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Veröffentlicht am 24.08.2025

Wenn Therapie auf Liebe trifft – ein Vater-Tochter-Lesemoment

Erlebnisse einer Reittherapeutin
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Mitten ins Herz galoppiert – so lässt sich dieses Buch wohl am besten beschreiben. Meine Tochter und ich haben es uns als Buddyread geschnappt, und schon nach wenigen Seiten waren wir beide restlos begeistert. ...

Mitten ins Herz galoppiert – so lässt sich dieses Buch wohl am besten beschreiben. Meine Tochter und ich haben es uns als Buddyread geschnappt, und schon nach wenigen Seiten waren wir beide restlos begeistert. Einerseits, weil wir Pferde lieben (okay, sie ein bisschen mehr als ich 😉), andererseits, weil Antonie Ebbesmeyer es schafft, eine unglaublich persönliche Geschichte zu erzählen, die gleichzeitig voller Fachwissen steckt.

Zwischendurch haben wir uns gegenseitig vorgelesen – manchmal lachend, manchmal ganz still, wenn es ernst wurde. Besonders das Fallbeispiel mit dem autistischen Kind hat uns beide tief bewegt. Meine Tochter meinte sogar, sie hätte richtig „Gänsehaut im Herzen“ (ja, so drückt sie sich aus – und ich finde, es passt perfekt). Pferde scheinen in diesem Buch nicht einfach Tiere zu sein, sondern heilende Begleiter mit einer besonderen Gabe.

Die Mischung aus Familienalltag, Therapieerfahrungen und den kleinen Alltagschaos-Momenten machte das Ganze für uns so lebendig. Ich gebe zu: An ein paar Stellen musste ich an unser eigenes Vater-Tochter-Chaos denken, wenn mal wieder einer von uns vergisst, wer den Pferdestall sauber machen sollte. 😂 Genau diese Nähe macht das Buch so besonders – es fühlt sich an, als würde Antonie direkt mit einem am Küchentisch sitzen und erzählen.

Mein Buddyread-Moment-Highlight: Wir haben uns darüber gestritten, wer die nächste Passage lauter vorlesen darf. Sie hat gewonnen. Natürlich. Wie immer. Aber hey, das Buch hat uns beide so gefesselt, dass selbst die kleinste Lesepause fast schon ein Drama war.

Unterm Strich: Ein echtes Herzensbuch ❤️. Für Pferdefans sowieso, für Familien auch – und für alle, die verstehen wollen, warum Pferde so unfassbar gut tun.

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Veröffentlicht am 24.08.2025

Ein Krimi, der Herz und Nerven kitzelt

Die Tote im Wasser
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Wasserleichen, Familiendrama und ein Spielplatz, der garantiert nicht mehr in den Top 10 der Eltern-Hotspots auftaucht – genau das serviert Eva Frantz in Die Tote im Wasser. Klingt nach düsterem Nordic ...

Wasserleichen, Familiendrama und ein Spielplatz, der garantiert nicht mehr in den Top 10 der Eltern-Hotspots auftaucht – genau das serviert Eva Frantz in Die Tote im Wasser. Klingt nach düsterem Nordic Noir, fühlt sich beim Lesen aber überraschend frisch an. Kommissarin Anna Glad ist nämlich keine der typischen „Eisprinzessinnen“, die ständig mit verschränkten Armen in den Regen starren. Nein, Anna ist herrlich menschlich – manchmal chaotisch, manchmal viel zu emotional und trotzdem genau deshalb sympathisch.

Der Fall selbst hat es in sich: Ein verschwundenes Opfer, ein grausamer Fund und mittendrin ein Kind, das wie eine tickende Zeitbombe wirkt. Die Frage „Wem gehört Veera?“ zieht sich durch die Handlung und sorgt für ordentlich Herzklopfen. Klar, die Mordermittlung steht im Mittelpunkt, aber die privaten Verwicklungen mischen sich so sehr ein, dass man nicht weiß: Ist das jetzt ein Thriller oder eine Beziehungsfalle?

Der Schreibstil von Eva Frantz ist angenehm flüssig und kommt ohne endlose Landschaftsbeschreibungen daher (ein Hoch darauf, dass kein 10-seitiger Monolog über Nebel im Wald vorkommt!). Stattdessen baut sie Spannung mit kurzen Szenen auf, bei denen man immer denkt: „Nur noch ein Kapitel!“ – und schwupps ist es drei Uhr morgens.

Warum „nur“ vier Sterne? Ganz einfach: Zwischendurch wirkt die Story etwas überladen. Adoptionsdrama, Schuldgefühle, Dorfgeflüster und dann noch der Mord – da hätte ich mir manchmal weniger Drama und mehr Fokus auf die Ermittlungen gewünscht. Trotzdem hat mich das Buch bestens unterhalten. Ein Krimi, der nicht nur Gänsehaut bringt, sondern auch zeigt, wie kompliziert das Leben selbst für eine toughe Kommissarin sein kann.

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Veröffentlicht am 23.08.2025

Ein Island-Krimi wie ein Schneesturm: leise, kalt und gnadenlos

HULDA
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Mitten in der dunklen, isländischen Novemberkälte knallt Ragnar Jónasson wieder einen Thriller raus, der mehr Gänsehaut macht als ein Sprung ins eiskalte Fjordwasser. In HULDA lernen wir die Ermittlerin ...

Mitten in der dunklen, isländischen Novemberkälte knallt Ragnar Jónasson wieder einen Thriller raus, der mehr Gänsehaut macht als ein Sprung ins eiskalte Fjordwasser. In HULDA lernen wir die Ermittlerin kennen, wie sie noch jung, unerschrocken und ein kleines bisschen ungestüm ist. Statt Kaffee und Kuchen gibt’s für Hulda direkt ein dickes Paket: ein verschwundener Teddy, eine vermisste Person und eine Kollegin, die eher nach Konkurrenz aussieht als nach Teampartnerin. Wer jetzt denkt, das läuft entspannt wie ein Sonntagskrimi – nope! Hier wird es düster, frostig und stellenweise ziemlich ungemütlich.

Die Atmosphäre ist wirklich eine Wucht. Schnee, Stille, diese bedrückende Weite Islands – da kriecht die Kälte gleich durch die Buchseiten. Jónasson hat ein Händchen dafür, Landschaft nicht nur Kulisse, sondern Mitspieler werden zu lassen. Und Hulda selbst? Noch lange nicht die abgeklärte Kommissarin, die man vielleicht aus anderen Bänden kennt, sondern eine junge Frau, die sich gegen Widerstände, Machogehabe und eigene Zweifel behaupten muss. Genau dieser Mix macht sie so spannend.

Natürlich gibt es kleine Stolpersteine. Manchmal zieht sich die Story wie Kaugummi im Wintermantel, weil Jónasson die Spannungsschraube etwas zu gemütlich anzieht. Und ja, die eine oder andere Wendung ist nicht ganz so überraschend, wie sie wohl gedacht war. Trotzdem: Das Buch hat mich komplett abgeholt – allein schon wegen dieser grandiosen düsteren Stimmung und der Figur Hulda, die man einfach näher kennenlernen will.

Unterm Strich: Ein Thriller, der nicht auf Dauerfeuer setzt, sondern mit Atmosphäre, Charaktertiefe und unterschwelliger Bedrohung überzeugt. Vier Sterne – und ein leises „Mehr davon, bitte!“

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Veröffentlicht am 23.08.2025

Wenn Bücher nachts Party machen

Nachts in der Bibliothek (Band 1)
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Mitten in New York, wenn die Lichter ausgehen und die Türen der Bibliothek ins Schloss fallen, beginnt die eigentliche Show – und was für eine! Beim Vorlesen für meinen Neffen haben wir beide fast vergessen, ...

Mitten in New York, wenn die Lichter ausgehen und die Türen der Bibliothek ins Schloss fallen, beginnt die eigentliche Show – und was für eine! Beim Vorlesen für meinen Neffen haben wir beide fast vergessen, dass draußen die echte Welt existiert. Kaum eine Seite geschafft, schon hüpft Alice mit ihrem weißen Kaninchen durchs Bild, und hinter der nächsten Ecke lauert der gute alte Long John Silver. Ich schwöre, ich habe beim Lesen sogar kurz meinen Bauch eingezogen, damit wir nicht von der Schatzkarte gerammt werden.

Die Zwillinge Page und Turner sind genau die richtige Mischung aus Chaos, Witz und Cleverness, um in diesem Buch durchzuhalten. Mein Neffe hat die beiden sofort adoptiert – er meinte irgendwann ganz trocken: „Die könnten bei uns einziehen, die machen hier sicher alles spannender.“ Recht hat er. Dazu kommt Ms Literati, die geheimnisvolle Nachtbibliothekarin. Sie ist so eine Figur, bei der man sich nicht sicher ist: Retterin oder strengste Lehrerin aller Zeiten? Jedenfalls ziemlich cool.

Was dieses Buch richtig besonders macht, sind die Illustrationen. Ich lese oft Comics, aber hier ist der Stil nicht nur schmückendes Beiwerk, sondern mittendrin im Abenteuer. Die Bilder wirken so, als hätten sie selbst beschlossen, ein Eigenleben zu entwickeln – genau wie die Figuren, die nachts aus den Büchern purzeln.

Natürlich steckt da auch eine Botschaft drin: Bücher sind mehr als bedrucktes Papier. Sie sind Türen, Brücken, Achterbahnen fürs Gehirn. Für Kinder ab 10 perfekt, aber mal ehrlich: auch Erwachsene können hier Spaß haben. Mein Neffe wollte sofort wissen, wann der nächste Band kommt, und ich habe vorsichtshalber schon mal gegoogelt.

Kurz gesagt: Magisch, schräg, liebevoll illustriert und so rasant erzählt, dass man das Gefühl hat, selbst in der Bibliothek zu sitzen und die Figuren an einem vorbeihuschen zu sehen. Wir hatten einen Riesenspaß – und jetzt liegt das Buch griffbereit im Regal, falls die nächste Nachtschicht in der Bibliothek ansteht.

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Veröffentlicht am 23.08.2025

Willkommen im Lakeside: Geschichten, die auf der Zunge zergehen

Samstagabend im Lakeside Supper Club
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Kaum ein Buch hat mich in letzter Zeit so überraschend verschlungen wie dieses. Es fängt ganz harmlos an, als stünde man einfach nur im Eingang eines kleinen, leicht abgerockten Restaurants irgendwo im ...

Kaum ein Buch hat mich in letzter Zeit so überraschend verschlungen wie dieses. Es fängt ganz harmlos an, als stünde man einfach nur im Eingang eines kleinen, leicht abgerockten Restaurants irgendwo im Nirgendwo von Minnesota. Und dann – zack – sitzt man mitten im Leben dieser vier Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Betty, Florence, Mariel und Julia. Vier Perspektiven, vier Temperamente, vier Mal Chaos, Herzschmerz und die ganz große Portion Hoffnung.

Was J. Ryan Stradal hier abliefert, ist keine seichte Wochenendlektüre zum schnellen Wegknuspern. Nein, das ist wie ein ausuferndes Dinner, das du erstmal verdauen musst – im besten Sinne. Jeder Gang ein Erlebnis. Jede Figur eine Entdeckung. Jeder Dialog ein kleines Fest. Und zwischendrin so viel Wärme, dass man fast glaubt, selbst am Bear Jaw Lake zu sitzen, mit Blick aufs Wasser und einem dampfenden Teller Comfort Food vor der Nase.

Was mir besonders gefallen hat: Stradal schreibt unaufgeregt, aber mitten ins Herz. Er legt die Widersprüche seiner Figuren offen, ohne sie bloßzustellen. Sie scheitern, sie kämpfen, sie lieben, sie nerven – kurzum: sie sind echt. Und in dieser Echtheit steckt eine Magie, die man nicht oft findet.

Natürlich hat jede der vier Frauen ihre eigene Geschichte, doch zusammen ergeben sie ein Kaleidoskop, das am Ende ein viel größeres Bild ergibt: vom Festhalten und Loslassen, vom Verlieren und Neuanfangen, vom Schmecken des Lebens in all seinen bittersüßen Nuancen.

Am Ende habe ich das Buch zugeklappt, tief durchgeatmet und gedacht: Genau so will ich mich nach einer Lektüre fühlen – satt, bewegt und mit diesem warmen Kribbeln im Bauch. Für mich ein ganz klares Highlight und ein Buch, das garantiert nicht ins Regal verbannt, sondern mit leuchtenden Augen weiterempfohlen wird.

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