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Veröffentlicht am 05.09.2025

Stein, Papier – und wir mittendrin im Gefühlschaos

Stein schlägt Papier
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Kaum ein Buch hat mich und meine Tochter so heftig durchgeschüttelt wie dieses. Normalerweise hänge ich ja gerne in Thrillern ab, wo alles ein bisschen überzogen wirkt – aber hier? Bäm, das sitzt. Christina ...

Kaum ein Buch hat mich und meine Tochter so heftig durchgeschüttelt wie dieses. Normalerweise hänge ich ja gerne in Thrillern ab, wo alles ein bisschen überzogen wirkt – aber hier? Bäm, das sitzt. Christina Erbertz schmeißt uns mitten in eine Situation, die man niemandem wünscht: Lee will helfen, dann eskaliert es in Sekundenbruchteilen, und plötzlich steht ihr ganzes Leben Kopf. Meine Tochter hat beim Lesen ständig gefragt: „Papa, was hättest du gemacht?“ – und ganz ehrlich: keine Ahnung. Vermutlich Mist gebaut.

Wir haben die Kapitel teilweise im Wechsel gelesen und uns dann darüber gestritten, ob Lee jetzt cool gehandelt hat oder einfach kopflos war. Und genau da liegt die Stärke des Buches: Es macht dich nicht zum Zuschauer, es drängt dich mitten ins Dilemma. Ich wollte Lee manchmal schütteln, meine Tochter fand sie eher mutig. Buddyread-Diskussionen deluxe.

Der Schreibstil ist schnörkellos, fast frech, so direkt wie ein Schlag in die Magengrube. Kein Gelaber, keine unnötigen Schleifen – das zieht dich durch wie ein Krimi, aber mit Herz und Hirn. Und ja, das Herz klopft doppelt, sobald der Junge aus dem Koma erwacht und plötzlich mehr im Raum steht als nur Schuld und Strafe. Ich habe an einer Stelle laut gelacht, meine Tochter hat mich dafür angeguckt, als wäre ich verrückt.

Was hängen bleibt? Dieses Buch ist unbequem ehrlich. Es zeigt, dass Erwachsenwerden kein geplanter Spaziergang ist, sondern eher ein Sprung ins kalte Wasser. Für uns beide war klar: „Stein schlägt Papier“ hat sich in unser Regal geprügelt wie ein Klassiker. Und wir haben lange nach dem Ende noch weiterdiskutiert – was für mich das beste Zeichen ist, dass ein Buch richtig was kann.

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Veröffentlicht am 05.09.2025

Witz, Würde, Wickelkleid – Jane in Bildern

Jane Austen
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Eine Graphic Novel über Jane Austen? Da war ich sofort neugierig – und ja, die Dame im Empirekleid hat mich ordentlich an die Hand genommen. Was soll ich sagen: Statt steifer Biografie bekommt man hier ...

Eine Graphic Novel über Jane Austen? Da war ich sofort neugierig – und ja, die Dame im Empirekleid hat mich ordentlich an die Hand genommen. Was soll ich sagen: Statt steifer Biografie bekommt man hier eine bunte, quicklebendige Tour durch das Leben einer Frau, die damals schon die Konventionen mit spitzem Stift durchlöchert hat. Und das Ganze so charmant gezeichnet, dass man glatt Lust bekommt, im Salon der Austens ein Tässchen Tee zu schlürfen (oder gleich den ganzen Krug Punsch auszutrinken).

Besonders gelungen finde ich, wie die Zeichnungen nicht nur Szenen aus Janes Alltag zeigen, sondern gleichzeitig kleine Insider-Anspielungen verstecken. Fans ihrer Romane entdecken da eine Menge augenzwinkernde Details. Ich hab mich mehrmals dabei erwischt, wie ich wie ein Detektiv mit Adleraugen durch die Panels geschlichen bin, nur um den nächsten versteckten Hinweis zu finden. Das macht richtig Spaß!

Natürlich ist nicht alles Zuckerstreusel auf Shortbread. Manchmal wirkt die Erzählung ein wenig hektisch, als hätte Jane selbst den Zeichenstift geschnappt und versucht, ihr ganzes Leben in drei Sekunden zu skizzieren. Einige biografische Tiefen bleiben da eher an der Oberfläche. Wer also eine akademische Lebensdarstellung erwartet, sollte sich lieber in die Bibliothek verkrümeln. Hier geht es klar um Atmosphäre, Humor und die Lust am Eintauchen.

Unterm Strich: Vier Sterne mit Sahnehäubchen. Wer Jane Austen liebt oder überhaupt wissen will, wie eine Frau im 19. Jahrhundert ihre Träume gegen alle Konventionen verteidigt hat, bekommt hier Unterhaltung, Geschichte und jede Menge Witz in einem Paket. Ich für meinen Teil hatte großen Spaß – und habe jetzt noch mehr Respekt vor dieser scharfzüngigen Lady.

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Veröffentlicht am 04.09.2025

Lost in the Wild – Papa gegen Tochter im Survival-Buddyread

Lost in the Wild
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Kein Netz, keine Ausrüstung und plötzlich hängt man mitten im Gebirge fest – und ich dachte schon, mein Handy-Akku bei 5 % wäre Hardcore-Survival. Gemeinsam mit meiner Tochter habe ich mich in dieses Buch ...

Kein Netz, keine Ausrüstung und plötzlich hängt man mitten im Gebirge fest – und ich dachte schon, mein Handy-Akku bei 5 % wäre Hardcore-Survival. Gemeinsam mit meiner Tochter habe ich mich in dieses Buch gestürzt und wir waren sofort drin im Abenteuer. Sie hatte schon bei der ersten Lawinenszene Herzklopfen, ich eher Schweißhände, weil ich mir nur ausgemalt habe, wie mies meine Kondition wäre, wenn ich da hochkraxeln müsste. Buddyread-Highlight: Sie hat mir ständig meine eigenen panischen Kommentare vorgelesen und sich dabei kaputtgelacht.

Die Story ist rasant, detailreich und packend. Man spürt quasi jeden Stein, über den die Figuren stolpern, und die ganze Zeit fragt man sich: „Wie würde ich das eigentlich überleben?“ Meine Tochter meinte irgendwann trocken: „Papa, du wärst schon beim ersten Bergaufmarsch tot.“ Ja danke, Kind. Trotzdem – genau dieses Mitfiebern macht das Buch so stark.

Besonders cool fanden wir die Prepper-Gruppe, die plötzlich auftaucht. Klingt erstmal nach Rettung, aber naja … wir haben ziemlich diskutiert, ob wir den Typen vertrauen würden. Sie meinte: „Nein, Papa, du bist viel zu naiv!“ Und ich so: „Aber die haben Essen und Ausrüstung!“ – da hatte sie mich schon wieder ausgelacht.

Warum keine fünf Sterne? Ein paar Szenen wirkten für mich leicht überdreht, fast wie aus einem Actionfilm. Meine Tochter fand das wiederum mega, also hat das wohl mit meinem Alter zu tun. Insgesamt aber ein packender Survival-Trip mit echtem Kopfkino und einigen Momenten, bei denen wir uns gegenseitig gefragt haben: „Und jetzt? Was würden wir tun?“ Antwort meistens: „Vermutlich heulen und hoffen.“

Fazit: Spannend, wild, nervenaufreibend – perfekt für ein Buddyread-Abenteuer, bei dem man mehr lacht, als man sollte.

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Veröffentlicht am 04.09.2025

Happy Life im Lesesessel – warum dieses Buch mich beerdigt und auferstehen lässt

Das glückliche Leben
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Mitten in Seoul in einer Fake-Beerdigung liegen, die Augen zu, der Sargdeckel geschlossen – und zack, plötzlich kapiert man, dass man sein Leben komplett gegen die Wand gefahren hat. Genau da packt mich ...

Mitten in Seoul in einer Fake-Beerdigung liegen, die Augen zu, der Sargdeckel geschlossen – und zack, plötzlich kapiert man, dass man sein Leben komplett gegen die Wand gefahren hat. Genau da packt mich David Foenkinos mit Das glückliche Leben. Dieses Buch ist so herrlich verrückt, dass man beim Lesen fast selbst Lust bekommt, die eigenen Beerdigungsklamotten aus dem Schrank zu ziehen – nur um danach wie Phönix aus der Asche aufzusteigen.

Éric ist ein Typ, der alles hat: Job, Stress, Müdigkeit, kaputtes Familienleben. Dann stolpert er in Seoul in ein Ritual, das einem zeigt, wie wenig Zeit man eigentlich hat, um das Wichtige zu leben. Und genau das hat mich erwischt. Zwischen den Zeilen flimmert so viel Leichtigkeit, Charme und auch Humor, dass man immer wieder grinst, obwohl es eigentlich um ein ziemlich ernstes Thema geht: den Mut zum Neuanfang.

Foenkinos schafft es, dass man sich nicht belehrt fühlt, sondern eingeladen. Da schwingt keine nervige Esoterik mit, sondern eine freundliche Ohrfeige, die sagt: „Mach schon! Trau dich!“ Ich habe beim Lesen permanent genickt, manchmal gelacht, manchmal geschluckt – und am Ende gedacht: verdammt, vielleicht sollte ich auch mal meine Routinen beerdigen.

Die Liebesgeschichte mit Amélie? Zucker, ohne Kitsch. Die Szenen mit seinem Sohn? Echtes Herzklopfen. Und dass das Ganze in Paris und mit einer Prise koreanischer Weisheit serviert wird, macht es noch runder. Für mich ein Buch, das gleichzeitig unterhält, inspiriert und anfeuert, sich nicht mit dem Mittelmaß abzufinden.

Kurz gesagt: Wer nach dem Lesen nicht wenigstens einen kleinen inneren Neustart hinlegt, hat wohl heimlich geschlafen. Ich feiere dieses Buch – und bin froh, dass man sich dafür nicht wirklich in einen Sarg legen muss.

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Veröffentlicht am 04.09.2025

Universum, halt dich fest – jetzt wird’s geil!

Her mit dem geilen Leben
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Manchmal denkt man ja, man hat das Leben halbwegs im Griff – und dann knallt einem das Universum eine vor den Latz. Genau da setzt Claudia Engel an. Sie macht einem klar: Mittelmaß ist kein Schicksal, ...

Manchmal denkt man ja, man hat das Leben halbwegs im Griff – und dann knallt einem das Universum eine vor den Latz. Genau da setzt Claudia Engel an. Sie macht einem klar: Mittelmaß ist kein Schicksal, sondern eine Entscheidung. Und mal ehrlich – wer will sich schon mit „ganz okay“ zufriedengeben, wenn es auch geil geht?

Das Buch liest sich, als würde dir eine gute Freundin den Kopf waschen – charmant, frech, aber mit so viel Herz, dass du dich erwischt fühlst, während du gleichzeitig grinst. Da gibt’s keine langweilige Theorie, sondern direkt in die Fresse: Liebe, Job, Geld, Sinn und Gesundheit – die großen Baustellen, die man gerne mal ignoriert, weil Netflix einfacher ist. Claudia packt sie an, so dass man sich erwischt denkt: verdammt, da hat sie recht.

Am besten gefällt mir, dass es nicht ums „perfekte Instagram-Leben“ geht. Sondern darum, den Weg selbst zu feiern – auch wenn er mal schmutzig, chaotisch oder zum Haare raufen ist. Ihre Art zu schreiben ist wie ein Espresso-Shot für die Seele: kurz, stark, und danach bist du hellwach.

Ich habe beim Lesen mehrmals laut gelacht, dann wieder ernst genickt und mir heimlich kleine Notizen gemacht, was ich ändern will. Und genau das ist doch der Punkt: dieses Buch motiviert nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit einer Mischung aus Humor und klarer Ansage. Am Ende bleibt dieses Gefühl: Ja, verdammt, ich darf wirklich ein geiles Leben haben. Und das Beste daran – ich hab jetzt richtig Bock, dafür loszugehen.

Fazit: Pflichtlektüre für alle, die keinen Bock mehr auf Mittelmaß haben und lieber mit einem Augenzwinkern durchs Leben marschieren. Danke, Claudia, für die Ohrfeige im Geschenkpapier.

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