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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.06.2026

Fußballwissen, das Kinderaugen leuchten lässt

WAS IST WAS Fußball. Anpfiff, Flanke, Tooor!
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Mit meinem Neffen zusammen dieses Buch aufzuschlagen, war ein bisschen wie der Moment kurz vor dem Anpfiff: gespannte Gesichter, große Augen und sofort dieses Kribbeln, wenn Fußball mehr ist als nur ein ...

Mit meinem Neffen zusammen dieses Buch aufzuschlagen, war ein bisschen wie der Moment kurz vor dem Anpfiff: gespannte Gesichter, große Augen und sofort dieses Kribbeln, wenn Fußball mehr ist als nur ein Ball auf dem Rasen.

WAS IST WAS Fußball. Anpfiff, Flanke, Tooor! nimmt Kinder ab 8 Jahren richtig schön an die Hand und erklärt die Welt des Fußballs so, dass man nicht nur liest, sondern mittendrin steht. Kabinenluft, Stadionatmosphäre, Regeln, große Stars, Teamgeist und spannende Wettbewerbe werden so lebendig erzählt, dass mein Neffe immer wieder hängen geblieben ist und Fragen gestellt hat.

Besonders schön fand ich, dass nicht nur bekannte Namen wie Messi oder Ronaldo vorkommen, sondern auch erklärt wird, warum Fußball so viele Menschen begeistert. Es geht um Wissen, um Emotionen, um Zusammenhalt und um diese kleinen Aha-Momente, bei denen Kinder merken: Ach so funktioniert das also.

Zur kommenden WM ist dieses Buch wirklich genau das Richtige. Es macht Lust aufs Mitfiebern, aufs Fachsimpeln und aufs gemeinsame Staunen. Für kleine Fußballfans ist es fast wie ein eigenes Trainingslager im Bücherregal.

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Veröffentlicht am 08.06.2026

Wenn die Goldenen Zwanziger plötzlich sehr nah wirken

Chronist der wilden Jahre. Mit Siegfried Kracauer durch die Weimarer Republik
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Manchmal reicht ein Schaufenster, ein Tanzlokal oder eine Bestsellerliste, und plötzlich steht eine ganze Gesellschaft nackt im Raum. Genau das macht dieses Buch so spannend. Jens Wietschorke nimmt Siegfried ...

Manchmal reicht ein Schaufenster, ein Tanzlokal oder eine Bestsellerliste, und plötzlich steht eine ganze Gesellschaft nackt im Raum. Genau das macht dieses Buch so spannend. Jens Wietschorke nimmt Siegfried Kracauer an die Hand und damit auch uns Leser, hinein in die Weimarer Republik, wo alles glitzert, wackelt, knistert und gleichzeitig schon gefährlich bröckelt.

Das ist kein trockenes Geschichtsbuch mit Staub auf dem Einband. Eher ein Spaziergang durch eine Zeit, die sich unheimlich modern anfühlt. Kaufhäuser, Medien, Unterhaltung, Großstadt, Krise, Sehnsucht nach Ablenkung. Da sitzt man beim Lesen und denkt: Moment mal, das klingt ja gar nicht so weit weg von heute. Und genau da wird es stark.

Kracauer beobachtet die Oberflächen und sieht dahinter den Riss in der Wand. Wietschorke ordnet das ein, erklärt, verbindet und bringt diese alten Texte wieder zum Leuchten. Besonders gefallen hat mir, dass hier Geschichte nicht nur aus Kanzlern, Daten und Katastrophen besteht, sondern aus Alltag, Stimmung, Mode, Kino, Konsum und kleinen Beobachtungen. Das ist manchmal fast wie Menschen gucken im Café, nur mit mehr Tiefgang und weniger Milchschaum.

Ganz ehrlich, stellenweise muss man wach bleiben. Das Buch verlangt Konzentration und ist kein schneller Snack für zwischendurch. Manchmal hätte ich mir noch etwas mehr Schwung gewünscht, ein bisschen mehr erzählerischen Sog. Aber die Grundidee ist richtig stark.

Für alle, die Weimar nicht nur als Kapitel im Geschichtsbuch sehen wollen, sondern als vibrierende, widersprüchliche, wilde Zeit, ist das ein kluges und besonderes Buch. Nicht perfekt, aber verdammt interessant.

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Veröffentlicht am 07.06.2026

Eine Reise durch Erinnerungen, Liebe und zweite Chancen

Die Mitternachtsreise
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Manchmal gibt es Bücher, die nicht laut sein müssen, um mitten ins Herz zu treffen. Die Mitternachtsreise hat mich genau auf diese stille, beinahe magische Art erwischt.

Wilburs Reise durch sein eigenes ...

Manchmal gibt es Bücher, die nicht laut sein müssen, um mitten ins Herz zu treffen. Die Mitternachtsreise hat mich genau auf diese stille, beinahe magische Art erwischt.

Wilburs Reise durch sein eigenes Leben fühlt sich an wie ein Zugfenster, an dem Erinnerungen vorbeiziehen. Manche leuchten warm und golden, andere drücken schwer auf die Brust. Besonders die Szenen rund um Agnes, den Buchladen und Maggie haben mich sehr berührt, weil sie zeigen, wie sehr Menschen und Orte uns prägen können, selbst wenn wir es erst viel später begreifen.

Matt Haig schreibt hier voller Wärme über Reue, Liebe, Verlust und die Frage, was am Ende wirklich zählt. Beim Lesen hatte ich oft das Gefühl, selbst kurz innezuhalten und auf mein eigenes Leben zu schauen. Welche Momente würde ich noch einmal erleben wollen? Wen hätte ich fester halten sollen?

Für mich ist das ein sehr gefühlvoller Roman, der Bücher liebt, Menschen versteht und Trost spendet, ohne kitschig zu werden. Nicht jede Passage war für mich gleich stark, manche Gedanken wiederholen sich ein wenig, aber die Botschaft bleibt wunderschön.

Ein Roman wie eine leise Umarmung zur richtigen Zeit.

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Veröffentlicht am 07.06.2026

Wenn Magie fehlt, aber das Herz brennt

Dinghai Fusheng Records. Buch 1
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Magie weg, Welt fast kaputt, ein letzter Exorzist übrig. Klingt erst mal nach klassischem Fantasyalarm, aber Dinghai Fusheng Records macht daraus etwas Eigenes, Wuchtiges und verdammt Schönes.

Chen Xing ...

Magie weg, Welt fast kaputt, ein letzter Exorzist übrig. Klingt erst mal nach klassischem Fantasyalarm, aber Dinghai Fusheng Records macht daraus etwas Eigenes, Wuchtiges und verdammt Schönes.

Chen Xing hatte mich ziemlich schnell. Dieser junge Exorzist wirkt nicht wie der große strahlende Retter, sondern eher wie jemand, der innerlich auch mal kurz denkt: Na toll, Weltuntergang, und ich darf das jetzt richten. Genau das macht ihn so sympathisch. Er trägt Hoffnung in sich, aber eben nicht auf diese nervige Heldenart, sondern mit Herz, Mut und einer Portion Verzweiflung.

Xiang Shu ist dann der perfekte Gegenpol. Geheimnisvoll, kantig, nicht gerade begeistert davon, Beschützer spielen zu müssen, und trotzdem merkt man zwischen den Zeilen ständig dieses leise Knistern. Slowburn ist hier wirklich Slowburn. Nichts wird einem platt vor die Füße geworfen, sondern es wächst langsam, vorsichtig und dadurch umso schöner.

Das alte China als Setting fühlt sich atmosphärisch, rau und gleichzeitig magisch an. Obwohl die Magie fast verschwunden ist, liegt sie irgendwie über jeder Szene. Diese Mischung aus Exorzisten, Schicksal, Verschwörung, Chaos und leisen Gefühlen hat mich richtig eingesogen.

Man muss sich auf Namen, Welt und Stimmung einlassen, klar. Das ist kein Buch zum schnellen Wegatmen nebenbei. Aber wenn man drin ist, dann sitzt man da, blättert weiter und denkt: Okay, ich brauche Band 2. Am besten gestern.

Für mich ein starker Auftakt voller Gefühl, Spannung, Humor, Drama und dieser besonderen Danmei Magie, die direkt ins Herz geht.

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Veröffentlicht am 07.06.2026

Vom Kotti in die Welt und mitten ins Herz

36 Boys
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Kreuzberg riecht in diesem Buch nach Beton, kaltem Rauch, Angst, Wut und diesem ganz eigenen Trotz, der entsteht, wenn junge Menschen spüren, dass für sie kein Platz vorgesehen ist.

Ich habe 36 Boys nicht ...

Kreuzberg riecht in diesem Buch nach Beton, kaltem Rauch, Angst, Wut und diesem ganz eigenen Trotz, der entsteht, wenn junge Menschen spüren, dass für sie kein Platz vorgesehen ist.

Ich habe 36 Boys nicht einfach als Geschichte über eine Gang gelesen, sondern als Blick in eine Zeit, in der Armut, Rassismus und Ausgrenzung jungen Männern viel zu früh beigebracht haben, hart zu wirken. Paul Christoph Gäbler erzählt das mit einer Nähe, die mich berührt hat, ohne dabei alles schönzureden.

Besonders stark fand ich, dass das Buch nicht nur von Gewalt und Straße spricht, sondern von Freundschaft, Schutz, Identität und dem Wunsch, gesehen zu werden. Zwischen Mauer, Kotti und Abrisshäusern entsteht ein Bild von Kreuzberg, das rau ist, aber voller Leben. Man versteht, warum die 36 Boys für manche mehr waren als nur eine Gang.

Mich hat diese Mischung aus Zeitgeschichte, Biografie und Gesellschaftsanalyse richtig gepackt. Manche Stellen tun weh, weil sie zeigen, wie wenig sich in manchen Fragen verändert hat. Trotzdem bleibt nach dem Lesen nicht nur Schwere zurück, sondern auch Respekt vor Lebenswegen, die sich aus schwierigen Anfängen heraus ihren Platz erkämpft haben.

Ein starkes, wichtiges und sehr menschliches Buch, das lange nachhallt.

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