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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.07.2024

Fesselnd, faszinierend, bedrückend

Darwyne
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Darwyne wächst zusammen mit seiner Mutter in einem Slum am Rande des Amazonas Regenwaldes auf. Geboren mit einer Fehlstellung der Füße liebt er seine Mutter abgöttisch während diese ihn verachtet und mit ...

Darwyne wächst zusammen mit seiner Mutter in einem Slum am Rande des Amazonas Regenwaldes auf. Geboren mit einer Fehlstellung der Füße liebt er seine Mutter abgöttisch während diese ihn verachtet und mit erschreckenden Mitteln versucht zu „richten“.

Nur eine Mitarbeiterin des Jugendschutzes erkennt die Begabung des Jungen, der eine starke Verbindung zum Dschungel und der darin lebenden, vielfältigen Tierwelt spürt und lebt.

Die Situation, in der Darwyne aufwächst ist aus seiner Sicht sehr nüchtern, fast relativierend beschrieben und verdeutlicht wie stark die Liebe des Kindes zu seiner Mutter ist und was er alles zu akzeptieren bereit ist, um ihr zu gefallen. Als außenstehender Leser ist diese Beziehung sehr bedrückend, ja verstörend. Umso mehr als Darwyne hier exemplarisch für viele physisch oder emotional misshandelte Kinder steht.

Im Wald findet der Junge Ruhe und zu sich selbst und der Autor nimmt uns mit in den Amazonas und lässt die schützenswerte Tierwelt, die Vegetation und die Geräuschkulisse für uns lebendig werden. Hierbei lässt er sich von der lokalen Mythologie rund um das zauberhafte Waldwesen Maskilili bzw. Curupira inspirieren, was wirklich meisterhaft und auf eine sehr dezente und authentische Weise gelungen ist.

Darwyne ist vielleicht kein klassischer Thriller, aber ein spannendes Buch, das mich mehr und mehr in seinen Bann gezogen und nicht mehr losgelassen hat. Ein Buch mit einer starken Botschaft und einer gelungenen Mischung aus Realität mit leichten phantastischen Einflüssen. Ein absolutes Highlight.

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Veröffentlicht am 04.07.2024

Beeindruckendes Unterwasser-Worldbuilding

Secrets in the deep
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Protagonistin Linnéa wünscht sich nichts mehr, als endlich als Journalistin durchzustarten und einen großen Artikel zu veröffentlichen. Doch während einer Recherchereise findet sie sich plötzlich in den ...

Protagonistin Linnéa wünscht sich nichts mehr, als endlich als Journalistin durchzustarten und einen großen Artikel zu veröffentlichen. Doch während einer Recherchereise findet sie sich plötzlich in den Fängen einer unbekannten Spezies, viele Meter unter der Meeresoberfläche wieder. Dort lernt sie ihren Entführer näher kennen und es ist spannend zu lesen, wie sich die beiden Charaktere annähern.

Besonders gelungen ist das Worldbuilding. Mit viel Detailreichtum und Phantasie hat die Autorin eine beeindruckende Unterwasserwelt geschaffen. In jedem Satz scheint ihre Liebe für unsere Meere und die darin lebenden Tiere und Pflanzen durch. Bei dem Zusammentreffen der Protagonistin mit Mantas, Putzerfischen und Delfinen wird das Setting lebendig und ruft einem einmal mehr in Erinnerung, wie schützenswert die bunte Artenvielfalt in den Weltmeeren ist.

Hinzu kommt die Spezies der Aqua‘lu, die sich evolutionär und kulturell schon vor tausenden von Jahren anders entwickelt hat und nun mit allen Mitteln versucht, ihren Fortbestand und ihr Überleben im Geheimen zu sichern. Auch hier hat die Autorin eine große Phantasie bewiesen und der Clash zwischen den Kulturen ist sehr einfallsreich und unterhaltsam beschrieben.

Stilistisch musste ich mit dem Buch ehrlich gesagt erst etwas warm werden. Es liest sich insgesamt sehr flüssig und gut, benutzt hier und da aber ein paar eigenwillige Formulierungen, über deren Sinn ich dann erst nachdenken musste. Daran konnte ich mich aber gewöhnen, denn die Geschichte war wirklich schön und fesselnd - kann ich durchaus empfehlen.

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Veröffentlicht am 26.06.2024

Packend und vielschichtig erzählt

Mordsmann
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Autor des Buches ist Ernst Geiger, der in den 1990er Jahren leitender Ermittler in einem der bekanntesten und aufsehenerregendsten Fälle Österreichs war. Er arbeitet den kompletten Fall Jack Unterweger ...

Autor des Buches ist Ernst Geiger, der in den 1990er Jahren leitender Ermittler in einem der bekanntesten und aufsehenerregendsten Fälle Österreichs war. Er arbeitet den kompletten Fall Jack Unterweger noch einmal auf und bringt dabei eine Vielzahl an Perspektiven mit ein. Darauf muss man sich auf jeden Fall einstellen, denn außer seiner eigenen kommen auch die Sichtweisen einiger Opfer und ihrer Angehörigen, der Presse, der internationalen Ermittler, der Gutachter und die des Täters zum Tragen.

Auch wenn der Fall und dessen Ausgang bekannt sind, bietet „Mordsmann“ mit seinen kurzen, wechselnden Kapiteln und der Erzählung rund um einen faszinierenden Narzissten, eine gute und spannende Unterhaltung und vermittelt viele Einsichten und Details.

Insbesondere die psychologischen Aspekte haben mich sehr gefesselt - die Beschreibung, wie Jack sich verhalten hat, wie er von den Menschen - überwiegend Frauen - wahrgenommen wurde, welche manipulative Kraft und Selbstsicherheit er ausstrahlte und was die Gutachter dazu gesagt haben.

Ein rundum gelungener True Crime Roman, in dem der Autor auch einen sehr persönlichen Einblick in sein Leben als Mordermittler erlaubt. Für alle Fans wahrer Kriminalfälle eine absolute Empfehlung.

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Veröffentlicht am 21.06.2024

Rasante Jagd - ein wahrer Pageturner

Das falsche Blut (Ishikli-Caner-Serie 2)
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„Das falsche Blut“ ist schon der zweite Fall für die frühere Auftragskillerin der türkischen Mafia, Ishikli Caner. Mittlerweile arbeitet sie für den Militärischen Abschirmdienst in Deutschland und wird ...

„Das falsche Blut“ ist schon der zweite Fall für die frühere Auftragskillerin der türkischen Mafia, Ishikli Caner. Mittlerweile arbeitet sie für den Militärischen Abschirmdienst in Deutschland und wird in einen komplexen Fall rund um windige Unternehmer, Menschenhandel und Mord hineingezogen.

Ich kenne den ersten Band nicht und auch wenn dieser sicherlich noch einiges mehr an Informationen und Hintergrund über die toughe Kämpferin bereithälthabe ich bei der Lektüre nichts vermisst.

Besonders gut gefallen haben mir die Charaktere in dem Buch. Sowohl die Frauen als auch die Kinder zeigen allesamt Rückgrat und Selbstbewusstsein, sind schlagfertig und werden nicht zu armen schwachen Opfern stilisiert. Und das geschieht, ohne die Männer zu lächerlichen Figuren zu machen. Ganz im Gegenteil sind die Handelnden sich unabhängig vom Geschlecht ebenbürtig. Im Rahmen der rasanten Verfolgungsjagd, die auch stilistisch durch schnell wechselnde Perspektiven unterstützt wird, ist im Vorhinein nie klar, wer den Kürzeren zieht, was die Spannung natürlich enorm steigert.

Mir hat das Buch viel Spaß gemacht und spätestens ab dem letzten Drittel konnte ich es nicht mehr aus der Hand legen. Den ersten Band werde ich auf jeden Fall nachholen während ich auf eine Fortsetzung hoffe.

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Veröffentlicht am 15.06.2024

Eine erschütternde Autobiografie

Solito
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In Solito („alleine“) schildert der Autor Javier Zamora seine eigenen, traumatischen Kindheitserinnerungen. Als Neunjähriger wurde er für alt genug befunden, sich mit der Hilfe von Schleusern und einer ...

In Solito („alleine“) schildert der Autor Javier Zamora seine eigenen, traumatischen Kindheitserinnerungen. Als Neunjähriger wurde er für alt genug befunden, sich mit der Hilfe von Schleusern und einer kleinen Gruppe Flüchtlinge auf die gefährliche Reise zu seinen Eltern nach Kalifornien zu machen. Diese hatten El Salvador schon einige Jahre zuvor verlassen, um vor den Todesschwadronen und der Aussichtslosigkeit zu fliehen.

Über Guatemala und Mexiko geht es über die Grenze nach Amerika - mit gefälschten Pässen, durch Kontrollen, auf Lastwagen, zu Fuß, über das Meer und durch die Wüste.

Der Schreibstil ist recht nüchtern aber ich halte dies für absolut angemessen. Ich denke, eine gewisse Distanz war die einzige Möglichkeit für den Autor, diese unfassbare Flucht zu Papier zu bringen. Er selbst schreibt, dass ihm das ohne die Hilfe seiner Therapeutin nicht möglich gewesen wäre. Zudem wird die lange Zeit der Reise, während der die Gefühle permanenter Angst, des Wartens und der akuten Lebensbedrohung vorherrschen, sehr eindrücklich geschildert.

Sich immer wieder bewusst zu machen, dass all dies einem Kind tatsächlich passiert ist, ist kaum zu ertragen. Umso dankbarer ist man für die anderen Menschen der Gruppe, die in Zeiten der eigenen Verzweiflung und Angst eine unfassbare Stärke und Menschlichkeit zeigen.

Dieses Buch kann ich wirklich jedem ans Herz legen. Der einzige Grund, warum ich keine 5 Sterne vergebe sind die vielen Wörter, Phrasen und Sätze, die unübersetzt in Spanisch im Text stehen. Als Leserin ohne Spanischkenntnisse hat es gravierend meinen Lesefluss gestört, all diese Phrasen im Anhang nachschlagen zu müssen. Bei Eigennamen, Spitznamen oder ähnlichem macht das auch Sinn und man hätte die Übersetzung vielleicht direkt im Text oder als Fußnote auf der Seite einfließen lassen können. Aber wenn dann auch Wörter wie „beinahe“ oder „natürlich“ nicht übersetzt werden, erschließt sich mir das nicht.

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