Cover-Bild Monster

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21,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Kein & Aber
  • Genre: Romane & Erzählungen / Erzählende Literatur
  • Seitenzahl: 176
  • Ersterscheinung: 04.02.2019
  • ISBN: 9783036957968
Yishai Sarid

Monster

Ruth Achlama (Übersetzer)

Am Ende des Romans steht eine Eskalation: Ein israelischer Tourguide streckt im Konzentrationslager von Treblinka einen deutschen Dokumentarfilmer mit einem Faustschlag nieder. Wie kam es dazu? In einem Bericht an seinen ehemaligen Chef schildert der Mann, wie er jahrelang Schulklassen, Soldaten und Touristen durch NS-Gedenkstätten geführt hat und wie unterschiedlich diese mit der Erinnerung an den Holocaust umgehen. Nach und nach zeigt sich, dass seine Arbeit nicht
spurlos an dem jungen Familienvater vorübergeht – die Grauen der Geschichte entwickeln einen Sog, gegen den keine akademische Distanz ankommt. Gleichzeitig wächst sein Frust über die eigene familiäre und berufliche Situation. Am Ende wollen alle in erster Linie aus dem Holocaust – und dem Gedenken daran – einen Nutzen für sich selbst ziehen. Als der Erzähler das erkennt, wird er vom Beobachter zum Akteur, und der Kreislauf der Gewalt vollendet sich.

Yishai Sarid, einer der bekanntesten Autoren Israels, wirft in seinem Roman ein neues Licht auf die Erinnerungskultur, wagt sich an vermeintlich unantastbare Fragen und stellt in stillem, unaufgeregtem Ton eingefahrene Denkmuster infrage.

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Lesejury-Facts

  • Dieses Buch befindet sich in 4 Regalen.
  • 1 Mitglied hat dieses Buch gelesen.

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.07.2019

Was ist ein Monster?

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Ein Monster ist etwas Widerwärtiges, eine richtig üble Kreatur. So unterschiedlich die Definitionen dazu auch sind: dass die Massenmörder der nationalsozialistischen Diktatur in den Konzentrationslagern ...

Ein Monster ist etwas Widerwärtiges, eine richtig üble Kreatur. So unterschiedlich die Definitionen dazu auch sind: dass die Massenmörder der nationalsozialistischen Diktatur in den Konzentrationslagern dazugehören, ist wohl ziemlich klar. Umso mehr verwundert es den Protagonisten dieses Romans, einen israelischen Historiker und Guide bei Besichtigungen seiner Landsleute in Konzentrationslagern, dass diese manchmal eine andere Meinung dazu haben. Sie sehen nicht die Deutschen als die maßgeblichen Übeltäter, sondern die Polen, deren Unterstützung, aber auch Hass und Neid aus ihrer Sicht ein wichtiger Beitrag zum Massenmord war, ja, diesen erst ermöglicht hat.

Dem Historiker, der zunächst als nüchterner Betrachter durch die Stätten des Grauens führt, wird es zunehmend schwerer, seine eigene Meinung außen vor zu lassen, was zu einigen Eskalationen und der Distanzierung der Organisatoren dieser Reisen von ihm führt.

Das Buch besteht aus seinem Monolog, vielleicht auch einem Brief, gerichtet an den Vorsitzenden der Gedenkstätte Yad Vashem, die hinter diesen Reisen steht und quasi sein Auftraggeber ist.

Als Historikerin war ich sehr gespannt auf dieses Buch, zumal auch ich einige dieser Konzentrationslager kenne und somit beurteilen kann, wie aufwühlend ein Aufenthalt dort sein kann. Wieviel entsetzlicher muss dies sein für die Nachfahren der Opfer - dass die ersten Reaktionen auf eine solche Konfrontation ebenso unterschiedlich wie unberechenbar sind, ist meiner Meinung nach sehr gut nachzuvollziehen. Und dass jemand, dessen Beruf es ist, Führungen durch diese Lager zu leiten, innerlich nicht immer außen vor bleiben kann, ebenso.

Somit war ich durchaus fasziniert von dem Wandel, der im Protagonisten vorging und der aus meiner Sicht von Autor Yishai Sarid überaus eindringlich, dabei teilweise subtil, dargestellt wird.

Was mir hingegen teilweise sauer aufstieß, waren die Bezeichnungen "Deutsche" und "Polen", manchmal auch "Ukrainer" für die Täter. Obwohl ich meiner Abstammung nach keiner dieser Nationen angehöre, tut es mir weh, wenn hier ganze Völker in den Kreis der Täter einbezogen werden, wobei ich davon ausgehe, dass diese Polarisierung vom Autor durchaus beabsichtigt ist. Denn ich habe den Eindruck, dass er ein Buch schreiben wollte, das weh tut und zwar jedem, der es liest. Immer auf unterschiedliche Art natürlich, je nachdem, was für einen Hintergrund der jeweilige Leser hat. In mir weckte es die bange Frage, ob ich in mir nicht auch ein Monster beherberge - manchmal zumindest. Und zwar das Monster der Ignoranz, des Wegschauens. Alles andere als leichte Kost also, die in mir noch lange Zeit nachhallen wird.

Veröffentlicht am 12.06.2019

Ein kurzes wertvolles Buch über die Erinnerungskultur des Holocaust.

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Nach der letzten Seite musste ich erstmal tief durchatmen. Dies ist mal ein Buch das das Prädikat “makaber” verdient hat, aber nicht weil es blutig und reißerisch ist. Nein, es ist ein Blick in die Details, ...

Nach der letzten Seite musste ich erstmal tief durchatmen. Dies ist mal ein Buch das das Prädikat “makaber” verdient hat, aber nicht weil es blutig und reißerisch ist. Nein, es ist ein Blick in die Details, in die Seele der Mörder und die der Opfer und vor allem der Nachfahren.
Es ist ein fiktiver Roman; ein sehr nüchterner Monolog eines israelischen Historikers mit dem Spezialgebiet Vernichtungslager der Nationalsozialisten in Polen, gerichtet an den Präsidenten der Yad Vashem. Die kalten Fakten der Vernichtungslager wird gepaart mit hoch emotionalen Einfindungen in alle Perspektiven.
Dieses Buch hinterlässt einen in einem aufgewühlten Zustand, als ob man ertrinkt und zu viel Wasser geschluckt hat und dann doch noch überlebt in letzter Sekunde.
Der Roman verlässt die üblichen mittlerweile standardisierte Pfade auf denen wir uns befinden, wenn wir uns mit dem heikle Thema Holocaust beschäftigen.

Die ausgefeilte Prosa stammt aus der Feder von Yishai Sarid, ein Israeli, Staatsanwalt und vor allem einer bekannten Autoren Israels. Ein Roman über den Holocaust, den nur ein Israeli mit dieser Ehrlichkeit und Wucht schreiben.

Fazit: Ein kurzes wertvolles Buch über die Erinnerungskultur des Holocaust.

Veröffentlicht am 28.05.2019

Es ist ein ehrlicher, starker Roman, der unter die Haut geht und mich jedenfalls sehr nachdenklich gemacht hat

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Yishai Sarid, Monster, Kein & Aber 2019, ISBN 978-3-0369-5796-8

Der Ich-Erzähler des neuen bei Kein & Aber erschienenen und von Ruth Achlama aus dem Hebräischen ins Deutsche übersetzten Romans von Yishai ...

Yishai Sarid, Monster, Kein & Aber 2019, ISBN 978-3-0369-5796-8

Der Ich-Erzähler des neuen bei Kein & Aber erschienenen und von Ruth Achlama aus dem Hebräischen ins Deutsche übersetzten Romans von Yishai Sarid schreibt einen langen Brief an seinen Chef, den Leiter der Gedächtnisstätte Yad Vaschem in Israel.

Er versucht darin zu erklären, wie es dazu kam, dass er als anerkannter Führer, der Besucher, die hauptsächlich aus Israel kommen, durch die nationalsozialistischen Vernichtungslager in Polen führt, irgendwann am Ende der ganzen Handlung im Lager Treblinka einen deutschen Dokumentarfilmer mit einem Faustschlag niederstreckt.

Yishai Sarid hat in seiner Hauptfigur einen Menschen beschrieben, der vielleicht überzeichnet, aber nicht weniger realistisch zeigt, wie Grausamkeiten Menschen auch dann in ihren Bann ziehen, wenn sie längst vergangen sind und der Erinnerung angehören.

„Monster“, damit sind die Monster der Vergangenheit gemeint, die bis in die aktuelle Gegenwart hineinreichen und ihr Werk treiben, hat er sein Buch genannt. So beschreibt er seinem kleinen Kind, das ihn fragt, warum er immer solange in Polen unterwegs ist, was er dort tut: gegen die Monster kämpfen.

Der Erzähler, der in seiner Dissertation die Techniken der unterschiedlichen Konzentrations-und Vernichtungslager beschrieben hat und zum Fachmann in diesen Fragen geworden ist, beschreibt nicht nur die spezielle israelische Erinnerungskultur kritisch, in der Schulklassen aus dem ganzen Land nach Polen reisen und dort auf eine fast einstudierte Weise trauern. Er rührt aber auch an ein Tabu, indem er beschreibt, wie die jungen Leute seltsam fasziniert sind von der Systematik der deutschen Lager und ihren Hass eher auf die Polen richten als auf die Deutschen. An mehreren Stellen berichtet er davon, wie die jungen Israels unter sich raunen, dass sie gerne genauso mit den Arabern zu Hause umgehen würden.

Sarid formuliert mutig Fragen, die in Israel nur hinter vorgehaltener Hand gestellt werden: was ist die Verbindung zwischen den vernichteten Juden damals und den Israelis heute? Wo verläuft die Grenze zwischen einer aufrichtigen Erinnerungskultur, die er nicht in Frage stellt und der Vereinnahmung des Gedenkens für die eigenen persönlichen bzw. politischen Zwecke, die er sehr wohl kritisiert?

Sarids Buch handelt von Moral und von Opferrollen. In seiner Direktheit und Offenheit zielt er auch beim deutschsprachigen Leser mitten ins Herz und hat sicher in Israel selbst für etliche Debatten gesorgt.

Es ist ein ehrlicher, starker Roman, der unter die Haut geht und mich jedenfalls sehr nachdenklich gemacht hat.