mit seiner Frau Alexandra von Wolff-Stomersee einen heruntergekommenen Palazzo in Palermo, nachdem beide 1943 ihre prächtigen Familienwohnsitze verloren hatten, sie durch die Russen in Lettland, er durch amerikanische Bomber in Palermo.

Aristokrat durch und durch
Beim Einsetzen des Romans 1955 ist Tomasi ein 59-jähriger, schwerfällig am Stock gehender, vorzeitig gealterter, korpulenter Kettenraucher, der einer vergangenen Zeit nachhängt:

"Giuseppe […] war es gewohnt, dass man stutzte und ihn anders ansah, wenn man von seiner Stellung im Leben erfuhr. Die hatte er viele Jahre lang als natürlich und richtig empfunden, und wenngleich er ihr seit den Nachkriegsjahren und dem Tod seiner Mutter misstraute, sah er sie tief in einem sehr alten Winkel seines Herzens doch als ihm gebührend an." (S. 102)

Die Diagnose eines Emphysems konfrontiert Tomasi mit der Einsicht, dass er nichts hinterlassen wird. Charakterlich zu schwach und passiv, um die ärztlichen Ratschläge nach Rauchverzicht und Diät zu befolgen, nimmt er doch in den letzten Lebensjahren zwei Mammutaufgaben in Angriff: Er adoptiert einen jungen Adeligen und schreibt mit "Il Gattopardo" seinen einzigen Roman. Zwar findet sich zu seinen Lebzeiten kein Verleger, doch ist "Der Leopard" bis heute der meistverkaufte italienische Roman des 20. Jahrhunderts.

Ein Roman in Episoden
In acht, jeweils mit Zeitangaben versehenen, nicht chronologisch geordneten Kapiteln wirft Price Schlaglichter auf Lampedusas Leben und die Entstehungsgeschichte seines Romans. Das neunte Kapitel von 2003 beinhaltet ein Interview mit dem Adoptivsohn.

Dass sich das Lebensgefühl dieses emotionslos treibenden Mannes so gut überträgt, ist der bewusst altertümlichen Sprache des Romans zu verdanken. Man muss "Der Leopard" nicht gelesen haben, um den Roman zu mögen, ich vermute allerdings einen größeren Lesegewinn für die, die ihn kennen und nicht nur – wie ich – vor vielen Jahren die Verfilmung von Luchino Visconti aus dem Jahr 1963 gesehen haben.

Veröffentlicht am 13.12.2020

Entstehungsgeschichte eines Meisterwerks...

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Steven Price hat diesen Roman dem Leben des Fürsten Giuseppe Tomasi di Lampedusa (1896 - 1957) gewidmet, der posthum mit seinem einzigen Roman „Der Leopard“, den er kurz vor seinem Tod geschrieben hat, ...

Steven Price hat diesen Roman dem Leben des Fürsten Giuseppe Tomasi di Lampedusa (1896 - 1957) gewidmet, der posthum mit seinem einzigen Roman „Der Leopard“, den er kurz vor seinem Tod geschrieben hat, Berühmtheit erlangte.

Er wird durchgängig aus Sicht des Protagonisten Giuseppe und in einer altmodisch anmutenden Sprache mit wunderschönen Formulierungen erzählt.

Wir begleiten den alternden und unheilbar an einem Lungenemphysem erkrankten Giuseppe, der der letzte männliche Nachkomme eines alten sizilianischen Adelsgeschlechts ist, in seinen letzten beiden Jahren.

Giuseppe, ein sprachbegabter und redegewandter Literaturliebhaber, lebt mit seiner selbstbewussten Frau Alessandra in einem kleinen Haus am Hafen von Palermo und spaziert gern durch die Strassen und Gassen seiner Heimatstadt.

Auf diesen Spaziergängen wandert er geistig zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart hin und her... und er denkt auch an die Zukunft.
Er weiß, dass sein Tod naht und möchte, nicht zuletzt wegen seiner Kinderlosigkeit, noch etwas Bleibendes schaffen.
Das gelingt ihm!
Aber von der Einzigartigkeit und Brillanz dessen, was er geschaffen hat, wird er nie erfahren.

Wir jedoch erfahren im Verlauf der Lektüre Vieles über Giuseppe und aus seinem Leben und lernen seine Familiengeschichte kennen.

Giuseppe ist ein eher konservativer, unterkühlter, wenig empathischer und passiver Mann, der den Stolz auf seine adelige Herkunft vor sich her trägt, Einiges erlebt und so seine liebe Not mit Veränderungen hat, was bei den vielen Umbrüchen im 20. Jahrhundert ein nicht gerade günstiger Wesenszug ist.

Mit seiner eher unausgeglichenen und selbstzentrierten Mutter scheint er zeitlebens ödipal verstrickt gewesen zu sein, so dass seine Autonomieentwicklung gehemmt und er nie wirklich emotional unabhängig und eigenständig wurde. Er duldete sogar ihre Ablehnung seiner Ehefrau Alessandra, von der er deshalb jahrelang getrennt lebte!

Eine melancholische Atmosphäre wird spürbar und die Handlungsorte und Szenen werden lebendig, weil der Autor die eher handlungsarme Geschichte feinfühlig, poetisch, empathisch und bildhaft erzählt. Ohne Spannungsbogen (der Leser weiß ja von Anfang an um den bevorstehenden Tod Giuseppes) und ohne Umschweife, aber unaufgeregt und in klaren Worten, erzählt Steven Price uns sowohl von Giuseppes Kindheit und Jugend, als auch von furchtbaren und traumatisierenden Erlebnissen im Ersten Weltkrieg und so ganz nebenbei werden auch politische Fragestellungen aufgegriffen

„Der letzte Prinz“ ist eine in Fiktion gebettete Biographie und ein brillanter, unbedingt lesenswerter und anspruchsvoller Roman über den mir zugegebenermaßen unsympathischen Schriftsteller Giuseppe Tomasi di Lampedusa, der mit „Der Leopard“ ein literarischen Meisterwerk geschaffen hat.

Da ich mich noch nicht selbst von der Klasse dieses Werkes überzeugen konnte, durch Steven Prices Roman aber sehr neugierig geworden bin, freue ich mich schon darauf, mir selbst ein Bild davon zu machen.

„Der letzte Prinz“ hat mich beeindruckt und bekommt einen Dauerplatz im Regal.

Ich kann jetzt, nach der Lektüre, nachvollziehen, dass er für den renommierten kanadischen Gilles Prize nominiert wurde.

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