Cover-Bild Bevor ich falle
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18,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Droemer
  • Themenbereich: Belletristik - Liebesroman: Zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 304
  • Ersterscheinung: 26.09.2012
  • ISBN: 9783426226223
Lilly Lindner

Bevor ich falle

Roman
Wie kann man Worte finden für das Unaussprechliche? Als Cherry neun Jahre ist, bringt sich ihre Mutter durch einen Sprung aus dem Fenster um. Und das Mädchen quält ein Leben lang die Frage: Hätte sie anders gehandelt, wenn Cherry sich an jenem letzten Abend, als die Mutter sie ins Bett brachte, nicht trotzig von ihr weggedreht hätte?

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.02.2018

So schön und traurig zugleich

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Bekannt wurde die deutsche Autorin Lilly Lindner durch “Splitterfasternackt”, einem autobiographischen Roman. Nun hat sie ein neues, diesmal fiktives Buch geschrieben: “Bevor ich falle” über Suizid, das ...

Bekannt wurde die deutsche Autorin Lilly Lindner durch “Splitterfasternackt”, einem autobiographischen Roman. Nun hat sie ein neues, diesmal fiktives Buch geschrieben: “Bevor ich falle” über Suizid, das Erwachsenwerden, Schuld und Selbstverletzung. Ein heftiger, aber sprachlich herausragender Titel. Für Erwachsene und Jugendliche ab 16.

Cherry war neun Jahre alt, als ihre Mutter sich das Leben nahm. Sie sagte ihr “Gute Nacht”, mehrmals sogar (doch Cherry tat so, als höre sie nicht) und verließ dann das Zimmer und sprang direkt aus dem Fenster. Im elften Stock. Ein Verlust, der unersetzbar ist. Niemand mehr, der sie liebte, der nette Worte zu ihr sagte, der überhaupt viel mit ihr redete. Der Vater schien Cherry zu hassen, er brüllte sie immerzu nur an und überließ sie meist sich selbst. Doch wie sollte sie mit den großen Schuldgefühlen umgehen? Hätte sie den schrecklichen Tod ihrer Mutter verhindern können? Irgendwann beginnt Cherry sich selbst zu verletzen und endet in einem Teufelskreis, aus dem sie sich selbst kaum mehr befreien kann…

Lilly Lindner Bevor ich falleDie Autorin spielt auf brillante Weise mit den Worten, stellt Inhalte und Wahrheiten auf klare Weise zur Schau, sie verschönert nicht, sie lässt nichts aus. Sie lässt die Hauptfigur leiden und kaum mehr Freude am Leben empfinden: Cherry hungert, ritzt sich und wendet sich von den Menschen ab, die ihr helfen möchten, allen voran von ihrem Schwimmlehrer, der sie bei sich aufnimmt, als sie von zu Hause rausgeschmissen wird beziehungsweise abhaut. Teilweise gibt es Rückblenden in Cherrys Kindheit. Als die Mutter noch da war. Als Cherry bereits begann sich in einen lebensverachtenden Menschen zu verwandeln. Als ihr Kreativität und Wörter hassender Vater all ihre Buntstifte entfernte und ihr das Lesen verbot (er selbst arbeitete in einem Verlag und konnte alle Schriftsteller, Agenten und sonstige Mitarbeiter nicht ausstehen!). Themen werden in dem Buch eine Menge verarbeitet (sicherlich auch durch eigene Erfahrungen der Autorin, siehe “Splitterfasernackt”): Todessehnsucht, Suizid, Magersucht, Selbstverletzung, Beziehungsunfähigkeit, Suche nach Geborgenheit, Zerstörungswut. Aber auch die Themen Literatur, Sprache und die herausragende Wortgewandtheit der Hauptfigur (und die der Autorin) spielen eine große Rolle. Der Roman ist ein sprachliches Kunstwerk, das verstört, zum Nachdenken anregt und die Gefühlswelt der Protagonistin perfekt widergibt. Das Cover ist exzellent gewählt und bezieht sich treffsicher auf den Inhalt. Das Ende des Romans versöhnt, macht Hoffnung und lässt die Hauptfigur mit geradezu philosophischen Einsichten begreifen, dass das Leben trotz allem doch lebenswert ist und man die Verantwortung für sein Denken und Handeln immer selbst trägt.

Veröffentlicht am 31.05.2025

Bevor ich falle

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Lilly Lindner hat es mal wieder geschafft. Nicht umsonst ist sie meine Lieblingsautorin und ganz, ganz großes Vorbild. Sowohl menschlich, als auch sprachlich.
Im Hinterkopf hatte ich beim Lesen immer ...

Lilly Lindner hat es mal wieder geschafft. Nicht umsonst ist sie meine Lieblingsautorin und ganz, ganz großes Vorbild. Sowohl menschlich, als auch sprachlich.
Im Hinterkopf hatte ich beim Lesen immer ihre zwei Autobiografien - kein Wunder, ähnliche Themen wie Depression, Selbstmord, Selbstverletzen und Magersucht stehen hier auf dem Plan.
Ich muss sagen, diese zwei aus dem Leben gegriffenen Geschichten haben mich doch ein Stück weit mehr bewegt.
Aber bei Lilly Lindner kann ich nur auf höchstem Niveau meckern - und das nicht, weil ich mich blind dem allgemeinen Begeisterungssturm anschließe, sondern weil mich so viele Wörter und Sätze treffen - direkt ins Herz.
Für mich gibt es nichts Besseres, als dieses Gefühl: mitzuerleben und mitzufühlen, weil man so oder so ähnlich denkt oder gedacht hat, weil man die gleiche Kälte, den gleichen Stillstand mal empfunden hat.
Die Hauptfigur Cherry hat mich in vielen Teilen natürlich an Lilly selbst erinnert, wie man sie in ihren Autobiografien kennengelernt hat, weil sie ähnliche Abwärtsspiralen nach unten ziehen, wenn auch aus anderen Gründen. Sie hat Schwächen, wie jeder von uns, aber sie kämpft, gegen diese schwarze Denkmuster in ihrem Kopf. Nicht immer, aber sie versucht es.
Von Landon habe ich eigentlich das ganze Buch über ziemlich viel gehalten, er stellt eine tolle Stütze dar, keine Frage, nur eine Sache gegen Ende des Buches fand ich doch etwas seltsam - sei hier aber nicht gespoilert.
Die Geschichte erzählt über viele Jahre hinweg den Kampf von Cherry mit sich selbst und dem Leben, was sie zu ersticken droht, nachdem sich ihre Mutter umgebracht hat, als sie selbst gerade mal 9 Jahre alt war. Schuldgefühle graben sich wortwörtlich tief unter ihre Haut. Und irgendwie, immer wieder, findet sie dann doch Halt bei den Worten, wie Lilly Lindner das so großartig auch selbst tut.
Der Schreibstil ist einfach der Wahnsinn - manches muss man mehrmals lesen und ich bin sicher, manches wird man nie verstehen. Aber muss man das? Man kann so viel aus Lillys Sätzen ziehen, so viel Verständnis für Gleichgesinnte. So viel Schönheit in einzelnen Wörtern, dass es sich wie pure Inspiration anfühlt.
Deswegen lese ich. Um vollkommen eingenommen zu werden von Welten, die sich nur durch Sprache öffnen.
Es gibt nichts weiteres zu sagen, nur Bewundern und eben dieses: Sprachlosigkeit. Feuchte Augen vielleicht, am Ende.

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Veröffentlicht am 13.11.2017

Wieder einmal wortgewaltig!

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Inhalt: Ich war neun Jahre alt, als meine Mutter beschlossen hat, dass sie das Leben nicht mehr mag. Sie hat mich hochgehoben und ganz fest in ihre Arme geschlossen, dann hat sie mir einen Gutenachtkuss ...

Inhalt: Ich war neun Jahre alt, als meine Mutter beschlossen hat, dass sie das Leben nicht mehr mag. Sie hat mich hochgehoben und ganz fest in ihre Arme geschlossen, dann hat sie mir einen Gutenachtkuss gegeben und mich in mein Bett gelegt. Meine gelbe Giraffe lag neben mir und die bunte Kuscheldecke auch. Ich weiß das noch so genau, als wäre es heute gewesen. Dabei sind Jahre vergangen, seit diesem letzten Tag in meinem Leben. (Quelle: Verlag)
Meine Meinung: Nach Was fehlt, wenn ich verschwunden bin, ist Bevor ich falle das zweite Buch von Lilly Lindner, zu dem ich greife. Ja, ich schleiche mich immer noch dezent um die Biografien herum, weil ich von der ganzen Schwere, die sich in ihnen befindet, sicher heruntergezogen werde. Aber wie auch schon WFWIVB hat Bevor ich falle auch sehr viele autobiografische Bezüge in sich, die mir auch hin und wieder das Herz ganz schwer gemacht haben. Aber genau das macht das Buch auch so unglaublich authentisch. Das ist auch gar nicht schlimm. Nein, ich wollte es euch vielmehr sagen, damit ihr vorbereitet seid, denn ich persönlich kann solche Bücher nicht immer lesen.
Cherry hat ein schweres Leben, ihre Mutter ist fort und so lebt sie alleine mit ihrem Vater, der ein vielbeschäftigter Mann ist, selten da ist und seine Tochter wohl auch nicht so wirklich lieben kann. Die Kleine zerbricht und da ist niemand da, der sie auffängt und dennoch steht sie so gefährlich nah am Rande der Klippen, dass man Seite für Seite, Satz für Satz und Wort für Wort Angst um sie hat. Und dann fällt sie. Ausgerechnet an Heiligabend. Mit Vierzehn. Und wenn man denkt, es ist alles verloren ist da doch jemand. Landon. Ihr alter Schwimmtrainer. Und der versucht verzweifelt Cherry zusammenzuflicken. Aber egal ob er es schafft oder nicht. Er ist da und hält sie, bevor sie fällt. Und selbst wenn. Selbst, wenn sie fallen würde, dann fängt er sie auf. Er ist ihr Vater. Auch wenn er dafür viel zu jung ist. Aber er gibt ihr diesen Halt, den sie so dringend benötigt. Eine zweite wichtige Person in ihrem Leben ist Scratch, der zwar völlig anders ist als Landon, der aber Cherrys Leben noch mehr Sinn und vor allen Dingen Cherry selbst eine Bestimmung gibt. Scratch und Landon sind, obwohl ich Landon stets Scratch vorziehen würde, einfach zwei wundervoll ausgearbeitete Charaktere, die eine unglaublich wichtige Rolle im Buch spielen und ich habe sie beide so sehr in mein Herz geschlossen, wie auch Cherry.
Dennoch hat das Buch gar nicht so viel Inhalt. Die Geschichte schwächelt sehr und obwohl viele ernste Themen aufgegriffen werden und diese auch sehr schon umgesetzt werden, mangelt es Bevor ich falle einfach an einer durchgängig spannenden und sich entwickelten Geschichte. Das ist für mich mein einziger, großer Kritikpunkt und genau dieser Punkt hat mir auch manchmal das Lesen wirklich erschwert, weil die 300 Seiten plötzlich zu 3000 wurden und ich einfach nicht weiter kam. `Was das Buch allerdings auszeichnet ist auch gar nicht die Geschichte. Es ist die unglaubliche WORTGEWALT, die man in jedem Werk von Lilly Lindner findet. Ich habe es schon einmal gesagt und ich kann mich nur wiederholen. Lilly Lindner kann Schreiben! Sie ist so wunderbar poetisch und das ganze Buch ist so tiefgründig und voller schöner Zitate. Man möchte am liebsten alle Seiten mit bunten Post Ist bekleben und die schönen Wort so für immer bewahren. Und genau diese Wortgewalt macht fast, aber nur fast, schon die fehlende Story wett. Sie ist der Grund, warum ich immer und immer wieder zu Lilly Lindner Büchern greifen würde und diese Autorin meinen ganzen Respekt verdient hat. Diese Wortgewalt macht mich immer sprachlos und genau das bin ich jetzt auch! Danke Lilly Lindner, dass du mich immer begeistern kannst.
Bewertung: Bevor ich falle trägt Lilly Linders Handschrift und trotz der schwächelnden Story ist es absolut lesenwert. Mit wundervoll ausgearbeiteten Charakteren und natürlich der Wortgewalt, die Lilly Lindner hat, wird Bevor ich falle für mich zu einem Must Read. Wegen dem Inhalt gebe ich einen Fuchs Abzug und, wenn ich ehrlich bin, kommt es auch nicht an Was fehlt, wenn ich verschwunden bin heran. Deshalb vergebe ich 4 von 5 Füchschen.