Cover-Bild Monique bricht aus
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22,00
inkl. MwSt
  • Verlag: S. FISCHER
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 160
  • Ersterscheinung: 29.01.2025
  • ISBN: 9783103975581
Édouard Louis

Monique bricht aus

Sonja Finck (Übersetzer)

»Ich habe mich von deinem Vater befreit und dachte, jetzt wird alles besser.« Édouard Louis kehrt zur Geschichte seiner Mutter zurück. Zu einer Frau, die sich schon einmal befreit hat. Von Alkohol, Gewalt und Scham, vom Schweigen. Und deren Geschichte sich zu wiederholen droht, als sie eines Nachts den Sohn anruft, während ihr neuer Partner sie im Hintergrund rüde beschimpft. Schritt für Schritt plant der Sohn mit ihr den Ausbruch, ein neuer Anfang gelingt, aber wie geht das Leben weiter, wenn man Freiheit nie gelernt hat?

 »Monique bricht aus« ist ein einfühlsames und zartes Porträt einer Mutter, die für ihre Selbstbestimmung kämpft, und eines Sohnes, der sich mit ihr verbündet. Zweier Menschen, die sich einander annähern und behutsam beginnen, eine gemeinsame neue Geschichte zu schreiben.


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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.02.2025

Ein schmales Buch mit wichtigem Inhalt - Über die materiellen Bedingungen von (weiblicher) Freiheit

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Bereits mit die Freiheit einer Frau hat Edouard Louis seine Mutter ins Zentrum seines Schreibens gestellt und ihr Ausbrechen aus einer gewaltvollen Ehe und einen Neuanfang in Paris eindrucksvoll beschrieben. ...

Bereits mit die Freiheit einer Frau hat Edouard Louis seine Mutter ins Zentrum seines Schreibens gestellt und ihr Ausbrechen aus einer gewaltvollen Ehe und einen Neuanfang in Paris eindrucksvoll beschrieben. In Monique bricht aus zeigt er nun auf, dass eine solche Befreiung zu oft keine dauerhafte Freiheit verspricht. Zu stark sind Muster und Strukturen, die Menschen immer wieder in die gleichen Abhängigkeiten zu drängen scheinen. Und so muss auch Monique ein weiteres Mal für ihre Freiheit kämpfen und sich von einem gewalttätigen Partner, der sie unterdrückt, befreien.

Diesmal ist Louis dabei unmittelbar an ihrer Seite, bietet ihr ein temporäres Zuhause in seiner Wohnung, versorgt sie mit Essen und Geld und unterstützt sie beim Start in ein neues, erstmals seit über 50 Jahren überhaupt, selbstständiges Leben. Dabei verändert sich auch die durch die Vergangenheit durchaus belastete Beziehung der beiden. Louis beginnt Monique nicht mehr als Mutter zu sehen, mit all den Erwartungen, die an diese Rolle geknüpft sind, sondern als eigenständige Frau, mit Bedürfnissen, Wünschen und Träumen, die nun zu seiner gleichberechtigten Freundin wird. Die Unterstützung, die Monique für eine erfolgreiche Befreiung benötigt, zeigt dem Autor abermals und ganz unmittelbar auf, dass Freiheit jenseits abstrakter Proklamationen in unserer Gesellschaft eine materielle Grundlage hat, Freiheit so wird deutlich, muss man sich leisten können. Dies betrifft nicht nur einen positiven Freiheitsbegriff, als Befähigung zu etwas, nein, Moniques Beispiel zeigt eindringlich auf, dass selbst die Freiheit von Gewalt und Unterdrückung ohne notwendige materielle Grundlage zu oft und für zu viele Menschen eine Illusion und Wunsch bleibt.

Was Louis beschreibt ist nicht weniger als eine Metamorphose einer Frau der Arbeiterklasse, die versucht aus ihren Klassenzwängen und der darin für sie vorgesehenen Rolle und Unterdrückung auszubrechen und dem Leben mehr abzutrotzen als die gesellschaftlichen Strukturen für sie vorgesehen haben. Eindrucksvoll und auf nur wenigen Seiten vermittelt der Autor wie diese Unabhängigkeit auch ihre sozialen Beziehungen verändert, nicht zuletzt auch zu ihrem Sohn.

Louis macht es sich nicht einfach. In dieser Geschichte den Täter im jeweiligen Partner auszumachen, greift zu kurz. Vielmehr sind es Klassengrenzen, Diskriminierung und patriarchale Strukturen, unter denen nicht nur Louis Mutter leidet, sondern die auch ihre Peiniger wiederum zu Opfer eines Systems machen, das ihnen nur begrenzte Möglichkeiten einer gesunden menschlichen Entwicklung ermöglicht. Die Radikalität in der Louis diesen Gedanken verfolgt, kann ich persönlich nicht vollständig teilen, insofern hinter den absolut determinierenden Strukturen bei Louis das Individuum seine Verantwortung vollkommen zu verlieren scheint. Das macht dieses Buch für mich jedoch nicht weniger wertvoll.

Als „Archäologe seiner Mutter“ setzt der Autor nicht nur Monique ein Denkmal, sondern zeigt anschaulich wie Klassenzwänge und patriarchale Strukturen Lebenschancen determinieren und wie schwierig es ist diesen zu entkommen. Monique hat es geschafft. Unbedingt lesen!

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Veröffentlicht am 03.02.2025

Wow - Édouard Louis‘ zweites Buch über seine Mutter, großartig!

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„Ich könnte sagen: Kein Leid in meiner Kindheit = keine Bücher = kein Geld = keine Freiheit.“

Nur aufgrund seiner Literatur über seine prägenden familiären Erfahrungen ist Édouard Louis in der Lage seiner ...

„Ich könnte sagen: Kein Leid in meiner Kindheit = keine Bücher = kein Geld = keine Freiheit.“

Nur aufgrund seiner Literatur über seine prägenden familiären Erfahrungen ist Édouard Louis in der Lage seiner Mutter helfen zu können, als diese vor einem gewalttätigen Mann flüchtet, um sich ihre eigene Existenz aufzubauen.

Aber erstmal von vorne. Louis‘ Mutter verbrachte den größten Teil ihres Lebens in Nordfrankreich, in einem abgelegenen Dorf mit knapp tausend Einwohnern. Sie lernte dort den Mann kennen, vor dem sie später würde fliehen müssen. Aber auch schon Louis‘ Vater misshandelte sie.

„Kurz zuvor hatte sie meinen Vater nach zwanzig Jahren Ehe rausgeworfen, zwanzig Jahre, in denen er von ihr erwartet hatte, dass sie
kochte
putzte
einkaufte
spülte
die Wäsche wusch
dass sie den Mund hielt, wenn er fernsah, sechs oder sieben Stunden am Tag, und wenn sie es nicht tat, rastete er aus,..“

Da sie in ihrem Zuhause keine Bestätigung bekam, verfügte seine Mutter über ein geringes Selbstwertgefühl.
„Meine Mutter hat sich in ihrem Leben oft an Komplimente geklammert, die andere ihr gemacht haben; sie gaben und geben ihr das Gefühl, gesehen zu werden, in den Augen und in den Worten der anderen zu existieren und die Unsichtbarkeit zu durchbrechen, die eine Folge der Armut war und eines Lebens an der Seite von Männern, die alles daran gesetzt hatten, sie zu erniedrigen.“
Heute als erwachsener Mann versteht Louis die Not seiner Mutter, die Freude über - und den Heisch nach Aufmerksamkeit.

Als sie sich endlich von ihrem aktuellen, gewalttätigen Lebensgefährten lossagt, gewährt ihr Sohn Édouard ihr Unterschlupf in seiner Pariser Wohnung. Er spürt ihre Dankbarkeit, aber nimmt auch die Müdigkeit seiner Mutter wahr.
„Müdigkeit, das war im Leben meiner Mutter immer das deutlichste Anzeichen dafür gewesen, dass ihr Unrecht geschah. Müdigkeit, weil sie zu einem Hausfrauendasein gezwungen war, Müdigkeit, weil sie gedemütigt wurde, Müdigkeit, weil sie weglaufen musste, Müdigkeit, weil sie sich abrackern musste, Müdigkeit, weil sie immer wieder von vorne anfangen musste.
Manche werden vom Leben getragen, für andere ist das Leben ein ständiger Kampf.
Wer zur zweiten Kategorie gehört, ist müde.“

Auch finanzielle Abhängigkeit ist ein großes Thema des Buches - seine Mutter verlor durch den Einzug bei dem Mann, mit dem sie zusammen war, ihre Sozialhilfe, auf die sie nach der Trennung von seinem Vater Anspruch gehabt hatte, sowie auch ihren Halbtagsjob. Vorbei war ihre „Unabhängigkeit“. Und so kreuzt sie eines Tages unangekündigt bei Édouard auf, ohne einen Cent in der Tasche.

„Wenn wir uns streiten, sagt er jedes Mal, er gibt mir zur Strafe keinen Cent mehr. Deshalb habe ich nicht mal zwei Euro, um einen Kaffee zu trinken und aufs Klo gehen zu können. Heute bin ich ein bisschen spazieren gegangen und habe mich zu weit von zu Hause entfernt. Deshalb musste ich zu dir kommen, sonst hätte ich dich in Ruhe gelassen.“

Louis sagt über die Szene selbst, „Die Scham hat ein Gedächtnis“, was ich für eine unglaublich wichtige Erkenntnis halte und auch aus eigener Erfahrung heraus bestätigen würde, denn wer kann sich mich selbst an besonders schambehaftete Situationen oder Erlebnisse erinnern?! Ich kann es.

Mit zunehmender Bildung entfernte sich Louis nicht nur geistig immer mehr von seiner Familie, sondern auch körperlich.
„Von dem Tag an, als ich aufs Gymnasium kam, obwohl niemand in meiner Familie Abitur hatte, von dem Tag an, als ich Bücher zu lesen, ins Theater zu gehen, mich für Filmgeschichte zu interessieren begann, wurde all dies schlagartig unmöglich. Plötzlich langweilte ich mich im Supermarkt, hasste die Nachmittage dort, empfand sie als Zeitverschwendung, verachtete Videospiele, hielt sie für dumm, begann zu sagen - den Satz hatte ich in der Uni aufgeschnappt -, dass es in Fastfoodrestaurants nach Frittierfett stinkt und das mir von dem Geruch schlecht wird.“
Es schmerzt solche Passagen zu lesen, denn man bekommt wahrhaftig mit, wie sich Louis von seiner Familie lossagt, ja lossagen will, weil sie einfach nicht in sein neues Bildungsbürger-Leben passt - Klassismus at it’s best!

Schafft Louis‘ Mutter dem Abwärtsstrudel aus Gewalt, finanzieller Abhängigkeit und co zu entkommen?!
Das müsst Ihr schon selber nachlesen in „Monique bricht aus“ - was ich aber verraten möchte: Es lohnt sich, denn er hat das Buch aus einem besonderen Grund geschrieben: Es war der Wunsch seiner Mutter - sie wollte, dass wir Leser*innen erfahren, welche Wendung ihr Leben genommen hat. Denn es hat sich einiges getan seit „Die Freiheit einer Frau“ - dem ersten Buch, dass Édouard Louis über seine Mutter schrieb.

„Ich habe nicht entschieden es zu schreiben. Es war nicht meine Idee. Noch nie hat mir das Schreiben so große Freude bereitet.“

Unbedingte Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 29.01.2025

Flucht aus der Abhängigkeit

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Bereits des Öfteren hat der französische Schriftsteller Édouard Louis über seine eigene Familie geschrieben - nicht selten zum Unmut seiner Angehörigen. In seinem neuesten literarischen Werk „Monique bricht ...

Bereits des Öfteren hat der französische Schriftsteller Édouard Louis über seine eigene Familie geschrieben - nicht selten zum Unmut seiner Angehörigen. In seinem neuesten literarischen Werk „Monique bricht aus“, der am 29. Januar 2025 im S. Fischer Verlag erschienen ist, rückt er erneut seine Mutter Monique in den Mittelpunkt.
Die Geschichte beginnt mit einem Hilferuf: Monique, die Protagonistin, ruft verzweifelt ihren Sohn an. Sie hat es zwar geschafft, einer früheren unglücklichen Ehe zu entkommen, findet sich jedoch nun in einer ähnlich bedrückenden Beziehung wieder. Ihr aktueller Partner bedroht und schikaniert sie, bis das Zusammenleben für sie unerträglich wird. Gemeinsam mit ihrem Sohn entwickelt sie einen Plan, um ihrer unhaltbaren Lebenssituation zu entfliehen. Der Roman schildert, wie Monique nicht nur den Mut findet, auszuziehen, sondern sich Schritt für Schritt ein unabhängiges Leben aufbaut – zum ersten Mal überhaupt.
Louis’ Schreibstil bleibt, wie in seinen vorherigen Werken, simpel und zugänglich, aber keineswegs oberflächlich. Mit wenigen, aber präzisen Worten zeichnet er ein Porträt einer Frau, die Zeit ihres Lebens unterdrückt wurde – zuerst von einem patriarchalen Gesellschaftssystem, dann durch ihre Partner. Doch diesmal ist Moniques Geschichte keine von Resignation, sondern von Befreiung. Der Leser begleitet Monique auf einer Reise der Selbstentdeckung und Transformation, bei der sie zur Hauptfigur ihres eigenen Lebens wird. Diese Veränderung, die Louis einfühlsam und dennoch schonungslos beschreibt, verlangt dem Leser Respekt ab, während sie zugleich als Hoffnungsschimmer für andere Frauen in ähnlichen Situationen dient.
Besonders bemerkenswert ist die autobiografische Dimension des Romans. Louis greift auf reale Ereignisse aus dem Leben seiner Mutter zurück, was der Erzählung eine außergewöhnliche Authentizität verleiht. Diese intime Nähe zur Wirklichkeit macht "Monique bricht aus" zu weit mehr als einem fiktionalen Werk. Sie gibt dem Buch eine Intensität und Tiefe, die in einem rein fiktionalen Roman nur schwer zu erreichen wären. Louis’ ungeschönter Blick auf die Umstände seiner Mutter erlaubt dem Leser, die Welt durch die Augen einer Frau zu sehen, die jahrzehntelang keine Kontrolle über ihr eigenes Leben hatte.
Monique wird anfänglich als eingeschüchterte und abhängige Frau beschrieben, die kaum Hoffnung auf ein besseres Leben hat. Doch Louis zeigt mit feiner Beobachtungsgabe, wie sie langsam mutiger und selbstbestimmter wird. Monique entdeckt neue Freuden, etwa in der Freiheit, ihre eigenen Mahlzeiten zu wählen und unbekannte Gerichte zu probieren. Diese kleinen, alltäglichen Veränderungen symbolisieren ihren wachsenden Selbstwert und ihre Emanzipation. Die größte Verwandlung erlebt sie jedoch am Ende, als sie eine neue Haltung gegenüber dem literarischen Werk ihres Sohnes entwickelt – ein Zeichen dafür, dass sie nicht nur ihr Leben, sondern auch ihre Perspektive auf sich selbst und ihre Umwelt grundlegend überdacht hat.
Trotz des kompakten Umfangs von 160 Seiten gelingt es Louis, Moniques Charakter nicht nur plastisch darzustellen, sondern auch zu analysieren. Diese Darstellung wird durch seine eigene Biografie bereichert, da er seine Kindheit und Jugend mit ihr verbracht hat. Seine erwachsene Sicht auf diese Zeit ist differenziert: Neben Vorwürfen und Bitterkeit schwingt auch Verständnis mit. Dieser Umschwung in der Wahrnehmung des Autors ist ebenso faszinierend wie die Transformation seiner Mutter, und zeugt von einer emotionalen Tiefe.
Louis’ Klarheit und Schnörkellosigkeit machen "Monique bricht aus" zu einer beeindruckenden literarischen Leistung. Der Roman illustriert, wie vermeintlich kleine Schritte – gepaart mit ein wenig Unterstützung – ausreichen können, um aus einer hoffnungslosen Lage auszubrechen. Die Botschaft ist klar: Freiheit ist oft greifbarer, als man denkt, wenn man den Mut findet, sie zu ergreifen. Diese Phrase, die schnell abgedroschen wirken kann, wirkt in diesem Fall durch den biografischen Charakter der Lektüre glaubhaft und nachvollziehbar.
Zusammenfassend ist "Monique bricht aus" nicht nur eine Biografie über Édouard Louis’ Mutter, sondern auch ein universell gültiger Appell für Emanzipation und Selbstermächtigung. Louis zeigt, wie Literatur eine Brücke zwischen dem Individuellen und dem Allgemeinen schlagen kann, und beweist einmal mehr, dass die Perspektive junger Autoren eine unverzichtbare Bereicherung für die Buchwelt ist.

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Veröffentlicht am 28.01.2025

inhaltlich dünn, stilistisch nichts Neues.

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2014 wurde Édouard Louis mit seinem autobiografischen Debüt „Das Ende von Eddy“ zum Shootingstar der linken französischen Intellektuellen. In den folgenden Romanen „Wer hat meinen Vater umgebracht“, „Im ...

2014 wurde Édouard Louis mit seinem autobiografischen Debüt „Das Ende von Eddy“ zum Shootingstar der linken französischen Intellektuellen. In den folgenden Romanen „Wer hat meinen Vater umgebracht“, „Im Herzen der Gewalt“ und „Die Freiheit einer Frau“ verarbeitete er weitere autobiografische Erlebnisse bzw. das Leben seines Vaters und seiner Mutter, ein Buch über seinen an Alkoholsucht verstorbenen Bruder ist in Arbeit. Auch in „Monique bricht aus“ geht es wieder um seine Mutter, die nach der Trennung von seinem Vater erneut in eine Beziehung mit einem alkoholsüchtigen Mann gerät, der sie verbal erniedrigt und beschimpft, und aus der sie mit Hilfe ihres Sohnes Édouard ausbricht.
Während mich der Erstling des damals gerade 20-Jährigen aufgrund seiner Reife und des Reflexionsgrades sehr beeindruckt hat, hat mich „Monique bricht aus“ nun eher ernüchtert. Die Geschichte bleibt inhaltlich dünn, und nach insgesamt vier Romanen, in denen Louis seine Familie thematisiert, nutzt sich der Ansatz doch sehr ab. Auch stilistisch bietet Édouard Louis nichts Neues. Er wechselt wieder zwischen der erzählerischen Ebene in Normalschrift und kursiv gesetzten Einschüben in Umgangssprache. Ich bekam insgesamt den Eindruck, dass Louis versucht, nach bewährtem Muster aus seiner Familiengeschichte einen weiteren kommerziellen Erfolg zu generieren. Anders als bei „Das Ende von Eddy“ fehlt mir hier jedoch eine höhere Abstraktionsebene, und die gesellschaftspolitischen Schlüsse, die Louis zieht, wirken recht trivial. Verwunderlich ist zudem, dass er die Freiheit einer Frau an rein ökonomischen Faktoren festmacht, während er soziale und intellektuelle Aspekte außen vor lässt. Seine sehr linke Position, nach der ausschließlich die herrschenden Klassenverhältnisse für die Lage seiner Mutter verantwortlich sind, ist mir zudem viel zu einfach, da er die individuelle Verantwortung komplett unberücksichtigt lässt.
Insgesamt hat mich dieses Buch leider enttäuscht, und es wird wohl mein letztes von Édouard Louis gewesen sein.

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