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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.05.2023

Alles andere als romantisch!

Es war einmal in Brooklyn
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Es ist der Sommer 1977 in New York, in dem es eines Nachts zum großen Blackout kommt und sich auch das bisherige Leben von Juliette und David für immer verändern wird.
Anfangs wirkt es noch wie eine klassisch ...

Es ist der Sommer 1977 in New York, in dem es eines Nachts zum großen Blackout kommt und sich auch das bisherige Leben von Juliette und David für immer verändern wird.
Anfangs wirkt es noch wie eine klassisch süße Liebesgeschichte, die sich aus einer Freundschaft entwickelt, die bereits seit Kindertagen besteht. Dazu gehört auch ein Entjungferungs-Pakt, den die Beiden vor dem College einlösen wollen.
David erkrankt dann jedoch an einem aggressiven Krebs und Juliette trifft auf einer Party zufällig auf Pizzabote Rico, in den sie sich rettungslos verliebt. Während David Gefühle für Juliette hegt und sicher ist, das Rico sie nur ausnutzt, distanziert sie sich immer mehr von ihrem Freund aus Kindertagen.
Das Buch hat an dem Abend des Blackouts, eine extreme Wendung für die zwei Hauptprotagonisten parat, die mich sehr erschüttert und die weiteren Entwicklungen maßgeblich beeinflusst.

Berührend, aber auch nüchtern und nachvollziehbar, beschreibt Syd Atlas die Story von David und Juliette. Auf den ersten Blick hat es sogar den Anschein, es handele sich möglicherweise um eine Neuinterpretation von Romeo & Julia. Doch der Schein trügt. Es ist alles andere, als romantisch und verträumt. Hier wird eine harte, unbarmherzige Wirklichkeit beschrieben, die mir immer wieder sehr nah geht und es mir unmöglich machte, aufzuhören zu lesen. Und obwohl ich mir so sehr ein anderes Ende gewünscht habe, sollte es nicht sein.

Für dieses Buch möchte ich sehr gerne eine LESEEMPFEHLUNG geben.

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Veröffentlicht am 11.05.2023

Pageturner

In blaukalter Tiefe
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Caroline ist Chefin eines Lifestyle-Magazins und Ehefrau eines ebenfalls sehr erfolgreichen Steueranwalts mit eigener Kanzlei.

Kurz vor ihrem geplanten Segeltörn, überrascht Andreas seine Frau mit der ...

Caroline ist Chefin eines Lifestyle-Magazins und Ehefrau eines ebenfalls sehr erfolgreichen Steueranwalts mit eigener Kanzlei.

Kurz vor ihrem geplanten Segeltörn, überrascht Andreas seine Frau mit der Nachricht, dass er einen angehenden Sozius und dessen Freundin mit auf den Trip eingeladen hat. Caroline ist alles andere als begeistert, da der gemeinsame Segelurlaub vor allem dazu dienen soll, ihrer eingeschlafenen Beziehung einen neuen Aufwind zu geben. Während es nach dem ersten Tag noch danach aussieht, dass sich die Eheleute wieder annähern, werden immer mehr Risse an deren Fassade sichtbar und auch Carolines Befürchtungen scheinen sich zu bestätigen. Auf dem kleinen Segelboot treffen nämlich zwei vollkommen unterschiedliche Paarungen aufeinander, die einfach nicht zusammenpassen. Und dann ist da noch Skipper Eric, der schwer bemüht ist, sich vom Rest abzukapseln.
Kaum hat die Reise begonnen, bekommen Andreas und David eine Hiobsbotschaft aus der Kanzlei. Staatsanwaltschaft und Steuerfahndung sind intensiv am ermitteln. Während sich sein Chef davon gar nicht beeindrucken lässt, verfällt David zunehmend in Panik und versucht die Angelegenheit aus der Entfernung zu klären. Dabei vernachlässigt er seine Freundin Tanja, die sich ohnehin nur schwer mit der Gesamtsituation anfreunden kann und Andreas nutzt diesen Umstand ebenfalls aus, um unterschwellige Machtspielchen zu spielen.
Es ist somit nur eine Frage der Zeit, bis sich die fehlenden Rückzugsmöglichkeiten und die Mischung von zwischenmenschlichen Problemen und Provokationen in einem gigantischen Sturm entlädt.

Da die Story aus den Perspektiven der einzelnen Crew-Mitglieder erzählt wird, ändert sich ständig der Blickwinkel und man lernt gleichzeitig die einzelnen Protagonisten und ihre Beweggründe immer besser kennen.
Wie beim Abpellen einer Zwiebel kommen hier einzelne Schichten und dadurch auch menschliche Abgründe zum Vorschein, die unerwartet ein neues Licht auf die Charaktere und Geschehnisse werfen und so wieder eine ganz neue Spannung in die Handlung bringen.Nur mit dem Ende hadere ich ein wenig, da es etwas überhastet und unvollständig wirkt.
Das Segelsetting überzeugt hingegen vollends. Das verwendete Vokabular ist sehr danach ausgerichtet und zusammen mit der Erzählweise fühlt es sich tatsächlich von Beginn an so, als wäre man mit an Bord der „Querelle“.
Das scheint der Grund zu sein, warum dieses Buch ein wahrer Pageturner ist und von mir an dieser Stelle natürlich auch eine LESEEMPFEHLUNG erhält.

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Veröffentlicht am 02.05.2023

Falsche Zielgruppe

3000 Yen fürs Glück
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Miho steht an einem Wendepunkt in ihrem Leben und möchte sich einen Hund und ein eigenes Haus leisten. Ihre Schwester Maho ist mit einem Feuerwehrmann verheiratet und hat ein Kind. Das Geld ist knapp. ...

Miho steht an einem Wendepunkt in ihrem Leben und möchte sich einen Hund und ein eigenes Haus leisten. Ihre Schwester Maho ist mit einem Feuerwehrmann verheiratet und hat ein Kind. Das Geld ist knapp. Und auch ihre Mama, sowie die Großmutter Kotoko machen sich zunehmend Gedanken um ihre finanzielle Zukunft, so dass sich letztere mit ihren 70 Jahren eine Arbeit suchen möchte.

Die vier Frauen, die drei verschiedene Generationen abbilden, unterscheiden sich nicht nur hinsichtlich des Umgang mit Geld, sondern auch mit dem Ein-j und Ansparen finanzieller Mittel. Die Abschnitte, in denen sich dann explizit mit dem Spar-Aspekt beschäftigt wird, sind für mein Empfinden jedoch teilweise viel zu langatmig und ausschweifend geraten und haben von der eigentlichen Handlung sehr abgelenkt. Zudem stolpert man beim Lesen immer wieder über zahlreiche, ausschließlich in Yen angegebenen Geldbeträge, mit denen ich als deutsche Leserin nicht wirklich etwas anfangen kann. Ein Sparfuchs lernt hier jedenfalls eher nichts Neues. Methoden wie das Führen eines Haushaltsbuches sind schließlich hinreichend bekannt und alles andere im Buch zu umständlich erklärt. Man sollte keinesfalls DIE „ultimativen“ Ratschläge zum Sparen erwarten.
Betrachtet man das Buch mit dem kulturellen Hintergrund der Autorin, ist es jedoch kein Wunder, dass dieser Roman in Japan ein Bestseller geworden ist.
Es wirkt wie ein unaufdringlicher Ratgeber, der sich in erster Linie an (zukünftige) Hausfrauen und Witwen in der konservativen, patriarchalischen japanischen Gesellschaft richtet. Durch die Lebenssituationen, in denen sich die Protagonistinnen in der Geschichte jeweils befinden, werden nämlich gerade die Schwachstellen der traditionelle Lebensweise, die das Eingehen einer Ehe als erstrebenswert und gleichbedeutend für eine finanzielle Absicherung sieht, unmissverständlich thematisiert. In diesem Fall lohnen sich dann auch die aufgezeigten Möglichkeiten, mit denen sich die Frau zumindest in monetärer Hinsicht, eine gewisse Unabhängigkeit sichern kann.

Insgesamt hat mir der zwischenmenschliche Aspekt in dem Roman ganz gut gefallen, wurde jedoch an einigen Stellen zu sehr von dem Spar-Thema überlagert und konnte mich daher am Ende nicht vollends überzeugen.

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Veröffentlicht am 01.05.2023

Solide

Das Letzte, was du hörst
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Mitten im Gespräch bricht das Telefonat zwischen Journalistin Roya Mayer und ihrer psychisch labilen Freundin ab. Kurz darauf werden Martina und ihr Mann tot aufgefunden. Die Polizei geht zunächst von ...

Mitten im Gespräch bricht das Telefonat zwischen Journalistin Roya Mayer und ihrer psychisch labilen Freundin ab. Kurz darauf werden Martina und ihr Mann tot aufgefunden. Die Polizei geht zunächst von Mord mit anschließendem Suizid aus. Und auch als eine weitere Leiche auftaucht, führen die Spuren zunächst in eine andere Richtung. Da sich die zuständige Ermittlerin Carola und Journalistin Roya schon bei ihrer ersten Begegnung nicht riechen können, behält Roya ihre Vermutung für sich, wer tatsächlich hinter den Todesfällen stecken könnte.
Denn sie hat festgestellt, dass die toten Frauen eine Gemeinsamkeit aufweisen: Das Letzte, was sie alle unmittelbar vor ihrem Tod gehört haben, war der Podcast „Hörgefühlt“ von Marc Maria Hagen. Wer genau hinter dieser charismatischen Stimme steckt, der die Frauen reihenweise verfallen, versucht sie auf den Grund zu gehen. Dazu verschafft sie sich unter falschem Namen Zugang zu einem seiner exklusiven Wochenendseminaren auf einem abgelegen Mühlenhof.
Kann sie den Mörder entlarven, bevor sie selbst entdeckt wird?!

Mein erster Thriller von Andreas Winkelmann und schon nach den ersten Seiten habe ich eine Gänsehaut. Leider flacht die anfängliche Spannung zur Mitte hin merklich ab und nimmt erst wieder Fahrt auf, als sich Journalistin Roya jeglichen gesunden Menschenverstandes widersetzend, wohlwissentlich in die Höhle des Löwen begibt, ohne irgendjemandem ansatzweise einen Hinweis über ihren Aufenthaltsort zu hinterlassen.
Auch wenn sich das Buch nicht als Highlight entpuppt, hat es mich dennoch sehr gut unterhalten. Der Autor hält hier einige unerwartete Plottwists bereit. Gerade das Ende fand ich besonders überraschend.

Trotz des etwas durchwachsenen Spannungsbogens, ein lohnenswertes Leseerlebnis.

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Veröffentlicht am 24.04.2023

Wunderbar gegen Leseflauten

Die Tage in der Buchhandlung Morisaki
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Das Leben von Takako steht plötzlich Kopf, als ihr Freund und Arbeitskollege verkündet, dass er demnächst heiraten wird und ihre Beziehung sich dabei als Affäre entpuppt.
Tief verletzt, verkriecht sich ...

Das Leben von Takako steht plötzlich Kopf, als ihr Freund und Arbeitskollege verkündet, dass er demnächst heiraten wird und ihre Beziehung sich dabei als Affäre entpuppt.
Tief verletzt, verkriecht sich Takako anschließend nur noch in ihr Bett und sieht sich letztlich sogar gezwungen, ihren Job zu kündigen. Dastehend, ohne Zukunftsperspektive, wird sie von ihrer Mutter überredet, Onkel Saruto in dessen Antiquariat im legendären Bücherviertel Jimbōchō unter die Arme zu greifen. Sie bezieht zunächst das Apartment über der Buchhandlung, das neben ihr, vor allem eine große Auswahl literarischer Schätze beherbergt.
Takako die anfangs gar kein Interesse an Büchern hat, kann sich der Magie der Bücher auf Dauer nicht entziehen und entdeckt ihre Leseleidenschaft. Auch über die Stammkunden ihres Onkels knüpft sie neue Kontakte und findet wieder zurück in den Alltag.

In dem Buch geht es nicht nur um Enttäuschungen im Leben, Hoffnung und Freundschaften, die mithilfe von Büchern geknüpft werden. Es wird zu dem ein dezenter Blick, auf die so typische Zurückhaltung und Höflichkeitskultur der japanischen Gesellschaft geworfen, die es den Protagonisten erschweren, offen mit ihren Gefühlen umzugehen. Vor allem Dank Onkel Saruto und Tante Momoko kommen Humor und Tiefgang nicht zu kurz.
Die Geschichte hat mich von Beginn an begeistert und schneller als mir lieb war, bin ich durch die Seiten geflogen, was sicher auch an dem leichten und bildhaften Schreibstil lag.
Ein wunderbares, herzerwärmendes Highlight der japanischen Literatur und bestimmt die perfekte Lektüre, um eine Leseflaute zu überwinden.
LESEEMPFEHLUNG!

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