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17,99
inkl. MwSt
  • Verlag: Kiepenheuer & Witsch
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: Seelenleben
  • Genre: Romane & Erzählungen / Erzählende Literatur
  • Seitenzahl: 224
  • Ersterscheinung: 18.02.2016
  • ISBN: 9783462048971
Irmgard Keun

Kind aller Länder

Roman
Erstmals 1938 erschienen: die abenteuerliche Geschichte vom Leben der zehnjährigen Kully im Exil – von ihr selbst erzählt

Irmgard Keun war schon eine Bestsellerautorin, als ihre Bücher in Deutschland verboten wurden. Sie ging ins Exil nach Ostende, traf dort Joseph Roth, begann eine leidenschaftliche Affäre mit ihm – und diesen Roman. Keun lässt die zehnjährige Kully von ihrem aufregenden Leben in der Emigration erzählen. Ihr leichtfertiger, spiel- und verschwendungssüchtiger Vater steckt als Schriftsteller ständig in Geldnöten, die liebevolle Mutter ist oft mit der Tochter allein und amüsiert sich anderweitig. Da seine Bücher in Deutschland verboten sind, lebt der Vater von Zeitungsartikeln und immer neuen Vorschüssen seiner Auslandsverlage – und ist ständig auf der Jagd nach Bargeld. Seine Beschaffungstouren führen ihn quer durch Europa, von Brüssel über Lemberg nach Prag, Paris, Nizza und sogar nach New York. Mutter und Tochter lässt er meist in Hotels zurück, wo Rechnungen zu begleichen und ständig Ausreden gefordert sind.

In einem ungekünstelten Erzählton, kindlich naiv und doch erstaunlich abgeklärt und von umwerfender Komik, nimmt Kully uns mit in ihr rast- und heimatloses, aber abenteuerliches Leben. Sie erkennt die Schwächen ihrer Eltern genau und betrachtet sie doch voller Liebe. Und sie gibt tiefe Einblicke in die Situation der Emigranten in Europa.

Gleichzeitig ist dieser Roman, erschienen in Amsterdam 1938, ein anrührendes Porträt des Paars, das Joseph Roth und Irmgard Keun einmal waren, und von dem Volker Weidermann in seinem Buch »Ostende. 1936, Sommer der Freundschaft« so lebendig erzählt hat.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.01.2017

Heimat ist der Ort, an dem deine Familie ist

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„ Als ich fortgereist bin, habe ich mit ihm und meiner Mutter zusammen geweint. Wiedersehen kann man sich nicht. Man kann nur sterben und sich gegenseitig umschweben.“

Inhalt

Kully erzählt aus Sicht ...

„ Als ich fortgereist bin, habe ich mit ihm und meiner Mutter zusammen geweint. Wiedersehen kann man sich nicht. Man kann nur sterben und sich gegenseitig umschweben.“

Inhalt

Kully erzählt aus Sicht eines zehnjährigen Kindes aus ihrem täglichen Leben zwischen Geldnot, politischer Verfolgung und dem ständigen Auf und Ab durch ununterbrochenes Reisen. Ihr Vater, ein geächteter Künstler in der Heimat, ist gezwungen sich und seine kleine Familie irgendwie über Wasser zu halten, indem er Gönner sucht und Geld eintreibt, für Bücher, die er noch gar nicht geschrieben hat. Ihre Mutter bemüht sich um etwas Normalität im Alltag, agiert aber letztlich als Handlangerin ihres Mannes. So zieht es die drei rund um die Welt, mal alleine, mal gemeinsam sind sie auf der Suche nach einem stabilen Fundament für die Familie und führen doch ein Leben von der Hand in den Mund immer in Abhängigkeit anderer. Kully erkennt, dass Heimat dort ist, wo die Menschen leben, die man liebt, nicht festzumachen an einem Ort, nicht festzuhalten für die Ewigkeit.

Meinung

Die Autorin Irmgard Keun verarbeitet in ihrem 1938 erschienenen Buch „Kind aller Länder“ autobiografische Züge und liefert damit nicht nur ein Zeitzeugnis der damaligen Welt ab, sondern schildert sehr intensiv und umfassend das Leben im Exil aus Sicht eines Kindes. In einer teils sehr humorvollen, naiven Erzählweise webt sie die Geschichte von Kully und ihrem unsteten Elternhaus. Doch die Leichtigkeit der einzelnen Sätze lässt erahnen, wie schwer der Alltag doch gewesen sein muss. Besonders die ständigen Geldsorgen, die damit verbundenen Lügen und die vielen oberflächlichen Bekanntschaften ihrer Eltern, nur mit dem Aspekt, jemanden zu finden und zu halten, der der Familie wieder etwas leiht, überschatten die kindliche Unbeschwertheit.

Der Roman entwickelt einen ganz eigenen Charme, weil er einerseits noch immer sehr zeitlos ist und andererseits zeigt, wie wichtig geliebte Menschen für ein Kind sind und wie es gelingen kann, trotz aller Sorgen eine Art Familienfrieden zu erhalten. Denn Kully liebt ihre Eltern, liebt ihre Mutter, auch wenn sie viel weint und verzweifelt ist, liebt ihren Vater, auch wenn der übermäßig dem Alkohol zuspricht und viele Unwahrheiten verbreitet. Und wenn es nur die gemeinsame Zugfahrt von einem in ein anderes Land ist, es gibt sie dennoch, die Momente in denen die Hauptprotagonistin spürt, dass sie geliebt wird und Teil einer Gruppe ist, die besteht unabhängig vom Lauf der Welt.

Fazit

Ich vergebe 4 Lesesterne für diesen interessanten, zeitlosen Roman der die Kindheit eines Menschen in das Zentrum der Erzählung stellt und damit auf sympathische Art und Weise Gesellschaftskritik übt aber vor allem ein Leben abbildet, welches man im Exil führt. Angesprochen hat mich hier nicht nur der Erzählton, sondern in erster Linie die Auseinandersetzung mit den Abhängigkeiten menschlicher Beziehungen, ihrer Brüchigkeit und Kurzlebigkeit einerseits und ihrer Dauerhaftigkeit andererseits, denn Irmgard Keun macht hier deutlich, wie weit Liebe reichen kann und was sie nicht vermag.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Kind aller Länder

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Aus der Perspektive der zehnjährigen Kully erfahren wir von ihren Lebensumständen und lernen ihren Charakter, aber auch den ihrer Eltern, kennen. Kully ist ein „Kind aller Länder“, denn aufgrund von Geldnöten ...

Aus der Perspektive der zehnjährigen Kully erfahren wir von ihren Lebensumständen und lernen ihren Charakter, aber auch den ihrer Eltern, kennen. Kully ist ein „Kind aller Länder“, denn aufgrund von Geldnöten und anderen fragwürdigen Umständen, die sie ihrem verschwenderischen und verantwortungslosen Vater zu verdanken hat, muss sie von einem Land zum nächsten reisen oder eher gesagt flüchten. Von Prag geht es über Paris nach Amsterdam und nach New York. Übernachtet wird über längere Zeiträume in schicken Hotels, die sich die Familie allerdings gar nicht leisten kann. Der Vater steckt Tochter und Ehefrau in diese edlen Hotels ohne ihnen auch nur ein wenig Geld dazulassen. Er redet sich heraus und verschwindet gerne tage- und wochenlang. Er bereist Europa, um sich hier und da Geld zu leihen, damit alle Rechnungen bezahlt werden können, doch dieses Geld reicht vorn und hinten nicht aus. Zumal er das meiste Geld in Restaurants oder Bars lässt und sich von Kaviar und Champagner ernährt, während Frau und Tochter meist nur eine Mahlzeit am Tag zu sich nehmen. Der Vater ist ein arroganter Stiesel, der von sich zu unrecht überzeugt ist und seiner kleinen Familie kein zu Hause bieten kann. Rastlos reisen die Drei umher und die kleine Kully scheint gar nicht zu merken was sie in ihrer Kindheit verpasst, denn sie kennt es ja nicht anders. Unterrichtet wird sie von ihrer Mutter, deren Bildungsstand eher dürftig und die sehr einfach gestrickt ist und Kontakt zu Gleichaltrigen hat sie kaum. Sie vertraut auf den Vater, der als mickriger Schriftsteller sein Glück immer wieder versucht und doch zum Scheitern verurteilt ist. Doch durch die kindliche Perspektive erscheint alles gar nicht so schlimm. Kully weiß sich zu beschäftigen, lässt ihre Phantasie spielen, ist neugierig, stellt Fragen und findet neue Umgebungen immer wieder interessant und spannend. Sie lässt sich nicht beirren oder negativ beeinflussen. Mir hingehen tat sie einfach nur leid, denn man wünscht einem Kind nichts mehr als eine funktionierende Familie, liebevolle Eltern, Bildung und ein festes Dach über dem Kopf.

Kully ist ein sehr sympathisches kleines Mädchen, welches ich gleich ins Herz geschlossen habe, während mich ihr Vater mit seinem Verhalten einfach nur aufgeregt hat. Irmgard Keun beleuchtet in ihre Buch beide Seiten und die stark unterschiedlichen Charaktere sind auch gut beschrieben. Sie schafft eine kindlich verspielte, aber auch, aus Sicht der Eltern, verstörte und hoffnungslose Atmosphäre. Der Schreibstil ist recht einfach, teils amüsant und doch aussagekräftig.

Veröffentlicht am 16.06.2025

Leben im Exil - aus den Augen eines Kindes - 3,5⭐️

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Irmgard Keuns Roman "Kind aller Länder", der erstmals 1938 erschien, ist aus der Perspektive eines 10jährigen Mädchens, Kully, geschrieben. Ihr Vater konnte als Schriftsteller nicht mehr in Deutschland ...

Irmgard Keuns Roman "Kind aller Länder", der erstmals 1938 erschien, ist aus der Perspektive eines 10jährigen Mädchens, Kully, geschrieben. Ihr Vater konnte als Schriftsteller nicht mehr in Deutschland bleiben, da seine Bücher dort verboten wurden. Seitdem lebt die dreiköpfige Familie im Exil. Der Vater lebt von Zeitungsartikeln und Vorschüssen seiner Auslandsverlage, ist ständig in Geldnöten.
Mutter und Tochter lässt er meist in Hotels zurück, wo noch Rechnungen offen und ständig Ausreden gefordert sind, während er reist und arbeitet. Sein leichtfertiger Lebensstil und seine Verschwendungssucht machen die Lage nicht besser. Quer durch Europa führen seine Geldbeschaffungsversuche, von Ostende über Brüssel, Paris, Prag, Nizza und sogar nach New York.
In kindlich-naivem Erzählton berichtet die kleine Kully von ihrem rast- und heimatlosen Leben.

"Wir haben so viele Gefahren, das alles ist so schwer zu verstehen.
Vor allem muss ich lernen, was ein Visum ist. Wir haben einen deutschen Pass, den hat uns die Polizei in Frankfurt gegeben. Ein Pass ist ein kleines Heft mit Stempeln und der Beweis, dass man lebt. Wenn man den Pass verliert, ist man für die Welt gestorben. Man darf dann in kein Land mehr. Aus einem Land muss man 'raus, aber in das andere darf man nicht 'rein. Doch der liebe Gott hat gemacht, dass Menschen nur auf dem Land leben können. Jetzt bete ich jeden Abend heimlich, dass er macht, dass Menschen jahrelang im Wasser schwimmen können oder in die Luft fliegen.
Meine Mutter hat mir aus der Bibel vorgelesen. Da steht wohl drin, dass Gott die Welt erschuf, aber Grenzen hat er nicht geschaffen."

"Meine Mutter möchte Zimmermädchen sein und arbeiten, damit sie Geld verdient. Aber die Länder erlauben ihr nicht, dass sie ein Zimmermädchen ist.
Die Welt ist dunkel geworden, denn es gibt Regen und Krieg.
Herr Krabbe weiß alles vom Krieg. Krieg ist etwas, das kommt und alles totmacht. Dann darf ich nirgends mehr spielen, und immerzu fallen Bomben auf meinen Kopf."

"Mein Vater wollte auch zuerst nicht, dass wir nach Italien fahren sollten, weil Italien mit Deutschland befreundet und darum ein gefährliches Land ist.
Aber wir sind Emigranten, und für Emigranten sind alle Länder gefährlich, viele Minister halten Reden gegen uns und niemand will uns haben, dabei tun wir gar nichts Böses und sind genug wie alle anderen Menschen."

Das Thema "Leben im Exil" wird durch die kindliche Perspektive mal auf andere Art umgesetzt.
Das Werk ist sicherlich auch autobiographisch geprägt, die Eltern von Kully sind als literarische Versionen von Joseph Roth und Irmgard Keun erkennbar.
Wie es sich anfühlen muss, in keinem Land gewollt zu sein, kein Zuhause zu haben, immer nur auf der Durchreise zu sein - das ist sehr gut dargestellt.

Dennoch fand ich diesen Roman leider lange nicht so eindrücklich wie Irmgard Keuns Werke "Nach Mitternacht" und "Das kunstseidene Mädchen", welche mich sehr beeindruckt hatten.

"Kind aller Länder" ist ein nachdenklich stimmendes Zeitzeignis und aufgrund des Themas unbedingt ein wichtiges Buch, das auch gute Momente hat, mich jedoch nicht komplett überzeugen konnte. - 3,5⭐️

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