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Veröffentlicht am 15.01.2026

Die Vergangenheit holt ihre Opfer zurück - versteck Dich, wenn du kannst

Blutwild
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Das Cover wirkt auf den ersten Blick dezent in mintgrün, bis auf das riesige, dreidimensionale Fleischermesser, welches einem förmlich ins Auge springt. Es spaltet die gelben Titelbuchstaben scharf und ...

Das Cover wirkt auf den ersten Blick dezent in mintgrün, bis auf das riesige, dreidimensionale Fleischermesser, welches einem förmlich ins Auge springt. Es spaltet die gelben Titelbuchstaben scharf und kraftvoll und gibt damit die Tonspur des Buchs vor: brutal, direkt, ohne Umwege.

Saskia te Marveld schreibt flüssig und angenehm, mit kurzen Kapiteln, die man zügig weg liest. Der Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit trägt zunächst zur Spannung bei, wirkt aber stellenweise unkoordiniert. Einige Details der Vergangenheit hätten früher erklärt werden müssen, so verliert der Plot an Klarheit und lässt Leser zwischenzeitlich ratlos zurück. Der finale Knoten platzt erst sehr spät, wodurch der Spannungsbogen nicht ganz die erhoffte Höhe erreicht.

Trotzdem überzeugt „Blutwild“ mit seiner Atmosphäre und einer starken Protagonistin. Anka, einst Kommissarin, heute Resilienztrainerin, wirkt sympathisch, hilfsbereit, schleppt allerdings das Trauma einer grausamen Geiselnahme mit sich herum. Sie verlor dabei ihren linken Unterschenkel an eine Wildererfalle. Ihr Entführer sitzt längst im Gefängnis. Als plötzlich Leichenteile auftauchen, die denselben perfiden Schnittmustern folgen, kehrt der Albtraum unwiderruflich zu ihr zurück. Doch wie kann das sein, wer steckt dahinter?

Fazit: ⭐️⭐️⭐ für "Blutwild". Ein düsterer, beklemmender aber auch unterhaltsamer Thriller. Nicht jeder Twist sitzt perfekt, und manche Antworten kommen spät, aber am Ende fügt sich alles zusammen. Ein Debüt, was neugierig auf die nächsten Bücher der Autorin macht. Ich wurde gut unterhalten und kann das Buch auf jeden Fall weiterempfehlen.

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Veröffentlicht am 29.11.2025

Im düsteren Fichtenwald der Toten

Knochenkälte
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Das Schwarz-Weiß-Cover von "Knochenkälte" ist einfach gehalten mit dem markanten Kreuz. Es passt perfekt zum Titel und zur Reihe, wirkt still aber auch unheilvoll.

Das Buch liest sich flüssig, ist spannend, ...

Das Schwarz-Weiß-Cover von "Knochenkälte" ist einfach gehalten mit dem markanten Kreuz. Es passt perfekt zum Titel und zur Reihe, wirkt still aber auch unheilvoll.

Das Buch liest sich flüssig, ist spannend, und die Story ist rund. Im siebten Fall von David Hunter wird es düster, atmosphärisch und beklemmend. Auch ohne Vorkenntnisse der Reihe ist der Band abgeschlossen und ein eigenständiges Leseerlebnis.

Simon Beckett versteht es, seine Leser in eine Welt zu ziehen, in der das Grauen unter der Oberfläche lauert. Ein dichter Fichtenwald wird zur bedrohlichen Falle, das Wintersetting lässt einen beim Lesen buchstäblich frösteln. Die Szenerie ist von ihm so lebendig beschrieben, dass man jeden Schritt Hunters nachvollziehen kann. Selbst dann, wenn er sich minuten- oder sogar seitenlang in der Wildnis verliert und man als Leser einfach nur denkt, jetzt finde doch mal endlich das Skelett. Daher sind wissenschaftliche und forensische Details dieses Mal eher dezent eingestreut und Liebhaber der Hunter-Reihe kommen nicht auf ihre Kosten. Die Charaktere sind kantig und unsympathisch außer David, er selbst bleibt der ruhende Pol, immer analytisch, kontrolliert, fast zu beherrscht, selbst wenn der Tod ihm ins Gesicht blickt.

Fazit: ⭐️⭐️⭐⭐️️ für „Knochenkälte“. Ein unterhaltsamer und sehr atmosphärischer Thriller, bei dem man bis zum letzten Drittel Miträtseln kann. Dem Leser bleiben am Ende keine Fragen offen, alles ist logisch zusammengesetzt, auch wenn Beckett reichlich viel Zusammenhänge erst am Ende präsentiert. Ich wurde gut unterhalten und kann das Buch auf jeden Fall weiterempfehlen.

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Veröffentlicht am 01.11.2025

Vom Werkzeug zum Überwesen - ein Chatbot außer Kontrolle

Algorithmus des Teufels
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Das Cover zeigt die schemenhafte Silhouette eines digital erschaffenen Menschen, eingebettet in ein pulsierendes Netz aus Codes, Symbolen und Datenfragmenten. Perfekt zum Titel umgesetzt.

Schon auf den ...

Das Cover zeigt die schemenhafte Silhouette eines digital erschaffenen Menschen, eingebettet in ein pulsierendes Netz aus Codes, Symbolen und Datenfragmenten. Perfekt zum Titel umgesetzt.

Schon auf den ersten Seiten von "Algorithmus des Teufels" entfaltet sich ein düsteres Szenario, das einen unweigerlich in seinen Bann zieht. Ein Selbstmord in einem großen Birnenbaum, ein Mord in einer öffentlichen Tiefgarage, eine digitale Spur, die ins Herz des Internets führt, das alles wirkt zuerst wie lose Fäden, die sich aber schnell als ein Netz aus Täuschung, Kontrolle und tödlicher Logik entwickeln.
Georg Brun zieht den Leser tief hinein in eine Welt, in der die Grenzen zwischen Mensch und Maschine verschwimmen.

Dieser Thriller zeigt KI nicht nur als Chance zur Unterstützung der Menschheit, sondern zeigt die Gefahren und Auswirkungen, die diese Schlüsseltechnologie mit sich bringen kann. ​KI-Systeme lernen aus ihren Trainingsdaten. Wenn Menschen diese so programmieren und steuern, dass Fakefotos und generative Nachrichten entstehen, die Andere manipulieren und sogar in den Tod treiben, dann hört sich dies wie Science Fiction an, doch wie nah kann dies tatsächlich der Realität kommen?

Man blickt in eine Zukunft, die ebenso faszinierend wie furchteinflößend ist. Es ist, als würde man durch ein digitales Labyrinth stolpern, in dem jede Entscheidung von Algorithmen gelenkt wird und jede Wahrheit eine Täuschung sein könnte. Mit raffinierten Perspektivwechseln und präzise gesetzten Rückblenden entfaltet sich ein Thriller, der nicht nur fesselt, sondern auch verstört.

Die Charaktere wirken lebendig, nahbar, sympathisch, mit Ecken und Kanten, die sie greifbar machen. Zwar bedienen sie gelegentlich bekannte Muster, doch gerade das verleiht ihnen eine gewisse Vertrautheit, als würde man alte Bekannte in einer neuen, bedrohlichen Welt wiedersehen.

Doch was diesen Thriller wirklich auszeichnet, ist seine gesellschaftliche Wucht: Brun zeigt, dass das wahre Grauen nicht in dunklen Gassen lauert, sondern in den unsichtbaren Systemen, die unser Leben steuern.
Fazit:⭐⭐⭐⭐„Algorithmus des Teufels“ ist ein kluger, düsterer Blick auf eine Zukunft, die längst begonnen hat – und auf Menschen, die darin zu verschwinden drohen. Ein packender, nachdenklich stimmender Roman, der lange nachhallt.

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Veröffentlicht am 27.10.2025

Wenn verletzte Seelen zurückschlagen

The Final Wife
10

„The Final Wife" – Der Titel klingt nach einem endgültigen Versprechen. Schon das Cover, das unscheinbar und düster in schwarz gehalten ist und lediglich das Seitenprofil einer Blondine zeigt, deutet die ...

„The Final Wife" – Der Titel klingt nach einem endgültigen Versprechen. Schon das Cover, das unscheinbar und düster in schwarz gehalten ist und lediglich das Seitenprofil einer Blondine zeigt, deutet die beklemmende Atmosphäre des Buches an. Es ist die optische Ruhe, die die psychologische Intensität im Inneren nur noch stärker hervorhebt.

Der Einstieg ist ein Paukenschlag: Wir sind Zeugen des Todes von Luke Whitney, einem Schönheitschirurgen, dem die Frauen zu Füßen liegen und des schockierenden Geständnisses seiner zweiten Ehefrau Anna, ihn getötet zu haben. Basierend darauf ist die erste Interpretation naheliegend: Luke ist der Bösewicht, der scheinbar seine Frau misshandelt hat, und Anna ist die verzweifelte Rächerin. Die Titelgebung "The Final Wife" scheint dies zu bestätigen: Sie war nicht die Erste, doch sie wird die Letzte sein, die er quält. Doch hier beweist die Autorin Jenny Blackhurst ihr wahres Talent: "Tja, das wäre wohl sonst auch zu einfach gewesen." Die Geschichte dreht sich unerwartet, wird vielschichtiger und weitaus dunkler als erwartet.

Was als klassisches Rachemotiv beginnt, entpuppt sich als ein raffiniertes Geflecht aus Täuschungen, Geheimnissen und einer komplexen Beziehungsdynamik. Die Geschichte entfaltet sich in einem ständigen, atemlosen Perspektivenwechsel, der die Lebensgeschichte der Charaktere in ihrer Vergangenheit freilegt und gleichzeitig ihre aktuellen Schachzüge beleuchtet. Ein abgründiges Spiel um Macht, Besitz und der Maxime: „Nur weil man etwas bekommt, heißt das noch lange nicht, dass man es behalten kann.“ Die Spannung entsteht nicht nur durch die Frage: Wer es war (die ja vermeintlich beantwortet ist), sondern durch die viel wichtigere Frage: Warum? Und vor allem: Was ist wirklich passiert?
Fazit: Ein Muss für alle Fans des intelligenten Psycho-Thrillers. Der Leser wird Zeuge eines psychologisch tiefgründigen Spiels, das bis zur letzten Seite in Atem hält und lange nach dem Zuklappen des dunklen Covers aber auch noch zum Nachdenken anregt.

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Veröffentlicht am 12.10.2025

"My home is my castle." – Doch den Schlüssel hat der Mörder

Welcome Home – Du liebst dein neues Zuhause. Hier bist du sicher. Oder?
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Das Cover ist eine meisterhafte Täuschung. Es präsentiert den Titel des Buches scheinbar harmlos auf einer Fußmatte und vermittelt ein Symbol des Willkommens. Doch dann, beim geringsten Wackeln, entfaltet ...

Das Cover ist eine meisterhafte Täuschung. Es präsentiert den Titel des Buches scheinbar harmlos auf einer Fußmatte und vermittelt ein Symbol des Willkommens. Doch dann, beim geringsten Wackeln, entfaltet sich die Schreckensvision: Die Matte ist nun blutgetränkt, ein monströses Messer liegt davor. Ist dies eine eiskalte, blutige Vorahnung? Ein düsterer, unmissverständlicher Hinweis darauf, dass das ersehnte neue Heim alles andere als ein Ort des Willkommens, sondern vielmehr eine tödliche Falle sein könnte?

Wer könnte die unbändige Euphorie des Ehepaars Marco und Ines Winkler nicht nachempfinden? Gemeinsam mit ihrer Tochter Emilia und dem geliebten Labradoodle James beziehen sie ihr eigenes, neues "Castle". Ein Traumhaus, eingebettet in die idyllische, neugebaute Siedlung "Auf Mons", umringt von flüsternden Wäldern und scheinbar freundlichen Nachbarn. Aber bist du hier auch wirklich sicher?

Strobel zeichnet von Beginn an düstere Vorzeichen auf, eine tiefe, beklemmende Novemberstimmung aus wabernden Nebelmassen, unablässigem Nieselregen, durchdringender Dunkelheit und Kälte. Parallel dazu beginnt das Unheil, Ines erschaudert, als sie nachts eine schattenhafte Gestalt im leerstehenden Haus nebenan bemerkt. Und am nächsten Morgen in diesem Haus die erste Leiche auftaucht.

Strobel schreibt flüssig und sorgt für einen zügigen Lesefluss. Die gesamte Handlung spielt sich auf Mons ab. Ob die exakten Nachbarschafts- und Straßendetails dabei nötig sind, sei dahingestellt – sie wirken oft überflüssig. Das Miträtseln ist der größte Pluspunkt. Der Autor bevölkert seine Geschichte mit einer schillernden Galerie von sonderbaren Charakteren, deren skurrile Eigenheiten jeden zum potenziellen Mörder machen. Faszinierend ist die Integration der Synästhesie, einer Krankheit, die mir bisher unbekannt war und der Handlung eine interessante Note verleiht. Die Kriminalpolizei agiert eher passiv und mehr als bizarr. Sie ist zwar präsent, aber ihre zögerliche Haltung, sich nicht direkt in den betreffenden Häusern zu positionieren, ist nur schwer nachvollziehbar.

Fazit: ⭐️⭐️⭐⭐️️ für „Welcome Home“. Ein unterhaltsamer Thriller, der allerdings erst ab der Hälfte des Buches wirklich in Fahrt kommt. Wer den zähen Anfang übersteht, wird belohnt.

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