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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.04.2026

Ein vielschichtiges, berührendes Buch über Mutterschaft in all ihren Facetten

Alle meine Mütter
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„Alle meine Mütter“ von Lena Gorelik ist ein sehr eindringliches und besonderes Buch, das sich mit der wohl prägendsten Beziehung im Leben eines Menschen beschäftigt: der zu den Müttern – biologisch, emotional, ...

„Alle meine Mütter“ von Lena Gorelik ist ein sehr eindringliches und besonderes Buch, das sich mit der wohl prägendsten Beziehung im Leben eines Menschen beschäftigt: der zu den Müttern – biologisch, emotional, gewählt oder verloren.

Statt einer klassischen Romanhandlung besteht das Buch aus vielen einzelnen Perspektiven, Geschichten und Momentaufnahmen. Genau das macht es inhaltlich so stark: Es zeigt Mutterschaft nicht als einheitliches Bild, sondern in all ihren Brüchen, Widersprüchen und Facetten. Dabei geht es um Nähe und Distanz, Liebe und Überforderung, Verlust, Sehnsucht und Identität.

Besonders gelungen finde ich die Vielfalt der Stimmen. Unterschiedliche Lebensrealitäten und kulturelle Hintergründe fließen ein und machen das Buch sehr authentisch und vielschichtig. Viele Gedanken wirken lange nach und regen zum Reflektieren an.

Gleichzeitig erfordert die fragmentierte Erzählweise etwas Konzentration, da kein durchgehender roter Faden im klassischen Sinne vorhanden ist. Man muss sich immer wieder neu in die jeweiligen Perspektiven hineinfinden. Für mich hat das die emotionale Wirkung jedoch nicht geschmälert, sondern eher verstärkt, weil jede Geschichte für sich stehen darf.

Fazit: Ein wichtiges, feinfühliges und literarisch besonderes Buch über Mutterschaft, Identität und das, was uns geprägt hat – vielschichtig, anspruchsvoll und sehr berührend.

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Veröffentlicht am 05.04.2026

Zwei Welten treffen aufeinander – ruhig, eindringlich und authentisch

Solange ein Streichholz brennt
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Die Erzählweise des Hörbuchs ist ruhig und klar, man geht sofort mit und taucht in die Geschichte ein. Die beiden Protagonisten werden von Robert Stadlober und Maria Wördemann gesprochen. Ihre Stimmen ...

Die Erzählweise des Hörbuchs ist ruhig und klar, man geht sofort mit und taucht in die Geschichte ein. Die beiden Protagonisten werden von Robert Stadlober und Maria Wördemann gesprochen. Ihre Stimmen passen perfekt zu den Figuren, unterscheiden sie klar voneinander und wirken weder überzogen noch künstlich. Dadurch wird man direkt in die jeweilige Lebensrealität hineingezogen, obwohl die Welten der beiden so unterschiedlich sind. Der Erzähler schafft es, die Geschichte lebhaft und authentisch zu vermitteln, ohne dass die Lesegeschwindigkeit zu schnell oder zu langsam wirkt.

Die Geschichte selbst behandelt ein sehr relevantes Thema: wie ein Leben aus den Fugen gerät, hier konkret Obdachlosigkeit, wie es dazu kommt und wie unsere Gesellschaft damit umgeht bzw. oft wegschaut. Die Begegnung zwischen dem Obdachlosen Bohm und der jungen Journalistin Alina, die zunächst ehrgeizig ist, aber am System zu zweifeln beginnt, ist sehr eindringlich dargestellt. Auch die Medienlandschaft wird reflektiert, ihre Härte und Oberflächlichkeit, die Menschen kaputtmachen kann, wird auf eine ruhige, authentische Weise ohne erhobenen Zeigefinger gezeigt. Die Herkunft spielt dabei immer eine Rolle und beeinflusst die Wahrnehmung und Handlungsoptionen der Figuren subtil, aber deutlich.

Der Erzählfluss des Hörbuchs ist hervorragend, man möchte es kaum aus der Hand legen. Das Tempo ist perfekt, es gibt keine Längen, und selbst der Wechsel von Kapiteln wird durch die Sprechweise ausgeglichen, sodass alles sehr flüssig wirkt. Die Länge ist genau richtig, die Geschichte packend erzählt und die Balance zwischen Spannung und Reflexion stimmt.

Besondere Elemente wie Musik oder Soundeffekte werden hier nicht verwendet, was der Klarheit und Authentizität der Erzählung zugutekommt. Die Stimmen der Sprecher tragen die Geschichte vollkommen, die Emotionen, Zwischentöne und Dynamik kommen dadurch sehr gut zur Geltung.

Insgesamt ist das Hörbuch ein intensives Erlebnis. Es bleibt berührend, ohne je rührselig zu werden, und regt zum Nachdenken an. Die Art und Weise, wie Autor und Sprecher zusammenarbeiten, schafft ein stimmiges und eindringliches Hörerlebnis, das die Kontraste zwischen Bohms und Alinas Leben, ihren Hoffnungen, Ängsten und Realitäten sehr gut einfängt.

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Veröffentlicht am 05.04.2026

Schönes Setting, aber emotional hat es mich nicht erreicht

Der Sommer, der uns blieb
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Ich war direkt angetan von der liebevollen Gestaltung und dem super flüssigen Einstieg – man ist sofort in der Geschichte drin. Gerade die Idee mit den drei Freunden, die sich verlieren und später wieder ...

Ich war direkt angetan von der liebevollen Gestaltung und dem super flüssigen Einstieg – man ist sofort in der Geschichte drin. Gerade die Idee mit den drei Freunden, die sich verlieren und später wieder aufeinandertreffen, um Vergangenes aufzuarbeiten, fand ich richtig vielversprechend.

Leider blieb es für mich genau dabei: viel Potenzial, aber wenig emotionale Tiefe. Ich bin zwar schnell durch die Seiten geflogen, habe aber kaum mitgefühlt. Die Figuren wirken eher eindimensional und bleiben in ihren Rollen, ohne große Entwicklung oder Überraschungen.
Auch die Freundschaft als zentrales Thema konnte mich nicht wirklich berühren.

Das sommerliche Setting mochte ich sehr, aber insgesamt bleibt die Geschichte für mich zu oberflächlich und wird mir vermutlich nicht lange im Gedächtnis bleiben.

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Veröffentlicht am 29.03.2026

Wenn Nähe herausfordert und stärkt

Sie wollen uns erzählen
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Birgit Birnbacher erzählt intensiv und sehr persönlich über Mutter und Sohn, die beide auf ihre Weise aus dem Raster fallen. Die Figuren sind authentisch, ihre Dynamik nah, chaotisch, manchmal tragikomisch. ...

Birgit Birnbacher erzählt intensiv und sehr persönlich über Mutter und Sohn, die beide auf ihre Weise aus dem Raster fallen. Die Figuren sind authentisch, ihre Dynamik nah, chaotisch, manchmal tragikomisch. Der direkte, teilweise rohe Stil erfordert etwas Eingewöhnung, fesselt dann aber sofort. Das Setting im Grünen verstärkt die besondere Atmosphäre, und die Familiengeschichte über Generationen verleiht Tiefe. Ein Roman, der berührt, herausfordert und zeigt, wie Nähe und Verständnis trotz Widrigkeiten wachsen können. Sehr empfehlenswert für alle, die sich auf authentische Familiendynamik einlassen möchten.

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Veröffentlicht am 25.03.2026

Erwachsenwerden, Freundschaft und der eigene Weg

Zum ersten Mal
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Schon nach wenigen Seiten wird klar, dass hier weniger eine klassische Geschichte erzählt wird, sondern vielmehr persönliche Erfahrungen und Gedanken geteilt werden, die einen direkt mitnehmen.

Als Sachbuch ...

Schon nach wenigen Seiten wird klar, dass hier weniger eine klassische Geschichte erzählt wird, sondern vielmehr persönliche Erfahrungen und Gedanken geteilt werden, die einen direkt mitnehmen.

Als Sachbuch rund um das Erwachsenwerden, Freundschaften und Lebenswege hat mich das Buch vor allem durch seine ehrliche und nahbare Erzählweise überzeugt. Durch die zwei Perspektiven bekommt man unterschiedliche Blickwinkel, was das Lesen abwechslungsreich macht.

Besonders spannend fand ich die Auseinandersetzung mit Erwartungen an Frauen und dem Druck, der damit einhergeht. Auch die Frage, wie sich Träume im Laufe der Zeit verändern, wird sehr greifbar dargestellt.

Die Autorinnen schaffen es, ihre Gedanken so zu vermitteln, dass man sich selbst darin wiederfindet. Freundschaft wird dabei als etwas Beständiges gezeigt, das Halt gibt und sich gleichzeitig weiterentwickelt.

Ein ehrliches, gut lesbares Buch, das ich gern weiterempfehle – und bei dem ich mir gut vorstellen kann, die Geschichte in einem weiteren Band weiterzuverfolgen.

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