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Veröffentlicht am 21.04.2026

Rückkehr nach Glennkill

Widdersehen
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Die Schafe sind zurück in Irland auf ihrer Weide. Doch dort ist nichts mehr, wie es einmal war. Das Gras ist nicht so hoch wie erinnert, der Dolmen steht noch, doch erinnert sich nicht, und die wundervollen ...

Die Schafe sind zurück in Irland auf ihrer Weide. Doch dort ist nichts mehr, wie es einmal war. Das Gras ist nicht so hoch wie erinnert, der Dolmen steht noch, doch erinnert sich nicht, und die wundervollen Kräuter sind samt und sonders von drei Fremdschafen weggefressen worden! Und als würde das nicht reichen, verschwindet Schäferin Rebecca und hinterlässt einen blutigen Finger, der offenbar nicht von ihr stammt.

Für die Schafe um Miss Maple ist klar: Hier ist ihr Spürsinn und ihre Kenntnis gefragt. Also macht sich die gesamte Herde auf, ihre vermisste Schäferin zu finden ...

Für mich ist es noch nicht ganz so lange her, dass ich "Glennkill" und "Garou" gelesen habe, sechs oder sieben Jahre. Ich habe mich über beide sehr amüsiert aber auch ein wenig geärgert. Die Auflösung des ersten Bandes gefiel mir gar nicht, und die Sache mit Rebecca in Teil 2 fand ich ehrlich nur so na ja und nicht wirklich als Höhepunkt - den eigentlich die Schafe haben sollten und nicht die Schäferin. Soviel verrate ich über dieses Buch: Hier hat für mich alles gestimmt.

Swann geht mit der gewohnten leichten Naivität der Schafe an das ganze heran, dennoch fädelt sie zwischendurch auch Szenen aus der Sicht von Menschen ein, und hier wirkt es weder störend noch übermäßig nach Author's Voice. Es liest sich natürlich, vor allem auch, damit der Leser das ganze Bild erhält, und nicht nur das aus der Sicht der Schafe. Würden die wissen, was tatsächlich hinter der ganzen Sache steht, ich wage schwer zu bezweifeln, dass sie solange mitgezogen wären.

Schön war auch, die alten Bekannten wiederzusehen, Mopple, Miss Maple und die anderen. Sie sind schon ein herrlich schräger Haufen ... äh Herde. Und natürlich, was mich persönlich sehr gefreut hat, ist Mardouc noch mit dabei. Als "Schaf auf Probe" darf die kleine Ziege sich mit am Rätselraten beteiligen, mit einigen sehr interessanten Beiträgen übrigens. An Mardouc ist wahrlich ein Einbrecher verloren gegangen. Und die Sache mit dem "Schaf auf Probe" war einfach göttlich.

Wie gesagt, ich will nicht zuviel verraten, doch dieses Mal liegt Miss Maple tatsächlich richtig. Und sie bekommt zudem Konkurrenz. Falls Swann weiterschreibt bin ich gespannt, was aus dem kleinen "runden" Lamm wird, denn bis jetzt ist es ein Einstein unter den Schafen und liegt eigentlich immer richtig. Miss Maple sollte wirklich aufpassen, sonst ist sie bald ihren Rang als das "klügste Schaf" der Herde (oder ganz Irlands) los.

Was mich absolut begeisterte war die wiederaufgenommene Storyhandlung um Mopple und dem Metzger. Wir erinnern uns, letzterer jagte Mopple ja in "Glennkill" bis dieser ihn von den Klippen stieß. Jas, er sitzt noch immer im Rollstuhl, und es sind seine Schafe, die die Weide annektiert haben zu Beginn.

Überhaupt ist dieser Band wie eine Rückkehr zu Glennkill. Die Handlung ist humorig und ernst gleichermaßen, die Suche nach Rebecca war bei mir mit nicht wenigen Lachtränen verbunden. Was das verblüffendste war, war vermutlich die Suche der Schafe nach einem Aushilfshirten und auf wen ihre Wahl dann fiel. Swann kehrt wirklich zurück in die Stärken, die "Glennkill" damals so groß gemacht haben, wollen wir hoffen, dass dieser Roman nicht untergeht in dieser so schnelllebigen Zeit auch für den Buchmarkt. Mich wundert eher, warum Dumont "Widdersehen" nicht schon zur Buchmesse herausgebracht hat.

Alles in allem ein herrliches Desaster ganz nach Schafsnatur. Mit viel Humor und einer Einfachheit der Worte, die den Leser schnell in den Bann zieht. Ein wirklich gelungener dritter Teil der Reihe.

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Veröffentlicht am 02.04.2026

Du darfst nicht einschlafen

REM
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Alysee wuchs als Waise in einer Pflegefamilie auf. Ihre Mutter starb bei ihrer Geburt, ihr Vater, als sie vier Jahre alt war. Alles, woran sie sich noch von ihm erinnern kann, ist der letzte Satz, denn ...

Alysee wuchs als Waise in einer Pflegefamilie auf. Ihre Mutter starb bei ihrer Geburt, ihr Vater, als sie vier Jahre alt war. Alles, woran sie sich noch von ihm erinnern kann, ist der letzte Satz, denn er zu ihr sagte: "Du darfst nicht einschlafen." Und daran hält sie sich seitdem, sie weigerte sich als Kind zu schlafen solange, bis sie auf Schlaftabletten gesetzt wurde, von denen sie mittlerweile abhängig ist. Seit 21 Jahren hatte Alysee keinen REM-Schlaf mehr.

Am Tag ihrer Prüfung an der Uni in Berlin wird sie von einer Rechtsanwältin angesprochen. Sie hat ein altes, leerstehendes Hotel geerbt. Nachdem sie durchgefallen ist und auch ihr Zimmer in der WG verloren hat beschließt Alysee zusammen mit ihrem Stiefbruder Nico dieses Hotel aufzusuchen. Und damit beginnt das Grauen ...

Ich habe mich die letzten zwei Wochen bewusst von Rezensionen über diesen Roman fern gehalten, weil ich mich nicht spoilern wollte. Trotzdem ist das eine oder andere zu mir durchgerutscht, vor allem die Frage, zu welchem Genre dieses Buch gehört. Nach der Lektüre kann ich sagen, es ist eindeutig Horror mit Thrilleranteilen, also war die vom Verlag angegebene Zuteilung korrekt.

Geschichten über Schlaf, bzw. Schlafapnöen gibt es öfter, keine Frage. Allerdings ist mir jetzt keines bekannt, das sich speziell um den REM-Schalf dreht. Insofern war ich gespannt, was mich erwartete. Da ich offensichtlich unter einem Stein lebe, ist dies auch der erste Band, den ich je von Sebastian Fitzek gelesen habe, also war ich gespannt darauf, da das eine oder andere seiner Bücher für mich interessant klingen.

Was ich dann aber gelesen habe ... Das erste Kapitel, das wohl eher ein Prolog sein soll, ist spannend zum Nägelkauen. Ich war begeistert und konnte kaum erwarten, weiterzulesen. Dann aber wurde ich sehr enttäuscht.

Ja, es ist Horror, aber er ist so generell geblieben. Es fehlt dem Roman an Tiefe, vor allem an der Tiefe, auf die das erste Kapitel hoffen ließ. Statt dessen werden die üblichen Klischees bedient: jede Menge Blut und Eingeweide, eine schwarze Masse als Monster. Man lernt sehr früh, dass das ganze etwas mit Schlaf zu tun hat, es wird gleich im besagten ersten Kapitel sehr deutlich beschrieben. Doch es geht einfach nicht in die Tiefe. Wenn da nicht diese beiden Namen auf der Klappe stehen würde, ich hätte dieses Buch als den ersten Versuch eines 20-jährigen Selfpublishers zugeordnet, der nicht wusste, worauf er sich in der Buchwelt einlässt.

Dabei bietet das Thema soviel Spannung und wirft soviele Fragen auf: Wie ist es Alysee möglich, 21 Jahre lang keinen REM-Schlaf zu haben? Wie genau manifestieren sich diese "Monster", denen sie im Hotel begegnet? Wie genau wurde die Menschheit geschaffen von Geistwesen? Das sind nur die großen drei, die bei mir hängen blieben nach der Lektüre. Es gibt noch unzählige unbeantwortete Fragen mehr.

Die Figuren, alle Figuren, bleiben blass und eindimensional. Ja, mit den Süchten von Nico und Alysee kommt vielleicht ein wenig grau hinein, aber kaum genug, als dass es das Weiß färben könnte. Und beide bieten Potenzial, wirklich grau zu werden. Ich rede jetzt nicht einmal von den drei Torture-Porn-Filmemachern, die die beiden aufsammeln und zum Hotel bringen - eigentlich, um sie zu ermorden.

Die Handlung ist wie ein schlechtes Drehbuch. Es gibt keine Tiefe, sondern es wird einfach etwas hingeworfen, keine wirklich tiefen Erklärungen, keine Einsichte. Abgesehen von dieser völlig an den Haaren herbeigezogenen Liebesgeschichte zwischen Alysee und Nico. Man möchte einfach nur den Kopf gegen die nächste Wand schlagen.

REM lässt sich flüssig weglesen, ja. Das und das Thema sind die einzigen Rettungsanker, die dieses Buch wirklich vorweisen kann. Aber ich möchte mehr als das. Vielleicht stehe ich damit allein, keine Ahnung, aber für mich war dieser Roman einfach nur eine große Enttäuschung, die nicht mal ein bekannter Name noch retten kann. Und ich frage mich, was wohl ein relativ unbekannter Indie-Autor aus diesem Plot gemacht hätte und glaube, es wäre besser gewesen als dieses Endprodukt.

Ich bin noch nicht so verstimmt, also gebe ich diesem Buch drei Sterne, wobei der dritte wirklich nur wegen des Themas vergeben wird. Es ist schade, aber es scheint wirklich, als würde die Horror-Literatur, zumindest bei den großen Publikumsverlagen, nur aus seichtem Mist bestehen, den ich eher auf TikTok erwarten würde denn von Droemer Knaur.

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Veröffentlicht am 30.03.2026

Klare Antworten

Das Lenormand-Kompendium
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Das Lenormand, auch als Zigeunerkarten bekannte, System zum Kartenlegen ist bereits uralt, vielleicht sogar älter als das Tarot selbst. In diesem Buch werden die Karten und Legesysteme erklärt, einzeln ...

Das Lenormand, auch als Zigeunerkarten bekannte, System zum Kartenlegen ist bereits uralt, vielleicht sogar älter als das Tarot selbst. In diesem Buch werden die Karten und Legesysteme erklärt, einzeln anwendbar oder in Verbindung mit Tarot oder Skat-Karten.

Ich lege seit mehr als 30 Jahren Karten. Es gehört für mich als Hexe einfach dazu. Wobei ich mir selbst selten bis gar nicht lege, sondern Freunden oder Bekannten, oder Bekannten von Bekannten. Das wird sich jetzt vielleicht ändern, denn dieses kleine Kompendium ist ideal auch für solche, die sich selbst die Karten legen wollen.

Im Unterschied zum Tarot besitzt das Lenormand nur 36 Karten, quasi die gleiche Anzahl, wie sie auch in üblichen Skat-Karten zu finden sind. Die Symbole sind kryptischer als die des Tarot, die Bedeutung vielschichtiger, wie ich in diesem Buch gelernt habe. Ich selbst besitze seit Jahren Lenormand-Karten, habe sie aber bisher niemals genutzt. Ich bin sicher, dies wird sich sehr bald ändern.

Das Buch ist so aufgebaut, dass die Bedeutung der Karten der Mittel-, aber auch der wichtigste Teil des ganzen ist. Zuerst lernt man ein wenig über die Geschichte und die Bedeutung des Decks. Was ich bereits in "Alchemie" gelesen hatte, wurde hier ein wenig vertieft. Offensichtlich benutzten Alchemisten das Deck in ihren Werken. Leider ging die Autorin ebenfalls nicht näher darauf ein, WIE genau die Karten benutzt wurden.

Das Buch schließt mit einigen Fallbeispielen ab, in der Watzdorf ihre Erlebnisse mit einigen Klienten schildert. Was ich hier vor allem interessant fand, war der Fall, in dem auch eine (Psycho)Therapeutin eingebunden wurde. Ich weiß, dass Therapeuten sehr aufgeschlossen sind, hatte aber nicht damit gerechnet, dass sie auch die Möglichkeit der Karten in Betracht ziehen in ihrer Behandlung. Insofern empfand ich diesen Fall als sehr informativ.

Doch wieder zurück zum Mittelteil. Watzdorf stellt jede einzelne der 36 Karten vor mit einer allgemeinen Bedetung, ehe sie ins Detail geht. Und im Gegensatz zu gängigen Interpretationen, die sich vor allem auf Liebe/Beziehung und Karriere/Geld konzentrieren, bringt die Autorin hier weitere Interpretationsmöglichkeiten, die auch auf Chakra- und Energiewerke eingehen, sich mit Kindern und Erziehung, Haustieren und sogar seelische und psychische Zustände eingehen. Eine solche Inklusivität habe ich zuvor noch nie gesehen und malte mir ein Lächeln auf die Lippen. Es stimmt, die meisten Klienten wollen vor allem etwas über Liebe oder Karriere hören, doch es gibt immer den einen Ausrutscher, der tiefer sehen will (so wie ich). Für solche Interessierten ist dieses Buch wie gemacht.

Überrascht war ich von der Klarheit der Bedeutungen. Im Unterschied zum gängigen Tarot, dessen Interpretation sehr viel mit dem Legenden zu tun hat, geben die Lenormandkarten klare und eindeutige Antworten. Kein Heruminterpretieren, sondern wirkliche Antworten. Etwas, was mir neu war und mir sehr gut gefallen hat an diesem Buch.

Alles in allem stellt das Kompendium ein Rundumpaket dar für mich. Klare Sprache, keine schwammigen Begriffe, die sich hier- oder dorthin interpretieren lassen, sondern offene Fragen beantworten. Frau Watzdorf hat noch ein zweites Lenormand-Werk geschrieben, dass vermutlich über kurz oder lang in meinem Bücherregal landen wird. Denn dieses Kompendium hat mich wirklich überzeugt. Ein hervorragendes Werk sowohl für Einsteiger wie auch für Fortgeschrittene in die Karten.

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Veröffentlicht am 16.03.2026

Back to School

Vanas Erbe
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Nirvy ist neu in Nordgard, der Schule für angehende Krieger - neben einigen anderen Berufen, die die Schule anbietet. Bisher hat sie zurückgezogen mit ihrem Vater in einem kleinen Dorf gelebt. Dies ist ...

Nirvy ist neu in Nordgard, der Schule für angehende Krieger - neben einigen anderen Berufen, die die Schule anbietet. Bisher hat sie zurückgezogen mit ihrem Vater in einem kleinen Dorf gelebt. Dies ist das erste Mal, dass sie auf Gleichaltrige trifft - und sie verscherzt es sich bereits am zweiten Tag mit der "Queen der Beliebten", was zu einer kaum zu ertragenen Mobbingsituation führt, in der sie sich wiederfindet. Nur ihre Bettgenossin Ylvie hält zu ihr.

Doch Nirvy ist etwas besonderes. So besonders, dass es sie in Gefahr bringt ...

Schulsettings in Fantasy ist spätestens seit Harry Potter zu einem Standard in der Fantasy geworden, so sehr, dass sich mittlerweile mit "Dark Academia" ein eigenes Genre um dieses Setting gebildet hat und es auch immer wieder gern von Romantasy-Autorinnen aufgegriffen wird. Dieses Setting allerdings in einer Art Wikingerzivilisation zu setzen, das war mir neu.

Nirvy als Charakter kommt zuerst sehr unsicher, aber auch stark rüber. Das ändert sich im Verlauf des Romans auch nicht sonderlich - bis auf eines der letzten Kapitel, aber da ist es nachvollziehbar, dass sie sich fügt und die Hoffnung allmählich fahren lässt. Ein wenig verwirrt war ich über die Tatsache, dass Nirvy irgendwie in Verbindung mit den Elementen zu stehen scheint, zumindest dem Wind und dem Wasser. Dem habe ich anfangs wenig Beachtung geschenkt, bis es dann offensichtlich wichtig wurde.

Die Welt in diesem Buch beschränkt sich in der ersten Hälfte auf Nordgard und das Umland. In der späteren Hälfte kommt dann noch ein weiterer Abschnitt der Welt dazu. Hier allerdings wird mit Beschreibungen ein wenig gegeizt vom Autor. Es ist eine Heidelandschaft, weil irgendwann vor Jahren, Jahrzehnten, Jahrhunderten(?) sämtliche Bäume gerodet wurden. Andererseits gibt es offensichtlich zumindest noch Gehölze, denn Nirvy flieht in ein solches.

Die Charaktere sind stimmig ihrer jeweiligen Rolle und glaubhaft in ihrer Umgebung. Die Lehrer bleiben dagegen überwiegend etwas blass, was aber in einem Schul-Setting in der Regel normal ist. Es ist die Dynamik der Schüler, die den Leser fesseln, nicht die der Lehrer. Da darf es vielleicht den einen gehassten und verabscheuten Lehrer geben oder den, zu dem man immer kommen kann und der sich sorgt. Von letzteren scheint es in Nordgard geradezu zu wimmeln. Unbeliebte Lehrer dagegen gibt es nicht, höchstens Unterrichtsfächer, die nicht so hoch im Kurs stehen.

Ich fand, anfangs zog sich die Geschichte, und das sehr. Man kam gut rein, keine Frage. Das erste Kapitel und auch das zweite waren spannend, weil man Nordgard kennenlernte und einige der Charaktere. Danach geriet alles ein wenig schleppend. Ich wurde selbst schwer in der Schule gemobbt und konnte Nirvy nachvollziehen und fand ihr Verhalten, sich zurückzuziehen anstatt anzukämpfen gegen die Ungerechtigkeit, mehr als schlüssig. Irgendwann gibt man einfach auf, das ist so. Man weiß ohnehin, was am nächsten Tag kommt und dass es hoffentlich "nur" das gleiche ist wie gestern und nichts schlimmeres. Und da sind wir uns hoffentlich alle einig, Kinder und gerade Heranwachsende können eine perverse Phantasie entwickeln, wenn es darum geht, einen Mitschüler zu quälen und sein Leben zur Hölle zu machen.

Frey bietet etwas, was mir noch nicht untergekommen ist: Er hat Karten für seine Geschichte, doch diese befinden sich nicht im eBook, sondern man kann sie mittels eines QR-Codes auf seinem Handy aufrufen. Auf jeden Fall eine bessere Lösung als die üblichen eingefügten Karten, die der Reader nicht zufriedenstellend anzeigen kann, weil sie entweder riesig oder winzig sind.

Was halte ich also von Nordgard? Eines auf jeden Fall. Frey hat einen zweiten Teil bereits fest eingeplant, denn es bleiben am Ende sehr viele Fragen offen. Es ist ein handwerklich guter Roman. Ich weiß nur nicht so ganz, wer seinee Zielgruppe ist nachdem, was mit Nirvy passiert. Einem 10-Jährigen würde ich das Buch nicht in die Hand drücken, dafür geht's ab einer Stelle zu sehr zur Sache. Für Erwachsene aber scheint es auch nicht so wirklich zu sein, dafür ist das Setting zu sehr auf ein jüngeres Publikum ausgelegt.

Alles in allem bleibt ein guter Roman, der allein durch sein Setting bereits überrascht. Ein solider erster Teil, der Lust auf mehr macht.

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Veröffentlicht am 15.03.2026

Dunthrak dampft und bebt

Braahak Rabenauge
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Braahak ist ein Ermittler. Er wird nach Dunthrak bestellt von einem der Stadträte, um das Verschwinden dreier Goblinerfinder aufzuklären. Braahak nimmt den Fall an, doch bald stellt sich heraus, dass hinter ...

Braahak ist ein Ermittler. Er wird nach Dunthrak bestellt von einem der Stadträte, um das Verschwinden dreier Goblinerfinder aufzuklären. Braahak nimmt den Fall an, doch bald stellt sich heraus, dass hinter dem Verschwinden mehr steht als nur der Dampf von Dunthrak …

Wenn man mich fragen würde, wo ich dieses Buch einordne, würde ich sagen eine Mischung aus Steampunk, Urban Fantasy und Thriller. Der Autor selbst bezeichnet es als Krimi, aber in meinen Augen geht es eben aufgrund der Spuren, die Braahak findet, eher in den Thriller als in den Krimi.

Braahak ist selbst für einen Zwerg einzigartig. Er sieht nicht nur, er erkennt Zusammenhänge und findet selbst die kleinsten Spuren. Das wird gleich im Prolog sichtbar. Mit einem Auge wie Sherlock Holmes kann er selbst Geschichten und Ereignisse aus der Betrachtung von Staub zusammenstellen – und das ganz ohne Lupe. Die taucht tatsächlich nur einmal auf im Roman, und ich bin mir bis jetzt nicht sicher, ob er nicht einfach seinem jungen Begleiter eine kleine Show geben wollte.

Da kommen wir auch zu einem Problem des Romans. Als großer Sherlock-Holmes-Fan war ich natürlich sofort angetan von Braahak. Nach der Lektüre bin ich mir sicher, ich weiß, warum es im SH-Kanon nur eine einzige Kurzgeschichte gibt, die aus Sherlocks Sicht geschrieben wurde. Braahak wirkt unnahbar, und das könnte zu einem Problem werden für den Leser, der tiefer in ihn eindringen möchte. Ja, man erkennt schnell Braahaks Begabung, erkennt, dass er sich zurückhält. Aber ist da ein mechanisches oder zwergisches Herz, das in seiner Brust schlägt? Nach dem Lesen bin ich mir da immer noch nicht sicher.

Braahak zur Seite steht der Goblin-Junge Tikk, den er unter seine Fittiche nimmt. Tikk ist eine Waise, auf den Straßen und in den Gassen Dunthraks aufgewachsen, aber clever und intelligent. Irgendwie schlich sich bei mir der Eindruck ein, dass Braahak ein Stück seiner selbst in dem Jungen wiedererkennt.

Und dann ist da noch der Schattenrichter. Ein undurchsichtiger Charakter, über dessen Motive man lange Zeit im Buch rätselt, der aber ebenfalls wichtige Hinweise an Braahak weitergibt. Und das, obwohl diesem Mann der Ruf eines Mörders anhängt.

Ein weiterer, sehr wichtiger Charakter ist die Stadt Dunthrak selbst. Der Autor hat sich sehr große Mühe gegeben, diese bis ins Detail zu beschreiben, was an einigen Stellen ermüdend wirkt. Aber dadurch steigert sich auch die Atmosphäre. Dunthrak ist nich nur eine Stadt, sie ist wie ein übergroßes Lebewesen, das atmet und stöhnt und aus dessen Rhythmen Braahak liest wie ein Spurenleser. Eine interessante Mischung.

Zum Teil, gerade in der Mitte, werden die Beschreibungen Dunthraks geradezu surreal. Als Leser muss man sich an solchen Stellen besonders konzentrieren, was zugegeben nicht immer einfach ist. Das Buch will nicht nur gelesen werden, es sucht nach Bestätigung. Leider kann man auch über-beschreiben, und ich empfand Teile der Beschreibung wirklich als überflüssig. Ich hatte schon beim ersten Mal begriffen, was Braahak meinte, wenn er von dem Puls in den Leitungen sprach, ich brauchte keine Wiederholung, ebensowenig wie Tikk.

Der Fall an sich treibt die Handlung voran. Die Frage ist, wie weit ist Braahak bereit, in den Kaninchenbau vorzudringen? Er war schon ziemlich tief drin am Ende. Aber ich bezweifle, dass das schon die Spitze des Eisbergs war, da war noch Luft für mehr. Und gerade die Reaktion des Stadtrates scheint meinen Verdacht zu bestätigen.

Alles in allem bleibt ein gelungener Erstling, der aber keine leichte Kost ist. Ein spannender Fantasy-Thriller, der in tiefe Abgründe führt mit einem Ermittler, der selbst verschlossen wie eine Auster erscheint mit dem äußeren Mitgefühl eines Vorschlaghammers, aber innerlich weicher als Daunen, zumindest soweit man als Leser in ihn dringen kann. Kein Highlight, aber ein solider Roman mit einem gemeinen Cliffhanger am Ende.

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