Back to School
Vanas ErbeNirvy ist neu in Nordgard, der Schule für angehende Krieger - neben einigen anderen Berufen, die die Schule anbietet. Bisher hat sie zurückgezogen mit ihrem Vater in einem kleinen Dorf gelebt. Dies ist ...
Nirvy ist neu in Nordgard, der Schule für angehende Krieger - neben einigen anderen Berufen, die die Schule anbietet. Bisher hat sie zurückgezogen mit ihrem Vater in einem kleinen Dorf gelebt. Dies ist das erste Mal, dass sie auf Gleichaltrige trifft - und sie verscherzt es sich bereits am zweiten Tag mit der "Queen der Beliebten", was zu einer kaum zu ertragenen Mobbingsituation führt, in der sie sich wiederfindet. Nur ihre Bettgenossin Ylvie hält zu ihr.
Doch Nirvy ist etwas besonderes. So besonders, dass es sie in Gefahr bringt ...
Schulsettings in Fantasy ist spätestens seit Harry Potter zu einem Standard in der Fantasy geworden, so sehr, dass sich mittlerweile mit "Dark Academia" ein eigenes Genre um dieses Setting gebildet hat und es auch immer wieder gern von Romantasy-Autorinnen aufgegriffen wird. Dieses Setting allerdings in einer Art Wikingerzivilisation zu setzen, das war mir neu.
Nirvy als Charakter kommt zuerst sehr unsicher, aber auch stark rüber. Das ändert sich im Verlauf des Romans auch nicht sonderlich - bis auf eines der letzten Kapitel, aber da ist es nachvollziehbar, dass sie sich fügt und die Hoffnung allmählich fahren lässt. Ein wenig verwirrt war ich über die Tatsache, dass Nirvy irgendwie in Verbindung mit den Elementen zu stehen scheint, zumindest dem Wind und dem Wasser. Dem habe ich anfangs wenig Beachtung geschenkt, bis es dann offensichtlich wichtig wurde.
Die Welt in diesem Buch beschränkt sich in der ersten Hälfte auf Nordgard und das Umland. In der späteren Hälfte kommt dann noch ein weiterer Abschnitt der Welt dazu. Hier allerdings wird mit Beschreibungen ein wenig gegeizt vom Autor. Es ist eine Heidelandschaft, weil irgendwann vor Jahren, Jahrzehnten, Jahrhunderten(?) sämtliche Bäume gerodet wurden. Andererseits gibt es offensichtlich zumindest noch Gehölze, denn Nirvy flieht in ein solches.
Die Charaktere sind stimmig ihrer jeweiligen Rolle und glaubhaft in ihrer Umgebung. Die Lehrer bleiben dagegen überwiegend etwas blass, was aber in einem Schul-Setting in der Regel normal ist. Es ist die Dynamik der Schüler, die den Leser fesseln, nicht die der Lehrer. Da darf es vielleicht den einen gehassten und verabscheuten Lehrer geben oder den, zu dem man immer kommen kann und der sich sorgt. Von letzteren scheint es in Nordgard geradezu zu wimmeln. Unbeliebte Lehrer dagegen gibt es nicht, höchstens Unterrichtsfächer, die nicht so hoch im Kurs stehen.
Ich fand, anfangs zog sich die Geschichte, und das sehr. Man kam gut rein, keine Frage. Das erste Kapitel und auch das zweite waren spannend, weil man Nordgard kennenlernte und einige der Charaktere. Danach geriet alles ein wenig schleppend. Ich wurde selbst schwer in der Schule gemobbt und konnte Nirvy nachvollziehen und fand ihr Verhalten, sich zurückzuziehen anstatt anzukämpfen gegen die Ungerechtigkeit, mehr als schlüssig. Irgendwann gibt man einfach auf, das ist so. Man weiß ohnehin, was am nächsten Tag kommt und dass es hoffentlich "nur" das gleiche ist wie gestern und nichts schlimmeres. Und da sind wir uns hoffentlich alle einig, Kinder und gerade Heranwachsende können eine perverse Phantasie entwickeln, wenn es darum geht, einen Mitschüler zu quälen und sein Leben zur Hölle zu machen.
Frey bietet etwas, was mir noch nicht untergekommen ist: Er hat Karten für seine Geschichte, doch diese befinden sich nicht im eBook, sondern man kann sie mittels eines QR-Codes auf seinem Handy aufrufen. Auf jeden Fall eine bessere Lösung als die üblichen eingefügten Karten, die der Reader nicht zufriedenstellend anzeigen kann, weil sie entweder riesig oder winzig sind.
Was halte ich also von Nordgard? Eines auf jeden Fall. Frey hat einen zweiten Teil bereits fest eingeplant, denn es bleiben am Ende sehr viele Fragen offen. Es ist ein handwerklich guter Roman. Ich weiß nur nicht so ganz, wer seinee Zielgruppe ist nachdem, was mit Nirvy passiert. Einem 10-Jährigen würde ich das Buch nicht in die Hand drücken, dafür geht's ab einer Stelle zu sehr zur Sache. Für Erwachsene aber scheint es auch nicht so wirklich zu sein, dafür ist das Setting zu sehr auf ein jüngeres Publikum ausgelegt.
Alles in allem bleibt ein guter Roman, der allein durch sein Setting bereits überrascht. Ein solider erster Teil, der Lust auf mehr macht.