Cover-Bild Nacht über Tanger

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22,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Blessing
  • Genre: Romane & Erzählungen / Erzählende Literatur
  • Seitenzahl: 368
  • Ersterscheinung: 13.08.2018
  • ISBN: 9783896676030
Christine Mangan

Nacht über Tanger

Roman
Irene Eisenhut (Übersetzer)

Tanger 1956: Alice Shipley ist ihrem Mann John von England in das von politischen Unruhen aufgeheizte Marokko gefolgt. Doch die Hitze und die fremde Kultur machen es Alice schwer; während John sich immer mehr ins Nachtleben der pulsierenden Stadt stürzt und kaum mehr zu Hause ist, verkriecht sich Alice in der gemeinsamen Wohnung, gleitet in eine Depression. Da steht eines Tages Lucy Mason vor ihrer Tür, Alice' Zimmergenossin und Freundin aus Collegezeiten in Vermont, die sie seit einem mysteriösen Unfall ein Jahr zuvor nicht mehr gesehen hat.

Die unabhängige und furchtlose Lucy entdeckt Tanger schnell für sich und versucht Alice aus ihrer Isolation zu befreien. Doch Alice beschleicht bald das ihr nur allzu vertraute Gefühl, von Lucys Fürsorge kontrolliert und erstickt zu werden. Als John plötzlich verschwindet, wird Alice von dem Unfall in Vermont eingeholt und sie fängt an, an Lucys Vertrauenswürdigkeit und ihrem eigenen Verstand zu zweifeln ...

Ein vielschichtiger, spannender, psychologisch tiefgründiger Roman, erzählt aus zwei Ich-Perspektiven, die den Leser bestricken und verstricken in eine komplexe Freundschaft, in der die Grenzen zwischen Gut und Böse, Normalität und Wahnsinn fließend sind.

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.01.2019

Nacht über Tanger

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Draußen ist es bitterkalt. Dennoch hat mir dieses spannende Drama mächtig eingeheizt. Nordafrikanische Hitze strömt aus dieser bildgewaltigen Geschichte. Während man die Sonne auf der Haut spürt, kommt ...


Draußen ist es bitterkalt. Dennoch hat mir dieses spannende Drama mächtig eingeheizt. Nordafrikanische Hitze strömt aus dieser bildgewaltigen Geschichte. Während man die Sonne auf der Haut spürt, kommt man einer Tragödie immer näher. Lucy Mason und Alice Shipley sind beste Freundinnen. Sie haben sich ein Zimmer im College von Vermont geteilt.
Tanger 1956
Wir lernen eine Alice kennen, die sich nicht aus dem Haus traut. Ihr Mann John genießt das Leben in Tanger. Er schert sich nicht darum, dass seine Frau immer depressiver wird. Alice träumt vom feinen englischen Tee. Sie kann mit dem aromatischen Pfefferminztee, der in Tanger so beliebt ist, nichts anfangen. Sie kann mit diesem Land nichts anfangen. Dennoch ist sie dankbar, mit John verheiratet zu sein.
Lucy erscheint einem wie das Pedant zu Alice. Mutig und abenteuerlustig. Ein Jahr ist es her, dass sie Alice gesehen hat. Sie reist von New York nach Marokko. Die afrikanische Hafenstadt gefällt ihr auf Anhieb. Sie macht sich auf den Weg zu ihrer Collegefreundin. Als Alice Lucy vor ihrer Haustür stehen sieht, ist sie alles andere als begeistert.
Alice
Alice ist eine zarte Person. Ängstlich und unglücklich verbarrikadiert sie sich im Haus. Ein Heimchen am Herd ist sie dennoch nicht. Einkäufe möchte die psychotische Frau auch nicht erledigen. Die fremde Stadt bereitet ihr Angst. Das plötzliche Auftauchen ihrer Freundin stört ihre Routine, die sie sich mühsam aufgebaut hat. Erinnerungen werden wach. Mit ihr eine weitere Panik!
Lucy
Lucy kommt ziemlich kalt rüber. Ihr entgeht keine Geste, Mimik und Reaktion der Freundin. Sie hat sie gesucht und gefunden. Warum nur kann sich Alice nicht über ihren Besuch richtig freuen? Warum kann sie das rege Nachtleben in Tanger nicht genießen? Schäbige, und doch so beliebte Pubs, wecken von Anfang an Lucys Interesse. Alices Mann verhält sich ihr gegenüber misstrauisch. Lucy fühlt sich in Caprihosen und Blusen wohl. Alice bevorzugt mädchenhafte Kleider. Die beiden Freundinnen (?) könnten verschiedener nicht sein.
John
John kommt wie ein arroganter Lackaffe rüber. Für seine Frau scheint er keine Liebe zu empfinden. Er weiß nicht, was er von dieser komischen Lucy halten soll. Eigentlich fand er sie Anfangs ganz interessant. Nun wird sie langsam lästig. Er hofft, dass sie bald wieder verschwindet.
Jedes Kapitel wird abwechselnd aus der Sicht von Alice und Lucy erzählt. Von Alice konnte ich mir auf Anhieb ein genaues Bild machen. Bei ihr spürt man die Einsamkeit. Man fühlt die Ängste, die ihr das Leben unheimlich schwer machen. Lucy ist unscheinbar. Die kühle Frau lässt sich nicht in die Karten schauen. Als Leser fragt man sich, warum sie unbedingt mit Alice befreundet sein will. Nur der alten Zeiten willen ist nicht glaubhaft. Vor einem Jahr hat sich eine Tragödie in Vermont ereignet. Alices Erinnerungen sind von einem Nebel umhüllt. Eine Nebel, der sich immer mehr zu lichten beginnt. Dann ist auf einmal ihr Mann verschwunden.

Das Setting reflektiert das Nachtleben von Tanger und die traumhafte Landschaft. Die Protagonisten haben Erkennungswert. Das Cover zeigt eine coole Frau. Lucy lässt sich nicht in die Augen schauen. Man verspürt beim Lesen Fernweh. Möchte durch Tangers verschlungene Gassen schlendern und in urigen Cafes süßen, aromatischen Pfefferminztee trinken. Bei der ganzen Idylle vergisst man gerne die politischen Unruhen. Doch diese Geschichte wartet noch mit ganz andere Gefahren auf.
Der Schreibstil kommt ruhig daher. Die Spannung steigt kontinuierlich. Auch die Nebencharaktere sind gut gezeichnet. Das Geschehen lebt überwiegend von Alice, Lucy und John. Das mit einer Intensität, die dem Leser nichts vermissen lässt. Das Ende hat mich überrascht. In der Geschichte wird besonders deutlich, dass man seine Probleme überall mitnimmt. Ein gelungenes Debüt!
Danke Christine Mangan

Veröffentlicht am 03.01.2019

Leider ein wenig blass und vorhersehbar ...

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Beim Lesen versuchte ich mich daran zu erinnern, an wen oder was mich das Buch erinnert … schnell kam ich drauf: „Der talentierte Mr. Ripley“ erfunden von einer meiner Lieblingsschriftstellerinnen, der ...

Beim Lesen versuchte ich mich daran zu erinnern, an wen oder was mich das Buch erinnert … schnell kam ich drauf: „Der talentierte Mr. Ripley“ erfunden von einer meiner Lieblingsschriftstellerinnen, der außergewöhnlichen Patricia Highsmith. Alles passt, auch dieses Buch hier spielt Mitte der 50er Jahre, wenn auch in Marokko statt in Italien. Auch hier versucht Lucy Mason eine Person zu beeinflussen und zu verwirren bis sie nicht mehr weiß, was wahr und was erfunden ist. Dennoch war ich enttäuscht, denn Christine Mangan kann Ms. Highsmith leider nicht das Wasser reichen. Während mir ihre atmosphärischen Beschreibungen vom wüstenheißen Tanger sehr gut gefallen, bleiben ihre Figuren blass. Was hätte man z. B. aus Lucys Verbündeten Youssef, dem Herrn mit dem lila Band am Hut, alles machen können!
Vielleicht habe ich die Messlatte zu hoch angesetzt, aber für mich ist „Nacht über Tanger“ leider nur ein Roman der Mittelklasse.

Veröffentlicht am 23.12.2018

Nacht über Tanger

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John wollte nach Tanger. Für Alice kam das alles überraschend. Es war wie eine Fata Morgana. Es war im Jahr 1956 als sie endgültig nach Tanger gingen. Von England nach Marokko. Alles schien surreal für ...

John wollte nach Tanger. Für Alice kam das alles überraschend. Es war wie eine Fata Morgana. Es war im Jahr 1956 als sie endgültig nach Tanger gingen. Von England nach Marokko. Alles schien surreal für Alice, genau wie die schnelle Heirat damals mit John...Die beiden stranden in einem Land, zu einer Zeit, in der die politische Stimmung sehr aufgeheizt war. John lebt sich rasch ein und genießt das Nachtleben Tangers in vollen Zügen aber Alice bleibt in ihrer Welt zu Haus. Sie wird depressiv. Eines Tages taucht plötzlich Lucy Mason vor ihrer Tür auf. Lucy war mal die Zimmerkameradin Alice‘ und ebenso eine gute Freundin zu Zeiten des Colleges in Vermont. Sie haben sich lange nicht mehr gesehen. Durch Lucy entdeckt Alice Tanger. Sie kommt so langsam aus ihrem Schneckenhaus hervor, fühlt sich aber bald von ihrer Fürsorge erschlagen. Und als John urplötzlich verschwindet kommen die schrecklichen Geschehnisse von Vermont wieder in Alice Gedächtnis zurück. Alice weiß nicht mehr an wen oder was sie noch glauben kann, darf, soll...Wer ist Freund? Wer Feind?

Christine Mangan hat mit „Nacht über Tanger“ einen sehr ruhigen, unaufdringlichen aber auch extrem psychologischen, tiefgründigen Roman verfasst. Durch die Ich-Erzählperspektive kann man als Leser beispielsweise sehr gut in Alice Gedankenwelt eintauchen. Man kann viele Dinge nachvollziehen aber auch hier und da schon ahnen was als nächstes geschehen wird. Die Art und Weise wie Mangan schreibt, hat mir sehr gut gefallen. Ihr Schreibstil ist ruhig, klar und bewusst. Sie verführt den Leser auf eine ganz besondere Weise und wickelt ihn ein. Man weiß irgendwann nicht mehr genau was man noch glauben soll. Psychologisch gesehen, eine sehr gute Taktik den Leser zu verführen. Ebenso gut gefallen hat mir das marokkanische Flair. Mit Alice durch Tanger zu streifen war sehr angenehm und extrem bildhaft geschildert. Als dann Lucy ins „Spiel“ kommt, ändert sich alles für Alice und genau dieser Punkt war für mich als Leser faszinierend beschrieben. Es war ab einem gewissen Punkt ein sehr verstricktes „Spiel“ was Mangan da niedergeschrieben hat. Faszinierend irgendwie. Denn die Wendung wie aus Freundschaft auch Feindschaft werden kann, hat Mangan genau auf den Punkt getroffen. Alles in allem war dieses Buch anders als andere Bücher und dessen Geschichten, aber ich war beeindruckt und empfehle es hiermit sehr gern weiter! Erwähnenswert ist auch noch die Covergestaltung. Die Dame passt sehr gut in die damalige Zeit und verkörpert eine gewisse Zurückhaltung und durch das verdecken ihrer Augen nicht nur schutzsuchend sondern auch als Zeichen des „nicht sehen wollen“ oder Versteckens....sehr passend und stimmig für dieses Buch gewählt.

Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar!

Veröffentlicht am 20.09.2018

Wenig Spannung und vorhersehbare Handlung

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Seit dem College und einem furchtbaren Ereignis haben sich Lucy und Alice nicht mehr gesehen. Mittlerweile ist Alice verheiratet und lebt mit ihrem Mann John in Tanger, Marokko, wo sie alles andere als ...

Seit dem College und einem furchtbaren Ereignis haben sich Lucy und Alice nicht mehr gesehen. Mittlerweile ist Alice verheiratet und lebt mit ihrem Mann John in Tanger, Marokko, wo sie alles andere als glücklich ist und die meiste Zeit zuhause verbringt. Umso überraschter ist sie, als eines Tages Lucy vor der Tür steht... .
Christine Mangans Roman spielt in den 1950er Jahren in Marokko und versprach vom Klappentext her einen außergewöhnlichen Psychothriller. Anfangs konnte mich die Geschichte noch unterhalten, doch viel zu schnell wird klar, in welche Richtung sich die Handlung entwickeln wird und welchen der beiden Frauen man glauben und trauen kann. So ging für mich die Spannung verloren und auch mein Interesse.
Erzählt wird die Geschichte immer wieder im Wechsel aus den Ich-Perspektiven von Lucy und Alice. Dabei werden die Gedanken und Pläne der beiden Frauen offen gelegt und dadurch aus meiner Sicht viel zu viel verraten.
Auch fand ich die Figuren im Roman irgendwie unnatürlich und auch nicht sympatisch. Alice hat offensichtlich in Tanger einen Kulturschock erlitten, traut sich nicht mehr aus dem Haus und führt eine unglückliche Ehe, aus der sie sich nicht befreien kann. Sie wirkte auf mich ziemlich naiv und ich habe mich auch gefragt, warum sie Lucy nach dem, was geschehen ist, überhaupt noch bei sich aufgenommen hat. Allein, dass diese solange bei ihr wohnen darf, fand ich schon nicht realistisch.
Bei Lucy merkt man schnell, dass sie etwas im Schilde führt und sie einen ungeheuren Einfluss auf Alice hat. Im Gegensatz zu ihr bewegt sie sich relativ selbstsicher durch die Stadt und wird schnell mit den Bewohnern und der Lebensweise warm.
Christine Mangan schreibt flüssig, aber hat es nicht geschafft, mich mit ihrem Roman gut zu unterhalten. Die Wendungen kann man hervorsehen und auch bei den beiden Freundinnen merkt man fast zu Beginn schon, wer ,,die Böse" ist. Spannung kam daher kaum auf. Was der Autorin allerdings gut gelingt, ist die Darstellung der Stadt Tanger. Sie schafft es, die Lebendigkeit, aber auch die Andersartigkeit und die kulturellen Unterschiede gut hervorzuheben. So kann man gut verstehen, dass Alice von der ganzen ihr fremden Atmosphäre eingeschüchtert ist und sich zurückzieht.
Insgesamt ist ,,Nacht über Tanger" für mich ein hervorsehbarer und wenig spannender Roman, der außer einer exotischen Atmosphäre nur wenig zu bieten hat. Mein Geschmack wurde jedenfalls nicht getroffen.