Was ist Traum, was ist Realität?
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Inhalt: 1967 verschwindet die junge Stína spurlos, als sie nach dem Besuch bei einer Freundin nach Hause läuft. Die Ermittlungen verlaufen im Sande und ihr Schicksal bleibt ungeklärt. Zehn Jahre später kehrt ihre Schwester Marsi in ihr Heimatdorf zurück und beginnt, die damaligen Ereignisse zu hinterfragen. Je tiefer sie gräbt, desto mehr Geheimnisse kommen ans Licht.
Mein Leseeindruck: Eva Björg Ægisdóttir kenne ich bereits von ihrer Reihe „Mörderisches Island“, die mir sehr gut gefällt. Auch hier konnte mich ihr Schreibstil wieder überzeugen. Er liest sich flüssig, ist atmosphärisch dicht und sorgt dafür, dass man nur so durch die Seiten fliegt. Besonders gefallen haben mir die Wechsel zwischen verschiedenen Perspektiven und Zeitebenen, die nach und nach ein immer vollständigeres Bild der Ereignisse entstehen lassen.
Auch Island als Handlungsort hat mich erneut begeistert. Die karge Landschaft, das kleine ländliche Heimatdorf und die bedrückende Atmosphäre im Elternhaus verleihen der Geschichte von Beginn an eine besondere Stimmung.
Im Mittelpunkt der Geschichte steht Marsi. Zum Jahrestag des Verschwindens ihrer Schwester kehrt sie nach Hause zurück und beginnt, Fragen zu stellen. Warum wurden bestimmte Spuren nicht verfolgt? Warum scheint niemand mehr über das Geschehene sprechen zu wollen? Gleichzeitig trägt auch Marsi ihre eigenen Geheimnisse mit sich herum. Dazu kommt, dass sie unter Schlaflosigkeit leidet und nicht immer klar zwischen Traum und Realität unterscheiden kann. Ihre Schuldgefühle und ihre innere Zerrissenheit machen sie für mich zu einer sehr menschlichen und glaubwürdigen Figur.
Im Laufe der Geschichte stößt Marsi auf zahlreiche Spuren und Hinweise. Allerdings werden diese nicht immer konsequent weiterverfolgt. Insgesamt wirkte die Spurensuche auf mich daher stellenweise etwas unstrukturiert. Auch die Spannung bleibt nicht durchgehend auf demselben hohen Niveau. Dennoch habe ich das Buch sehr gern gelesen, da mich die Atmosphäre und die Familiengeschichte fesseln konnten. Besonders interessant fand ich zudem, dass ich wieder etwas über einen weniger bekannten Aspekt der isländischen Geschichte erfahren habe.
Fazit: Für mich weniger ein klassischer Thriller als vielmehr eine psychologisch dichter Kriminalroman über Schuld, Erinnerung und familiäre Geheimnisse. Trotz kleiner Schwächen bei der Spurensuche hat mich die Mischung aus Familiengeheimnissen, nordischer Atmosphäre und psychologischer Tiefe gut unterhalten.