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Veröffentlicht am 26.10.2020

The Last Day

The Last Day
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Die Erde steht still, ein Großteil der Menschheit hat es nicht geschafft, die Überlebenden kämpfen um ein Stückchen Normalität. Hopper ist Wissenschaftlerin und arbeitet auf einer Plattform im Meer, als ...

Die Erde steht still, ein Großteil der Menschheit hat es nicht geschafft, die Überlebenden kämpfen um ein Stückchen Normalität. Hopper ist Wissenschaftlerin und arbeitet auf einer Plattform im Meer, als plötzlich zwei Regierungsmenschen auftauchen und sie mit auf's Festland nehmen wollen. Ihr ehemaliger Professor liegt im Sterben und möchte sie noch einmal sehen. Leider bleibt jedoch keine Zeit mehr. Hopper hat lediglich ein paar wenige Hinweise und muss schon bald feststellen, dass der alte Mann ein großes Geheimnis hatte, an dem auch die Regierung interessiert ist...

Das klingt alles erstmal super spannend. Ich meine, ein Thriller um Geheimnisse in einer Dystopie, in der die Erde einfach aufgehört hat, sich zu drehen! Wie cool klingt das?

Die Ernüchterung kam aber schnell, denn schon der Schreibstil war leider überhaupt nicht meins. Alles ist so trocken und langatmig. Und absolut alle reden super förmlich miteinander: selbst Geschwister oder Ex-Eheleute klingen eher wie Geschäftspartner:innen. Ich weiß nicht, wie viel Schuld vielleicht bei der Übersetzung liegt, denn auch da fand ich einige Entscheidungen etwas merkwürdig. So wurden zum Beispiel die Anreden eingedeutscht, also Herr und Frau, was mit den englischen Nachnamen irgendwie seltsam klingt. Normalerweise bleibt man doch auch im Deutschen bei Mrs. usw. Das kann aber auch einfach Geschmackssache sein und ich empfehle bei der eBook-Version wirklich die Leseprobe, um sich da ein eigenes Bild zu machen und zu gucken, ob es passt.

Leider ist aber auch die Story nicht sonderlich spannend. Hopper rennt oder fährt über Seiten hinweg einfach nur von A nach B, befragt eine Person, durchsucht einen Raum (obwohl sie selbst nicht so richtig weiß, wonach... und doch findet sie immer wieder neue kleine Schnipsel). Zwischendurch bekommt sie Ärger mit den Regierungsleuten, wird auch mal verprügelt. Und das alles ist so trocken geschrieben, dass ich mich einfach nicht drauf einlassen konnte - und schlimmer noch: dass es mir egal war.

Am schlimmsten waren aber die Rückblenden, in denen man erfährt, wie Hopper den alten Mann kennengelernt hat. Diese Stellen waren so öde, dass mir immer wieder die Augen zufielen. Ähnlich erging es mir bei den Erklärungen zu aktuellen Lage der Welt nach dem Stillstand - etwas, bei dem ich eigentlich dachte, dass es super interessant wird.

Die Geschichte spielt größtenteils in England und dort scheint zumindest oberflächlich alles enttäuschend normal zu laufen (bis auf die Tatsache, dass die Sonne immer scheint und es eben nicht mehr dunkel wird). Es gibt weiterhin Häuser, Autos, Busse, Strom, Telefone, Fernseher, Geschäfte... irgendwie habe ich mir mehr Dystopie gewünscht.

Die Inhaltsangabe ist übrigens ein bisschen irreführend: Hopper liest den Brief nie und erfährt auch erst ganz zum Schluss, worum es sich bei dem großen Geheimnis handelt (und zumindest für mich war das jetzt leider kein überraschender Knaller).

Immerhin gibt es ein paar gute (wenn auch etwas halbgare) Stellen über Ethik, Moral, Ungleichheit, Fremdenfeindlichkeit usw. Dafür vergebe ich den zweiten Stern.

Ansonsten war das Buch leider nichts für mich, was aber natürlich nicht heißt, dass es kein spannendes Leseerlebnis für andere sein kann. Aber ein Thriller ist es wirklich nicht.

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Veröffentlicht am 30.09.2020

Vortex 1

Vortex – Der Tag, an dem die Welt zerriss
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Elaine lebt regelkonform, hinterfragt nichts und arbeitet hart für ihr großes Ziel: das Vortexrennen. Aber statt einfach nur eine große Distanz zurückzulegen, kann sie einen Vortex scheinbar nach ihrem ...

Elaine lebt regelkonform, hinterfragt nichts und arbeitet hart für ihr großes Ziel: das Vortexrennen. Aber statt einfach nur eine große Distanz zurückzulegen, kann sie einen Vortex scheinbar nach ihrem Willen biegen, seine Richtung ändern und sogar die Zeit manipulieren.

Sie gewinnt das Rennen, wird jedoch kurz darauf entführt und muss feststellen, dass nichts so simpel ist, wie sie sich das vorgestellt hat.

Der erste Band der Vortex-Reihe ist im Meer der Jugend-Dystopien überhaupt nichts Besonderes. Es finden sich viele Klischees neben typischen Tropes, aber das Buch ist immerhin solide geschrieben und ich glaube, mein 14-jähriges Ich hätte es gemocht.

Den Genremix fand ich eigentlich ganz cool: neben Sci-Fi finden sich auch Fantasy Elemente. Das Auftreten des ersten Vortex hat eine Vermischung von Lebewesen und Umgebung verursacht, dadurch entstanden sogenannte Splits, die mit den Elementen verschmolzen sind und besondere Kräfte haben. Als solche werden sie natürlich unterdrückt und als gefährlich eingestuft, es gibt immer wieder Berichte über Angriffe und sogar Morde. Ein bisschen hat mich das alles manchmal ehrlich gesagt an eine Legend of Korra Fanfiction erinnert, die Elemente-Nummer ist ja jetzt auch nicht so neu. Aber dennoch war's okay.

Die Romanze ist ebenfalls sehr typisch und hat mich - Überraschung - null abgeholt. Ich hab's einfach schon zu oft gelesen: sie starten auf dem falschen Fuß, stehen irgendwie auf unterschiedlichen Seiten, können sich eigentlich gar nicht leiden, er ist super arrogant, aber tief drin ja doch eine gebeutelte Seele, sie ist die Gute mit den tollen Fähigkeiten, total besonders. Bale ist vielleicht nicht so toxisch wie manch anderer "Held", aber ich habe bestimmte Romanzen einfach komplett über und kam da leider überhaupt nicht rein. Ein Twist am Ende hat mich total an den Film "Anastasia" von 1997 erinnert. Außerdem hat mich Bales Spitzname für Elaine ("Barbie") extrem genervt.

Die Nebenfiguren sind ab Elaines Entführung ziemlich spannend (und ich hätte oft lieber deren Geschichte gelesen, als die unserer naiven Protagonistin). Davor (und später) sind sie ein schamloses Klischee böser Rich Kids, allen voran Mia, die platinblonde Giftspritze mit den rosa Schuhen, die ständig "keift" und "schrill" ist und grade anfangs neben ihren Gemeinheiten überhaupt keine Persönlichkeit hat und mal wieder nur da ist, damit Elaine neben ihr besser aussieht - was nicht funktioniert, weil diese teilweise auch absolut ekelhaft zu Mia ist (oder über sie denkt).

Naja, am Ende bin ich auch einfach nicht mehr die Zielgruppe und es gibt durchaus sehr viel Schlimmeres in diesem Genre (wobei mir klar ist, dass die Latte hier sehr niedrig hängt). Ich ziehe trotzdem meinen Hut vor der Autorin, weil sie überhaupt eine Buchreihe geschrieben hat und das alles andere als einfach ist. Ich kann auch irgendwo schon verstehen, warum Vortex so gute Rezensionen hat und manchmal wünscht man sich ja auch genau die Tropes, die mich so nerven. In dem Fall ist man hier genau richtig!

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Veröffentlicht am 19.09.2020

Die dunklen Pfade

Die dunklen Pfade der Magie
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Csorwe ist noch ein Kind und dient im Haus der Stille, als sie als "erwählte Braut" dem Unaussprechlichen geopfert werden soll. Zu ihrem Glück gibt es aber grade einen Gast, der sie am Schrein abfängt ...

Csorwe ist noch ein Kind und dient im Haus der Stille, als sie als "erwählte Braut" dem Unaussprechlichen geopfert werden soll. Zu ihrem Glück gibt es aber grade einen Gast, der sie am Schrein abfängt und ihr neue Möglichkeiten aufzeigt. Belthandros Sethennai nimmt sie mit, bildet sie aus und schenkt ihr einen Platz an seiner Seite.

Jahre später - Csorwe ist erwachsen geworden - landet sie gemeinsam mit Talasseres Charossa (einem gutaussehenden und leicht arroganten Adligen) an einem trostlosen Ort und lernt dort die Magierin Shuthmili kennen. Aber eigentlich sind sie auf der Suche nach dem Reliquiar, das Belthandros so dringend haben möchte - und sie sollen es vor Oranna finden, der ehemaligen Bibliothekarin des Hauses der Stille, die dem Unaussprechlichen dient...

Die dunklen Pfade der Magie steht schon sehr lange auf meiner Wunschliste und ich wurde nicht enttäuscht. Wir haben hier eine sehr unkonventionelle und kreative Fantasy-Story mit Sci-Fi Einschlägen. Es gibt mehrere Welten, die alle durch eine Art Labyrinth verbunden sind. Das Fortbewegungsmittel sind fliegende Schiffe, mit denen man durch schimmernde Tore ins Labyrinth und durch weitere Tore wieder in eine neue Welt hinaus segelt. Jede hat ihr eigenes Volk, eigene Götter, eigene Sitten. Manche sind bereits verfallen, einsam, unbewohnbar und werden nach und nach vom Labyrinth verschluckt.

Das Konzept von Magie ist auch sehr interessant. Das Anrufen geschieht durch einen Gott oder eine Göttin und zehrt die Sterblichen ganz schön aus. Potenziell gefährlich ist das alles natürlich auch.

Hauptsächlich lebt die Geschichte aber von ihren tollen Charakteren, allen voran natürlich die pflichtbewusste Csorwe, die zu einer Art Orcvolk mit Hauern gehört und der schöne Tal, der einem spitzohrigen Elfenvolk angehört und so viel mehr zu bieten hat, als es auf den ersten Blick scheint. Die beiden haben sowas wie eine Wettkampf-Hass-Beziehung, es gibt aber durchaus auch einen Funken Zuneigung. In jeder 0815 Story wären sie ein Paar geworden, aber nicht hier.

Viele der Figuren sind queer und zumindest nicht auf ein Geschlecht festgelegt. Tal ist unglücklich in Belthandros verliebt, Csorwe verguckt sich in Shuthmili. Das ist in dieser Welt vollkommen normal, niemand redet da groß drüber, es passiert einfach ganz natürlich. Es gibt keine Diskriminierung (aber natürlich Ungerechtigkeiten).

Die Liebe nimmt auch gar nicht so viel Platz ein. Mein Kindle zeigte mir 63 Prozent, als Csorwe das erste mal vorsichtig darüber nachdenkt, dass sie Shuthmili ja ziemlich hübsch und interessant findet. Danach kommen diese Gedanken öfter und es gibt auch ein paar ganz kurze, romantische Momente der beiden. Hauptsächlich geht es aber um die Jagd nach dem Reliquiar und deren Folgen.

Wer sich dennoch daran stört... naja, ich meine, es gibt buchstäblich Millionen von anderen Geschichten mit reinen Hetero-Konstellationen, in denen LGBTs nicht mal erwähnt werden. Lasst uns den Schnipsel Freude und Representation und lest dann die. ;)

Das Buch hat mir wahnsinnig gut gefallen und ich bin froh, dass sich da grade in der Fantasy/Sci-Fi langsam was tut und es nicht mehr immer die selben öden Geschichten sind, die wir vorgesetzt bekommen.

Ich ziehe trotz meiner Begeisterung einen Stern ab, weil ich noch ein kleines bisschen Kritik habe: der Schreibstil ist ein wenig unterkühlt und die Story könnte an manchen Stellen etwas spannender/rasanter sein. Die Namen sind alle recht kompliziert und die ersten Seiten des Buches bestehen erstmal aus Erklärungen dazu, wie man welche Buchstabenkombi ausspricht. Habe ich mir natürlich nicht gemerkt, aber man gewöhnt sich dran und es stört dann auch nicht mehr.

Ebenfalls ein kleines Manko, aber wohl der Übersetzung geschuldet: es gibt Personen, die völlig geschlechtslos auftreten und man hat sich im Deutschen leider für männliche Pronomen entschieden. Einmal Neopronomen in die Suchmaschine gehauen und schon weiß man, dass es auch bei uns anders geht. Vertane Chance, schade.

Ansonsten war es aber eine große Lesefreude und ich will mehr!

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Veröffentlicht am 22.08.2020

Raum der Angst

Raum der Angst
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Hannah wird nach ihrer Schicht in einer Bar entführt. Eine Gruppe junger Erwachsener denkt, sie nehmen an einem Uni-Experiment teil, in Wirklichkeit wurden auch sie entführt. Derweil ermittelt die Polizei.

Escape ...

Hannah wird nach ihrer Schicht in einer Bar entführt. Eine Gruppe junger Erwachsener denkt, sie nehmen an einem Uni-Experiment teil, in Wirklichkeit wurden auch sie entführt. Derweil ermittelt die Polizei.

Escape Rooms sind richtig guter Thriller-Stoff und ich habe mich sehr auf dieses Buch gefreut. Leider war es mein persönlicher Flop des Jahres (bisher... ein paar Monate haben wir ja noch, aber ich hoffe auf keinen Weiteren).

Das Buch war einfach überhaupt nicht meins, angefangen bei den klischeehaften und unausgereiften Charakteren, über den simplen und leicht hölzernen Schreibstil (mit den teils seltsamen/unglaubwürdigen Gesprächen), bis hin zur Auflösung am Ende, die mich einfach nicht abgeholt hat. Ich weiß, viele finden das Buch super spannend und es sei euch gegönnt, ich freue mich für euch. Leider kam davon aber bei mir nichts auf. Die Geschmäcker sind eben unterschiedlich.

Ich glaube, das größe Problem hatte ich mit diesem konstanten "Männer gegen Frauen" Ding, die ganzen Seitenhiebe gegen Gleichberechtigung, damit, dass so gut wie jeder männliche Charakter ein Sexist ist, der Frauen entweder runterputzt oder angeiert. Ich meine, klar kann man einen misogynen Charakter schreiben, ist ja auch aus der Realität gegriffen. Aber dann sollte es auch eine Stimme geben, die dagegen hält. Und es sollte nicht jeder Typ super unangenehm sein. Ständig wird den Frauen der Mund verboten (und sie fügen sich meistens)... sie heulen rum, werden als nervig und "hysterisch" beschrieben (ja, das Wort wird wirklich benutzt) und natürlich als "Mädchen" bezeichnet. Und klar, manche der Männer machen "nur" Sprüche, ist doch nur Spaß, hihi, wenn sie sich dadurch ärgern lässt, hat er es genau richtig gemacht, zwinkizwonki. 🙄

Natürlich kriegen auch die Herren ihr Klischeefest. Sie sind ständig mit ihren Machtspielchen beschäftigt, wer ist der Leitwolf, der "Alpha", jeder will es besser können und wissen. Oh und Männer sind natürlich alle große Kinder. Wenn dem wirklich so wäre (Spoiler: ich glaube das nicht), dann sollten wir uns überlegen, ob wir sie ernsthaft in die Politik lassen wollen.

Ich musste das Buch aus all den Gründen immer wieder weglegen und habe währenddessen zwei andere gelesen, die ich nicht aus der Hand legen konnte und am Stück verschlungen habe. Gar kein gutes Zeichen. Zwischendrin bin ich auch immer wieder in den Schnelllesemodus geswitcht, weil ich so gelangweilt war. Ich bin enttäuscht und echt ein bisschen traurig, weil ich so gespannt drauf war. Aber manchmal ist es so.

(Das ist wie immer nur meine ganz persönliche und rein subjektive Meinung. Ich kritisiere hier natürlich nur das Werk, nicht den Autor persönlich, den ich ja auch gar nicht kenne.)

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Veröffentlicht am 17.08.2020

Kein falscher Schritt

Kein falscher Schritt
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Tommy Jump ist Schauspieler, allerdings läuft es grade nicht mehr ganz so rund. Seine Verlobte Amanda, eine Künstlerin, eröffnet ihm außerdem, dass sie schwanger ist. Zum Glück läuft ihm da sein alter ...

Tommy Jump ist Schauspieler, allerdings läuft es grade nicht mehr ganz so rund. Seine Verlobte Amanda, eine Künstlerin, eröffnet ihm außerdem, dass sie schwanger ist. Zum Glück läuft ihm da sein alter Schulfreund Danny über den Weg, der mittlerweile beim FBI arbeitet und jemanden wie Tommy gebrauchen könnte. Er soll die Rolle eines Bankräubers mit Gewissensbissen übernehmen und sich im Gefängnis mit Mitch anfreunden, einem Banker, der Informationen hat, um eins der größten mexikanischen Drogenkartelle dranzubekommen. Leider möchte dieser seine Unterlagen nämlich nicht mit dem FBI teilen, aus Angst, dass ihm oder seiner Familie etwas passieren könnte. Tommy bekommt für seinen Einsatz eine ordentliche Stange Geld, die sich verdoppelt, wenn er Mitch zum Reden bringt. Aber ist alles wie es scheint? Oder bringt sich Tommy womöglich selbst in Gefahr?

Ich hatte ein paar Startschwierigkeiten mit Kein falscher Schritt, weil es erstmal ein bisschen langsam losgeht. Aber spätestens als Tommy dann im Gefängnis war, hatte es mich doch. Seine Parts sind in der Ich-Form geschrieben, was bei mir eine gewisse Nähe zu ihm ausgelöst hat. Generell mochte ich ihn sehr gerne, weil er mit gängigen Männlichkeitsklischees spielt und gleichzeitig bricht. So ist er z.B. ziemlich klein, dafür aber gut trainiert. Er spielt viel in Musicals, singt und tanzt, ist aber stockhetero. In seine Verlobte (die ist tatsächlich noch kleiner als er, was ich ein bisschen schade fand) ist er total vernarrt, er ist treu und freut sich absolut auf seine Rolle als Vater. Er hat kein Problem damit, in einer Stresssituation in Tränen auszubrechen, mag seine Mutter und hat so ein freundliches Wesen, dass er mir nur sympathisch sein konnte.

Alle anderen Parts sind aus der Sicht verschiedener Charaktere in der dritten Person geschrieben.

Tommys Verlobte Amanda hadert anfangs mit sich und weiß nicht recht, ob die Beziehung eine Zukunft hat. Neben dem Geld sind auch der Abstand und die ungewöhnliche Situation eine Motivation für sie, Tommy nicht davon abzubringen als Spitzel ins Gefängnis zu gehen. Ich habe sie als selbstständig und tough empfunden, was ein ganz kleines bisschen dadurch geschmälert wurde, dass der Autor extra betonen musste, dass es sich bei ihr (und Tommys etwas nerviger Mutter) um eine "starke Frau" handelt.

Dann gibt es noch Mitchs Frau Natalie, über die ich gerne noch ein bisschen mehr erfahren hätte, weil ich sie interessant, aber etwas zu blass fand.

Herrera dagegen gehört zum Kartell und wir begleiten ihn ein wenig bei seinen Aufgaben.

Das Buch ist dabei durchweg sehr gut geschrieben/übersetzt, der Lesefluss ist richtig schön natürlich, die wörtliche Rede klingt glaubhaft und ich bin nie über merkwürdige Formulierungen gestolpert.

Im Laufe der Geschichte gibt es einige Twists und Enthüllungen, die mir alle gefallen haben.

Ich ziehe trotzdem einen Stern ab, weil ich noch ein bisschen Kritik habe: Amanda wird relativ am Anfang im beruflichen Kontext sexuell belästigt. Die Szene ist zum Glück aus ihrer Sicht geschrieben und nicht aus der des Täters, dennoch fand ich sie unnötig, weil sie wenig bis gar nichts mit der restlichen Story zu tun hat. Ein wenig schade war auch, dass sie sich danach so schlimme Selbstvorwürfe macht ("hätte ich bloß nichts getrunken" etc.). Soweit ist das natürlich erstmal realistisch, aber mir hat einfach eine Stimme gefehlt, die dagegen hält und ihr (und den Lesenden) deutlich macht, dass sie natürlich überhaupt nichts dafür kann. Am allerbesten wäre es trotzdem gewesen, das alles einfach wegzulassen. Da sind noch weitere kleine Szenen, in denen Frauen begafft werden und einmal wird eine Vergewaltigung angekündigt (die zum Glück nicht stattfindet). Ehrlich gesagt brauche ich nicht in jedem Thriller misogyne Charaktere und Szenen von Gewalt gegen Frauen.

Dann sind da noch so Kleinigkeiten, wie die Tatsache, dass sich Natalie früher "alle zwei Wochen" blonde Strähnchen hat machen lassen (was will man da nach zwei Wochen färben... da ist noch nicht mal der Hauch eines Ansatzes vorhanden) oder dass mir beim Epilog (wie so häufig bei Thrillern) die Erwähnung einer Therapie, die die ein oder andere Person in anspruch nimmt, fehlte (immerhin müssen die Charaktere ja oft einiges durchmachen).

Ansonsten aber ein wirklich gutes Buch, das ich gerne gelesen habe. Ich gucke mal, was der Autor noch so geschrieben hat!

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