Zwischen Dorfflucht und Sehnsucht nach Liebe
Öffnet sich der HimmelEin Roman, der sich wie eine weiche, flackernde Flamme in die eigene Erinnerung an Jugend einschreibt. Die Geschichte von James entfaltet sich in einer Sprache, die manchmal so leise wirkt, als könnte ...
Ein Roman, der sich wie eine weiche, flackernde Flamme in die eigene Erinnerung an Jugend einschreibt. Die Geschichte von James entfaltet sich in einer Sprache, die manchmal so leise wirkt, als könnte sie im nächsten Moment verwehen – und doch bleibt sie wie ein Nachhall im Herzen bestehen. Der Herbst 2002 im verschlafenen Thornmere wird nicht nur Kulisse, sondern eine Art Resonanzraum für all das, was es bedeutet, jung zu sein und ausbrechen zu wollen. Die Enge des Dorflebens, das bedrückende Gewicht familiärer Verantwortung und die ständige Angst, anders zu sein, legen sich wie Nebel über die Seiten.
Dann tritt Luke auf. Mit ihm zieht eine ungezähmte Kraft in James’ Welt ein – Verheißung und Gefahr zugleich. Zwischen den beiden entspinnt sich etwas, das mehr ist als erste Verliebtheit. Es ist ein Aufeinanderprallen von Sehnsucht, Angst, Hingabe und der quälenden Frage, was man bereit ist zu riskieren, um ein Stück von diesem wilden, ungestümen Leben zu spüren.
Seán Hewitt gelingt es, das Taumeln zwischen Zärtlichkeit und Schmerz in eine Sprache zu fassen, die poetisch schillert und doch nie den Blick für das Dunkle verliert. Immer wieder blitzen Bilder auf, die wie kleine Gedichte wirken, und machen deutlich, dass dieser Roman ebenso sehr ein lyrisches Werk wie eine Erzählung ist.
Nicht jede Passage trägt gleich stark, manchmal verliert sich die Handlung in langen poetischen Strömungen. Doch genau darin liegt auch der besondere Reiz: Dieser Roman ist weniger eine Geschichte, die man einfach liest, als ein Empfinden, das man durchlebt. Mit 4,5 Sternen bleibt am Ende ein Buch, das nachklingt, lange nachdem die letzte Seite geschlossen ist – eine Hymne an das Risiko, die Verletzlichkeit und die Schönheit der ersten Liebe.