Wehmut
Juli und ihr Mann August wohnen oben am Berg am Unterhof, nebenan gibt es noch den Oberhof, drum herum nichts als Natur. Zwei Weltkriege kommen und gehen, das Leben verändert sich, die Menschen verändern ...
Juli und ihr Mann August wohnen oben am Berg am Unterhof, nebenan gibt es noch den Oberhof, drum herum nichts als Natur. Zwei Weltkriege kommen und gehen, das Leben verändert sich, die Menschen verändern sich, man steht einen Tag nach dem anderen durch und fügt sich ins Schicksal, das es recht oft nicht gut zu meinen scheint mit den Pfallers und Ebenhausers. Generationen kommen und gehen, ein Schwenk nach Amerika und ein weiterer zurück, schon ist die Jahrtausendwende da und der Weg zum Verstehen geebnet.
Stets mit einem leicht wehmütigen Unterton schildert Gabi Kreslehner diesen wunderbaren und bewegenden Roman, welcher eine traurige und doch so realistische Familiengeschichte über mehrere Generationen beleuchtet. Harte Arbeit und stete Entbehrungen prägen die Zeit der beiden Kriege, als Sieger geht schließlich keiner hervor. Besonders der erste (längste) Abschnitt geht trotz – oder gerade wegen – der leisen Töne im Text tief unter die Haut, erzählt vom Verlust und von sichtbaren körperlichen und unsichtbaren seelischen Narben. Im folgenden Teil wandern wir aus nach Amerika und erleben schließlich im dritten Fragment, wie stark Familienbande wirken und wie sehr Menschen einander über mehrere Generationen hinweg beeinflussen.
Ein virtuoser Schreibstil und nahe gehende Lebenswege unter der Prämisse „Wir haben doch alle nichts dafürkönnen“ [kindle, Pos. 2690] treiben dem Leser Tränen in die Augen und doch hält das Los nicht für jeden ein gutes Ende bereit. Überaus realitätsnah und niemals übersteigert, so dürfen wir hautnah miterleben, wie es damals war am Ober- und am Unterhof in einem Dorf in Österreich, dessen Name kein einziges Mal genannt wird. Ein eindringlicher Roman, der eine erschreckende Stille zurücklässt und genau deshalb so empfehlenswert ist. Großartig!