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Veröffentlicht am 05.07.2020

Der steinige Weg von Frauen zur Bildung...

Unter den Linden 6
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„Unter den Linden 6“ von Ann-Sophie Kaiser beschreibt die unterschiedlichen Wege dreier Frauen in der Zeit von 1907 – 1915. Anni, Hedwig (beide fiktiv) und Lise (gemeint ist Lise Meitner, eine österreichische ...

„Unter den Linden 6“ von Ann-Sophie Kaiser beschreibt die unterschiedlichen Wege dreier Frauen in der Zeit von 1907 – 1915. Anni, Hedwig (beide fiktiv) und Lise (gemeint ist Lise Meitner, eine österreichische Kernphysikerin, deren Weg hier sehr gut nachempfunden werden kann) treffen sich durch Zufall und es beginnt eine Freundschaft.
Gemeinsam ist ihr Wunsch auf / nach Bildung, während ihre Herkunft kaum unterschiedlicher sein könnte: Lise hat bereits in Wien in Physik promoviert und möchte gern in Berlin bei Max Planck weiterforschen. Hedwig kommt aus einem gutbürgerlichen Haushalt, hat zwar das Abitur, aber Vater und Ehemann lehnen ein Frauenstudium kategorisch ab. Hedwig will einen Sanatoriumsaufenthalt ihres Mannes nutzen und fälscht seine Unterschrift unter die „Erlaubnis“ zum Studieren. Jedoch scheitern beide vorerst an den Gepflogenheiten des universitären Betriebes: „Bei uns in Preußen läuft es so: Sie sind eine Frau und Frauen können an dieser Universität nicht immatrikulieren. Wir sind eine Traditionsuniversität!“ (S.36) Höchstens als Gasthörerinnen sind sie zugelassen – wenn es der Professor erlaubt, deshalb muss dieser Status auch mühsam erkämpft werden… Anni arbeitet als Dienstmädchen und hat sich bisher heimlich durch die Bücherregale ihres Arbeitgebers „gearbeitet“. Sie muss eine neue Stelle in Berlin antreten und hofft, dass ihr neuer „Herr“ auch wieder eine gut ausgestattete Bibliothek besitzt…
Ich habe diese drei Frauen auf ihren Wegen begleitet, habe bei Lise viel über Radioaktivität erfahren (und auch so, dass sogar ich als Physikmuffel einiges verstanden habe!), bei Hedwig einige interessante Neuigkeiten über den Kampf der Frauen auf Bildung, die Frauenbewegung in ihren Gründerjahren (politische Versammlungen waren für Frauen absolut verboten!). Anni war mir besonders sympathisch, da sie den weitesten und beschwerlichsten Weg zur Bildung zu gehen hatte, aber sie verfolgt ihn konsequent und meistert die Hürden.
Der Roman hat mich nachdenklich zurückgelassen: ich habe so selbstverständlich studiert, ohne jemals darüber nachzudenken, dass diese Möglichkeit ein langer und mühsamer Kampf voraus gegangen war, bei dem meine „Vorgängerinnen“ vielen Anfeindungen ausgesetzt waren (hier noch einmal zur Erinnerung: das Frauenwahlrecht wurde erst 1919 erlaubt!). Die Autorin merkt in ihrem Nachwort an: „Allerdings liegt der Frauenanteil unter deutschen Professoren und Professorinnen auch heute – hundert Jahre später – noch bei nicht einmal einem Drittel.“ (S.452)
Der Schreibstil war ausgesprochen flüssig, die Kapiteleinteilung mit der Zuordnung der jeweiligen Protagonistin sehr hilfreich, der Zeit- und Lokalkolorit wunderbar eingefangen (bei einigen Szenen war ich regelrecht „dabei“), aber einige kleine Einschränkungen muss ich leider machen: meiner Meinung nach hätte der Mittelteil etwas gekürzt werden können, so war es teilweise etwas langatmig, zum Schluss nahm die Handlung wieder an Fahrt auf. Für zwei weitere Punkte ist die Autorin nicht unmittelbar verantwortlich: das Cover (das von der Idee her gut zum Buch passt) wirkt verrutscht, die oberste Frauenfigur scheint fast geköpft zu sein, während am unteren Bildrand noch viel freier Platz ist. Und schöne Grüße an das Lektorat: auf S. 268 steht statt „mich dünkt“ (‚dünken‘ veraltet für ‚scheinen‘ – passt perfekt an dieser Stelle) „mich düngt“ – da war ich doch etwas irritiert, auch andere kleine Fehler hatten sich eingeschlichen…
Aber insgesamt hat mir das Buch gut gefallen, ich hatte den Eindruck, dass Frau Kaiser sehr ausführlich und methodisch recherchiert hat und uns dadurch ein lebhaftes Bild der damaligen Zeit zeichnen konnte. Und ich habe wieder eine Menge gelernt… Deshalb: eine klare Weiterempfehlung…

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.06.2020

Wenn Romanfiguren zu Freunden und Beratern werden...

Das Antiquariat der Träume
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Ich schreibe selten etwas über Cover, aber hier muss ich es einfach machen: das Cover von „Das Antiquariat der Träume“ von Lars Simon hat mich sofort angesprochen und ich finde es bezaubernd und wundervoll, ...

Ich schreibe selten etwas über Cover, aber hier muss ich es einfach machen: das Cover von „Das Antiquariat der Träume“ von Lars Simon hat mich sofort angesprochen und ich finde es bezaubernd und wundervoll, es passt hervorragend zum Titel und zum Buch!
Johan hat einen schweren Schicksalsschlag erlitten: seine große Liebe Lina, die er nur kurz kannte, ist bei einem Schiffsunglück ertrunken. Er bricht mit seinem bisherigen Leben in Stockholm und zieht aufs Land und betreibt dort ein Antiquariat und ein Literaturcafé (bei der Beschreibung der Torten lief mir das Wasser im Mund zusammen – ich wäre am liebsten sofort nach Hedekas gereist, mich ins Café gesetzt und eine Schillertorte gegessen…), er verdient nicht viel, aber er hat sein Auskommen.
Ihn lässt aber der Gedanke an Lina nicht mehr los, besonders als er herausfindet, dass der von ihr angegebene Name nicht stimmt! Aber er sucht weiter… Beraten wird er dabei von seinen „Freunden“, Romanfiguren aus Büchern, die Johan schätzt oder mal geschätzt hat: so unterstützt ihn z.B. Sherlock Holmes mit seinem detektivischen Wissen, allerdings mit der ihm eigenen Arroganz: „Mit solchen Methoden sollten Sie sie bei Scotland Yard bewerben, einem Sammelbecken für Kriminologen mit beschränkter Kompetenz.“ (S. 47) oder der Franziskanermönch William von Baskerville (aus „Der Name der Rose“) hinterfragt seine Suche: „Aber ich frage mich, wenn Ihr sie doch längst tot und in der Obhut des Herrn wisst (…), sagt mir, warum sucht Ihr sie dann noch immer?“ (S.27) Aber seine Freunde sind sich uneins, ob Johan weiterhin nach Lina suchen soll…Sie führen auch direkte Streitgespräche – an einer meiner Lieblingsstellen war ein weißes Kaninchen maßgeblich beteiligt!
Die Dialoge sowohl mit den „Freunden“ als auch die mit „realen“ Personen haben mir gut gefallen, sie zeichneten sich durch Wortwitz, Ironie und Selbstironie aus. Die Charaktere der Romanfiguren waren gut herausgearbeitet, deshalb hat es meinen Lesefluss nicht gestoppt, wenn ich ihre „heimatlichen Bücher“ nicht kannte – ja, eigentlich mehr noch: sie haben mich neugierig gemacht, dass ich sie jetzt vielleicht mal in ihrer „Originalbesetzung“ lesen möchte!
Aber auch die „realen“ Figuren waren authentisch und bildhaft beschrieben – allen voran Agnes, Johans Hilfe im Literaturcafé und die Schöpferin der wunderbaren Torten, aber auch ihren Bruder, den Pastor, konnte ich mir lebhaft vorstellen. Auch eine gewisse Situationskomik kommt nicht zu kurz, z.B. bei dem „Gespräch“ mit Harry Haller (aus „Der Steppenwolf“) und der sehr realen Annika im Supermarkt…
Die Geschichte ist in mehreren Zeitebenen geschrieben, aber die Kapitel sind mit Ort und Datumsangabe versehen, so dass wir Leser*innen immer informiert sind, wo und wann wir uns gerade befinden.
Wie Johans Suche nach Lina ausgeht? Das werde ich hier bestimmt nicht verraten: das Ende ist vollkommen überraschend und doch stimmig – aber mich hat es leider ein klitzekleines Bisschen enttäuscht, aber das ist vermutlich Geschmacksache…
„Das Antiquariat der Träume“ ist ein schönes Märchen für literaturbegeisterte Erwachsene, die sicher große Freude an dem Buch haben und von mir gibt es eine Leseempfehlung!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.06.2020

Kann es ein Leben nach Auschwitz geben?

Der Schrecken verliert sich vor Ort
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„Der Schrecken verliert sich vor Ort“ von Monika Held gehört auf jeden Fall zu meinen Lese-Highlights 2020 und hat ausgesprochen gute Chancen, in meine persönliche ewige „beste-Bücher-Liste“ aufgenommen ...

„Der Schrecken verliert sich vor Ort“ von Monika Held gehört auf jeden Fall zu meinen Lese-Highlights 2020 und hat ausgesprochen gute Chancen, in meine persönliche ewige „beste-Bücher-Liste“ aufgenommen zu werden!
Nein, es ist absolut kein „leichtes Buch“ und ich glaube, ich habe es auch nur geschafft, weil ich es in einer privaten Leserunde mit vier anderen Menschen gelesen habe, so konnten wir uns gut austauschen und unsere Gefühle offen aussprechen, so unter dem Motto „geteiltes Leid ist halbes Leid“.
Ja, denn bei einigen der Schilderungen von Heiner über seine Auschwitz-Zeit müssen wir heftig mitleiden – ich dachte, ich würde jetzt bald alle Gräuel-Taten, die die Nationalsozialisten in Auschwitz und anderen Konzentrationslagern begangen haben, kennen – aber weit gefehlt: der grausamen menschlichen Phantasie sind in den KZs anscheinend keine Grenzen gesetzt worden!
Heiner, ein junger Kommunist aus Wien, wird im September 1942 nach Auschwitz deportiert, aus seinem Transport von 1860 Menschen haben nur vier überlebt... Hinzu kommt, dass Heiner sein eigenes Todesurteil in der Tasche trägt: auf seinem Schutzhaftbefehl steht R.U., dass dies Kürzel „Rückkehr unerwünscht“ bedeutet, erfährt Heiner erst später,,, Aber Heiner überlebt Auschwitz, weil er Zeuge sein wollte, dieses Ziel ganz fest vor Augen rettet gewissermaßen sein Leben. Er wird auch in einem wichtigen Auschwitz-Prozess als Zeuge geladen, aber nach dem Urteil bleibt eine Leere: „Er hatte das Lager überlebt – wo war der Sinn? Die Täter waren verurteilt, saßen ihre Strafen ab ohne Reue, ohne Einsicht, ohne Schock über das, was sie getan hatten.“ (S.83)
Bei diesem Prozess lernt er die die junge Deutsche Lena kennen. Lena und Heiner verlieben sich, heiraten. Aber im gemeinsamen Leben zeigen sich immer wieder Stolperfallen, Worte, Gerüche, Erinnerungen. Lena drückt es so aus: „Er besteht aus einem Leitmotiv mit endlosen Varianten. (…) Er sieht einen Backsteinschornstein und sagt: Schau, Lena, Birkenau (…) Weißt Du, wie oft das Wort Rampe im Alltag vorkommt? Die Post hat eine Rampe, die Bahn hat eine Rampe, jedes Warenhaus hat eine Rampe und Heiner denkt nur an die eine. Du kaufst dir einen schönen Mantel und was sagt er: Schau, Lena, der Markenname ist Selection. Nichts ist ohne doppelten Boden und an jeder Ecke warten Erinnerungen.“ (S.93)
Aber Lena und Heiner arbeiten an ihrer Liebe und schaffen es, sie sich zu erhalten, wir erleben die Silberhochzeit mit. Wichtiger noch, sie schaffen es - zumindest ansatzweise - Ruhe für den stark traumatisierten Heiner zu finden (wobei ich – ehrlich gesagt – den Eindruck hatte, dass Lena den schwierigeren Teil hatte... Aber: darf ich das überhaupt denken?). Das Buch ist auch eine wunderschöne Liebesgeschichte, ohne auch nur andeutungsweise jemals kitschig zu werden. Es ist das Ringen zweier Menschen mit vollkommen unterschiedlichen Erinnerungen für ein gemeinsames Leben.
Ein weiterer Aspekt hat mich in dem Buch auch beschäftigt: anhand einer Reise nach Polen in den frühen 80-er Jahren lässt die Autorin die damalige Situation bildhaft aufleben: der Streik von über 700.000 Menschen, Solidarnosc, Kriegsrecht, Karol Wojtyla besucht als Papst Johannes Paul II seine Heimat, der Widerstand, die Aufbruchsstimmung – durch die Augen von Lena und Heiner sind wir dabei – der Mut der Polen hat mich beeindruckt!
Dieses Buch hat eine Vielzahl von Emotionen bei mir ausgelöst: Angst, Erschrecken, Trauer, Wut, Mitleid, Rührung, Verständnis und Unverständnis– ich habe geweint, aber an einigen Stellen auch geschmunzelt. Mit wenigen Worten konnte Frau Held so vieles ausdrücken!
Wie eingangs gesagt: für mich persönlich ein ganz wichtiges Buch, ein „Buch gegen das Vergessen“, ein Buch, dass ich ganz dringend weiterempfehlen muss!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.06.2020

Mehr als ein Regional-Krimi...

Gnadensee
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Eine gute Freundin hatte mir die Krimis von Ingrid Zellner sehr empfohlen, ihr hatte besonders der indischstämmige Kriminalkommissar Surendra Sinha gefallen... Wenn ich eine Reihe starte, bemühe ich mich ...

Eine gute Freundin hatte mir die Krimis von Ingrid Zellner sehr empfohlen, ihr hatte besonders der indischstämmige Kriminalkommissar Surendra Sinha gefallen... Wenn ich eine Reihe starte, bemühe ich mich immer, mit dem ersten Band zu beginnen, so dass man gut die Entwicklung der Hauptprotagonisten beobachten kann. Hier hatte ich jedoch nicht beachtet, dass „Gnadensee“ noch nicht zur „Surendra-Sinha-Reihe“ gehört – aber zum Glück (!) hat er schon zwei kleine „Auftritte“, er hat sich also schon mal vorgestellt...
Wie Kommissar Sinha richtig feststellt, ist es eine sehr ungewohnte Situation, „dass wir drei verschiedene Fälle reinbekommen, ist zwar nichts Neues; aber, dass jemand in allen drei Fällen auf einmal verwickelt und trotzdem eindeutig unverdächtig ist, passiert eher selten.“ (S. 139 E-book)
Und genau das passiert Lona: sie ist in allen drei Fällen involviert, kein Wunder, dass sie glaubt, sie ziehe zur Zeit das Unglück an! Aber nein, ich werde jetzt nicht ins Detail gehen und diese Fälle aufzählen...
Lona Mende ist eine sympathische junge Frau, die gemeinsam mit ihrem Freund ihren 24. Geburtstag feiern möchte, zum verabredeten Zeitpunkt kommt er jedoch nicht... Lona lebt auf der Insel Reichenau im Bodensee (gegoogelt: Welterbe-Insel, durch einen Damm mit dem Festland verbunden) im Landkreis Konstanz. Eine Freundin von ihr lebt in Meersburg, so dass der Bodensee in seiner ganzen landschaftlichen Schönheit immer präsent ist. In dieser Umgebung finden auch die Verbrechen statt – also ist sehr viel Lokalkolorit vorhanden, ich habe die Beschreibungen genossen!
Aber Lona fliegt für eine „Auszeit“ nach Island. Auch hier besticht die Autorin mit wunderbaren Landschaftsbeschreibungen, die neue Sehnsuchtsorte entdecken lassen und sofort zum Kofferpacken einladen!
Und dann gibt es noch einen kleinen Exkurs in die hinduistische Mythologie: Herr Sinha (wir sind noch per Sie!) berichtet Lona bei einem zufälligen Treffen vom Hindugott Ganesha, wie er zu seinem Elefantenkopf gekommen ist und warum eine Ratte sein Reittier geworden ist...
Aber zurück zum Krimi: er ist spannend, fesselnd, aufregend, mitreißend – ich habe mit Lona mitgelitten... Wobei ich an einer Stelle mal wieder den Kopf geschüttelt habe: warum müssen Frauen abends unbedingt allein in unbewohnten Gegenden spazieren gehen? Aber das ist zugegebener weise nur ein kleiner Einwand... Auch rätselt man länger über den geheimnisvollen Satz: „Die Sonne schmeckt am besten rückwärts.“ (S. 73, E-book), dessen Lösung aber nach einigen Irrungen und Wirrungen klar wird!
Der Spannungsbogen wird stets hochgehalten (gewissermaßen auf mehreren Ebenen), das Ende zwar überraschend, aber nachvollziehbar, es blieben keine Fragen offen – deshalb von mir eine klare Leseempfehlung (und ich werde als nächstes Buch von Ingrid Zellner natürlich die „Adlerschanze“ lesen!)

  • Cover
  • Erzählstil
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Veröffentlicht am 11.06.2020

Soll in Deutschland ein Terroranschlag stattfinden?

Tödliche Energie
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„‘Die Freundin eines Personenschützers jagt ihren untreuen Geliebten auf ein Gerüst und der Arme stürzt in den Tod...“ (S.178) Das ist die offizielle Version für die Presse, denn Nachrichtendienste hassen ...

‘Die Freundin eines Personenschützers jagt ihren untreuen Geliebten auf ein Gerüst und der Arme stürzt in den Tod...“ (S.178) Das ist die offizielle Version für die Presse, denn Nachrichtendienste hassen ja bekannterweise öffentliches Aufsehen wie „der Teufel das Weihwasser“!, Diesmal findet das Ende eines spannenden und aufregenden Falles von Karen C. Mulladon (US Amerikanischer Nachrichtendienst) und ihrem deutschen Kollegen Martin Weilmann in der Öffentlichkeit statt: auf den Türmen des Heidelberger Schlosses – vor den Augen eines ausländischen Staatsgastes, dem Heidelberger Bürgermeister und diversen Honoratioren! Da muss doch so eine kleine Falschinformation erlaubt sein?
Denn natürlich ist alles vollkommen anders...
Da dies schon mein 5. Buch dieser Reihe ist (das 4. in der Chronologie) erscheinen mir Karen und Martin und ihre Kollegen schon fast wie alte Freunde... Aber ich kann jedem versichern: ich habe die Bücher auch nicht in Reihenfolge gelesen, man kann jederzeit einsteigen, die Fälle sind in sich abgeschlossen.
In diesem Band geht u.a. um den organisatorisch perfekt vorbereiteten Raub von technisch aufbereiteten Energiespeichern in Erfurt, aber fast gleichzeitig wird Flüssigsprengstoff aus einer Deponie in Tschechien gestohlen - auch hier werden keine verwertbaren Spuren hinterlassen. Beides bleibt vorerst verschwunden und es ist unklar, ob und inwieweit diese beiden Taten zusammenhängen, so dass der amerikanische Nachrichtendienst „kalte Füße“ bekommt und Karen zur Klärung nach Europa schickt. Sie freut sich über diesen Auftrag, hat sie doch dadurch die Möglichkeit, ihren Kollegen Martin zu treffen! Beide erkennen erst langsam die Zusammenhänge und meistern einige wirklich sehr brenzliche Situationen bis es zum erwähnten Show-down auf den Zinnen des Heidelberger Schlosses kommt.
Ich habe mich wieder einmal um Karen gesorgt, mit ihr gezittert, mitgefiebert und natürlich gehofft, dass sie die geplanten Anschläge verhindern kann!
Der Schreibstil des Autors ist wie gewohnt flüssig und sehr angenehm zu lesen, der Spannungsbogen wird stets hochgehalten. Die Kombination zwischen Wissenschaft und nachrichtendienstlichen Tätigkeiten erscheint m.E. perfekt (wobei ich mich – ehrlich gesagt – in der Welt von Nachrichtendiensten nicht besonders gut auskenne!) und sehr einleuchtend.
Mir gefallen die Wissenschaftsthriller von Erich H. Franke sehr, er schafft es tatsächlich, einem technisch ziemlich minderbegabten (und deshalb eigentlich uninteressierten) Menschen wie mir wissenschaftliche Zusammenhänge so gut zu erklären, dass ich sie verstehe und dann auch tatsächlich spannend finde! Und was auch ganz wichtig ist: ich bin am Ende mit der gefundenen Lösung hochzufrieden: sie ist logisch und nachvollziehbar, alle losen Enden sind fein säuberlich verknüpft!
Dieses Buch hat mir anregende, spannende und interessante Lesemomente geschenkt, so dass ich es mit wirklich gutem Gewissen weiterempfehlen kann

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