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Veröffentlicht am 19.01.2026

Ein mutiges Buch über Grenzen, Macht und Selbstbehauptung

Hazel sagt Nein
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Hazel sagt Nein hat mich bereits mit seinem modernen, frischen Cover angesprochen, das gut zu einer Geschichte über das Erwachsenwerden passt. Im Mittelpunkt steht Hazel, achtzehn Jahre alt, kurz vor dem ...

Hazel sagt Nein hat mich bereits mit seinem modernen, frischen Cover angesprochen, das gut zu einer Geschichte über das Erwachsenwerden passt. Im Mittelpunkt steht Hazel, achtzehn Jahre alt, kurz vor dem Schulabschluss und an einem Wendepunkt ihres Lebens. Zwischen Zukunftsfragen, Selbstständigkeit und familiären Veränderungen wird sie mit einem schweren Grenzübertritt durch eine Autoritätsperson konfrontiert – und reagiert instinktiv, indem sie Nein sagt. Diese Entscheidung verändert alles.

Die Geschichte wird konsequent aus Hazels Perspektive erzählt, was sie sehr nahbar und eindringlich macht. Besonders gelungen fand ich, wie realistisch dargestellt wird, was ein solcher Einschnitt nach sich zieht: innerlich, im familiären Umfeld und im sozialen Miteinander. Der Prozess des Nein-Sagens und darüber zu sprechen wird sensibel, ehrlich und im richtigen Tempo erzählt. Trotz der Schwere des Themas gibt es immer wieder leise, warme und auch humorvolle Momente, die der Geschichte Raum zum Atmen geben, ohne etwas zu verharmlosen.

Der Schreibstil ist klar, flüssig und gut verständlich. Gefühle, Unsicherheiten und innere Konflikte werden nachvollziehbar dargestellt, ohne ins Überdramatische zu kippen. Auch die Figuren wirken authentisch und stimmig – sowohl Hazel als auch die Nebenfiguren mit ihren unterschiedlichen Reaktionen und Perspektiven.

Für mich ist dieses Buch besonders wichtig, weil es ein hochrelevantes Thema aufgreift und Machtgefälle klar benennt. Es macht Mut, Grenzen zu setzen, laut zu werden und nicht zu schweigen – eine Botschaft, die gerade für junge Menschen von großer Bedeutung ist.

Fazit:
Hazel sagt Nein ist ein bewegendes, sensibles und starkes Buch, das lange nachwirkt. Es erzählt eine belastende Geschichte mit viel Feingefühl, Klarheit und Haltung. Ein Roman, der Gespräche anstößt, Mut macht und den ich Leser:innen aller Altersgruppen sehr ans Herz lege.

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Veröffentlicht am 18.01.2026

Zwischen Freundschaft, Schuld und Selbstfindung

Spielverderberin
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Die Geschichte wird auf zwei Zeitebenen erzählt, was grundsätzlich gut funktioniert und dem Roman Struktur verleiht. Inhaltlich bewegt sich das Buch klar im Coming-of-Age-Bereich und behandelt zahlreiche ...

Die Geschichte wird auf zwei Zeitebenen erzählt, was grundsätzlich gut funktioniert und dem Roman Struktur verleiht. Inhaltlich bewegt sich das Buch klar im Coming-of-Age-Bereich und behandelt zahlreiche relevante Themen wie Freundschaft, Abhängigkeit, Identitätssuche, Mitläufertum und Schuld.

Der Schreibstil ist angenehm, klar und leicht zugänglich. Auch die Grundidee der Geschichte fand ich spannend. Allerdings hatte ich zunehmend das Gefühl, dass sehr viele Themen begonnen werden, ohne wirklich konsequent zu Ende gedacht zu werden. Eine schlüssige Entwicklung oder Auflösung blieb für mich weitgehend aus – insbesondere zum Ende hin.

Mit den Figuren konnte ich nur bedingt mitgehen. Die drei Freundinnen sind zwar unterschiedlich angelegt, wirkten aber stellenweise sehr festgefahren in ihren Mustern. Der Hauptcharakter Sophie war mir persönlich sehr unsympathisch: stark orientierungslos, eifersüchtig und wenig reflektiert. Eine erkennbare Entwicklung oder Lernkurve habe ich kaum wahrgenommen.

Das Cover ist in Ordnung, wirkt auf mich aber eher altmodisch und nicht ganz passend zum jugendlichen Inhalt.

Fazit:
Ein Buch mit vielen wichtigen und aktuellen Themen, das für mich jedoch hinter seinen Möglichkeiten geblieben ist. Wer ruhige Coming-of-Age-Geschichten mag und Offenheit für unbeantwortete Fragen mitbringt, könnte hier dennoch fündig werden – besonders junge Leserinnen und Eltern.

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Veröffentlicht am 12.01.2026

Zwei Leben, zwei Perspektiven – eine spannende Idee

Im Leben nebenan 
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In Im Leben nebenan von Anne Sauer erwacht Toni in zwei parallelen Lebensrealitäten: Einmal lebt sie mit ihrem Partner in der Stadt, wo der Kinderwunsch unerfüllt bleibt, und einmal im Heimatdorf mit ihrer ...

In Im Leben nebenan von Anne Sauer erwacht Toni in zwei parallelen Lebensrealitäten: Einmal lebt sie mit ihrem Partner in der Stadt, wo der Kinderwunsch unerfüllt bleibt, und einmal im Heimatdorf mit ihrer Jugendliebe und einem Baby – obwohl sie diese Entscheidung nie bewusst getroffen hat. Die Idee, ein Leben aus zwei sehr unterschiedlichen Perspektiven zu zeigen, ist spannend und bietet viel Potenzial.

Die Sprecherin Chantal Busse bringt die Figuren frisch und einfühlsam zum Leben. Den Wechsel zwischen den Parallelwelten und den Szenen habe ich manchmal ein bisschen verloren, da Toni/Antonia in beiden Welten die gleiche Stimme hat. Dennoch ließ sich das Hörbuch gut verfolgen.

Inhaltlich werden wichtige Themen wie Kinderwunsch, Mutterschaft und die Überforderung frischgewordener Mütter realistisch dargestellt. Besonders interessant ist der Kontrast, wie sich für den Mann das Leben gefühlt nahezu unverändert weiterentwickelt.

Obwohl die Geschichte nachvollziehbar und spannend ist, konnte sie mich emotional nicht vollständig mitreißen – der Erzählfluss blieb eher gleichmäßig, ohne einen echten Sog zu erzeugen. Für Leserinnen, für die das Thema Kinderwunsch aktuell ist, ist das Hörbuch sehr empfehlenswert. Persönlich würde ich die Geschichte eher im Buchformat empfehlen, da man dort die beiden Welten noch klarer unterscheiden kann.

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Veröffentlicht am 17.12.2025

Winterliche Second-Chance in Schottland

Weihnachten mit Tony
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„‚Weihnachten mit Tony‘ ist eine warmherzige Second-Chance-Geschichte, die in einem winterlichen Schottland spielt und die Vorweihnachtszeit dezent einbettet. Erzählt wird abwechselnd aus den Perspektiven ...

„‚Weihnachten mit Tony‘ ist eine warmherzige Second-Chance-Geschichte, die in einem winterlichen Schottland spielt und die Vorweihnachtszeit dezent einbettet. Erzählt wird abwechselnd aus den Perspektiven von Carrie und Marc, gelegentlich ergänzt durch Tierperspektiven – ein kleiner, feiner Kniff, der Freude bereitet und den Tierschutzgedanken liebevoll einbindet. Dabei erhält man auch interessante Einblicke, wie Tierrettung und der Schutz von Tieren in Schottland organisiert sind, und lernt nebenbei ein wenig über Land, Natur und Kultur.

Die Hauptcharaktere sind gutherzig, idealistisch und manchmal noch etwas unreif, sodass ihre Emotionen oft ihr Handeln bestimmen. Besonders Carrie neigt dazu, impulsiv zu reagieren, was die Kommunikation erschwert und sie zeitweise davonlaufen lässt. Gerade diese menschliche Unvollkommenheit macht die Figuren nahbar und lebendig; man spürt ihre Gefühle, Stärken und Schwächen sehr authentisch. Die Nebencharktere bleiben eher blass. Ein kleiner Wermutstropfen ist, dass der ursprünglich vorhandene Humor die gesamte Geschichte hindurch etwas abnimmt und Tony selbst insgesamt etwas zu kurz kommt – hier hätte ich mir mehr Präsenz und Lebendigkeit gewünscht.

Die Beschreibungen der schottischen Landschaften, verschneiten Dörfer und stillen Seen sind besonders gelungen. Man spürt die Kälte, die Ruhe und die besondere winterliche Atmosphäre – ein echter Pluspunkt für alle, die gern in fremde Länder eintauchen. Wer ein klassisches Cozy-Weihnachtsbuch erwartet, sollte wissen, dass die Geschichte mehr um die zweite Chance von Carrie und Marc kreist als um festliche Weihnachtsstimmung.

Fazit: Unter diesen Umständen ist „Weihnachten mit Tony“ eine charmante und leichte Unterhaltung, die mit liebenswerten Figuren, stimmungsvoller Landschaftsbeschreibung sowie Einblicken in Schottland und Tierschutzthemen punktet. Auch wenn der Humor etwas nachlässt und Tony insgesamt etwas zu kurz kommt, hat das Buch seinen eigenen Reiz. Für Leser*innen, die Second-Chance-Romance mögen und neugierig auf winterliches Schottland sind, ist es daher durchaus eine Empfehlung – 3,5 Sterne.

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Veröffentlicht am 11.12.2025

Ein moderner Beziehungsroman über Erwartungen und Selbstfindung

This isn't happiness
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This Isn’t Happiness lässt sich insgesamt sehr angenehm lesen. Der Schreibstil ist flüssig, die Kapitel haben die richtige Länge und die prägnanten Überschriften geben dem Buch eine schöne Struktur. Besonders ...

This Isn’t Happiness lässt sich insgesamt sehr angenehm lesen. Der Schreibstil ist flüssig, die Kapitel haben die richtige Länge und die prägnanten Überschriften geben dem Buch eine schöne Struktur. Besonders die eingestreuten Mobilfunknachrichten lockern alles auf und bringen moderne Leichtigkeit hinein.

Die Beziehung der beiden Protagonisten begleitet man bereits seit ihrer Jugend. Doch die Handlung setzt ein, als beide längst Ende zwanzig sind – in einer Lebensphase, in der große Entscheidungen wie Hochzeit und Hauskauf anstehen. Genau hier zeigt sich, dass ihre Partnerschaft zwar lange besteht, aber nicht unbedingt auf Augenhöhe funktioniert. Oft wirken sie eher wie ein eingespieltes Team aus alten Zeiten, ohne sich wirklich gemeinsam weiterentwickelt zu haben.

Vor allem Josh kommt unreif rüber: Er verlässt sich stark auf die Frauen in seinem Leben und scheut Verantwortung, was besonders herausfordernd ist, da die beiden auch beruflich miteinander verbunden sind. Amy dagegen gibt häufig nach und stellt ihre eigenen Bedürfnisse hinten an – was beim Lesen manchmal frustriert. Umso wichtiger wird die Rolle von Lace, die frischen Wind bringt, neue Perspektiven eröffnet und Amy ermutigt, sich stärker mit sich selbst auseinanderzusetzen.

Einige Nebenfiguren – wie der übergriffige Verwandte oder Eltern, die die Hochzeit dominieren wollen – verstärken zusätzlich den Eindruck festgefahrener, unreifer Strukturen, aus denen sich Amy erst lösen muss.
Im Verlauf des Buches zeigt Amy eine deutlich spürbare Entwicklung. Sie beginnt, für ihre Wünsche einzustehen und sich von Erwartungen zu lösen. Das hätte für meinen Geschmack gerne früher passieren dürfen, wirkt aber glaubhaft. Josh hingegen bleibt in seiner Entwicklung eher stehen, was die Distanz zwischen den beiden immer sichtbarer macht. Die Kommunikation zwischen ihnen ist lange Zeit geprägt von unausgesprochenen Dingen und Missverständnissen, was das Lesen streckenweise anstrengend macht.
Die Auflösung kommt an einigen Stellen etwas abrupt und wirkt nicht vollständig schlüssig – ohne dass man hier inhaltlich spoilern kann. Positiv hingegen ist, dass die weiblichen Figuren am Ende sehr selbstbestimmt und stark dargestellt werden und ihren eigenen Weg gehen.

Insgesamt ist This Isn’t Happiness ein leicht zu lesender Roman, der besonders Leser*innen ansprechen dürfte, die selbst vor großen Entscheidungen stehen oder sich in den Themen Beziehung, Zukunftsplanung und Erwachsenwerden wiederfinden. Für mich war es eine solide Lektüre mit guten Momenten, aber kein Buch, das langfristig im Gedächtnis bleibt.

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