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Veröffentlicht am 12.03.2026

Wenn plötzlich Elefanten im Wohnzimmer stehen

Die Elefanten
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Stell dir vor, du gehst morgens aus dem Haus, willst nur schnell zum Bäcker und plötzlich steht ein Elefant auf dem Marktplatz. Riesig. Grau. Unübersehbar. Und alle tun so, als wäre das völlig normal. ...

Stell dir vor, du gehst morgens aus dem Haus, willst nur schnell zum Bäcker und plötzlich steht ein Elefant auf dem Marktplatz. Riesig. Grau. Unübersehbar. Und alle tun so, als wäre das völlig normal. Genau mit diesem Gefühl spielt dieses Buch und ehrlich gesagt hat mich das ziemlich schnell gepackt.

Die Elefanten tauchen einfach auf. Auf Straßen, in Wohnungen, mitten im Alltag. Aber keiner spricht darüber. Alle schauen weg, machen weiter wie bisher. Diese stille Absurdität hat mich beim Lesen gleichzeitig zum Schmunzeln und zum Kopfschütteln gebracht. Weil man irgendwann merkt, dass diese Elefanten eigentlich gar keine Tiere sind.

Mittendrin steht Pawel, ein Stand up Comedian, der das Schweigen nicht aushält. Auf der Bühne spricht er aus, was alle sehen, aber keiner sagen will. Während ich das gelesen habe, dachte ich mehrfach: Junge, halt doch einfach den Mund. Aber genau das kann er nicht. Und genau deshalb wird es gefährlich.

Sasha Filipenko schreibt klar, direkt und manchmal fast beiläufig, während einem innerlich langsam dämmert, wie bitter ernst diese Geschichte eigentlich ist. Zwischen absurden Szenen, trockenem Humor und stiller Verzweiflung steckt eine ziemlich starke Gesellschaftskritik.

Besonders hängen geblieben ist dieses Gefühl von Beklemmung. Dieses Wissen, dass alle wissen, was los ist, aber trotzdem keiner den Mund aufmacht. Und dann steht da dieser eine Typ mit Mikrofon auf der Bühne und sagt einfach: Leute, da steht ein verdammter Elefant.

Ein ruhiges, kluges und gleichzeitig ziemlich mutiges Buch. Kein lauter Roman, aber einer, der lange im Kopf herumtrampelt.

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Veröffentlicht am 12.03.2026

Familie, Mord und ein Capitano der lieber seine Ruhe gehabt hätte

Die Familie sehen und sterben
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Capitano Rossi steht plötzlich mitten in einem Mordfall und eigentlich merkt man sofort: Der Mann hat damit ungefähr so viel gerechnet wie mit Schnee im Hochsommer. Zwei Tote innerhalb weniger Stunden ...

Capitano Rossi steht plötzlich mitten in einem Mordfall und eigentlich merkt man sofort: Der Mann hat damit ungefähr so viel gerechnet wie mit Schnee im Hochsommer. Zwei Tote innerhalb weniger Stunden im beschaulichen Tessin? Klingt erst mal nach Zufall. Aber schnell wird klar, hier brodelt mehr unter der Oberfläche als ein Espresso in einer italienischen Bar.

Capitano Enzo Rossi ist dabei ein herrlich unperfekter Ermittler. Ein bisschen eingerostet, ein bisschen stur und mit einer ordentlichen Portion Improvisation unterwegs. Genau das macht ihn aber so sympathisch. Während seine ehrgeizige Assistentin Gemma Crivelli schon längst im Ermittlungsmodus ist, stolpert Rossi eher in die Sache hinein und merkt dabei langsam, dass der Fall ihm näher kommt als ihm lieb ist.

Besonders stark ist die Atmosphäre. Toni Rivera schafft es mühelos, dieses sonnige Tessin mit all seinen engen Gassen, alten Familiengeschichten und unterschwelligen Spannungen lebendig werden zu lassen. Man spürt förmlich, dass hinter vielen Fassaden mehr steckt, als man auf den ersten Blick sieht.

Und dann kommt der Moment, in dem Rossi merkt, dass seine eigene Familie in den Fall verwickelt sein könnte. Spätestens da zieht die Geschichte richtig an. Loyalität, alte Rechnungen und dunkle Geheimnisse mischen sich zu einem Krimi, der nicht nur spannend ist, sondern auch richtig persönlich wird.

Die Mischung aus trockenem Humor, starken Figuren und einer Geschichte voller Familienbande macht diesen Auftakt unglaublich unterhaltsam. Capitano Rossi hat definitiv das Zeug dazu, ein Ermittler zu werden, mit dem man noch viele Fälle verbringen möchte. Und ganz ehrlich: Wenn der zweite Band kommt, steht er bei mir schneller im Regal als der Espresso auf dem Tisch.

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Veröffentlicht am 12.03.2026

Ein Wald voller Monster und eine Liebe, die nicht sein dürfte

The Sleepless
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Zwischen dunklen Baumkronen, uralten Tiergöttern und Kreaturen, die gleichzeitig faszinierend und furchteinflößend sind, entfaltet sich eine Geschichte, die sich ganz leise unter die Haut schleicht. Eine ...

Zwischen dunklen Baumkronen, uralten Tiergöttern und Kreaturen, die gleichzeitig faszinierend und furchteinflößend sind, entfaltet sich eine Geschichte, die sich ganz leise unter die Haut schleicht. Eine Welt, die sich wild, geheimnisvoll und stellenweise wunderbar eigen anfühlt.

Elver ist keine typische Heldin. In ihren Adern fließt Gift und jede Berührung kann tödlich sein. Diese Einsamkeit, dieses Leben am Rand der Welt, verleiht ihr eine besondere Schwere und gleichzeitig eine beeindruckende Stärke. Gerade dieser Kontrast hat mich sehr berührt. Die Begegnung mit Artair und dem Geist Lucian bringt Bewegung in ihre abgeschottete Welt und erschafft ein Love Triangle, das wirklich anders ist als die üblichen Dreiecke im Fantasybereich.

Besonders das Worldbuilding hat mich begeistert. Die Idee mit den Tiergöttern, den verschiedenen Fraktionen und dem gefährlichen Wald wirkt kreativ und atmosphärisch. Gleichzeitig braucht die Geschichte Zeit. Der Slow Burn ist hier wirklich slow, teilweise sogar so langsam, dass ich mir stellenweise etwas mehr Tempo gewünscht hätte.

Trotzdem liegt über dem gesamten Buch eine besondere Magie. Die Dynamik zwischen Elver, Artair und Lucian ist spannend, manchmal zart, manchmal düster und voller unterschwelliger Spannung. Gerade Lucian sorgt immer wieder für diese unberechenbare, leicht bedrohliche Note.

Am Ende bleibt ein Fantasyauftakt, der nicht perfekt ist, aber durch seine ungewöhnlichen Ideen, die düstere Stimmung und seine besondere Liebeskonstellation definitiv im Gedächtnis bleibt. Eine Geschichte, die sich eher langsam entfaltet, dafür aber mit einer faszinierenden Welt und starken Figuren punktet.

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Veröffentlicht am 11.03.2026

Eine berührende Reise durch Passion und Ostern

Dunkelste Nacht – Strahlendster Tag
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Sanftes Kerzenlicht, die leise Erwartung der Osterzeit und mittendrin ein Buch, das Herz und Gedanken gleichermaßen berührt. Dunkelste Nacht – Strahlendster Tag nimmt Leser mit auf eine Reise durch die ...

Sanftes Kerzenlicht, die leise Erwartung der Osterzeit und mittendrin ein Buch, das Herz und Gedanken gleichermaßen berührt. Dunkelste Nacht – Strahlendster Tag nimmt Leser mit auf eine Reise durch die wohl bewegendste Zeit der christlichen Geschichte und entfaltet dabei eine Atmosphäre, die gleichzeitig andächtig, warm und hoffnungsvoll wirkt.

Die Erzählweise verbindet die biblischen Berichte der Evangelien zu einer fließenden, gut verständlichen Geschichte. Besonders schön ist, wie die Passionswoche Schritt für Schritt greifbar wird. Die Spannung, die Traurigkeit der Kreuzigung und schließlich die große Hoffnung der Auferstehung entfalten sich fast wie in einem ruhigen, intensiven Film. Die Illustrationen von Phil Schorr unterstreichen diese Stimmung mit viel Gefühl und geben den Szenen eine besondere Tiefe.

Das Wendebuch Konzept wirkt dabei erstaunlich stimmig. Die dunkleren Ereignisse der Passion führen direkt zum Wendepunkt des Ostermorgens, nach dem sich das Buch wortwörtlich neu öffnet und eine helle Perspektive entsteht. Gerade für Familien ist das eine wunderbare Idee, weil Gespräche und gemeinsame Gedanken ganz natürlich entstehen.

Besonders gefallen haben mir die Fragen am Ende der Geschichten. Sie laden dazu ein, innezuhalten, nachzudenken und miteinander ins Gespräch zu kommen. Dadurch wird das Buch nicht nur zu einer Sammlung von Geschichten, sondern zu einem kleinen Begleiter durch die Osterzeit.

Ein sehr liebevoll gestaltetes Buch, das Glauben, Hoffnung und Gemeinschaft in den Mittelpunkt stellt und besonders in der Familie eine warme Atmosphäre schaffen kann.

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Veröffentlicht am 11.03.2026

Deutschland wie man es garantiert noch nie gehört hat

DUMONTs Unnützes Reisewissen Deutschland
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Manchmal stolpert man über ein Buch und denkt sich nach drei Seiten: Warum zum Teufel wusste ich das alles noch nicht? Genau dieses Gefühl hatte ich bei DUMONTs Unnützes Reisewissen Deutschland. Eigentlich ...

Manchmal stolpert man über ein Buch und denkt sich nach drei Seiten: Warum zum Teufel wusste ich das alles noch nicht? Genau dieses Gefühl hatte ich bei DUMONTs Unnützes Reisewissen Deutschland. Eigentlich wollte ich nur kurz reinblättern. Ein, zwei Fakten lesen, bisschen schmunzeln und das Buch wieder weglegen. Tja. Aus kurz wurde plötzlich eine ziemlich lange, sehr unterhaltsame Reise quer durch die kuriosesten Ecken Deutschlands.

Zwischen DIN-Normen für Handzahnbürsten, überraschenden Geschichten über Helmut Kohl und kleinen historischen Absurditäten merkt man schnell: Deutschland ist offenbar viel verrückter, als man im Alltag denkt. Während man sonst eher über Politik, Staus oder das Wetter redet, liefert dieses Buch genau die Fakten, die man bei der nächsten Runde am Tisch einfach so raushauen kann. Und plötzlich hört jeder zu.

Besonders stark ist, wie locker und pointiert die Infos präsentiert werden. Kein trockenes Lexikon, kein langweiliges Nachschlagewerk. Stattdessen kurze, knackige Anekdoten, bei denen man ständig denkt: Moment mal, stimmt das wirklich? Und genau dann erwischt man sich dabei, wie man direkt noch die nächste Seite liest.

Perfekt für Zugfahrten, für ein paar Minuten auf dem Sofa oder einfach zwischendurch. Das ist eines dieser Bücher, die man immer wieder zur Hand nimmt, weil irgendwo garantiert noch ein völlig absurder Fakt wartet.

Ein kleines bisschen Wehmut bleibt allerdings. Schade, dass es bis jetzt das letzte Buch aus der Reihe ist. Ehrlich gesagt hätte ich sofort Lust auf noch mehr unnützes Wissen. Von mir aus gern noch mehrere Bände davon. Denn selten hat sich unnütz so unterhaltsam angefühlt. 😬

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