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Veröffentlicht am 16.03.2026

Back to School

Vanas Erbe
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Nirvy ist neu in Nordgard, der Schule für angehende Krieger - neben einigen anderen Berufen, die die Schule anbietet. Bisher hat sie zurückgezogen mit ihrem Vater in einem kleinen Dorf gelebt. Dies ist ...

Nirvy ist neu in Nordgard, der Schule für angehende Krieger - neben einigen anderen Berufen, die die Schule anbietet. Bisher hat sie zurückgezogen mit ihrem Vater in einem kleinen Dorf gelebt. Dies ist das erste Mal, dass sie auf Gleichaltrige trifft - und sie verscherzt es sich bereits am zweiten Tag mit der "Queen der Beliebten", was zu einer kaum zu ertragenen Mobbingsituation führt, in der sie sich wiederfindet. Nur ihre Bettgenossin Ylvie hält zu ihr.

Doch Nirvy ist etwas besonderes. So besonders, dass es sie in Gefahr bringt ...

Schulsettings in Fantasy ist spätestens seit Harry Potter zu einem Standard in der Fantasy geworden, so sehr, dass sich mittlerweile mit "Dark Academia" ein eigenes Genre um dieses Setting gebildet hat und es auch immer wieder gern von Romantasy-Autorinnen aufgegriffen wird. Dieses Setting allerdings in einer Art Wikingerzivilisation zu setzen, das war mir neu.

Nirvy als Charakter kommt zuerst sehr unsicher, aber auch stark rüber. Das ändert sich im Verlauf des Romans auch nicht sonderlich - bis auf eines der letzten Kapitel, aber da ist es nachvollziehbar, dass sie sich fügt und die Hoffnung allmählich fahren lässt. Ein wenig verwirrt war ich über die Tatsache, dass Nirvy irgendwie in Verbindung mit den Elementen zu stehen scheint, zumindest dem Wind und dem Wasser. Dem habe ich anfangs wenig Beachtung geschenkt, bis es dann offensichtlich wichtig wurde.

Die Welt in diesem Buch beschränkt sich in der ersten Hälfte auf Nordgard und das Umland. In der späteren Hälfte kommt dann noch ein weiterer Abschnitt der Welt dazu. Hier allerdings wird mit Beschreibungen ein wenig gegeizt vom Autor. Es ist eine Heidelandschaft, weil irgendwann vor Jahren, Jahrzehnten, Jahrhunderten(?) sämtliche Bäume gerodet wurden. Andererseits gibt es offensichtlich zumindest noch Gehölze, denn Nirvy flieht in ein solches.

Die Charaktere sind stimmig ihrer jeweiligen Rolle und glaubhaft in ihrer Umgebung. Die Lehrer bleiben dagegen überwiegend etwas blass, was aber in einem Schul-Setting in der Regel normal ist. Es ist die Dynamik der Schüler, die den Leser fesseln, nicht die der Lehrer. Da darf es vielleicht den einen gehassten und verabscheuten Lehrer geben oder den, zu dem man immer kommen kann und der sich sorgt. Von letzteren scheint es in Nordgard geradezu zu wimmeln. Unbeliebte Lehrer dagegen gibt es nicht, höchstens Unterrichtsfächer, die nicht so hoch im Kurs stehen.

Ich fand, anfangs zog sich die Geschichte, und das sehr. Man kam gut rein, keine Frage. Das erste Kapitel und auch das zweite waren spannend, weil man Nordgard kennenlernte und einige der Charaktere. Danach geriet alles ein wenig schleppend. Ich wurde selbst schwer in der Schule gemobbt und konnte Nirvy nachvollziehen und fand ihr Verhalten, sich zurückzuziehen anstatt anzukämpfen gegen die Ungerechtigkeit, mehr als schlüssig. Irgendwann gibt man einfach auf, das ist so. Man weiß ohnehin, was am nächsten Tag kommt und dass es hoffentlich "nur" das gleiche ist wie gestern und nichts schlimmeres. Und da sind wir uns hoffentlich alle einig, Kinder und gerade Heranwachsende können eine perverse Phantasie entwickeln, wenn es darum geht, einen Mitschüler zu quälen und sein Leben zur Hölle zu machen.

Frey bietet etwas, was mir noch nicht untergekommen ist: Er hat Karten für seine Geschichte, doch diese befinden sich nicht im eBook, sondern man kann sie mittels eines QR-Codes auf seinem Handy aufrufen. Auf jeden Fall eine bessere Lösung als die üblichen eingefügten Karten, die der Reader nicht zufriedenstellend anzeigen kann, weil sie entweder riesig oder winzig sind.

Was halte ich also von Nordgard? Eines auf jeden Fall. Frey hat einen zweiten Teil bereits fest eingeplant, denn es bleiben am Ende sehr viele Fragen offen. Es ist ein handwerklich guter Roman. Ich weiß nur nicht so ganz, wer seinee Zielgruppe ist nachdem, was mit Nirvy passiert. Einem 10-Jährigen würde ich das Buch nicht in die Hand drücken, dafür geht's ab einer Stelle zu sehr zur Sache. Für Erwachsene aber scheint es auch nicht so wirklich zu sein, dafür ist das Setting zu sehr auf ein jüngeres Publikum ausgelegt.

Alles in allem bleibt ein guter Roman, der allein durch sein Setting bereits überrascht. Ein solider erster Teil, der Lust auf mehr macht.

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Veröffentlicht am 15.03.2026

Dunthrak dampft und bebt

Braahak Rabenauge
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Braahak ist ein Ermittler. Er wird nach Dunthrak bestellt von einem der Stadträte, um das Verschwinden dreier Goblinerfinder aufzuklären. Braahak nimmt den Fall an, doch bald stellt sich heraus, dass hinter ...

Braahak ist ein Ermittler. Er wird nach Dunthrak bestellt von einem der Stadträte, um das Verschwinden dreier Goblinerfinder aufzuklären. Braahak nimmt den Fall an, doch bald stellt sich heraus, dass hinter dem Verschwinden mehr steht als nur der Dampf von Dunthrak …

Wenn man mich fragen würde, wo ich dieses Buch einordne, würde ich sagen eine Mischung aus Steampunk, Urban Fantasy und Thriller. Der Autor selbst bezeichnet es als Krimi, aber in meinen Augen geht es eben aufgrund der Spuren, die Braahak findet, eher in den Thriller als in den Krimi.

Braahak ist selbst für einen Zwerg einzigartig. Er sieht nicht nur, er erkennt Zusammenhänge und findet selbst die kleinsten Spuren. Das wird gleich im Prolog sichtbar. Mit einem Auge wie Sherlock Holmes kann er selbst Geschichten und Ereignisse aus der Betrachtung von Staub zusammenstellen – und das ganz ohne Lupe. Die taucht tatsächlich nur einmal auf im Roman, und ich bin mir bis jetzt nicht sicher, ob er nicht einfach seinem jungen Begleiter eine kleine Show geben wollte.

Da kommen wir auch zu einem Problem des Romans. Als großer Sherlock-Holmes-Fan war ich natürlich sofort angetan von Braahak. Nach der Lektüre bin ich mir sicher, ich weiß, warum es im SH-Kanon nur eine einzige Kurzgeschichte gibt, die aus Sherlocks Sicht geschrieben wurde. Braahak wirkt unnahbar, und das könnte zu einem Problem werden für den Leser, der tiefer in ihn eindringen möchte. Ja, man erkennt schnell Braahaks Begabung, erkennt, dass er sich zurückhält. Aber ist da ein mechanisches oder zwergisches Herz, das in seiner Brust schlägt? Nach dem Lesen bin ich mir da immer noch nicht sicher.

Braahak zur Seite steht der Goblin-Junge Tikk, den er unter seine Fittiche nimmt. Tikk ist eine Waise, auf den Straßen und in den Gassen Dunthraks aufgewachsen, aber clever und intelligent. Irgendwie schlich sich bei mir der Eindruck ein, dass Braahak ein Stück seiner selbst in dem Jungen wiedererkennt.

Und dann ist da noch der Schattenrichter. Ein undurchsichtiger Charakter, über dessen Motive man lange Zeit im Buch rätselt, der aber ebenfalls wichtige Hinweise an Braahak weitergibt. Und das, obwohl diesem Mann der Ruf eines Mörders anhängt.

Ein weiterer, sehr wichtiger Charakter ist die Stadt Dunthrak selbst. Der Autor hat sich sehr große Mühe gegeben, diese bis ins Detail zu beschreiben, was an einigen Stellen ermüdend wirkt. Aber dadurch steigert sich auch die Atmosphäre. Dunthrak ist nich nur eine Stadt, sie ist wie ein übergroßes Lebewesen, das atmet und stöhnt und aus dessen Rhythmen Braahak liest wie ein Spurenleser. Eine interessante Mischung.

Zum Teil, gerade in der Mitte, werden die Beschreibungen Dunthraks geradezu surreal. Als Leser muss man sich an solchen Stellen besonders konzentrieren, was zugegeben nicht immer einfach ist. Das Buch will nicht nur gelesen werden, es sucht nach Bestätigung. Leider kann man auch über-beschreiben, und ich empfand Teile der Beschreibung wirklich als überflüssig. Ich hatte schon beim ersten Mal begriffen, was Braahak meinte, wenn er von dem Puls in den Leitungen sprach, ich brauchte keine Wiederholung, ebensowenig wie Tikk.

Der Fall an sich treibt die Handlung voran. Die Frage ist, wie weit ist Braahak bereit, in den Kaninchenbau vorzudringen? Er war schon ziemlich tief drin am Ende. Aber ich bezweifle, dass das schon die Spitze des Eisbergs war, da war noch Luft für mehr. Und gerade die Reaktion des Stadtrates scheint meinen Verdacht zu bestätigen.

Alles in allem bleibt ein gelungener Erstling, der aber keine leichte Kost ist. Ein spannender Fantasy-Thriller, der in tiefe Abgründe führt mit einem Ermittler, der selbst verschlossen wie eine Auster erscheint mit dem äußeren Mitgefühl eines Vorschlaghammers, aber innerlich weicher als Daunen, zumindest soweit man als Leser in ihn dringen kann. Kein Highlight, aber ein solider Roman mit einem gemeinen Cliffhanger am Ende.

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Veröffentlicht am 04.03.2026

Tief unter den Pariser Straßen

Sophie Red Dot - Das Buch der magischen Kreaturen
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Sophie ist eigentlich ein ganz normales Mädchen, bis auf eins: Sie hat ein rotes Muttermahl über ihrer rechten Augenbraue. Das macht sie zu etwas besonderem. Doch nie hätte Sophie gedacht, dass sie so ...

Sophie ist eigentlich ein ganz normales Mädchen, bis auf eins: Sie hat ein rotes Muttermahl über ihrer rechten Augenbraue. Das macht sie zu etwas besonderem. Doch nie hätte Sophie gedacht, dass sie so besonders ist. Erst als die Stoffkatze Taro in ihr Leben tritt, da beginnt die Welt sich plötzlich anders zu drehen und Sophie, Taro, ihr Bruder Finn und ihre beiden Freunde Alex und Celine werden in ein magisches Abenteuer gezogen, von dem sie bisher glaubten, es gehöre in Bücher oder Videospiele ...

Eine neue Reihe hält mit diesem Buch Einzug in die Buchläden: Sophie Red Dot. Und wie spannend und cool diese Serie ist! Nicht nur für Kinder, auch für mich als reife Erwachsene. Ich habe mit gefiebert mit den Kids, als sie ihr erstes von hoffentlich vielen Abenteuern erlebten.

Dieses Buch ist eine Urban Fantasy, platziert in Paris der Gegenwart oder der jüngsten Vergangenheit (2025). Sophie lebt mit ihrem Bruder Finn und ihren doch ein wenig außergewöhnlichen Eltern in einem Haus in Paris. Sophie wünscht sich seit Jahren nichts mehr als eine Katze, doch ihre Mutter ist allergisch, so kann also kein Stubentiger Einzug halten.

Das ändert sich erst einmal nicht, als die beiden, Sophie und ihre Mutter, den Laden der magischen Tiere betreten, der von einer alten chinesischen Frau geführt wird. Hier findet Sophie Taro, eine schwarze Stoffkatze, und ist ganz verliebt in ihn . Als sie später am Abend auf dem Eiffelturm steht mit ihrer Familie und ein Meteoritenschauer über Paris niedergeht, wünscht Sophie sich, dass Taro lebendig wird - und ihr Wunsch wird erfüllt.

Was mich an diesem Roman faszinierte, war die komplexe Welt, in die die Autoren ihre Leser da werfen. Plötzlich ist alles möglich, selbst Sprünge durch die Zeit oder Teleportation. Und Sophie steht dem nicht allein gegenüber, sie hat ihre besten Freunde Alex und Celine mit dabei, und natürlich ihren großen Bruder Finn. Und das ist nur der Anfang. Taro kann sprechen, und er ist sehr vehement damit - es sei denn Sophies Eltern sind mit im Raum, dann miaut er plötzlich nur noch.

Als Leser landet man kopfüber mit Sophie, Taro und allen anderen in einer magischen Welt, die sich nicht schämen muss, ganz im Gegenteil. Sie ist groß, magisch und uralt. Den Autoren ist es hier gelungen, eine komplexe Welt innerhalb der Realität zu schaffen. Etwas was viele Erwachsenenautoren scheinbar nicht mehr hinkriegen. Und Sophie, überwältigt aber doch nicht bereit, auch nur einen Schritt zurückzuweichen, steht mittendrin und muss feststellen, dass sie in große Fußstapfen treten muss.

Es ist selten, dass mich ein Kinder- oder Jugendbuch dermaßen begeistert, aber hier kann ich kaum das Erscheinen des zweiten Bandes erwarten, so sehr hat mich das Buch mitgerissen mit seinen charmanten Charakteren, der spannenden Handlung und einer tiefen Geschichte, an deren Oberfläche gerade einmal gekratzt wurde.

Ein hervorragendes Buch voller Abenteuer und Magie mit außergewöhnlichen Figuren, die auf eine lange und tiefe Geschichte zurückblicken. Meines Erachtens sollte dieses Buch in keinem Jugendbuch-Regal fehlen, gerade in solchen, die Abenteuer und Fantasy mögen.

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Veröffentlicht am 19.02.2026

Aus der Geschichte Eretrias

Gefährten des Dunkels
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Runland ist ein junger Mann von 20 Jahren. Er lebt in Larkas, einer Stadt im Lamerth. Er möchte seinem Vater nacheifern und Waldläufer und vielleicht auch Stadtwächter werden wie dieser. Doch dann wird ...

Runland ist ein junger Mann von 20 Jahren. Er lebt in Larkas, einer Stadt im Lamerth. Er möchte seinem Vater nacheifern und Waldläufer und vielleicht auch Stadtwächter werden wie dieser. Doch dann wird Larkas aus dem Blauen heraus angegriffen, Runlands Vater stirbt in den Armen seines Sohnes. Und der muss erkennen, dass sein bester Freund Mal der Verräter ist, der den feindlichen Truppen die Tore geöffnet hat.

Gemeinsam mit der Halbzwergin Neria macht Runland sich auf, den König zu informieren und seinen Namen wieder reinzuwaschen. Denn Mal beschuldigt ihn, der Verräter am Tor gewesen zu sein ...

Vor zwei Jahren meldete ich mich bei Lovelybooks auf eine Leserunde - und gewann das entsprechende Buch. Das war mein erster Kontakt zu Mario Hackel. Seitdem habe ich so gut wie alles von ihm gelesen, was noch nicht gelesen ist, wartet noch darauf, gelesen zu werden.

Was das heißt? Nun, eines ganz sicher, ich mag den Schreibstil. Und ich mag darüber hinaus, was ich da immer zu lesen bekomme: solide Fantasy mit reichlich Action, tiefgreifenden Charakteren und spannenden Plots. Und darüber hinaus einem Worldbuilding, das seinesgleichen zumindest im deutschsprachigem Raum sucht. Ja, richtig. Eine so komplexe Welt wie in Hackels Werken ist mir hierzulande noch nicht begegnet, nur aus Ami-Landen bekannt. Seine Welt wächst mit jedem Buch, das sich lese. Nicht nur geografisch, sondern auch an Geschichte. Dem Leser wird nicht einfach nur gesagt, dass die Welt soundso alt ist, die Geschichten stammen aus unterschiedlichen Zeitaltern. Wenn es etwas gibt, was ich wirklich an diesem Autor zu kritisieren habe, dann dass, das er offensichtlich an drei bis vier Zyklen zur gleichen Zeit arbeitet - und dafür hat er ebenfalls meinen Respekt.

Runland ist nun sein neuer Zyklus und spielt vor den Ereignissen in Palineas (wer sich noch erinneert, ich besprach dessen ersten beide Bände 2025). Die Welt ist noch nicht von Elfen beherrscht, sondern der Lamerth ist ein eigenes Königreich, in dem sich so ziemlich alle Völker tummeln, es aber eine Hochburg der Menschen zu sein scheint.

Larkas selbst bleibt in den Beschreibungen etwas blass, aber der Leser verbringt auch nicht zuviel Zeit dort. Dafür wird die Bergwarth sehr ausführlich geschildert, spielt doch ein guter Teil der Handlung am Hof des Königs.

Runland, oder Stapfer, wie er sich später nennt nach dem Spitznamen, den sein Vater ihm gegeben hat, ist zu Beginn ein normaler ... Na ja, etwas zwischen einem Jungen und einem Mann. Er ist reif, ja, aber er ist auch recht naiv zu Beginn. Doch diese Naivität verfliegt sehr schnell. Runland wächst erstaunlich viel in diesem Roman, von einem naiven Jungen zu einem Anführer, der schwere Entscheidungen zu treffen hat, von denen er immer mehr lernt, auch die Schicksale von anderen abhängen.

Ihm zur Seite stehen die Halbzwergin Neria und der Halbelf Falvoril. Ja, eben jener, der zeitlich später, in der Palineas-Trilogie, eine tragende Rolle zu spielen hat. Hier erlebt man ihn als einen jungen und spitzzüngigen Halbelf, der noch nicht so recht seinen Platz in der Welt gefunden hat. Die Wortduelle, die er sich mit Neria liefert, sind wirklich zum Schmunzeln, und Runland muss wirklich eine Engelsgeduld für beide haben. Neria bleibt leider über den Verlauf des Romans sehr blass. Man erfährt ein wenig über sie und ihre Herkunft, aber wirklich zu wachsen scheint sie nicht. Sie sehnt sich nach einem Ort, den sie Zuhause nennen kann, und sie fühlt echte Freundschaft zu Runland - vielleicht sogar ein bisschen mehr. Es ist schade, dass ihr Charakter so blass bleibt und ich hoffe, das wird sich ändern.

Neben Falvoril gibt es natürlich auch noch einen anderen Bekannten aus Palineas: Alprey hat ebenfalls einige Auftritte, bleibt aber wieder überwiegend nebulös, wie man ihn kennt.

Die Handlung ist eine klassische Abenteuerreise mit anschließender Queste. Hackel bleibt sich selbst true und hat alles spannend mit kleinen Seitenabenteuern gestaltet, womit er seine Leser wach und bei Stange hält.

Ich freue mich auf weitere Bände, denn dieser erste Teil hat mir sehr viel Spaß und Vergnügen bereitet - ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen, um ehrlich zu sein. Es ist ein tieferer Einblick in Hackels Fantasy-Welt, noch dazu einer, der seine Leser in die Geschichte Eristrias entführt und zeigt, wie bestimmte Orte früher einmal ausgesehen haben. Ein solides und spannendes Buch, auch für Leser geeignet, die sich noch nicht in Eristria auskennen.

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Veröffentlicht am 03.02.2026

Der Winter ist kalt - gerade in den Nordlanden

Die Chroniken von Wetherid II - Special Edition
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Zwanzig Jahre sinder vergangen seit der Schlacht um Wetherid. Vrenli hat mittlerweile eine Familie gegründet und einen Sohn. Dennoch zögert er nicht, als seine alten Gefährten in seinem Dorf auftauchen ...

Zwanzig Jahre sinder vergangen seit der Schlacht um Wetherid. Vrenli hat mittlerweile eine Familie gegründet und einen Sohn. Dennoch zögert er nicht, als seine alten Gefährten in seinem Dorf auftauchen und ihm von einer neuen Gefahr erzählen. Der Magier Meister Drobal ruft die einstigen Gefährten wieder zusammen, damit sie sich auf eine gefährliche Reise begeben, denn Wetherid ist einmal mehr in Gefahr. Ein orkischer Schamane hat einen Dämon beschworen. Und betritt dieser Dämon ihre Welt, so wird er sie zerstören.

Vrenli und seine Gefährten ziehen einmal mehr aus, um die sieben Artefakte zu finden, die den Dämon aufhalten können. Und dieses Mal steht nicht nur Wetherid auf dem Spiel, sondern ihre gesamte Welt ...

Eines zu allererst: Vielen Dank an dieser Stelle an den Autoren und Verleger Christian Dölder, der mir das eBook zum ersten Teil des neuen Zyklusses zur Verfügung gestellt hat. Das war eine sehr große und freundliche Geste.

Zum Buch selbst:

Zwanzig Jahre sind nach den letzten Ereignissen bei Ib'Algir vergangen. Zwanzig Jahre, in denen die Gefährten sich nicht gesehen haben, sondern eigene Leben gelebt haben. Vrenli und Aarl haben mittlerweile Familien gegründet, Gorathdin ist verheiratet mit seiner Prinzessin, die ja am Ende des ersten Buches zur Königin gekrönt wurde, Borlix dient als Paladin seinem König und Werlis lebt weiterhin allein in seinem Haus in Abketh. Vrenli und er sind immer noch befreundet, und das ist so ziemlich alles, was wir über ihn erfahren.

Da ist ein kleiner Haken meinerseits. Ich hätte auch gern mehr über die unterschiedlichen Leben selbst erfahren. Aus der Handlung erfährt der Leser, dass Gorathdin wohl in die Staatsgeschäfte involviert ist, wenn auch nicht wie stark. Borlix ist der oberste Paladin, braucht sich aber nicht an deren Gesetze zu halten - warum? Aarl hat eine Familie gegründet, doch er berichtet so gut wie nie über sie. Ein bisschen mehr Details hätte die Leben deutlicher gefüllt und man hätte am Anfang nicht das Gefühl, sie seien alle außer Vrenli für zwanzig Jahre auf Eis gelegen. Aber das Mosern auf hohem Niveau.

Die Reise führt die Gefährten, außer Meister Drobal, in die Nordlande, wo auch der überwiegende Teil der Handlung spielt. Dölder hat sich hier von den tatsächlichen Nordmännern (oder Wikingern) inspirieren lassen, das spürt man deutlich. Und das ist auch nicht schlecht, ganz im Gegenteil. Ich fand es erfrischend, diese Zivilisation zu betrachten und über sie zu lesen. Die Beschreibungen der Eiswüsten des Nordlands waren dazu sehr gut. Wäre es nicht gerade ohnehin unter Null, wo ich lebe, ich glaube, an der einen oder anderen Stelle hätte ich allein der Beschreibungen wegen fleißig mit gezittert.

Was Dölder, wie bereits in Teil 2 erwähnt, dieses Mal anders macht ist die Bescheibung dessen, was auf der Gegnerseite passiert. Der Leser ist dabei, wenn die unheilige Allianz geschmiedet wird, man sieht, wie der Dämon beginnt, die Anführer der Völker zu manipulieren, was immer von Erfolg gekrönt wird, zumindest bei den Teilen, die hier erwähnt werden in diesem Band. Ich persönlich finde diesen Blick auf die Seite des "Bösen" als sehr interessant und eine zusätzliche Würze des Romans. Als Leser weiß man stellenweise mehr als die Protagonisten, ob gut oder böse, was einen mehr einbindet in die Handlung. Sehr gute Lösung!

Der Mord an Georathdins Frau ... Ich verstehe jetzt den Hintergrund mehr als im zweiten Roman der Reihe, empfinde ihn aber weiterhin als sinnlos. Sicher, dadurch wird eine Kette von Ereignissen möglich, die ohne ihn nicht passiert wären - oder wären sie nicht? Es wird erwähnt, dass sie nicht den sicheren Stand als Königin hatte, den sie erhoffte. Sie wird von einem ihrer Fürsten massiv unter Druck gesetzt vor ihrem Tod. Nach dem Mord kräht kein Hahn mehr wegen des Embargo, was mich doch verwundert hat. Statt dessen streitet sich der Kronrat wegen der Nachfolge, was soweit geht, dass Beweise gefälscht werden. Uff, da geht's wirklich zur Sache.

In den Nordlanden treffen die Gefährten derweil auf Thorgar, der sich ihnen anschließt. Ich beginne zu begreifen, was sie Zahl sieben für eine Rolle spielt in dieser Queste.

Was mir sehr gut gefiel war die Tatsache, dass nicht mehr alles auf Anhieb klappte wie im ersten Band der Chroniken. Die Gefährten müssen sich in Rätseln versuchen, die nicht einfach sind (okay, beim zweiten wäre ich tatsächlich selbst nicht auf die Lösung gekommen), sie müssen Türen und Tore knacken, was auch nicht immer gelingt. Das war gut gelöst und sehr viel glaubhafter als in Band 1 der Chroniken.

Was mir auch sehr gut gefiel war die Freundschaft zwischen Aarl und Borlix. Sie necken sich immer wieder gern, aber am Ende bleiben sie gute Freunde, das war eine schöne Sicht auf diese Chraktere. Wollen wir hoffen, dass sie dieses Mal auch in Kontakt bleiben, denn gemeinsam haben die beiden wirklich gute Chemie, was zu einem hohen Schmunzelfaktor beim Lesen führt, lässt man sie los. Auch gut gefallen hat mir Werlis, der, vermutlich unbewusst, noch immer mit dem Verlust seines Armes hadert, gleichzeitig aber auch ein wertvolles Mitglied der Gruppe ist. Dass er angeschubst werden muss, um seinen eigenen Wert zu erkennen, fand ich sehr gut.

Alles in allem bleibt ein sehr unterhaltsamer Roman, der Lust auf mehr macht. Besser durchgereift als die ersten Chroniken, und, wie wir ja bereits wissen, mit einem würdigen Nachfolger sind die "Hüter der sieben Artefakte" wirklich ein High Fantasy Ereignis, dass es mehr als nur verdient, eine breite Leserschaft zu finden.

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