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Veröffentlicht am 26.08.2025

Kuschelzeit mit Eichhörnchen, Wildschwein & Co.

Wenn im Herbst die Blätter fallen
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Kaum ist unser kleiner Spatz auf der Welt, schon stapeln sich bei uns die Bücher. Man könnte meinen, das Baby liest nächste Woche seinen ersten Goethe – in Wirklichkeit schläft es natürlich friedlich ein, ...

Kaum ist unser kleiner Spatz auf der Welt, schon stapeln sich bei uns die Bücher. Man könnte meinen, das Baby liest nächste Woche seinen ersten Goethe – in Wirklichkeit schläft es natürlich friedlich ein, während ich mit strahlenden Augen ein Pappbilderbuch durchblättere. „Wenn im Herbst die Blätter fallen“ ist aber auch wirklich ein kleines Meisterwerk. Noch ist unser Nachwuchs viel zu jung, um die Schieber und Reime bewusst wahrzunehmen, aber ich schwöre: Papa ist schon längst Fan.

Die Reime sind so charmant, dass sie mir sofort ins Ohr gehen. Wenn ich nachts mit halboffenen Augen die dritte Milchflasche zubereite, murmle ich plötzlich Verse über Eichhörnchen und Wildschweine. Es ist ein bisschen verrückt – mein Kopf ist ein Poetry-Slam der Waldtiere geworden. Aber hey, schlimmere Ohrwürmer gibt es!

Das eigentliche Highlight sind für mich die Illustrationen. Carmen Saldaña hat es drauf, den Herbst so einzufangen, dass selbst ein übermüdeter Papa mitten in der Nacht in den Bildern versinken kann. Farben, Stimmung, Atmosphäre – alles passt. Und dazu diese Lamellenschieber! Ich geb’s zu: Ich spiele selber damit, als wäre ich wieder fünf. Keine Ahnung, wer mehr Spaß haben wird: unser Baby in zwei Jahren oder ich jetzt.

Und das Praktische: Das Buch ist stabil gebaut. Wenn der Spatz erstmal seine kleinen Patschehändchen einsetzt, hält das bestimmt einiges aus. Für den Moment genieße ich es einfach, dass wir damit schon unser erstes „Vorlese-Ritual in Vorbereitung“ haben.

Kurz gesagt: Ein poetisches, wunderschön illustriertes Herbstbuch, das selbst Neugeborenen-Eltern schon Freude macht – auch wenn der eigentliche Zuhörer gerade noch friedlich schläft.

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Veröffentlicht am 25.08.2025

Höhenangst trifft Herzklopfen: Viktor im Großstadtdschungel

Der Junge, der auf ein Haus stieg
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Auf dem Dach sitzen und plötzlich klar sehen – das klingt erstmal verrückt, oder? Genau da setzt die Geschichte an, und meine Tochter und ich haben uns beim Buddyread öfter gefragt: Würden wir uns selbst ...

Auf dem Dach sitzen und plötzlich klar sehen – das klingt erstmal verrückt, oder? Genau da setzt die Geschichte an, und meine Tochter und ich haben uns beim Buddyread öfter gefragt: Würden wir uns selbst trauen, auf ein Dach zu klettern, nur um den Überblick zurückzubekommen? Antwort: eher nein. Aber Viktor tut’s – und was er da oben über sich, sein Leben und seine Gefühle erkennt, hat uns beide umgehauen.

Wir haben das Buch abwechselnd laut gelesen, und manchmal musste eine kleine Pause her, weil meine Tochter plötzlich mitten in einer Szene meinte: „Papa, das ist wie bei uns, wenn …!“ Zack, nächster Lachanfall. Andere Stellen dagegen gingen richtig tief rein – Trennung der Eltern, Verlust des besten Freundes, dieses Gefühl, dass nichts mehr so ist, wie es mal war. Da blieb es bei uns beiden nicht trocken ums Herz.

Besonders mochte ich, dass Viktor nicht in Selbstmitleid versinkt, sondern auf seine eigene, schräge Art nach vorne schaut. Es gibt keine übertriebenen Action-Szenen, kein künstliches Drama – alles wirkt ehrlich, nachvollziehbar und manchmal so nah, dass man fast vergisst, dass man liest. Meine Tochter sagte irgendwann: „Das ist wie in einem Film, nur dass man selbst drinsteckt.“ Genau so fühlt es sich an.

Humor blitzt an den richtigen Stellen auf, und diese Dach-Perspektive ist einfach genial gewählt: Oben sein, runtergucken, plötzlich merken, dass die Probleme nicht mehr ganz so riesig wirken. Wir haben beim Lesen manchmal so getan, als würden wir mit Viktor über Berlin schauen – ein kleiner Buddyread-Trick, der das Ganze noch lebendiger machte.

Fazit: Dieses Buch ist ein leises, ehrliches, herzliches Abenteuer über Freundschaft, Familie und das Chaos im Kopf, wenn man groß wird. Wir haben’s gefeiert. Klare 5 Sterne von uns beiden – Dachtest bestanden!

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Veröffentlicht am 25.08.2025

Bücher, Rätsel, Wahnsinn – mein Lieblingsmix

Die Bibliothek meines Großvaters
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Versehentlich ein gebrauchtes Buch aufschlagen und plötzlich mitten in einem Rätsel landen? Genau mein Humor! Masateru Konishi schafft es, aus so einer kleinen Beiläufigkeit ein Abenteuer zu stricken, ...

Versehentlich ein gebrauchtes Buch aufschlagen und plötzlich mitten in einem Rätsel landen? Genau mein Humor! Masateru Konishi schafft es, aus so einer kleinen Beiläufigkeit ein Abenteuer zu stricken, das mich zwischen Lachen, Stirnrunzeln und Herzklopfen jonglieren ließ. Da sitzt man als Leser gemütlich im Sessel, und schwupps – fühlt man sich wie der heimliche Enkel des Großvaters. Der alte Herr mit seiner Demenz ist nämlich alles andere als schwach oder bemitleidenswert. Er ist clever, schlagfertig, schräg – ein wandelndes Lexikon der Kriminalliteratur, das Sherlock Holmes locker die Pfeife ausblasen würde.

Und Kaede? Diese Frau hat Energie, Witz und den Mut, selbst in brenzligen Momenten nicht einfach das Handtuch zu werfen. Gemeinsam bilden die beiden ein Duo, das so herrlich ungleich und doch unfassbar harmonisch ist. Ich meine: Eine junge Lehrerin aus Tokio und ein alter Knacker mit löchriger Erinnerung, die zusammen Rätsel knacken und sich in Geschichten verlieren – das ist pures Kopfkino deluxe.

Die Story hat dabei die perfekte Mischung: mal verspielt, mal melancholisch, dann wieder spannend wie ein Krimi, der einen um Mitternacht noch wachhält. Ich habe so oft gegrinst, dass mein Spiegelbild sich irgendwann gefragt hat, ob ich heimlich einen Clown verschluckt habe. Und dann diese leisen Momente, in denen das Alter, die Demenz, die Endlichkeit des Lebens durchschimmern … die treffen direkt ins Herz.

Kurzum: Wer Bücher liebt, wird dieses Buch nicht einfach lesen, sondern inhalieren. „Die Bibliothek meines Großvaters“ ist wie eine Schatztruhe voller Rätsel, Geschichten und Emotionen. Ein Roman, der zeigt, dass Literatur mehr sein kann als Zeitvertreib – nämlich ein Rettungsanker, eine Brücke und manchmal sogar ein Schutzschild. Fünf Sterne? Aber sowas von.

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Veröffentlicht am 25.08.2025

Kalter Wind, heiße Lektüre: Unterwegs mit Thumann

Eisiges Schweigen flussabwärts
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Kalter Wind im Gesicht, ein Rucksack voller Geschichten und dann dieses Buch in der Hand – so fühlt sich „Eisiges Schweigen flussabwärts“ an. Michael Thumann schreibt nicht einfach über Grenzen, er macht ...

Kalter Wind im Gesicht, ein Rucksack voller Geschichten und dann dieses Buch in der Hand – so fühlt sich „Eisiges Schweigen flussabwärts“ an. Michael Thumann schreibt nicht einfach über Grenzen, er macht sie spürbar. Man hört die Stiefel der Grenzer knirschen, spürt den Druck im Magen bei den endlosen Befragungen, und fragt sich nebenbei: Wie verdammt oft muss der Mann seinen Pass vorgezeigt haben?

Die Mischung aus Reportage, Memoir und politischem Seismograph ist genial. Thumann reist von Moskau bis Berlin – nicht als gemütlicher Tourist mit Latte Macchiato, sondern mitten durch Stacheldraht, Misstrauen und kalten Atemzügen der Geschichte. Dabei schafft er es, mir gleichzeitig die große Politik zu erklären und kleine, persönliche Begegnungen so lebendig zu erzählen, dass ich das Gefühl hatte, neben ihm im stickigen Abteil zu sitzen oder mit russischen Flüchtlingen Tee zu schlürfen.

Ganz ehrlich: selten so ein Buch gelesen, das den Nerv der Zeit so treffsicher trifft. Während hierzulande gern hitzig über Sicherheit, Krieg und Abschreckung diskutiert wird, nimmt Thumann einfach seinen Koffer, geht los und liefert Beobachtungen, die hängen bleiben wie Frost im Bart. Klar, das ist kein Wohlfühlbuch zum Wegträumen – aber es ist eine Reise, die einen wachrüttelt. Und gleichzeitig streut er persönliche Rückblicke ein: Mauerfall, Euphorie, Ernüchterung in der Putin-Ära. Plötzlich wird klar, wie nah uns das alles geht.

Ob nun Geschichtsfreak, Politiknerd oder einfach jemand, der wissen will, was in Osteuropa wirklich los ist – dieses Buch macht wach, weht einem eisigen, aber auch erfrischenden Wind um die Ohren und zeigt, dass Stillstand keine Option ist. Für mich: Pflichtlektüre, wenn man verstehen will, warum unser Kontinent wieder kälter geworden ist.

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Veröffentlicht am 24.08.2025

Kochbuch mit Herz, Seele und Suchtfaktor

Boustany
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Gibt’s eigentlich ein Gesetz dagegen, dass Kochbücher süchtig machen? Falls ja, dann müsste „Boustany“ sofort auf den Index gesetzt werden. Dieses Teil liegt auf meinem Küchentisch wie eine Dauer-Einladung ...

Gibt’s eigentlich ein Gesetz dagegen, dass Kochbücher süchtig machen? Falls ja, dann müsste „Boustany“ sofort auf den Index gesetzt werden. Dieses Teil liegt auf meinem Küchentisch wie eine Dauer-Einladung nach Palästina – und zwar in die vegetarisch-vegane Genuss-Lounge. Kaum aufgeschlagen, schon riecht man gedanklich nach Kreuzkümmel, Zitrone und frisch gerösteten Kichererbsen. Und ganz ehrlich: Wenn ein Kochbuch es schafft, dass ich freiwillig ein Glas Tahin aus dem Schrank hole, ohne dass mich jemand dazu zwingt, dann ist das schon die halbe Miete.

Sami Tamimi bringt in seinen Rezepten eine solche Wärme rüber, dass man fast meint, er sitzt persönlich am Herd und ruft: „Mach mehr Knoblauch rein, Bruder, vertrau mir!“ Und ja, ich hab’s getan. Ergebnis? Mein Freundeskreis denkt seitdem, ich wäre ein heimlicher Mezze-König. Ob Linsen-Fatteh, das am nächsten Tag noch besser schmeckt, oder Auberginen mit Zitronen-Kick – das hier ist kein Standard-Kochbuch, das ist ein Festival der Geschmacksknospen.

Natürlich habe ich schon so einige Hochglanz-Kochbücher durchprobiert, die mehr zum Blättern als zum Kochen taugen. „Boustany“ ist das Gegenteil: fleckig, weil ständig in Gebrauch, mit Kichererbsenresten zwischen den Seiten und Olivenöl-Fingerabdrücken als Erinnerungsstücke. Und wisst ihr was? Genau so soll’s sein.

Fazit: Dieses Buch ist nicht nur eine Sammlung von Rezepten, sondern eine Einladung, sich einmal quer durch die palästinensische Seele zu futtern. Und das ganz ohne Fleisch. Wer also meint, vegetarisch sei langweilig, sollte sich warm anziehen – „Boustany“ bläst dir diese Ausrede direkt vom Teller.

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