Stark, ehrlich und wichtig
Hazel sagt Nein erzählt die Geschichte von Hazel Blum, die mit ihrer Familie in eine kleine Stadt in Maine zieht, wo ihr Vater eine neue Professur angenommen hat. Alles scheint zunächst nach einem ganz ...
Hazel sagt Nein erzählt die Geschichte von Hazel Blum, die mit ihrer Familie in eine kleine Stadt in Maine zieht, wo ihr Vater eine neue Professur angenommen hat. Alles scheint zunächst nach einem ganz normalen Neustart bis der erste Schultag seiner dramatischsten Wendung begegnet. Der Schulleiter macht Hazel ein unangemessenes Angebot und legt dabei seine Machtposition über sie. Instinktiv und mit tiefem Mut sagt sie „Nein“ und damit beginnt ein Jahr, das ihr Leben, ihre Familie und das Gefüge der ganzen Gemeinschaft gründlich verändert.
Jessica Berger Gross gelingt dabei etwas Seltenes. Sie nähert sich einem schwierigen, sensiblen Thema mit Empathie, Respekt und Klarheit. Hazel wird nicht als verletztes Opfer porträtiert, sondern als junge Frau mit eigenen Zielen, Träumen und Widersprüchen, deren Reflexionen und Entscheidungen unmittelbar greifen. Durch die Perspektiven verschiedener Familienmitglieder wird nicht nur Hazels innere Welt greifbar, sondern auch, wie unterschiedlich Menschen mit Schock, Loyalität und Moral umgehen.
Der Roman ist kein reiner Thriller, sondern ein sozialer, emotionaler Coming‑of‑Age‑Roman, der Themen wie Machtmissbrauch, Gemeinschaftsdruck, familiäre Beziehungen und Selbstbehauptung aufgreift. Die Handlung bleibt trotz der Schwere des Themas nie kalt – sie berührt, regt zum Nachdenken an und zeigt, welche Wellen eine einzelne Entscheidung schlagen kann.
Einige Nebenstränge wirken etwas überfrachtet, und nicht alle Figuren werden gleich stark ausgearbeitet, doch gerade Hazel und ihr innerer Dialog bleiben glaubhaft, stark und berührend. Insgesamt bleibt Hazel sagt Nein ein Buch, das nachhallt und Gespräche provoziert, genau wie es Literatur schaffen sollte.