Brutal und voller harter Realität!
. Suchst du einen düsteren Kriminalroman, der dich mit seiner schonungslosen Realistik in Staunen versetzt und dich mit einem mulmigen Gefühl der Sprachlosigkeit zurücklässt? „Frostmond“ entführt dich ...
. Suchst du einen düsteren Kriminalroman, der dich mit seiner schonungslosen Realistik in Staunen versetzt und dich mit einem mulmigen Gefühl der Sprachlosigkeit zurücklässt? „Frostmond“ entführt dich brutal und fesselnd in die abgelegenen, tristen Weiten Kanadas. In eine Welt, die in ihrer hoffnungslosen Ausweglosigkeit ebenso erdrückend wie packend wirkt, ganz ohne jeglichen Schnickschnack.
. Aber worum geht es genau…
In Kanada werden seit Jahren Verbrechen an indigenen Frauen begangen, die entlang des Transcanada-Highways verschwinden, ohne dass die Polizei den Fällen Prioritäten einräumt. Als die 15-jährige Jeanette Maskisin in Montreal tot aufgefunden wird, wird der Fall von den Ermittlern LeRoux und Garner übernommen. Die Ermittlungen werden jedoch durch enormes Misstrauen erschwert und die Ermittler geraten zunehmend unter Druck, da weitere Opfer befürchtet werden und auch der Täter zunehmend zur Zielscheibe eines blutigen Racheplans wird.
. „Frostmond – Der erste Fall für Ted Garner“ war mein erstes Buch der Autorin, und ich war sofort von diesem Kriminalroman fasziniert! Die Geschichte entführt uns nicht nur in die Ermittlungen des Duos LeRoux und Garner, sondern auch in die düsteren Gedankenwelten einer weiteren, noch nicht benannten, zentralen Figur, deren Perspektive uns als Erzähler in den Bann zieht. Durch diesen Erzähler tauchen wir tief in seine innere Zerrissenheit ein und werden von seinen finsteren Überlegungen ergriffen. Der ruhige, präzise und nuancierte Schreibstil trägt entscheidend dazu bei, dass man als Leser oder Leserin förmlich in die Geschichte hineingezogen wird.
. Der Krimi fesselt mit einem gekonnt aufgebauten Spannungsbogen, komplexen Hauptfiguren, die Ecken und Kanten besitzen und dadurch umso realistischer wirken, ebenso wie authentische Nebencharaktere, die das Setting mit Leben erfüllen. Besonders beeindruckt hat mich, wie der Roman die typische Spannung eines Krimis geschickt mit gesellschaftlicher Realität verwebt. Auf eindrucksvolle Weise beleuchtet er das Leben der indigenen Gemeinschaften, das institutionelle Desinteresse sowie die kulturellen Barrieren, die diese Menschen tagtäglich zu überwinden haben.
. Das Ermittlerduo polarisiert, es ist schwer ihnen Sympathie entgegenzubringen, aber genau dies macht die Geschichte umso packender. Das Gespann ist keineswegs jedermanns Fall. Ihre grobe Ausdrucksweise und die expliziten Gedanken mögen manchen Leser oder Leserin abstoßen, doch wer sich auf diesen Krimi einlässt, muss diese Eigenschaften zumindest tolerieren. Der Roman erinnert stark an klassische Noir-Literatur! Alle Protagonisten tragen ihr eigenes, dunkles Päckchen mit sich und eine beinahe depressive Grundstimmung zieht sich durch das gesamte Werk. Die Gesellschaft erscheint gnadenlos gegenüber jenen, die am Rand stehen.
. Mit großem Interesse habe ich die kulturellen und gesellschaftlichen Kontexte verfolgt, die die Autorin gekonnt in die Handlung integriert. Besonders eindrucksvoll beschreibt sie die Trostlosigkeit, Armut und den weit verbreiteten Alkoholismus in den Reservaten, der eine direkte Folge der jahrzehntelangen Unterdrückung und Entwurzelung der First Nations ist. Die Realitätsnähe dieser Darstellung ist bemerkenswert. Im letzten Drittel steigert sich das Tempo noch einmal beträchtlich, was mir besonders gut gefallen hat!
. Zusammengefasst lässt sich sagen…
Dieser Kriminalroman ist definitiv etwas für die hartgesottenen Leser und Leserinnen! Er ist in jeder Hinsicht realistisch, vor allem weil die Autorin selbst eine Zeit lang in einem Cree-Reservat lebte. Sie verschönert nichts und öffnet uns die Augen für die dunkle Wahrheit über das Leben am Rande der Gesellschaft.
Es wird mit Sicherheit nicht mein letzter Fall mit Ted Garner sein!