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Veröffentlicht am 09.02.2020

Sehr berührend

Drachenläufer
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Für gewöhnlich mache ich einen großen Bogen um Bücher dieser Art, da ich mich eher im Fantasy-Genre zu Hause fühle. "Drachenläufer" jedoch war Pflichtlektüre im Englischunterricht an meiner Schule und ...

Für gewöhnlich mache ich einen großen Bogen um Bücher dieser Art, da ich mich eher im Fantasy-Genre zu Hause fühle. "Drachenläufer" jedoch war Pflichtlektüre im Englischunterricht an meiner Schule und so kam ich nicht drum herum, dieses Buch zu lesen – Gott sei Dank. Hätte ich es nicht gelesen, wäre mir vermutlich eines der besten Bücher über Afghanistan entgangen und das wäre wirklich schade gewesen.

Dieses Buch behandelt nicht nur existenzielle Themen wie Schuld und Sühne, Freundschaft und Verrat, Loyalität über den Tod hinaus, Verzeihen und Wiedergutmachung, sondern spiegelt die verheerende Politik im Afghanistan der letzten 30 Jahre wider. So bekommen wir einen Einblick in die politische Lage dieses Landes, ohne dass zu viele Details verwendet werden, denn das kann schnell langweilig werden.

Ein interessanter Aspekt des Buches ist die Schilderung des Flüchtlings-Schicksals von Amir und dessen Vater. Einem Mann, der in seiner Heimat ein hochangesehenes Mitglied der Gesellschaft war und der plötzlich in der Fremde gezwungen ist, niedrige Arbeiten zu verrichten. Der es als Schande empfindet, von Almosen leben zu müssen. Man versteht plötzlich ein wenig besser, warum Menschen, die weit von zu Hause leben müssen, sich dennoch an ihre Traditionen klammern, die ein Teil ihrer Identität sind.

Hosseini schaffte mit diesem Buch einen vordergründig leichten und flüssig zu lesenden Roman, der unbedingt als exzellente Unterhaltung zu werten ist. Scheinbar mühelos verbindet er schwierigste Themen miteinander und lädt dabei zum Nachdenken an. Der Leser sollte sich dabei nicht an einer leicht konstruiert wirkenden Geschichte und der gelegentlichen Neigung zu dem Klischee von Gut und Böse stören.

So entdecken wir in dem erst 12-jährigen Hassan einen Menschen, der, ungeachtet allen Leides und aller Demütigungen, in sich ruht. Hassan empfindet keinen Neid, fordert keine Vergeltung für seine Peiniger. In seiner tiefen Religiosität, seiner unendlichen Loyalität Amir gegenüber, ist er das personifizierte Gute in diesem Roman. Ihm gegenüber tritt das Böse inGestalt des Jugendlichen Assef. Dieser, sadistisch, ohne Mitleid und Respekt vor dem Leben und der Würde anderer, repräsentiert den blanken Terror. Sein zweiter Auftritt in diesem Buch ist - leider - sehr vorhersehbar und keine echte Überraschung mehr. Die Wirkung wird dadurch aber nicht geschmälert.

Ebenso gefällt mir der Blick in das Leben von Amir und seinem ewigen Ringen um die Aufmerksamkeit seines Vaters. Irgendwann im Laufe der Erzählung bekam ich das Gefühl, eins mit dem Erzähler zu werden, ich litt mit ihm und ich freute mich mit ihm. Ich hoffte und bangte und gab die Hoffnung nie auf. Es passiert sicher nicht oft, dass ein Buch seine Leser emotional so stark berührt, und es ist eine Meisterleistung eines Schriftstellers, diese Wirkung durch einen seiner Romane zu erzeugen.

Fazit

"Eine Geschichte, die wohl kaum einen Leser unberührt lassen wird" schreibt die Neue Züricher Zeitung ... und genau so ist es auch!

Veröffentlicht am 09.02.2020

Actionreicher und spannender als Band 1

Talon - Drachenherz
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Der zweite Teil von Julie Kagawas Drachenreihe setzt nahtlos an die Ereignisse des vorherigen Bandes an. Von der ersten Zeile an befindet sich der Leser mitten im Geschehen - eine Verschnaufpause wird ...

Der zweite Teil von Julie Kagawas Drachenreihe setzt nahtlos an die Ereignisse des vorherigen Bandes an. Von der ersten Zeile an befindet sich der Leser mitten im Geschehen - eine Verschnaufpause wird ihm nicht vergönnt. Doch das ist alles andere als schlimm, denn so wird man von Anfang an in die Geschichte gezogen und möchte das Buch nicht mehr zuklappen, ehe man die letzte Seite gelesen hat.

Der Originaltitel des Buches lautet "Rogue", was "Einzelgänger" ider "Schurke" bedeutet. Dadurch bekommt man schon einen deutlichen Hinweis darauf, worum es gehen wird. Das Buch behandelt die Geschichte von Riley, der einst Teil von Talon war, der Organisation allerdings den Rücken kehrte, um die Drachen zu befreien. Viele Kapitel werden aus seiner Sicht erzählt und spielen zwölf Jahre vor den Ereignissen aus "Talon – Drachenherz". So bekommt man einen sehr tiefen und detaillierten Einblick in Rileys Leben und lernt, ihn besser zu verstehen. Es ist sehr interessant zu erfahren, welche Aufgabe er in der Vergangenheit bei Talon innehatte und wie es dazu kam, dass er mit Wes zusammenarbeitete. Beim Lesen dieser Kapitel spürt man deutlich, wie sehr Riley die Organisation verachtet, da diese keine Rücksicht auf Verluste nimmt. Er wurde von vorne bis hinten von Talon ausgenutzt und fungierte als Marionette in deren kranken Spielen. Es gelang ihm allerdings, sich loszureißen und gemeinsam mit Wes zahlreiche Drachen zu befreien.

Im ersten Teil kann er Ember davon überzeugen, das Leben als Einzelgänger anzutreten und Talon den Rücken zu kehren. Gemeinsam sind die beiden nun auf der Flucht. Wie hart das Leben außerhalb der Vertrautheit Talons sein kann bekommt Ember nun selbst zu spüren. Hinter jeder Ecke könnten Gefahren lauern, doch das junge Drachenmädchen lässt sich von nichts und niemanden einschüchtern. Sie ist stärker und mutiger als jemals zuvor und entwickelt sich stetig weiter. Ein wenig störend ist das Gefühlsdreieck, in dem sie sich befindet. Einerseits schlägt ihr Herz für den Soldaten Garret, doch andererseits ruft ihr innerer Drache stets nach Riley (oder besser gesagt seiner Drachenform Cobalt). Wie soll ein Drache auch jemals mit einem Menschen glücklich werden? Ember wäre noch ein Teenager lange Garret Tod. Doch man kann nicht entscheiden, in wen man sich schlussendlich verliebt. Dieses Gefühlschaos wird sich mit Sicherheit noch die restlichen Bände hinziehen und so schnell wird es keine Antwort auf die Frage, für wen sie sich entscheiden wird, geben.

Auch Garret befindet sich in einem Zwiespalt, da er es ihn verwirrt, dass er nun an der Seite von Drachen kämpft, wo er diese doch all die Jahre getötet hat. Er kann sich selbst nicht für diese schrecklichen Taten verzeihen und wird von diesen Erinnerungen heimgesucht. Allerdings verändert auch er sich im Laufe der Handlung und entwickelt sich weiter. Er lernt, dass man die Vergangenheit hinter sich lassen und nach vorne blicken muss. Leider bekommt man noch keinen allzu tiefen Einblick in seine Welt, da sich die Autorin das für den dritten Band aufspart.

Trotz des anstrengenden Liebesdreiecks gelingt es Julie Kagawa erneut, die Leser für sich zu gewinnen. Durch den Perspektivwechsel – in diesem Band werden die Geschehnisse aus vier verschiedenen Blickwinkeln erzählt – bekommt man einen Einblick in die Köpfe zahlreicher Mitstreiter des stillen Krieges, der tobt. Die Handlung ist deutlich spannender und actionreicher als es im Vorgänger der Fall war. Zahlreiche Eindrücke von St. Georg und Talon werden geliefert und der Leser lernt schnell, beide Organisationen für deren skrupellose Methoden zu verabscheuen. Sie scheuen sich nicht, jeden zu töten, der sich ihnen in den Weg stellt, wodurch sich weder die Drachen noch die Drachenjäger viel nehmen. Sie sind sich deutlich ähnlicher, als sie vielleicht denken mögen. Das Ende ist erneut unverschämt offen gehalten. Wann die Übersetzung des dritten Bandes kommt, steht noch in den Sternen. So muss man sich wohl oder übel in Geduld üben.

Fazit

Actionreicher und spannender als Teil eins kommt "Talon – Drachenherz" daher und entführt den Leser in eine faszinierende Welt, in der Drachen und Drachenjäger nicht nur gegeneinander, sondern auch Seite an Seite kämpfen. Detailliertere Einblicke in die Charaktere helfen den Lesern, sich besser mit ihnen identifizieren zu können. Einziges Manko ist Embers Liebesdreieck, das sich vermutlich noch durch die folgenden drei Bände ziehen wird.

Veröffentlicht am 09.02.2020

Ein Auftakt, der vor allem durch die facettenreichen Charaktere zu überzeugen weiß!

Talon - Drachenzeit
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Julie Kagawa ist eine einzigartige Schriftstellerin, die es mit ihren fantasievollen Geschichten schafft, auf der ganzen Welt die Menschen in ihren Bann zu ziehen. Internationale Bekanntheit erlangte sie ...

Julie Kagawa ist eine einzigartige Schriftstellerin, die es mit ihren fantasievollen Geschichten schafft, auf der ganzen Welt die Menschen in ihren Bann zu ziehen. Internationale Bekanntheit erlangte sie durch ihre "Plötzlich Fee"-Reihe und dem anschließenden Spin-Off "Plötzlich Prinz". Nachdem sie über Feen und anschließend über Vampire geschrieben hat, erfüllt sich Kagawa den großen Traum, eine Drachenreihe zu veröffentlichen, die mit "Talon – Drachenzeit" in die erste Runde geht. Wieder einmal ist es das Cover, durch das man auf diesen bezaubernden Roman aufmerksam wird. Das Auge des grünen Drachenmädchens funkelt einen an und verlangt förmlich, das Buch aufzuschlagen und in die Geschichte einzutauchen – eine Geschichte, die so faszinierend ist, dass man das Buch kaum zur Seite legen möchte.

Wieder einmal ist es der bildhafte Schreibstil, der die Figuren lebendig werden und wie ein Film vor dem inneren Auge abspielen lässt. Aus abwechselnden Perspektiven lernt der Leser die unterschiedlichen Charaktere kennen. Zunächst sind es Ember und Garret, die durch das Geschehen führen, doch später kommen Kapitel von Riley und eines von Dante hinzu. Perspektivwechsel sind immer dann vorteilhaft, wenn die Charaktere nicht an ein und demselben Ort sind, das Handeln aller nichtsdestotrotz wichtig für den Verlauf der Handlung ist. So bekommt man einen detaillierten Einblick in die Aufgaben, die vor allem Ember und Garret haben und die eine überaus wichtige Rolle spielen. Zwar weiß man als Leser dadurch schon von Beginn, welches Geheimnis Garret umgibt, da bereits das zweite Kapitel aus seiner Perspektive erzählt ist, der Spannungsbogen wird dadurch allerdings kaum beeinträchtigt.

Beide Charaktere sind von Grund auf verschieden. Ember wuchs als wohlbehütetes Mädchen im Talon-Orden auf und hatte die meiste Zeit nur ihren Bruder Dante um sich herum. Er ist ihr einzig wirklicher Freund, da sie nie Kontakt zu anderen Leuten beziehungsweise Drachen in ihrem Alter hatte. So ist es eigentlich kaum verwunderlich, dass sie sich über ihren Sommerurlaub freut und endlich der Teenager sein kann, der sie immer sein wollte. Ember ist ein durch und durch interessanter und vielschichtiger Charakter. Sie möchte ihre Freiheiten genießen und sich nicht ihr komplettes Leben vorweg durchplanen lassen, ohne eigene Entscheidungen treffen zu können. Es ist zwar strengstens verboten und außerordentlich gefährlich, wenn sie ihren eigenen Kopf durchsetzt, da sie ihre wahre Gestalt vor den Menschen verbergen muss, allerdings kann Ember des Öfteren nicht anders. Es fällt sehr leicht, sich in sie hineinzuversetzen und gerade ihre Willensstärke und Kühnheit sind sehr faszinierend. Auch wenn es sich bei ihr eigentlich um einen Drachen, also eine gefährliche und brutale Bestie, handelt, so vereint Ember doch mehr menschliche Eigenschaften als so manch anderer echter Mensch. Sie hat Gefühle, die sie nicht haben sollte, steht zu ihren Freunden und ihrer Familie, ist intelligent und aufgeschlossen. Sie vereint das Beste der Menschen in sich und das obwohl wohl jeder vor Angst umkippen würde, wenn sie ihre wahre Gestalt zeigte.

Garret ist so ziemlich das Gegenteil von Ember. Wenn man es genau nimmt, sind die beiden wie Feuer und Wasser, wodurch sie sich fabelhaft ergänzen. Eine Gemeinsamkeit haben die beiden allerdings: Für sie ist das alles vollkommen neues Terrain, denn beide sind behütet vor den Menschen aufgewachsen und wissen zunächst nicht recht, wie sie einen Fuß vor den anderen zu setzen haben. Von Beginn an weiß der Leser, dass Garret ein Krieger des Sankt-Georg-Ordens ist, ein gewalttätiger Soldat, der schon unzählige Drachen getötet hat. Genau deswegen verfolgt man angespannt, wie lange es wohl dauern wird, bis er erfährt, dass Ember ein Drache ist und sie dahinterkommt, dass er ein Drachenjäger ist. Nichtsahnend entwickelt sich zwischen den beiden mehr als bloß eine Freundschaft und noch viel mehr als eine flüchtige Sommerliebe. Die Beziehung der beiden ist wie die von Romeo und Julia in Shakespeares bekannter Tragödie – eine Liebe, die so intensiv und doch zum Scheitern verurteilt ist. Wie sollten auch ein Sterblicher und ein Jahrhunderte lebender Drache glücklich miteinander werden? Wie kann eine Beziehung funktionieren, wenn er darauf gedrillt ist, sie zu töten? In vielen Dingen wird der Leser im Ungewissen gelassen, da es sich um eine fünfteilige Reihe handeln wird, doch eines ist gewiss: Ember und Garret sind ein Paar zum Verlieben, auch wenn man nicht weiß, in welche Richtung sich das noch entwickeln wird.

Doch nicht nur die beiden Hauptprotagonisten mit ihren Handlungssträngen können überzeugen, sondern auch die Nebencharaktere wie Riley, Dante und Lexi. Besonders den Einzelgänger-Drachen Riley sollte man im Auge behalten, da er in den kommenden Bänden eine noch größere Rolle spielen wird. Er ist der typische, charmante Badboy, der sich von nichts und niemandem etwas sagen lässt, gerne mit dem Feuer spielt und seine Abenteuerlust befriedigt. Doch er ist nicht durchweg böse, sondern kann auch überaus charmant und einfühlsam sein. Man lernt seine andere Seite bisher erst oberflächlich kennen, aber da sich der zweite Teil überwiegend mit seiner Hintergrundgeschichte befasst, wird hoffentlich noch mehr von seiner liebenswerten Seite offenbart.

Es ist Julie Kagawa gelungen, eine wundervolle Geschichte niederzuschreiben, die auf ganzer Linie überzeugen kann. Leider dauert es ein bisschen zu lange, bis die Geschehnisse wirklich an Fahrt aufnehmen, da zu Beginn sehr viele Hintergründe erst beleuchtet werden müssen. So bekommt man einen Einblick in das Leben bei Talon und in die Geschichte um die Verfolgung durch St. Georg und die Vereinung der Drachen. Auch die Organisation der Drachenjäger wird interessant geschildert, vor allem, wie eine Jagd bei den ausgebildeten Soldaten aussieht - eine grausame und erschreckende Vorstellung, die in Band drei näher beleuchtet wird. Leider kommt das Ende des Buches dann doch etwas zu schnell und lässt unsagbar viele Fragen unbeantwortet, sodass man sich umso mehr auf den zweiten Teil freut. Dieser lässt glücklicherweise nicht mehr allzu lange auf sich warten und so können die deutschen Leser bereits im Januar erneut in die Welt von Ember, Garret und Riley abtauchen und sie auf ihren Abenteuern begleiten.

Fazit

Mit "Talon – Drachenzeit" ist es der Erfolgsautorin Julie Kagawa gelungen, einen einmaligen Auftakt zu ihrer neuesten Drachenreihe auf Papier zu bringen. Die Charaktere sind durchweg wundervoll und facettenreich und man kann sich besonders gut mit der Protagonistin Ember identifizieren. Die Story ist absolut spannend, auch wenn es ein kleines bisschen dauert, bis sie richtig ins Rollen kommt. Obgleich das Ende etwas schwammig gehalten wird, ist dieser Roman ein absolutes Schmuckstück für Fantasyliebhaber.

Veröffentlicht am 09.02.2020

Wunderbares Lesevergnügen

Unsterblich - Tor der Dämmerung
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Seit dem Hype um die "Twilight"-Saga von Stephenie Meyer gibt es unzählige Vampirromane, die sich immer und immer wieder wiederholen. Die Geschichten sind teilweise so ähnlich, dass man die Lust verliert, ...

Seit dem Hype um die "Twilight"-Saga von Stephenie Meyer gibt es unzählige Vampirromane, die sich immer und immer wieder wiederholen. Die Geschichten sind teilweise so ähnlich, dass man die Lust verliert, ein Buch dieses Genres zu lesen. Julie Kagawa aber bringt frischen Wind in die Welt der Vampirromane und stellt die Vampire hier in einem ganz anderen Licht dar. Die Autorin ist bekannt für ihre unfassbar schönen Fantasyromane und das Kreieren fantastischer Fabelwelten wie in "Plötzlich Fee". In "Unsterblich – Tor der Dämmerung" hat sie es jedoch geschafft, etwas vollkommen anderes aufs Papier zu zaubern. Das überwiegend düstere Buch ist in einer dystopischen Umgebung angesiedelt, beinhaltet durch die Vampire trotzdem viele fantastische Elemente. Gerade dieses Neue macht den Auftakt ihrer Trilogie trotz einiger Schwächen zu einem Lesevergnügen.

Allison ist eine sehr starke Protagonistin, die ihr Leben lang auf sich alleine gestellt war und um ihr Überleben kämpfen musste. Dieser Kampf, dem sie tagtäglich ausgeliefert war, hat sie zu einer mutigen Kämpfernatur werden lassen. Das junge Mädchen gerät in viele brenzlige Situationen und schafft es jedes Mal, mit dem Leben davonzukommen. Der erste Teil der Handlung beschäftigt sich überwiegend mit ihrer Hintergrundgeschichte und dient als Einführung in die neue Welt, in der wir uns befinden, und liefert wichtige Informationen. Warum existiert die Welt, wie wir sie kannten, nicht mehr? Wie genau funktioniert die neue Gesellschaftsstruktur? Dies wird geschickt mit der Geschichte Allisons verknüpft, sodass sogar der streckenweise etwas langwierige erste Teil des Romans spannend genug bleibt.

Auch als Erwachsener fällt es sehr leicht, mit Allison zu sympathisieren. Sie ist weder aalglatt noch perfekt, sondern hat wie jeder normale Mensch Ecken und Kanten. Im Gegensatz zu vielen weiblichen Protagonisten im Bereich der Jugendfantasy nimmt sie ihr Schicksal nicht einfach hin. Sie ist nicht so naiv, alles zu glauben, was man ihr sagt, sondern hinterfragt die Dinge und versucht, auf eigene Faust Antworten zu finden. Besonders authentisch wirkt sie im zweiten Teil der Handlung, wo sie sich erneut auf der Flucht befindet und sich incognito einer Gruppe von Menschen anschließt, um den sicheren Hafen Eden zu erreichen. All die Zeit über muss sie versuchen, ihren Durst nach Blut in Griff zu bekommen, da sie niemanden zeigen möchte, zu was für einem Monster sie gemacht wurde. Auch wenn sie ein Vampir ist, so hat sie doch ihre Menschlichkeit nicht verloren.

Vor allem in diesen zweiten Teil des Romans lernt man einige andere Charaktere kennen - vielleicht sogar zu viele. Kagawa versucht, diese zwar so gut es geht in die Handlung einzufügen, allerdings hätte sie sich auf etwas weniger beschränken sollen. Besonders schnell ins Herz schließt man Zeke, mit dem sich eine Liebesgeschichte mit Allison andeutet. Diese wird aber weitestgehend im Hintergrund gehalten und ist nicht zu aufdringlich, sodass sie perfekt in die Handlung passt. Zeke ist ein herzensguter Mensch. Der Leser sollte sich allerdings nicht zu sehr an Charaktere gewöhnen, denn Kagawa hat an einigen Stellen deutlich gezeigt, dass nicht jeder von ihnen überleben wird. Trotzdem kann man hoffen, dass die Reise für Allison und Zeke doch ein gutes Ende nehmen wird.

Wie man es von der Autorin nicht anders gewöhnt ist, hat sie auch in ihrem Auftakt zur "Unsterblich"-Reihe einen angenehmen und flüssigen Schreibstil. Alles wird genauestens erklärt, sodass man die Welt bildlich vor Augen hat. Es gibt jedoch einige detaillierte Erklärungen, die sich sehr in die Länge ziehen, sodass ein Großteil doch etwas langatmig wird. Zwar ist es auf keinen Fall langweilig, aber man erwischt sich doch dabei, einige weniger interessante Passagen bloß zu überfliegen. Nichtsdestotrotz ist "Unsterblich - Tor der Dämmerung" ein gelungener erster Band einer etwas anderen Vampirstory.

Fazit

Zwar kann der Auftakt der "Unsterblich"-Trilogie nicht mit den anderen Büchern der Autorin mithalten, ist aber trotzdem ein wunderbares Lesevergnügen. Durch den angenehmen Schreibstil lässt sich das Buch relativ zügig weglesen und das Ende macht auf jeden Fall Lust auf mehr. Der deutsche Titel ist ein bisschen irreführend, denn ein Tor der Dämmerung kommt im Buch nicht vor.

Veröffentlicht am 09.02.2020

Interessanter Auftakt mit Luft nach oben

Ich fürchte mich nicht
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Ich bin wirklich hin- und hergerissen, was dieses Buch betrifft. Einerseits bietet es einen interessanten Handlungsverlauf, doch andererseits kam die erhoffte Spannung nicht wirklich auf. Tahereh Mafi ...

Ich bin wirklich hin- und hergerissen, was dieses Buch betrifft. Einerseits bietet es einen interessanten Handlungsverlauf, doch andererseits kam die erhoffte Spannung nicht wirklich auf. Tahereh Mafi hat einen außergewöhnlichen Schreibstil und es hat lange Zeit gedauert, bis ich mich daran gewöhnt habe. Andauernd gibt es durchgestrichene Passagen, welche "unausgesprochene" Gedanken von der Protagonistin Juliette darstellen.

Juliette ist ein großartiger Charakter, auch wenn sie zunächst sehr verschlossen und in sich gekehrt ist – verständlicherweise. Sie wurde ihr Leben lang von jedem wie eine Aussätzige behandelt, da sie die Fähigkeit besitzt, Leute mit einer Berührung zu töten. Aus diesem Grund versucht sie niemandem zu nahe zu kommen, um den Menschen kein Leid zu zufügen. Eigentlich hab ich mich relativ schnell mit Juliette angefreundet. Sie ist ein wirklich sympathischer Charakter und man kann ihr Handeln sehr gut nachvollziehen. Wäre ich in ihrer Situation, hätte ich vermutlich nichts wirklich anders gemacht, als sie.

Auch Adam habe ich relativ schnell ins Herz geschlossen. Er ist ein großartiger Held, der in allen seinen Facetten überzeugt. Am Anfang war ich mir nicht sicher, was ich von ihm halten soll, da er sich teilweise sehr daneben benommen hat. Als ich allerdings gemerkt habe, dass seine Gefühle für Juliette wirklich echt sind und er sich schon seit Jahren zu ihr hingezogen fühlt, konnte ich nicht anders, als ihn zu lieben. Er ist der erste Mensch auf der Welt, der sie so nimmt, wie sie wirklich ist. Die Liebesgeschichte der beiden Hauptcharaktere wird auf eine romantische Art und Weise geschildert, nimmt aber leider die komplette Handlung ein. Ich hätte mir gewünscht, mehr Dystopie und weniger Liebe zu lesen. Der Grundgedanke der Geschichte ist nämlich wirklich sehr interessant und gut durchdacht. Allerdings kommt dieser zu kurz und ich hoffe sehr, dass sich das im zweiten Band ändern wird.

Am meisten überzeugt hat mich der Anti-Held Warren mit seinen machtgierigen Charakterzügen. Er begehrt Juliette für das, was sie in seinen Augen ist – eine bildschöne und gefährliche Waffe. Ihn hat die Autorin wirklich realistisch dargestellt und ich kann sein Verhalten Juliette gegenüber sehr gut nachvollziehen. Sie ist etwas Besonderes, etwas Mächtiges, und es ist somit verständlich, dass er sich als Soldat so zu ihr hingezogen fühlt. Ich hoffe, dass wir noch mehr über ihn in im nächsten Band erfahren und die offenen Fragen sich klären werden.

Fazit

Ein relativ interessanter Trilogie-Auftakt, der viele offene Fragen und somit Raum für die weiteren zwei Bände lässt.