Die andere Seite der Mutterschaft
Der VerdachtAls Mutter muss man seine Kinder lieben, oder?
Was, wenn es nicht so ist?
Und was, wenn man sein Kind für das Schrecklichste verantwortlich macht, was einem je passiert ist?
“Der Verdacht” beschäftigt ...
Als Mutter muss man seine Kinder lieben, oder?
Was, wenn es nicht so ist?
Und was, wenn man sein Kind für das Schrecklichste verantwortlich macht, was einem je passiert ist?
“Der Verdacht” beschäftigt sich mit einer Mutter, die erst voller Vorfreude auf ihr perfektes Familienglück ist und mit der Geburt von Panik ergriffen wird. Sie kann keine Liebe empfinden für das kleine Wesen, das unaufhörlich schreit, kämpft noch mit den Strapazen des Wochenbetts und fürchtet gleichzeitig, eine ebenso abwesende Mutter wie ihre eigene zu sein.
Von Anfang an hat sie das Gefühl, ihre Tochter kann sie nicht leiden und fragt sich, ob das auf Gegenseitigkeit beruht.
Viele Unsicherheiten und anfängliche Zweifel konnte ich gut nachempfinden und so schafft die Autorin eine interessante Mischung aus Verbundenheit und Distanziertheit zur Protagonistin.
Ungewöhnlich ist auch der Erzählstil, denn der Roman ist in Briefform geschrieben und spricht den (Ex-)Mann der Protagonistin direkt an. So erfahren wir die Sicht der Mutter selbst und fragen uns ständig, wie glaubwürdig die Erzählerin ist. Die so gesäten Zweifel bestehen bis zum Schluss.
Zwischendurch tauchen immer wieder Kapitel auf, welche die Generationen von Müttern vor der Protagonistin beleuchten und zeigen auf, wie sich die fehlende Fürsorge zum eigenen Nachwuchs durch den gesamten Stammbaum zieht.
Der Roman behandelt viele Themen, beschäftigt sich aber insbesondere mit der Frage, ob jemand böse geboren werden kann oder ob unsere elterlichen Projektionen einen Menschen zu dem formen, der er ist.
Ich konnte ihn kaum aus der Hand legen und wurde voll und ganz von der unterschwelligen Spannung eingenommen. Das Ende ist halboffen, die oben genannte Frage bleibt unbeantwortet und lässt einen etwas unbefriedigt zurück. ⭐️4/5⭐️
*Übersetzt von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann