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Veröffentlicht am 24.03.2019

Zu viele Längen

Murder Swing
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Inhalt

London, heute: Er ist ein Plattensammler, ein Spezialist für äußerst seltene LPs, die er kauft und verkauft. Die Jobbeschreibung auf seiner Visitenkarte lautet: ›Vinyl-Detektiv‹. Und manche Leute ...

Inhalt

London, heute: Er ist ein Plattensammler, ein Spezialist für äußerst seltene LPs, die er kauft und verkauft. Die Jobbeschreibung auf seiner Visitenkarte lautet: ›Vinyl-Detektiv‹. Und manche Leute nehmen das ganz wörtlich – so wie die geheimnisvolle Nevada Warren, die ihn für eine Unsumme anheuert, um für einen anonymen Auftraggeber eine Platte zu finden, die zu der schmalen Produktion eines winzigen kalifornischen Jazz-Labels gehört, das in den 1950ern nur ein Jahr existierte.
Bald häufen sich seltsame Todesfällen, die allesamt mit dieser Platte zu tun haben könnten. Aber was könnte auf ihr zu hören sein, was sie so ungemein wertvoll macht? Und was hat einer der mächtigsten Konzerne der weltweiten Unterhaltungsindustrie damit zu tun?

Meine Meinung

Bei „Murder Swing“ ist der Protagonist ein namenloser Jazz – und Vinyl Liebhaber, der auf der Suche nach einer ganz bestimmten Aufnahme ist. Unterstützt wird er dabei von einer Dame, die ihm sein Auftraggeber zur Seite gestellt hat und irgendwie, indirekt, auch einem Freund von ihm.
Am meisten fetzen aber ohnehin seine Katzen; die haben für mich eindeutig die Show gestohlen.

Die ganze Suche nach dieser einer bestimmten Schallplatte war dann ziemlich in die Länge gezogen. Zudem gab es auch ziemlich viel Input was, ein Laie wie mich, einfach nur vollkommen überfordert hat. Die Leidenschaft des Protagonisten bezüglich Jazz und Vinyl zieht sich dann auch durch die komplette Geschichte und macht es hin und wieder schwer dem Handlungsverlauf zu folgen. Ich musste immer wieder kurz innehalten und kurz überlegen über wen die jetzt schon wieder reden und ob die Person etwas mit der Handlung zu tun hat, oder ob es einfach nur eine Erwähnung war. Dieses ganze Prozedere hat meinen Lesefluss hin und wieder stark eingedämmt.

Der gesamte Mittelteil hatte extreme Längen. Die ganze Suche nach dieser einen ganz besonderen Aufnahme hat extrem viel Zeit in Anspruch genommen, die auch ziemlich detailliert festgehalten wurde. Über diese Länge hinweg tragen zwar stellenweise der Schreibstil und die relativ amüsanten Charaktere und deren Interaktionen untereinander. Doch auch diese Pluspunkte können nicht alles ausgleichen.

Auch, dass der Protagonist von zwei Auftragskillern oder was die sein sollten, verfolgt wird und die ihm ständig in die Quere kommen, haben den Spannungsbogen nicht zwangsläufig gehoben. Dieser Aspekt der Geschichte wurde so selten aufgegriffen, dass das stellenweise schon an den Haaren herbeigezogen wirkte. Das einzige, was ich richtig gefeiert habe war, dass die Hauptcharaktere die Auftragskiller die "arischen Zwillinge" genannt haben.

Hat man diesen Mittelteil, dann hinter sich gebracht gibt es im Spannungsbogen wieder eine Steigerung. Allerdings wird der Höhepunkt der „A-Seite“ relativ schnell und für die Ereignisse und allem was dem vorausging, auch emotionslos abgehandelt.

Die „B-Seite“ ist etwas kürzer, konnte mich jedoch auch mehr überzeugen. Im Grunde haben wir hier wieder eine Suche, jedoch ist sie hier gekürzt, was auch dem vorangegangenem Teil des Buches gut getan hätte. Von der Thematik fand ich es spannender herauszufinden, was bei der Aufnahme passiert ist, als diese ganze Prozedur das Ding erstmal aufzutreiben.

Das klingt jetzt so, als hätte ich „Murder Swing“ schlecht gefunden. Dem ist nicht so. Ich mochte es, allerdings nicht übermäßig. Die Längen in der Geschichte und die Unendlichkeit der Namen und Labels und Fachbegriffe haben dazu geführt, dass ich extrem lange gebraucht habe um in die Geschichte reinzukommen. Nur der humoristisch angehauchte Schreibstil hat mich dazu gebracht das Buch weiterzulesen. Im Allgemeinen finde ich, dass „Murder Swing“ nicht unbedingt ein Thriller ist, sondern etwas von einer in die Länge gezogenen Detektivgeschichte hat.

Fazit

Im Großen und Ganzen fand ich das Buch in Ordnung. Es hatte nichts, was mich dazu gebracht hat, es öfter als auf dem Arbeitsweg in die Hand zu nehmen, allerdings fand ich es auch nicht schlecht. Dafür haben die sympathischen und authentischen Charaktere und der Schreibstil gesorgt. Zum Ende hin war es dann auch einen Hauch spannender.

3/5 Sternen

Veröffentlicht am 21.02.2019

gute Geschichte

Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen.
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Inhalt

Leni ist ein normales und glückliches Mädchen voller Träume. Bis ein Moment alles verändert und etwas in ihr aus dem Gleichgewicht gerät. Es beginnt mit zu vielen Gedanken und wächst zu Übelkeit, ...

Inhalt

Leni ist ein normales und glückliches Mädchen voller Träume. Bis ein Moment alles verändert und etwas in ihr aus dem Gleichgewicht gerät. Es beginnt mit zu vielen Gedanken und wächst zu Übelkeit, Panikattacken, Angst vor der Angst. All das ist plötzlich da und führt zu einer Diagnose, die Leni zu zerbrechen droht. Sie weiß, sie muss Hilfe annehmen, aber sie verliert Tag um Tag mehr Hoffnung. Nichts scheint zu funktionieren, keine Therapie, keine Medikation. Bis sie Matti trifft, der ein ganz anderes Päckchen zu tragen hat, und ihn auf eine Reise begleitet, die sie nie antreten wollte ...

Meine Meinung

Im Dezember 2012 hatte ich meine erste Panikattacke. Leider, blieb es nicht bei einer – es entwickelte sich eine komplette Panikstörung aus der ganzen Sache. Aufgrund der Isolation kamen Depressionen hinzu. Ein Klinikaufenthalt, zwei Therapien, eine Selbsthilfegruppe und über sechs Jahre später komme ich damit einigermaßen zurecht. Auch wenn es für mich immer noch nicht ganz leicht ist, ein Buch zu diesem Thema zu lesen. Es gibt nun mal Menschen, die es triggert Bücher über ihre eigenen Krankheiten zu lesen, vor allem wenn man sich dann selbst ziemlich gut repräsentiert in der Protagonistin wiederfindet.

In „Alles. Nichts. Und alles dazwischen.“ wird der Teufelskreis aus Gedanken und Empfindungen, den man bei einer solchen Krankheit ständig durchlebt sehr gut dargestellt. Das ständige Hin und Her aus völliger Taubheit, Schuldgefühlen und Ratlosigkeit.
Die Handlung konzentriert sich enorm auf Protagonistin Leni, sodass man wirklich jegliche Gefühlsregung nachvollziehen kann. Sicher, gab es im Laufe der Geschichte ein, zwei Punkte, die vielleicht nicht zu 100% realistisch dargestellt waren, doch dienen sie dem Handlungsverlauf.

Die Geschichte schreitet langsam voran, was dazu führen könnte, wenn man sich mit der Materie vielleicht nicht auskennt oder einfach kein Interesse daran hat (Was vollkommen in Ordnung ist!) dass man das Buch dann vielleicht sogar als langweilig empfinden könnte. Es dauert seine Zeit, bis die Krankheit der Protagonistin sich entfaltet hat und sie erkennt, dass es eine Krankheit ist und dementsprechend behandelt werden muss.

Lernt Leni, dann Matti kennen zieht die Autorin auch das Erzähltempo an. Die Beiden im Zusammenspiel haben mir sehr gut gefallen. Anfangs haben sie zwar ihre Probleme, raufen sich jedoch zusammen und funktionieren dann auch gut im Doppelpack.
Mattis Krankheit fand ich hochinteressant, leider wurde darauf nicht annähernd so detailliert eingegangen, wie Potenzial vorhanden war.

Zum Ende hätte ich mir gewünscht, dass vielleicht etwas mehr auf die Heilung an sich eingegangen worden wäre. Was genau man machen kann, damit es besser wird. Wie sowas aussieht. Wie Leni mit Rückschlägen und Erkenntnissen umgeht. Ava Reed hat sich jedoch dafür entschieden, sich mehr auf die Krankheit und deren Entwicklung zu konzentrieren, anstatt auf die konstante Heilung.

Fazit

Alles in Allem hat mir „Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen.“ gut gefallen. Als Betroffene, war es nicht immer leicht für mich zu lesen. Der permanente Teufelskreis aus den unterschiedlichsten negativen Empfindungen wurde gut dargestellt und auch die Protagonisten funktionieren gut zusammen. Ava Reeds angenehmer Schreibstil trägt über einige Schwächen hinweg.

Veröffentlicht am 03.02.2019

Luft nach oben

Lockwood & Co. - Die Seufzende Wendeltreppe
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Inhalt

LONDON, ENGLAND: In den Straßen geht des Nachts das Grauen um. Unerklärliche Todesfälle ereignen sich, Menschen verschwinden und um die Ecken wabern Schatten, die sich nur zu oft in tödliche von ...

Inhalt

LONDON, ENGLAND: In den Straßen geht des Nachts das Grauen um. Unerklärliche Todesfälle ereignen sich, Menschen verschwinden und um die Ecken wabern Schatten, die sich nur zu oft in tödliche von Geisterwesen ausgesandte Plasmanebel verwandeln. Denn seit Jahrzehnten wird Großbritannien von einer wahren Epidemie an Geistererscheinungen heimgesucht. Überall im Land haben sich Agenturen gebildet, die in den heimgesuchten Häusern Austreibungen vornehmen. Hochgefährliche Unternehmungen bei denen sie, obwohl mit Bannkreisketten, Degen und Leuchtbomben ausgerüstet, nicht selten ihr Leben riskieren.

So auch die drei Agenten von LOCKWOOD & CO. Dem jungen Team um den charismatischen Anthony Lockwood ist allerdings bei einem Einsatz ein fatales Missgeschick passiert. Um die Klage abwenden und den Schadenersatz dafür aufbringen zu können, müssen die drei Agenten von LOCKWOOD & CO. einen hochgefährlichen und zutiefst dubiosen Auftrag annehmen. Dieser führt sie in eines der verrufensten Herrenhäuser des Landes und stellt sie auf eine Probe, bei der es um nichts weniger als Leben oder Tod geht …

Meine Meinung

„Lockwood & Co.1: die seufzende Wendeltreppe“ lag ewig lange auf meinem SuB, bevor ich es endlich in die Hand nahm und dann, überraschenderweise, sehr schnell las.

Das Grundkonzept dieser Geschichte hat mir von Anfang an gefallen: die Welt, ganz besonders die Stadt London, wird von Geistern, die in Jonathan Strouds Werk „Besucher“ genannt werden, heimgesucht. Durch dieses Problem (wie es auch in der Geschichte genannt wird) haben die Menschen Agenturen gebildet, die die Besucher verjagen und in Schach halten sollen. Da nur Kinder und Jugendliche diese Besucher sehen können, ist die Stadt also bevölkert von arbeitenden Kiddies.

Die gesamte Handlungsgrundlage der „Geisterjäger“ hat mir also schonmal gefallen, ebenso das was der Autor aus dieser Idee gemacht hat. Er nimmt sich Zeit das ganze Drumherum zu erklären und zu beschreiben; Wichtiges wird auch erst erklärt, wenn es für die Handlung relevant ist. Der Leser wird also nicht gleich am Anfang von tausend Eindrücken erschlagen und kommt mit dem Sortieren gar nicht hinterher. Dennoch verfällt Jonathan Stroud manchmal in ausschweifende Erklärungen und/oder Beschreibungen, was den Lesefluss hin und wieder stört und einfach zu viel des Guten ist.

Meine Befürchtung, dass ich von den Protagonisten genervt sein könnte, ist glücklicherweise nicht eingetreten. Ich hab's ja jetzt nicht so mit Jugendlichen. Und meine Befürchtung, dass sie innerhalb ihres Berufes, unnötige, irrationale und einfach falsche Entscheidungen treffen oder, als allwissende Mini-Genies dargestellt werden, ist glücklicherweise nicht eingetroffen. Der Autor scheint sehr viel wert darauf gelegt zu haben die Charaktere zu erschaffen. Sicher, sie haben durch ihre Aufgabe eine gewisse Reife, bleiben jedoch in vielen Lebenslagen ihrem Alter treu. Im Großen und Ganzen sind die drei Protagonisten gut ausgearbeitet, treffen rationale Entscheidungen, wirken aber nicht übertrieben. Die Dynamik zwischen diesen Charakteren trägt die Geschichte weitestgehend auch über eventuelle Längen hinweg und sorgt für den nötigen Humor.

Die erste Hälfte von „Lockwood & Co.1: die seufzende Wendeltreppe“ bewegt sich irgendwie in dem Genre der Detektivgeschichte. Was auch hervorragend funktioniert. Hat man sich in der Welt zurechtgefunden, funktioniert diese Mischung aus Geisterabenteuer und Detektiv überraschend gut. Der Autor sorgt dafür, dass der Fall um den es geht, eine entsprechende Hintergrundgeschichte erhält, die durchaus interessant ist und auch seinen Platz in den Erzählungen findet.

In der zweiten Hälfte geht dieser Aspekt der Detektivgeschichte etwas unter und die Action beziehungsweise das Abenteuer rückt mehr in der Vordergrund. Was auch funktioniert, jedoch nicht ganz so gut wie die erste Hälfte. In der Hinsicht ist eindeutig Luft nach oben vorhaben. Und vor allem … liebe Autoren der ganzen Welt … wieso? Wieso ist es nötig, dass der Antagonist lang und breit seine Motive erklärt? Der Leser ist im Durchschnitt nicht komplett bescheuert und kann sich, hat er das Buch aufmerksam gelesen, durchaus, das ein oder andere zusammenreimen bzw. Ist ein teil des Spaßes ja, dass man vielleicht dinge interpretiert und vermutet, und niemals rausfinden wird, ob das alles genau so stimmt. Das regt mich tierisch auf und leider lässt auch Jonathan Stroud seinen Antagonisten erstmal ein Kaffeekränzchen abhalten.

Fazit

Im Großen und Ganzen hat „Lockwood & Co.1: die seufzende Wendeltreppe“ mich mit der Mischung aus Detektiv – und Geistergeschichte und dem Humor überzeugt. Es ist noch Luft nach oben und so ganz lässt sich nicht erkennen, wo der rote Faden für die gesamte Buchreihe sein soll, aber man hat Lust auf den zweiten Teil. Und genau das hab ich auch sofort gemacht!

4/5 Sternen

Veröffentlicht am 28.01.2019

Potenzial nicht ganz ausgeschöpft

Monsters of Verity - Dieses wilde, wilde Lied
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Inhalt

In der geteilten Metropole Verity City herrscht ein erbitterter Kampf ums Überleben. Denn jede neue Gewalttat der Menschen bringt leibhaftige Monster hervor, welche nachts den Bewohnern der Stadt ...

Inhalt

In der geteilten Metropole Verity City herrscht ein erbitterter Kampf ums Überleben. Denn jede neue Gewalttat der Menschen bringt leibhaftige Monster hervor, welche nachts den Bewohnern der Stadt auflauern ...
In dieser düsteren Welt treffen die Kinder der beiden verfeindeten Herrscher aufeinander: Kate, die den Drang hat, sich endlich gegenüber ihrem Vater zu beweisen. Und August, der jeden Tag damit ringt, seine wahre Identität zu verbergen – denn August ist ein Sunai, eine extrem seltene und sehr gefährliche Art von Monster. Als Kate eines Tages in einen Hinterhalt gerät, müssen die beiden gemeinsam fliehen. Doch wem kannst du noch trauen, wenn die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwinden?

Meine Meinung

Ich habe „Monsters of Verity“ auf Empfehlung gelesen und bereue es definitiv nicht. Das ausführliche Worldbuilding sorgt für einen etwas zähen Anfang, mit ihrem Schreibstil weiß Victoria Schwab allerdings über diese ersten Kapitel hinwegzuhelfen. Obwohl der Einstieg mir etwas schwerer fiel, möchte ich keineswegs das Wort langweilig in den Mund nehmen. Es dauert seine Zeit, bis der Leser die ganzen Eindrücke verarbeitet hat und sich in der Welt, die die Autorin hier geschaffen hat, zurecht findet.

Ein weiterer großer Pluspunkt, der mich schon von Anfang an bei der Stange hielt, war das Grundkonzept der Geschichte. Die grausamen Taten der Menschen entwickeln in dieser Geschichte nach geraumer Zeit ein Eigenleben und verdichten sich zu Schatten, welche sich dann wiederum zu Monstern/Dämonen, wie auch immer man es nennen möchte, entwickeln. Sie werden Corsai, Malchai und Sunai genannt. Letztere gelten als die schlimmsten von allen. Und hier zeigt die Autorin, ob beabsichtigt oder nicht, ganz hervorragend, wie engstirnig die Menschen unter anderem auch sind: was man nicht kennt und eventuell einem anderen moralischen Kompass folgt, ist automatisch böse.

„Monsters of Verity“ wird abwechselnd aus der Sicht von August, einem Sunai, und Kate, einem Menschen, geschildert. Beide Charaktere funktionieren gut innerhalb der Geschichte. August' Sichtweise fand ich jedoch um einiges interessanter. Hier hätte es mir besser gefallen, wenn Victoria Schwab eine klarere Grenze zwischen den Menschen und den Sunai gezogen hätte. August denkt eigentlich wie ein Mensch und handelt auch dementsprechend. Und es mag zwar seinem Charakter entsprechen, da dieser ja menschlich sein möchte, er ist aber kein Mensch. Dieser Aspekt wäre vielleicht noch interessanter gewesen, wenn man einen deutlichen Unterschied im Denk – und Verhaltensmuster entdeckt hätte.

Mit Kate hatte ich anfangs meine Probleme. Sie wirkte mir zu aufgesetzt. Ihre Taten waren anfangs überzogen. Diese unausgereifte Mischung aus Abgestumpftheit und Emotionalität wollte nicht ganz passen und hat mir die Dame in der ersten Hälfte unsympathischer gemacht, als sie eigentlich gezeichnet ist. Erst zum Ende hin kam ich besser mit dem Charakter klar.

Ein klarer Pluspunkt ist jedoch die Dynamik von August und Kate. Im Duo haben die beiden mir außerordentlich gut gefallen. Ich danke der Autorin, dass sie sich hier keine erzwungene Liebesgeschichte aus dem Ärmel gezogen hat, sondern die Beziehung der Protagonisten, als das dargestellt hat, was sie ist und was auch am meisten Sinn macht: eine langsam aufkeimende Freundschaft, die sich jedoch vor allem noch im Bereich der Nutzgemeinschaft bewegt und sich langsam entwickelt.

Hat man die erste, etwas zähe, Hälfte des Buches geschafft, wird man mit einer umso spannenderen zweiten Hälfte belohnt. Die Ereignisse geben sich die Klinke in die Hand und keines davon ist von den Protagonisten aufgrund schierer Dummheit zu verantworten – was leider, viel zu häufig vorkommt. Jedoch konnte mich keine der Enthüllungen oder Plottwists wirklich überraschen. Sie waren die logische Konsequenz der vorangegangen Ereignisse. Zum Glück; es gibt nichts Schlimmeres, als Plottwists die einfach nur darauf ausgelegt sind den Leser zu schocken, egal ob das überhaupt Sinn ergibt oder nicht.

Fazit

„Monsters of Verity“ ist definitiv gute Unterhaltung, mit einem interessanten Grundkonzept und guten Charaktere, die vor allem gemeinsam sehr gut funktionieren. Nach einem zähen Einstieg, der mit Informationen nur so vollgestopft ist, folgt ein spannender zweiter Teil, der Lust auf den zweiten Band macht.

4/5 Sternen

Veröffentlicht am 08.01.2019

Gelungene Mischung

Die Grimm-Chroniken (Band 8): Dornen, Rosen und Federn
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Diese Rezension könnte Spoiler zu allen bereits erschienenen Bänden (Stand: 08.01.19 - 8.Teil) haben. Ich habe versucht eher allgemein zu bleiben, vielleicht kann der eine oder andere aber etwas rauslesen! ...

Diese Rezension könnte Spoiler zu allen bereits erschienenen Bänden (Stand: 08.01.19 - 8.Teil) haben. Ich habe versucht eher allgemein zu bleiben, vielleicht kann der eine oder andere aber etwas rauslesen! Nicht weiterlesen, wenn kein Interesse an Spoilern besteht. Und wenn doch, dann jammer hinterher nicht!

Meine Meinung

„Die Grimm-Chroniken“ sind definitiv mal etwas Anderes, was man nicht schon tausendmal in gleicher Ausführung gelesen hat. Das Zusammenspiel von Märchen und Fantasy funktioniert überraschend gut und steckt voller Potenzial. Hinzu kommt das Maya Shepherd einen sehr angenehmen Schreibstil hat, der die Seiten einfach nur fliegen lässt. Im Großen und Ganzen mag ich die Reihe wirklich gerne und werde auch definitiv am Ball bleiben.

In den bisher erschienenen acht Bänden tummelt sich eine Vielzahl unterschiedlicher Charaktere, die jedoch nicht so ganz facettenreich sein wollen. Im Allgemeinen kann man jeden einzelnen Charakter auf wenige, meist positive, Adjektive herunterbrechen. Durch den nicht vorhandenen Gegensatz können manche Szenen schnell ermüdend werden, da kein zwischenmenschlicher Konflikt herrscht und alle miteinander am selben Strang ziehen, was wiederum das Problem vermissen lässt. Um das sich eine Geschichte nun mal dreht, das hab ich mir nicht ausgedacht, das ist so.

Jedoch hat die Autorin sich sehr überschaubar an die ganzen Charaktere herangetastet und den Leser nicht gleich mit ihnen erschlagen. Man bekommt Zeit mit einem Charakter warmzuwerden, bevor der nächste ins Spiel geworfen wird. Dazu kommen dann die unterschiedlichen Zeitebenen, die alle miteinander verwoben sind. Am Ende des achten Teils ist man schon ein ganzes Stück schlauer und hat auch einige AHA-Momente gehabt, vieles bleibt jedoch noch im Dunkeln. Entgegen meiner Erwartungen wird es nicht langweilig, in den unterschiedlichsten Zeitebenen die Geschichte zu erleben, obwohl man stellenweise schon weiß, worauf der ganze Spaß hinausläuft.

Ein ganz großes Problem habe ich leider mit Protagonistin Mary … das Mädel ist am Anfang so hart naiv und leichtgläubig, dass man sich einfach nur gegen die Stirn schlagen will. Sicher, es macht innerhalb der Geschichte Sinn und hat auch durchaus seine Daseinsberechtigung. Ebenso ergibt diese Insta-Lovestory von Mary und Dorian weitblickend durchaus Sinn und erschafft ja erst das ganze Konfliktpotenzial. Das macht es aber nicht weniger anstrengend über ihre Naivität und Leichtgläubigkeit zu lesen. Wenigstens hat sie zum Ende des achten Teils in dieser Hinsicht schon einige Erkenntnisse gewonnen zum Beispiel, dass sie sich einfach nur in den ersten verliebt hat, der Interesse an ihr gezeigt hat und Kommunikation ohnehin nie die Stärke der Beiden war.

Aber auch sonst bin ich kein Fan von ihr. Bis auf die Zeitebene, in der sie die kaltherzige König ist. Da fand ich die Frau ungemein interessant. Denn sonst ist sie sehr, sehr passiv. Im Grunde tut sie nichts von sich aus; ständig wird sie von anderen geführt oder verschont. Mir fällt keine einzige, bedeutende Handlung ein, die sie selbst in die Wege leitet. Ständig wird ihr der Weg geebnet, sie wird von Wesen verschont, die eigentlich keinerlei Gnade haben. Das wirkt auf Dauer einfach nur konstruiert. Dasselbe passiert fast allen anderen Charakteren; die Antworten fliegen ihnen zu oder Personen, die die Antwort haben, tauchen im exakt richtigen Moment auf.

Ebenso hätte ich mir etwas mehr Grauschattierungen gewünscht; die Charaktere denken alle miteinander sehr stark schwarz oder weiß. Gewisse Dinge, die einige Probleme verhindert hätten, werden sofort abgeschmettert, ohne gründlich darüber nachzudenken, weil es sofort als „böse“ oder „falsch“ klassifiziert wird. So funktioniert das Leben nicht. Und auch, wenn ich mich immer wieder mit dem Gedanken „Märchen, halt“ beruhigt habe, konnte das irgendwann nicht mehr über die Tatsache hinweg sehen, dass einige Entscheidungen der Protagonisten einfach nur unüberlegt und übereilt waren. Wie es in dem Buch selbst heißt, das Böse ist Ansichtssache. Ich habe aber die Hoffnung, dass sich das in den nächsten Bänden legen wird.

Maya Shepherd hat die zwischenmenschlichen Beziehungen, bis auf Schmalz Attacke von Mary und Dorian (wobei ich hier langsam glaube, dass das Absicht ist), wirklich sehr gut ausgearbeitet. Hin und wieder wirken sie etwas überstürzt, aber dennoch schafft die Autorin es sie glaubhaft darzustellen. Sei es nun eine Geschwisterbeziehung, eine Freundschaft oder eine Nutzbeziehung. Ich hoffe, dass in dieser Hinsicht noch etwas mehr kommt.

Alles in Allem kann ich die „Grimm-Chroniken“ nur empfehlen. Sie machen ungemein Spaß und sind definitiv mal eine nette Abwechslung zum sonstigen Einheitsbrei. Ich habe immerhin alle 8 Bände nacheinander gelesen, das muss schon was heißen, wenn ich nicht sofort das Interesse verliere. Jedoch, hoffe ich, dass die Reihe langsam in eine andere Richtung verläuft, die sich nicht so an das Schwarz/Weiß denken klammert und vielleicht auch mal mit der Moral bricht. Denn sonst, könnte das alles am Ende mehr als unglaubwürdig erscheinen.


4/5 Sternen