Wenn plötzlich Elefanten im Wohnzimmer stehen
Die ElefantenStell dir vor, du gehst morgens aus dem Haus, willst nur schnell zum Bäcker und plötzlich steht ein Elefant auf dem Marktplatz. Riesig. Grau. Unübersehbar. Und alle tun so, als wäre das völlig normal. ...
Stell dir vor, du gehst morgens aus dem Haus, willst nur schnell zum Bäcker und plötzlich steht ein Elefant auf dem Marktplatz. Riesig. Grau. Unübersehbar. Und alle tun so, als wäre das völlig normal. Genau mit diesem Gefühl spielt dieses Buch und ehrlich gesagt hat mich das ziemlich schnell gepackt.
Die Elefanten tauchen einfach auf. Auf Straßen, in Wohnungen, mitten im Alltag. Aber keiner spricht darüber. Alle schauen weg, machen weiter wie bisher. Diese stille Absurdität hat mich beim Lesen gleichzeitig zum Schmunzeln und zum Kopfschütteln gebracht. Weil man irgendwann merkt, dass diese Elefanten eigentlich gar keine Tiere sind.
Mittendrin steht Pawel, ein Stand up Comedian, der das Schweigen nicht aushält. Auf der Bühne spricht er aus, was alle sehen, aber keiner sagen will. Während ich das gelesen habe, dachte ich mehrfach: Junge, halt doch einfach den Mund. Aber genau das kann er nicht. Und genau deshalb wird es gefährlich.
Sasha Filipenko schreibt klar, direkt und manchmal fast beiläufig, während einem innerlich langsam dämmert, wie bitter ernst diese Geschichte eigentlich ist. Zwischen absurden Szenen, trockenem Humor und stiller Verzweiflung steckt eine ziemlich starke Gesellschaftskritik.
Besonders hängen geblieben ist dieses Gefühl von Beklemmung. Dieses Wissen, dass alle wissen, was los ist, aber trotzdem keiner den Mund aufmacht. Und dann steht da dieser eine Typ mit Mikrofon auf der Bühne und sagt einfach: Leute, da steht ein verdammter Elefant.
Ein ruhiges, kluges und gleichzeitig ziemlich mutiges Buch. Kein lauter Roman, aber einer, der lange im Kopf herumtrampelt.