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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.03.2026

Zart, hoffnungsstiftend und stark. Ein außergewöhnliches und tragendes Buch.

Ein Hund namens Katze
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„Ein Hund namens Katze“ ist ein wirklich außergewöhnliches und starkes Buch.

Neben wunderschönen, großformatigen Illustrationen, die zum Verweilen und Darin-Versinken einladen und auch einmal überraschen, ...

„Ein Hund namens Katze“ ist ein wirklich außergewöhnliches und starkes Buch.

Neben wunderschönen, großformatigen Illustrationen, die zum Verweilen und Darin-Versinken einladen und auch einmal überraschen, inspiriert es mit einer poetischen und klaren Sprache auf mutmachende Weise zu einer Auseinandersetzung mit tiefen und schwierigen Themen.

Dabei umhüllt es warmherzig und freundlich, ehrlich und berührend wie ein wärmender Mantel und führt zu einem starken und tröstlichen Fazit.

Empfohlen ist es ab sechs Jahren, dieser Empfehlung würde ich nicht uneingeschränkt folgen.

Es geht um verletzte Liebe, das Verlassenwerden, den Tod von Geschwistern und Einsamkeit, die Suche nach den eigenen Bedürfnissen und Verbindung.
Das sind Themen, die Kinder überfordern können und m.E. eine gewisse Sensibilität und Begleitung unabdingbar machen.

Es ist ein wunderschönes Buch, um gemeinsam mit Kindern, die Verlusterfahrungen gemacht haben in eine Aufarbeitung zu gehen und fühlbar zu machen, dass Heilung möglich, die eigene Situation immer beeinflussbar; dass Vertrauen nicht etwas Unwiederbringliches ist.

Dabei bringt es einen gewissen Humor mit und zeigt uns auf eindringliche Weise, was Toleranz und Akzeptanz bedeuten, wie wir über Äußerlichkeiten hinweg zum Inneren finden und uns aufeinander einlassen; nicht nur, ohne uns zu verlieren, sondern vielleicht gerade, um uns zu erkennen.

Dieses Buch hat mich auch als Erwachsene tief berührt und schafft etwas, das nur wenige Bücher schaffen: es trägt.

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Veröffentlicht am 13.03.2026

Sensationell perfide!

Tödliches Angebot
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„Tödliches Angebot“ ist sensationell perfide!
Ein hochmanipulativer Spannungsgarant ohne Chance auf Happy End. Oder...?!

Nach diesem Buch ist man definitiv ein wenig entspannter mit den großen Fragen ...

„Tödliches Angebot“ ist sensationell perfide!
Ein hochmanipulativer Spannungsgarant ohne Chance auf Happy End. Oder...?!

Nach diesem Buch ist man definitiv ein wenig entspannter mit den großen Fragen des Lebens. Und dankbar, nicht Margo zu sein, deren Anspannung, zum „Monster unter dem Bett“ werdend, regelrecht physisch greifbar wird.

Destruktive Kommunikation, eine ordentliche Portion Druck und Vergleiche; schon ist das eigene Grab geschaufelt und Margo merkt nicht einmal, wie sie hineinfällt.

Schreiberisch ist das außerordentlich gut gemacht. So pointiert aufzeigen, wo die Fallstricke der Psyche liegen, kann nicht jeder so, wie es Marisa Kashino gelingt.
Dieses Buch spielt gekonnt mit unserer Hoffnung und dem Glauben an das Gute im Menschen.

Der Einstieg liest sich wie ein Roman, man fühlt sich mit Margo gestresst bis zum Anschlag.
Jetzt braucht es die Katharsis der Eskalation, um das Ganze rund zu machen; auch wenn der eigentliche Thrill schon darin liegt, dass Margo über alltägliche, nahezu profane Dinge, die Entspannung brauchen, um ins Fließen zu kommen, so obsessiv wird, dass sie dafür ihr komplettes Leben in die Waagschale wirft.

Das Cover polarisiert. Grell, Signalrot, Alarm. Gepaart mit Quietschrosa, Mädchenfarbe.
Es tut in den Augen weh, aber passt, denn klischeegemäß finden sich darin ja das Weibliche und die Wut, das Ausrasten, der Alarmzustand.
Ein Haus im Haus im Haus, das in immer weitere Ferne rückt und zerfließt - ich würde sagen, hier wurde Margo's Situation bildstark erfasst.

Doch ist es am Ende wirklich so, oder kann Margo das Blatt wenden?

„Tödliches Angebot“ schafft es, in atemlose Spannung und fassungslose Ungläubigkeit zu versetzen.
Ein rasantes Finale liefert eine unerwartete Auflösung und lässt einen mit interessanten Fragen auf dem Grat des Berges der Moral zurück.

Sind wir vielleicht alle ein bisschen „Team Margo“...?

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Veröffentlicht am 13.03.2026

Männlichkeit in einer überraschend packenden Perspektive. Neue Lachfältchen garantiert!

Wir Freitagsmänner
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Ehrlich, witzig, ungeschönt - dieses Buch hat alles. Ich hab so gelacht und ich hab so geweint; es ist einfach nur schön.

„Wir Freitagsmänner“ saugt einen ein und am Ende taucht man, verdattert ob der ...

Ehrlich, witzig, ungeschönt - dieses Buch hat alles. Ich hab so gelacht und ich hab so geweint; es ist einfach nur schön.

„Wir Freitagsmänner“ saugt einen ein und am Ende taucht man, verdattert ob der Kurzweiligkeit, wieder auf - fast schon schade! - denn ich hätte noch ewig mitschmunzeln können.

Meine Sorge hinsichtlich Christoph Maria Herbst als Sprecher wurde orkanböenartig vom Tisch gefegt - hier wurden Sprecher und Buch füreinander gemacht.
Wer ihn bisher nur als etwas daddeligen, eher unemotionalen, Stromberg kennt, wird angenehm überrascht sein.
Er liest facettenreich, feinsinnig, mal zart, mal irrsinnig trocken-komisch.

Eine bessere auditive Spürbarkeit hätte man sich für dieses Buch nicht wünschen können, das eine wunderbare, frische, inspirierende männliche Emotionalität mitbringt.

Lust, Sex, Liebe; die großen und kleinen Tragödien des Lebens und die zwischen die Zeilen geschriebene Frage, wie es damit im Leben jenseits der Fünfzig läuft, gepaart mit inspirierendem Fazit und spannendem Cliffhanger - Kaufempfehlung und große Vorfreude auf eine mögliche Fortsetzung!

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Veröffentlicht am 28.02.2026

Idee mit Potenzial - konnte mich aber leider nicht abholen.

Mama will ihr Haus vererben
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Die Idee zu Mama will ihr Haus vererben fand ich sehr gewitzt, tatsächlich mal einzigartig und damit per se interessant.

Die Autorin hat einen angenehmen Schreibstil, der anspricht und sich fließend lesen ...

Die Idee zu Mama will ihr Haus vererben fand ich sehr gewitzt, tatsächlich mal einzigartig und damit per se interessant.

Die Autorin hat einen angenehmen Schreibstil, der anspricht und sich fließend lesen lässt; besonders schön finde ich die hier und da eingestreute Bildsprache, die das eine oder andere liebevolle, witzige, lebendige Bild erzeugt und die Fantasie mitlesen lässt. So ist es beispielsweise nicht einfach ein Garten im Regen, sondern „das Grün im Garten“ wirkt durch den Regen wie „riesige Wasserpflanzen in einem Aquarium“. Ich mag so etwas - es bringt einen persönlichen, sympathischen und sehr menschlichen Touch ins Buch.

Die Charakteranzahl und -einführung finde ich gut gelungen und nachvollziehbar, allerdings weisen einige der Charaktere für mich große erzählerische Schwächen auf; wo einige Nebenfiguren eine überraschend starke, teilweise komplexe Wirkung mitbringen, konnte mich insbesondere die Hauptfigur, Katrin, nicht überzeugen.

Dieses Buch bringt viele Themen mit hohem Potenzial mit, greift sie aber bedauerlicherweise kaum tiefgehend auf. Gerade in Katrin, mit dem über sie vermittelten Frauenbild, lag eine Riesenchance für ein richtig großes Thema, die m.E. nicht ausgeschöpft wurde. Wir haben hier einen exzellenten Ansatzpunkt für die Auseinandersetzung mit Emotional und Mental Load, Daughtering, Mankeeping und People Pleasing, der verpufft. Das finde ich ausgesprochen schade und ich hatte mir im Voraus gerade in dieser Hinsicht eine Auflösung mit einem tollen Learning erhofft.

Die Thematik schreit ja förmlich nach einer Katrin, die erstarkt, die aus dem toxischen familiären Irrsinn aussteigt, sich selbst findet und neu in Beziehung setzt. Die vielleicht regelrecht als eine Art neuer „Leader“ die Familie aufräumt und Heilung anstößt - in sich selbst. Umfassend, dauerhaft, langfristig. Hier bin ich mir jedoch nicht sicher, ob Katrin wirklich tiefgreifend dazu gelernt, oder ihren destruktiven Kreislauf nur für kurze Zeit unterbrochen hat. Bis die nächste Krise kommt.

Hauptproblem für mich war eine Art Verschiebung in der Erzählung. Die Informationen zum Erleben, Denken, Fühlen der jeweiligen Charaktere, die ich gebraucht hätte, um ihre Beweggründe zu verstehen, wurden verspätet und oft nur andeutungsweise in die Handlung eingearbeitet. Durch die Teilnahme an der Leserunde habe ich erkannt, dass ich die Personen so oft ganz anders verstanden habe, als sie gemeint waren oder es sind eben auch viele Fragezeichen verblieben. Wo die Handlung sich an der einen Stelle zieht und auf der Stelle tritt, poltert sie an der anderen viel zu plötzlich, viel zu schnell Knall auf Fall los und spitzt sich auf fast schon absurde Weise zu, ohne aber eine wirkliche, friedliche Auflösung anzubieten.

Das manche Lösungen drastisch verbleiben, denke ich, ist einfach lebens-realistisch. Menschen sind manchmal extrem, manches zerbricht und kann oder will nicht gekittet werden und das ist OK. Es gibt nicht immer ein Happy End und nicht immer die optimale Wunsch-Lösung. Diese Erkenntnis können wir aus Mama will ihr Haus vererben auf jeden Fall ziehen; wer seinen Frieden damit macht, lebt zufriedener.

Da darf man auch der Autorin ihren eigenen Weg und Plan akzeptierend zuschreiben. Doch was genau der ist, welche Aussage das Ziel ist, ist auch mir nicht klar geworden.

Und dennoch fehlt mir mehr Tiefe, mehr Verbindung. Was passiert zum Beispiel mit einer Pia, der man die Hand reicht? Oder mit Geschwistern, die sich ehrlich, offen mit integrer Authentizität aussprechen und klar in den Raum stellen „ja, hier läuft was schief, hier findet Missbrauch statt und wir machen das nicht mehr mit, Mama“?

Nachdem ich die Buchbeschreibung nochmal gelesen habe, muss ich aber auch resümieren, dass das Buch in keinster Weise wie von mir und scheinbar auch anderen Rezensenten erwartet angekündigt wird. Für einen reinen Unterhaltungsroman allerdings ist mir die Katrin zu schwer. Vielleicht liegt hier der Hase im Pfeffer.

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Veröffentlicht am 28.02.2026

Berührend, wärmend, stärkend und Mut machend.

Dein Glück kommt von Herzen
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Dein Glück kommt von Herzen durfte ich als Freiexemplar lesen und habe mich sehr gefreut: mitten in einem Migräneschub kam dieses niedliche kleine Päckchen bei mir reingesegelt und mit der Vorfreude auf's ...

Dein Glück kommt von Herzen durfte ich als Freiexemplar lesen und habe mich sehr gefreut: mitten in einem Migräneschub kam dieses niedliche kleine Päckchen bei mir reingesegelt und mit der Vorfreude auf's Lesen war die erzwungene Wartezeit gleich viel leichter :)

Schon da zeigt sich, welche Kraft Bücher und kleine Dinge haben! Was denn auch das Buch uns auf sehr zartfühlige Weise mit gibt.

Das Büchlein ist noch hübscher, als ich es auf den Bildern online erkennen konnte. Der matte, leicht griffige, Karton mit den pastellig-aquarelligen Zeichnungen und die fein ziselierten Goldprägungen - eine Gestaltung mit viel Liebe, die man spürt.

Besonders schön finde ich auch die Zeichnung in der vorderen Umschlagklappe (die sich spitze als Lesezeichen eignet, ich lieb's!) - ein Plätzchen vor der Balkontür im Grünen, Holzboden, weiche Kissen; eine schöne Einladung, sich zum Lesen einen Herzens-Platz zu suchen. Ein geschickter kleiner Kniff ist das weiß gelassene Notizbuch mit Stift in dem Motiv - meine Fantasie hat die sofort mit den Farben und Mustern meines Lieblings-Schreibwerkzeugs ausgefüllt; raffiniert gemacht! Man kommt direkt in die Freude, in die Fantasie, die Aktivität.

Ich empfinde „Dein Glück kommt von Herzen“ als warmherzig geschrieben; eine freundliche, liebevolle Herangehensweise an tiefe Themen. Und so hat dieses scheinbar kleine Büchlein es denn auch in sich. Ich musste es erst einmal wieder weg legen, weil es mich unerwartet tief getroffen hat und ich das in dem Moment, als es mich gefunden hat, noch nicht tragen konnte. Umso dankbarer war ich daher für den Hinweis auf Hilde's und Mina's Erkenntnisse in der Geschichte, dass auch wir Natur sind und die Natur ihre Zyklen hat, wir also nicht dauerhaft das gleiche Tempo an den Tag legen können, ohne unsere Grenzen zu überschreiten, dass wir Pausen brauchen und uns Zeit nehmen müssen, unseren eigenen Rhythmus finden; was ich dann auch erst einmal, trotz der im Hinterkopf stehenden „Rezensionspflicht“ getan habe, damit es mir weiter gut gehen kann.

Schon auf der Hälfte des Buches hatte ich dann auch bereits ein halbes Notizbuch mit eigenen Impulsen und Ent-wicklungen gefüllt. Dieses Buch ist eine Einladung: sich mit sich selbst und der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen und in Frieden zu bringen. Es ist ein Werkzeug, das viel Tiefe mitbringt, wenn man sich darauf einlassen mag.

Thematisch geht es um Ranja, eine Mutter, die, um weiter funktionieren zu können, sich gegen ihren Schmerz so hart gemacht hat, dass sie ihre Weichheit und Beweglichkeit verloren hat, einen großen Teil des Kontaktes zu sich selbst; und darüber auch ein halbes Leben lang ihre Tochter verpasst. Auch Schwester und Mutter.

Und Mina, eine Tochter, die, reflexhaft eine liebevolle Geste des Trostes gegenüber ihrer Mutter ausführend, dabei sofort aufschreckt und feststellt, dass sie schneller gehandelt hat, als sie darüber nachdenken konnte und erst hineinfühlen muss, dass sich das heute gut anfühlt. Früher aber nicht.

Sowie um Rike, Schwester und Tante, die auf ihre Weise eben so viel verloren hat, wie Ranja und Mina; die gemeinsam Abschied von ihrer Mutter und Großmutter Aruna nehmen und dabei das Ungesagte ihrer Familiengeschichte auflösen, während sie mannigfaltige emotionale Hürden und ein großes Geheimnis überwinden, um wieder zueinander zu finden. Es geht um Herkunft, Verbindung und gesunde Beziehungsführung, aber auch um Selbstfürsorge und Selbst-Entwicklung. Um Verantwortlichkeiten. Um Verbundenheit mit den eigenen Ahnen, der Natur, dem eigenen Körper und der Seele. Und es geht um das Brechen transgenerationaler Kreisläufe und Ent-Elterung.

Besonders wertvoll finde ich die Übung der Dankbarkeitspraxis, sich die „sicheren Häfen“ aufzuschreiben, die man auf seinem Weg schon anzusteuern geschafft hat. Das ist eine sehr effektive, wenig aufwendige Übung mit großer Wirkung, die einem schnell einen Fokuswechsel verschafft und entlastet.

Kathrin Sohst schreibt sehr warmherzig, zartfühlig und vor allem mit einer pointierten Beobachtungsgabe.

Mir hat sehr gut gefallen, dass im Text kontinuierlich der Fokus auf das gelenkt wird, was die Charaktere spüren. Das ist eine sehr einfache, aber effektive Technik, um sich immer wieder bewusst im Hier und Jetzt zu verankern und sein Körpergespür zu vertiefen. Besonders die beschriebene Verbindung zur Natur tut dabei spürbar gut.

Die „Innerlichkeit“ des Psychologischen Schreibens macht sehr gut Minas sukzessive Entwicklung sichtbar und motiviert dazu, mit zu gehen, selbst einmal eine Innenschau vorzunehmen, die Perspektive zu wechseln.

Als wichtigstes Tool, man kann es nicht oft genug sagen, empfinde ich die Erzählweise der Autorin, die stets das Sich-Raum-Geben in den Vordergrund stellt.
Das ist unheimlich wichtig und tragend.
Nur wenn dieser sichere Boden bereitet ist, Stabilisierungstechniken verinnerlicht sind, können wir diese tiefen Themen angehen und ziehen uns dabei nicht den Boden unter den Füßen weg.

Dein Glück kommt von Herzen ist dabei m.E. ein sehr guter Begleiter.

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