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Veröffentlicht am 14.10.2025

Auf Weltreise zwischen Sofakissen und Staunen

Mit Michael Martin um die Welt - Unsere einzigartige Erde
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Kaum war das Buch aufgeschlagen, saßen wir – meine Tochter und ich – schon mit offenem Mund da. Nicht wegen der Chips (die waren schnell weg), sondern weil diese Reise um die Welt einfach alles hat: Staunen, ...

Kaum war das Buch aufgeschlagen, saßen wir – meine Tochter und ich – schon mit offenem Mund da. Nicht wegen der Chips (die waren schnell weg), sondern weil diese Reise um die Welt einfach alles hat: Staunen, Lachen, Lernen und den unstillbaren Drang, sofort die Koffer zu packen. Michael Martin nimmt uns mit einer Leichtigkeit mit, die fast schon ansteckend ist. Zwischen Vulkanen, Wüsten und dem Amazonas haben wir mehr gestaunt als beim letzten Kinobesuch – und das ganz ohne Popcorn im Sitzspalt.

Die Fotos? Atemberaubend. Und zwar nicht dieses "Instagram-schön"-Atemberaubend, sondern echt, roh und gewaltig. Dazu erzählt Martin mit so viel Leidenschaft, dass man ihn fast neben sich reden hört – während man im Buch von einem Kontinent zum nächsten springt. Meine Tochter hat jedes Tier, jede Pflanze und jede verrückte Landschaft kommentiert, als würde sie selbst Teil des Teams sein. Irgendwann meinte sie: „Papa, ich will das auch mal sehen!“ – und zack, war die Bucket List länger als der Einkaufszettel vor Weihnachten.

Was das Buch so besonders macht: Es vermittelt Wissen, ohne belehrend zu wirken. Es zeigt, wie schön und gleichzeitig verletzlich unsere Erde ist – und das mit einem Augenzwinkern. Selbst die kleinen Illustrationen von Kurzi Shortriver bringen Farbe und Spaß in die Seiten, als wären sie die Reisebegleiter, die Witze erzählen, wenn der Jeep wieder mal feststeckt.

Kurz gesagt: Wir haben beim Lesen mehr gelernt als in mancher Doku, mehr gelacht als bei manchem Familienabend und vor allem eins gespürt – wie unglaublich einzigartig unser Planet ist. Und das ist wohl das größte Abenteuer von allen.

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Veröffentlicht am 14.10.2025

Heimkommen ist kein Ort, sondern ein Gefühl

Heimkommen
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Manchmal reicht ein einziger Satz, um mitten ins Herz zu treffen – und Tom Lamont schreibt davon gleich eine ganze Menge. Heimkommen ist so ein Roman, der einem leise in die Rippen stößt, während man denkt, ...

Manchmal reicht ein einziger Satz, um mitten ins Herz zu treffen – und Tom Lamont schreibt davon gleich eine ganze Menge. Heimkommen ist so ein Roman, der einem leise in die Rippen stößt, während man denkt, man liest nur ein bisschen Familiengeschichte. Und plötzlich sitzt man da, grinst, schluckt und hat Gänsehaut, weil diese Figuren so echt wirken, als könnten sie gleich im eigenen Wohnzimmer vorbeischauen.

Téo Erskine, der Mann, der eigentlich alles im Griff hat – bis ihn das Leben zurück in seine Vergangenheit katapultiert. Zwischen Vater Vic, der das Herz am rechten Fleck, aber die Zunge in der falschen Richtung trägt, und dem kleinen Joel, der mehr Chaos und Liebe bringt als ein ganzer Kindergarten, steckt Téo plötzlich in einer Gefühlsmischung aus Verzweiflung, Sehnsucht und plötzlicher Verantwortung. Klingt nach Drama, ist aber auf die beste Art bittersüß – mit britischem Humor, viel Wärme und dieser leisen Melancholie, die einem länger nachgeht als man will.

Lamont schafft es, das Thema Heimkommen ohne Kitsch zu erzählen – ehrlich, charmant, manchmal ein bisschen ruppig, aber immer mit Herz. Die Dialoge knallen, die Szenen in London riechen nach Straßenkaffee, Regen und Erinnerungen, und irgendwo zwischen all dem flackert immer wieder die Frage auf: Wann ist man eigentlich wirklich zu Hause?

Ein Buch für alle, die schon mal versucht haben, mit ihrem Vater über Gefühle zu reden, und dann lieber zusammen den Rasen gemäht haben. Für alle, die wissen, dass Liebe manchmal im Umweg wohnt. Und für alle, die glauben, dass Erwachsenwerden irgendwann mal einfacher wird. Spoiler: Wird es nicht. Aber Lamont zeigt, dass das völlig okay ist.

Ein ehrlicher, witziger, manchmal schmerzlicher Roman, der einen am Ende mit einem warmen Gefühl im Bauch zurücklässt – so, als hätte man nach langer Zeit endlich wieder den Weg nach Hause gefunden.

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Veröffentlicht am 13.10.2025

Wenn dein Mörder dir schreibt – und du zurückschreibst

Ich traf meinen Mörder
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Wer braucht noch Thriller, wenn das echte Leben so abgefahren schreibt? Can Dündar liefert mit „Ich traf meinen Mörder“ eine Geschichte, die so verrückt ist, dass sie eigentlich verboten gehört – und zwar, ...

Wer braucht noch Thriller, wenn das echte Leben so abgefahren schreibt? Can Dündar liefert mit „Ich traf meinen Mörder“ eine Geschichte, die so verrückt ist, dass sie eigentlich verboten gehört – und zwar, weil sie wahr ist. Da schreibt der Mann, der selbst zur Zielscheibe geworden ist, über seinen potenziellen Killer, den er im Knast besucht. Das ist kein Plot aus einem Netflix-Politthriller – das ist reale Weltpolitik auf Speed.

Man liest diese Seiten mit offenem Mund und einer Mischung aus Wut, Bewunderung und „das kann doch nicht euer Ernst sein!“. Dündar schafft das Kunststück, investigativen Journalismus mit erzählerischer Wucht zu verbinden. Der Typ hat’s einfach drauf – und Mut sowieso. Denn während viele von uns schon bei einem zu scharfen Kommentar auf Social Media nervös werden, legt er sich mit Autokraten an und recherchiert weiter.

Seine Begegnung mit Serkan Kurtuluş – dem Mann, der ihn eigentlich töten sollte – ist so surreal, dass man kurz vergisst, dass das hier kein Roman ist. Zwischen den Zeilen steckt aber mehr als Spannung: Es geht um Macht, Verrat, Korruption, und um den Preis der Wahrheit.

Das Buch ist ein Schlag ins Gesicht für alle, die glauben, Pressefreiheit sei selbstverständlich. Es ist unbequem, aufrüttelnd und verdammt gut geschrieben. Und wenn man die letzte Seite zuschlägt, bleibt dieses beklemmende Gefühl: dass Mut in dieser Welt immer noch lebensgefährlich sein kann – und genau deshalb so wichtig ist.

5 Sterne? Mindestens. Und eine Portion Gänsehaut gratis obendrauf.

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Veröffentlicht am 13.10.2025

Wenn Dunkelheit verführt und Magie flüstert

Arcana Academy 1: Arcana Academy
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Ein einziger Atemzug genügte, und ich war verloren in den Schatten von Halazar. Zwischen flackernden Kerzen, flüsternden Tarotkarten und dem gefährlich schönen Prinzen Kaelis entfaltet sich eine Welt, ...

Ein einziger Atemzug genügte, und ich war verloren in den Schatten von Halazar. Zwischen flackernden Kerzen, flüsternden Tarotkarten und dem gefährlich schönen Prinzen Kaelis entfaltet sich eine Welt, die wie Rauch zwischen den Fingern zerrinnt – und mich doch fest umschlungen hält. Clara, mit ihrer verbotenen Magie und dem Schmerz vergangener Verluste, ist keine makellose Heldin. Sie ist widersprüchlich, stolz und verletzlich – und genau das macht sie so greifbar.

Die Arcana Academy selbst wirkt wie ein lebendiges Wesen, geheimnisvoll und trügerisch. Jeder Schritt durch ihre dunklen Hallen ist ein Versprechen – oder eine Warnung. Die Tarot-Magie, so eigenwillig und originell, zieht sich wie ein roter Faden durch die Handlung und verleiht der Geschichte eine besondere, fast hypnotische Tiefe.

Und dann ist da Kaelis. Kalt wie Eis, schön wie Sünde. Jede Szene mit ihm ist ein Tanz auf der Rasierklinge – gefährlich, intensiv, unwiderstehlich. Dieses langsame, schmerzlich langsame Annähern zwischen ihm und Clara ist pure Folter und zugleich der süßeste Genuss.

Einzig das Tempo schwankt stellenweise, und man wünscht sich, manche Emotionen hätten etwas mehr Raum. Doch am Ende bleibt ein Gefühl, als hätte man selbst Magie berührt – und sie wollte nicht mehr loslassen.

Ein düster-schöner Auftakt, der nach mehr verlangt.

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Veröffentlicht am 13.10.2025

Zwischen Göttern, Giganten und genialem Humor

Odyssee
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Götter, Monster, Nymphen – und mittendrin ein Typ, der einfach nur nach Hause will. Klingt banal? Nicht, wenn Stephen Fry die Geschichte erzählt. Der Mann hat’s einfach drauf, aus uralten Sagen wieder ...

Götter, Monster, Nymphen – und mittendrin ein Typ, der einfach nur nach Hause will. Klingt banal? Nicht, wenn Stephen Fry die Geschichte erzählt. Der Mann hat’s einfach drauf, aus uralten Sagen wieder pures Kopfkino zu machen. Seine Version der Odyssee ist keine staubige Schulbuchlektüre, sondern ein mitreißendes, witziges und ziemlich respektloses Abenteuer, das Homer wahrscheinlich selbst gefallen hätte – zumindest an seinen guten Tagen.

Odysseus irrt hier nicht nur über die Meere, sondern stolpert auch durch die Untiefen menschlicher Eitelkeit, göttlicher Willkür und richtig schlechter Entscheidungen. Fry versteht es, diesen epischen Stoff so lebendig zu machen, dass man sich fast wünscht, mit an Bord zu sein – solange man nicht der Typ ist, den die Sirenen anlächeln. Der Humor ist britisch-trocken, die Dialoge sprühen vor Wortwitz, und trotz all der mythologischen Schwere bleibt das Ganze erstaunlich leichtfüßig.

Was mich besonders fasziniert: Fry schreibt, als würde er selbst irgendwo an Deck stehen, mit einem Glas Wein in der Hand, kommentierend, fluchend und lachend zugleich. Diese Kombination aus Respekt vor der Vorlage und kompletter Frechheit im Ton macht das Buch zu etwas Einzigartigem.

Am Ende fühlt sich Odyssee an wie ein großartiges Finale einer Serie, die man eigentlich nicht enden lassen will. Man klappt das Buch zu und denkt sich: „Verdammt, warum hat Zeus keine Fortsetzung bestellt?“ Wer sich von Göttern, Helden und Frys genialem Erzählstil verführen lassen will – bitte sehr. Aber Achtung: Danach wirken viele moderne Helden nur noch wie blasse Kopien mit GPS.

Fazit: Episch, witzig, klug – und ganz sicher kein antiker Staubfänger.

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