Phönixasche
Seit 500 Jahren wacht der Phönix über den König und das Land gedeiht. Es herrscht Frieden und gibt keine zu großen Zwistigkeiten. Dies aber ändert sich schlagartig, als die Negrimanten Traumvisionen der ...
Seit 500 Jahren wacht der Phönix über den König und das Land gedeiht. Es herrscht Frieden und gibt keine zu großen Zwistigkeiten. Dies aber ändert sich schlagartig, als die Negrimanten Traumvisionen der vier Götter empfangen: Der Phönix muss geopfert werden, sonst wird das Reich, nein, der gesamte Kontinent, zerstört in einem gewaltigen Vulkanausbruch.
Der Negrimant Taco stiehlt den Vogel und macht sich auf die Reise, davon überzeugt, das richtige zu tun. Aber ist es wirklich der Wille der Götter, dass der unsterbliche Phönix sterben muss?
Als Inspiration diente der Autorin der Doppelkontinent Amerika, so ist es in ihrer Vita zu lesen. Aber ehrlich, mehr als eben, dass es zwei miteinander verbundene Landmassen sind, auf denen die Geschichte spielt, ist da wenig von Amerika zu bemerken. Anfangs dachte ich, dass sie sich vielleicht inspiriert gefühlt hat durch die doch sehr reiche Geschichte der beiden Amerikas, die ja über Jahrhunderte untereinander Handelsbeziehungen führten, oder die Großmächte, die sich gerade in Süd- und Mittelamerika formten mit der Zeit. Aber es scheint tatsächlich nur die Form gewesen zu sein.
Eine 500 Jahre alte Dynastie, die durch einen Phönix sozusagen bestätigt wird. In dieser langen Zeit kann sich einiges an Unrat ansammeln, und so ist es auch hier. Aus den einst ideellen Werten ist purer Machthunger geworden, aus den aufrechten Königen Depoten und Intriganten. Also, ich als Phönix hätte da auch keine Lust mehr.
Was mich faszinierte war das Magiesystem, das Luis hier entwickelt hat. Statt den Zauberstab zu schwenken oder Magie zu "weben" sind es die Negrimanten selbst, die besondere Fähigkeiten besitzen und nichts darüber hinaus. Taco, der mit dem armen Phönix Felix durch die Weltmeere schippert, ist ein Telekinet, und nichts mehr. Er kann Dinge bewegen, was teils sehr eindrucksvoll ist. Sein Mitbruder Ordo dagegen kann Feuer aus seinen Händen werfen. Ebenfalls sehr eindrucksvoll, und das von Beginn an. Als besondere Regel gilt: kein Zauberer darf seine Fähigkeiten öffentlich machen. Man muss nicht Einstein sein um schnell herauszufinden, zumindest die beiden hier genannten können dieses Versprechen nicht allzu lange halten.
Das Verschleiern der übernatürlichen Kräfte hat allerdings in den letzten Jahrhunderten auch dazu geführt, dass die "Mächtigen" die Negrimanten vollkommen unterschätzen. Ein Plus für letztere, denn dadurch sind sie in einem offenen Kampf (den wir hier allerdings nicht sehen) haushoch überlegen. Und ich tippe darauf, dass dieser Konflikt kommen wird, er deutete sich schon an.
Ich wünschte allerdings, dass Luis ebenso klare Regeln für den Schwertkampf aufgeführt hätte. Lara, die verfolgte einzige Überlebende des einen Zweigs der Königsfamilie, der vernichtet wurde, lernt diesen nämlich und wendet ihn an gegebener Stelle auch kurzzeitig an - d.h. sie sticht einmal zu. Ich hätte mir da ein bisschen mehr gewünscht, gerade über ihre Lehrzeit, die mit 4 Monaten ja doch recht kurz ist. Ein kleines Geheimnis von mir, das ich an dieser Stelle teile, als Kind war ich Mitglied in einem Fecht-Club. Das bedeutet bis heute, dass ich Schwert-, Säbel- und Degenkämpfe sehr gut nachvollziehen kann in Romanen. Ein Grund, warum ich die Kämpfe an einer Stelle lobe, an anderer nicht.
Das Konzept des Phönix stammt eher aus der östlichen Mythologie denn aus dem Westen. Daher interessierte es mich sehr, wie die Autorin den Vogel hier umgesetzt hat. Und dieses Konzept, zumindest soweit ich es begriffen habe (oder glaube begriffen zu haben) ist interessant. Ich möchte an dieser Stelle nicht zuviel verraten, doch ich habe große Hoffnungen für den/die Folgebände der Reihe.
Die Charaktere wachsen, allerdings überschreiten sie die Grenze ihres Archetypen hier noch nicht. Die Möglichkeit besteht, je nachdem, was die Autorin für die Fortsetzung plant und was nicht. Zumindest gegen Ende des Romans hatte ich das Gefühl, dass sich ein, zwei Figuren diesen Grenzen nähern und bereit sind zu wachsen. Wir werden sehen in den Folgebänden.
Es ist ein guter Einstieg in einen neuen Fantasy-Zyklus. Nicht überragend, aber mit viel Potenzial. Leicht zu lesen und eine gemütliche, teils auch sehr spannende Lektüre.