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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.04.2021

Intelligenter Jugendroman zum Thema Klimawandel und Umweltschutz, welcher schockiert und zum Nach- und Umdenken anregt

Fair Play
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Fair Play - Spiel mit, sonst verlierst du alles! war mein erstes Buch von Kerstin Gulden. Ich wäre auf das Buch wahrscheinlich nicht aufmerksam geworden, hätte mich der Klappentext nicht so angesprochen. ...

Fair Play - Spiel mit, sonst verlierst du alles! war mein erstes Buch von Kerstin Gulden. Ich wäre auf das Buch wahrscheinlich nicht aufmerksam geworden, hätte mich der Klappentext nicht so angesprochen.
Ein fesselnder Roman über ein außer Kontrolle geratenes Experiment an einer Schule. Was hat das mit Umweltschutz zu tun? Welche Rolle spielt Social Media dabei? Und was genau gerät außer Kontrolle? Fragen, die mir auf der Zunge gebrannt haben und auf die ich unbedingt eine Antwort wollte. Kerstin Gulden hat sie mir beantwortet und zwar sehr eindringlich, mit Sogwirkung, sowie viel Kopfschütteln und Entsetzen meinerseits.

Die deutsche Autorin versetzt uns in ihrem Roman an ein Berliner Gymnasium, welches an einem nationalen Wettbewerb zum Thema Umweltschutz teilnimmt. Vier Schülerinnen bzw. Schüler, die unterschiedlicher nicht sein könnten, haben die zündende Idee und entwickeln eine App, welche alle Umweltsünden aufzeichnet. Jeder User - auch Fair Player genannt - hat ein Punktekonto zur Verfügung, welches es gilt im grünen Bereich zu halten. Für jede Autofahrt, Busfahrt oder den geliebten Coffe-to-Go werden Punkte abgezogen. Doch nicht nur diejenigen, welche die App auch benutzen, werden in die Rechnung miteinbezogen. Auch passive User fallen in die Statistik und verschlechtern diese automatisch. Eine Tatsache, die schnell zu Unmut, Rivalitäten und Betrug führt. Denn Ziel ist es, dass das Gesamtkonto nach 3 Monaten im grünen Bereich ist, damit der Wettbewerb gewonnen werden kann.

Das Bild, welches Kerstin Gulden aufzeigt, hat mich nahezu entsetzt. Mit erschreckender Wahrheit schildert die Autorin zu welch furchtbaren und hinterhältigen Handlungen Menschen fähig sind. Schon bald nach Start des Experimentes beginnen Unruhen und Diskussionen, die alsbald in Gruppenbildungen, Erpressungen und tätlichen Angriffen münden. Dabei gerät der eigentliche Sinn des Experimentes - das große Ganze - immer mehr in den Hintergrund und wird durch eigennützige, persönliche Interessen verdrängt.

Die vier Protagonisten, aus deren Sicht wir abwechselnd aus der Ich-Perspektive lesen, schenken sich nichts. Kera, Max, Leonard und Elodie sind zwar ein Team, agieren aber völlig unabhängig voneinander. Es zeigt sich zwar schon zu Beginn, dass die Fair Play Four keine großen Freunde voneinander sind, aber dass sie soweit gehen, hätte ich nie erwartet. Die Abgründe, die sich im Laufe der Handlung auftun, sind nahezu kriminell und nehmen ein großes, für Furore sorgendes, politisches Ausmaß an.

Ich will gar nicht mehr verraten. Ihr müsst es einfach selber lesen und euch ein Urteil bilden. Ich habe das Buch an einem Tag ausgelesen. Kerstin Gulden schreibt derart eindringlich und einnehmend sowie unglaublich intelligent und intensiv, dass ich schnell in einem Sog gefangen war, dem ich mich nicht mehr entziehen konnte. Einfach top!

Fazit

Kannst du dir vorstellen eine App zu benutzen, die all deine Umweltsünden aufzeichnet? Noch dazu wenn jeder über Social Media mitverfolgen kann, ob du gut oder schlecht abschneidest? Lässt du dich zu Taten verleiten, um gut da zu stehen, auch wenn du weißt, dass diese jemanden schaden könnten? Und wie sieht es mit Gruppenzwang aus? Das sind nur einige der Themen, mit denen sich Fair Play - Spiel mit, sonst verlierst du alles! beschäftigt.
Kerstin Gulden hat einen intensiven und unglaublich intelligent erzählten Jugendroman darüber geschrieben, was man einerseits gemeinsam schaffen kann, andererseits welch tragische Auswirkungen es haben kann, wenn die Dinge außer Kontrolle geraten.

Ich fand das Buch einfach großartig! Absolute Leseempfehlung!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.04.2021

Geniales Fantasy-Jugendbuch mit Harry-Potter-Vibes, jeder Menge Action, grandiosen Twists und ganz viel Herz!

Amari und die Nachtbrüder
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Ich bin durch Zufall über Amari und die Nachtbrüder gestoßen, wusste aber sofort nach Lesen des Klappentextes, dass dieses Buch unbedingt bei mir einziehen muss. Und ich wurde auch nicht enttäuscht - im ...

Ich bin durch Zufall über Amari und die Nachtbrüder gestoßen, wusste aber sofort nach Lesen des Klappentextes, dass dieses Buch unbedingt bei mir einziehen muss. Und ich wurde auch nicht enttäuscht - im Gegenteil! Der Debütroman des amerikanischen Autors B.B. Alston hat mich auf ganzer Linie überzeugt. Mit der 12-jährigen Amari hat der Schriftsteller eine liebevolle und mutige Romanheldin, die sich nicht unterkriegen lässt und für Gerechtigkeit kämpft, zum Leben erweckt. Gemeinsam mit Amari, welche mit allen Mitteln ihren verschollenen Bruder Quinton finden will, tauchen wir ab in eine fantastische, magische, aber auch gefährliche Welt und erleben ein spektakuläres Abenteuer mit jeder Menge Action und ganz viel Herz.

Ich war von Beginn an gefesselt von der Geschichte rund um die junge Romanheldin. B.B. Alston hat ein unglaublich faszinierendes Szenario erschaffen. Als Leser wird man in eine fantastische Welt hinein gezogen, die voll mit Geheimnissen, übernatürlichen Dingen, magischer Wesen und Kreaturen steckt. Amari wird aufgrund der Nennung durch ihren Bruder in die Akademie für Übernatürliches eingeladen, um an einer Aufnahmeprüfung teilzunehmen und sich gegen viele Mitstreiter auf einen der beliebten Ausbildungsplätze zu bewerben. Amari ist mutig und nimmt die Herausforderung an, will sie doch ihren Bruder Quinton finden, welcher ebenfalls in der Akademie gearbeitet hat, als er plötzlich spurlos verschwunden ist. Amari begegnet in der Oberbehörde nicht nur sprechenden Aufzügen, fliegenden Teppichen und angehenden Drachen. Sie stößt zudem auf eine Mauer des Schweigens, wenn es um ihren Bruder Quinton geht. Was hat die Behörde zu verbergen? Ein Rätsel, dem Amari auf die Spur geht.

Der einnehmende und unkomplizierte Schreibstil des Autors hat mich nur so durch die Seiten fliegen lassen und ich habe das Buch auch tatsächlich an einem Tag durchgesuchtet. Es war einfach zu spannend, um es aus der Hand zu legen. Das Auswahlverfahren war unglaublich fesselnd. Die Geschehnisse haben mich ein ums andere Mal ins Staunen versetzt. Und dazu kamen noch einige Wendungen, mit denen ich so gar nicht gerechnet hätte und die mich ziemlich sprachlos zurück gelassen haben.

B.B. Alston hat mit seinem Erstlingswerk nicht nur bewiesen, dass er unfassbar kreativ ist. Er hat auch ernste Themen, die zum Nachdenken anregen, in die fantastische Geschichte eingearbeitet. Amari kommt aus ärmlichen Verhältnissen und sie ist zudem schwarz. Zwei Tatsachen, aufgrund derer sie täglichen Hänselein und Mobbing ausgesetzt ist. Auch in der übernatürlichen Welt wird sie mit Diskriminierung, Ausgrenzung und Mobbingattacken konfrontiert. Aber Amari lässt sich nicht unterkriegen, so grausam und hinterhältig ihr ihre Mitmenschen auch begegnen. Ich habe sehr mit Amari gelitten, sie aber gleichzeitig auch für ihr Durchhaltevermögen bewundert. Auch Amaris neue Freundin ist aufgrund ihrer Besonderheit mit täglichen Anfeindungen konfrontiert. Es ist wirklich unfassbar traurig und schrecklich, mit welchen Vorurteilen Menschen in der heutigen Zeit noch zu kämpfen haben. B. B. Alston hat die ernsten Themen wahnsinnig gut in die Geschichte eingebunden und kindgerecht aufgearbeitet.

Das Buch ist übrigens ab 10 Jahren geeignet. Ich würde es aber als All-Age-Roman bezeichnen, da auch erwachsene Leser|innen ihren Spaß an der Geschichte haben werden. Ich kann Amari und die Nachtbrüder wirklich jedem Fantasy-Begeisterten empfehlen. Absolutes Herzensbuch!

Fazit

Amari und die Nachtbrüder ist ein genialer Fantasyroman aus der Feder von B. B. Alston. Der amerikanische Schriftsteller hat eine bezaubernde Geschichte voll mit fantastischen Wesen, übernatürlichen Ereignissen, Magie und ganz viel Herz zu Papier gebracht. Dabei hat er ernste und wichtige Themen wie Rassismus, Diskriminierung, Ausgrenzung und Mobbing kindgerecht in die Geschichte eingearbeitet und ein Leseerlebnis für kleine und große Leser|innen geschaffen. Amari ist eine beeindruckende und mutige junge Heldin und ich freue mich schon riesig auf ihr nächstes Abenteuer! Absolute Leseempfehlung und Herzensbuch!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.04.2021

Dunkle Geheimnisse, gefährliche Wünsche und tötliche Flüche

Das Reich der Schatten, Band 1: Her Wish So Dark
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Jennifer Benkau ist vom deutschen Buchmarkt nicht mehr weg zu denken. Ihre One True Queen-Reihe wird hochgelobt und sorgt seit ihrem Erscheinen für große Begeisterung unter den Lesern. Bei mir steht die ...

Jennifer Benkau ist vom deutschen Buchmarkt nicht mehr weg zu denken. Ihre One True Queen-Reihe wird hochgelobt und sorgt seit ihrem Erscheinen für große Begeisterung unter den Lesern. Bei mir steht die Reihe leider noch ungelesen im Regal. Trotzdem war ich sofort Feuer und Flamme für die neue Dilogie der Autorin, welche in derselben Welt wie ihr Vorgänger angesiedelt ist. Ich hatte aufgrund der zahlreichen positiven Stimmen recht hohe Erwartungen an Das Reich der Schatten - Her Wish so Dark. Und es hätte auch richtig toll werden können. Ich meine es geht um totbringende Flüche, Wünsche, die einem ins Verderben stürzen können und besser ungesagt bleiben, eine gefährliche Reise ins dunkle Reich des Daemalords, verbotene Magie und eine Liebe, zu deren Rettung die Protagonisten ihr Leben in Gefahr bringen. Muss ich noch mehr sagen? Das klingt doch alles ziemlich genial und großartig! Doch leider muss ich sagen, dass die Grundidee zwar sehr gut ist, diese für mich aber an der Umsetzung scheitert und zudem zu viele Längen mitbringt.

Bereits der Einstieg ins Buch fiel mir eher schwer und ich brauchte ca. die ersten 100 Seiten um mich an Jennifers Schreibstil zu gewöhnen. Mir war das ganze irgendwie zu holprig und ich musste die Sätze teilweise zweimal lesen, um sie zu verstehen. Ich hatte auch ständig das Gefühl etwas verpasst zu haben. Dabei ist gerade am Anfang relativ wenig geschehen. Im Grunde lernt man die Protagonisten Laire und Alaric, sowie deren Begleiter - die kämpferische Vica und Paladin Jero - als auch Desmond, Laires Verlobten, kennen. Unzählige Rückblenden sollen uns die Charaktere näher bringen, bei mir haben diese jedoch eher für Langeweile gesorgt und das Voranschreiten der Geschichte behindert. Desmond blieb mir bis zum Schluss fremd und auch zu Laire konnte ich keinen richtigen Bezug aufbauen. Ich war eher genervt von ihren teilweise sehr unbedachten Handlungen und auch ihre Motivation, aufgrund welcher sie die Reise angetreten hat, machte sie mir eher unsympathisch. Alaric fand ich noch am vielschichtigsten und durch seine Geheimnisse auch am interessantesten. Aber im Gesamten waren mir die Protagonisten einfach alle zu oberflächlich, als das ich einen engen Bezug zu Ihnen hätte aufbauen können.

Zu oberflächlich war mir auch das Worldbuilding. Ich hatte Schwierigkeiten in die Welt abzutauchen und mir diese zu verbildlichen. Jennifer Benkau präsentiert zwar eine grausame Welt voller Gefahren und Täuschungen, sowie teils bestialischer, teils faszinierender Kreaturen. So richtig zum Leben erwachen, wollte die Welt in meinem Kopf allerdings nicht, was ich richtig schade finde, denn an Kreativität und Ideenreichtum mangelt es hier sicher nicht. Auch von der Magie, besser gesagt der verbotenen Magie, hätte ich gerne mehr erfahren. Ich weiß zwar nun, dass es sie gibt und das die Magie ein großes Potenzial birgt und die Anwendung gefährlich sein kann. So richtig verstehen, tue ich sie aber trotz über 500 Seiten nicht.

Laire und ihre Gefährten kämpfen sich rund zwei Drittel des Buches durch das Reich der Schatten. Sie stoßen dabei auf unzählige Hindernisse und sind einer permanenten dunklen Bedrohung ausgesetzt. Einige spannende und nervenaufreibende Passagen waren schon da, doch meines Erachtens hätte man die Reise etwas abkürzen können. Wie schon zu Beginn hatte ich auch ab der Mitte des Buches wieder das Gefühl nicht voran zu kommen; mich im Kreis zu drehen. Erst gegen Schluss kam dann die lang ersehnte Spannung und einige unerwartete Wendungen, die es schon früher gebraucht hätte. Die letzten 100 Seiten habe ich dann auch mehr oder weniger durchgesuchtet, weil sich die Ereignisse plötzlich überschlagen haben. Leider konnte das wirklich spektakuläre Ende den Rest des Buches aber nicht zur Gänze retten und ich muss auch sagen, dass ich nicht das Bedürfnis habe unbedingt weiter lesen zu müssen.

Das Reich der Schatten - Her Wish so Dark war für zwischendurch eine nette Lektüre, die sicher ihre Fans finden wird. Ich gehöre nicht unbedingt dazu und daher kann ich dieses mal auch keine Leseempfehlung aussprechen.
Fazit
Ich hatte recht hohe Erwartungen an Das Reich der Schatten - Her Wish so Dark, bedenkt man die Begeisterungsstürme, die Jennifer Benkau mit ihrer One True Queen-Reihe ausgelöst hat. Das Buch hat auch wirklich viele großartige Ideen. Die Autorin entführt uns in eine unwirtliche, finstere Welt mit totbringenden Flüchen und gefährlichen Wünschen. Leider hat mir die Umsetzung aber nicht zugesagt und auch die Protagonisten blieben mir bis zum Schlus fremd. Auch wenn ich keine Leseempfehlung aussprechen kann, vergebe ich 3 Sterne für die kreative Grundidee, das spektakuläre Ende und das tolle Cover, welches die One True Queen-Dilogie wunderbar ergänzt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.04.2021

Ein Fantasy-Buch über die Bürde der Schönheit, Macht und Ausbeutung.

Coral & Pearl
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Ich bin an Coral & Pearl ohne große Erwartungen herangegangen. Das Cover hat mich allerdings angesprochen und so habe ich ohne groß auf den Klappentext zu achten zu lesen begonnen...und ich habe nicht ...

Ich bin an Coral & Pearl ohne große Erwartungen herangegangen. Das Cover hat mich allerdings angesprochen und so habe ich ohne groß auf den Klappentext zu achten zu lesen begonnen...und ich habe nicht mehr damit aufgehört. Mara Rutherford hat mich mit ihren schönen Worten in den Bann gezogen und eine spannende und einnehmende Geschichte über die Bürde der Schönheit, Ausbeutung und Macht zu Papier gebracht, die mich von Beginn an faszinieren konnte.

Als ich Zwischendurch den Klappentext gelesen habe, musste ich feststellen, dass dieser nicht annähernd das widerspiegelt, was Mara niedergeschrieben hat. So war ich mehr als erstaunt, welch tragische Ereignisse Nors und Zadies Schicksal besiegelt haben. Nor und Zadie, Koralle und Perle, sind Zwillingsschwestern, welche in der abgeschiedenen Wasserwelt Varenia nach strengen Regeln aufwachsen. Aufgrund einer Jahrhunderte alten Tradition wird die schönste Tochter Varenias zur Prinzgemahlin und zukünftigen Königin ernannt. Jede noch so kleine Narbe, jeder schiefe Zahn wird als Makel angesehen. Zadie hat große Chancen zur neuen Königin Ilarias zu werden und doch ist es letztlich Nor, welche die Reise ins Königreich am Festland antritt, nichts ahnend, dass sie damit ihre lang ersehnte Freiheit opfert. Was genau passiert, müsst ihr natürlich selber lesen. Ich fand die Geschehnisse allerdings sehr bestürzend; vorallem das Reduziert werden auf das Äußere und die Stellung der Frau in dem scheinbaren Inselparadies Varenia.

Mara Rutherford legt von Beginn weg Spannung in ihre Erzählung. Die Schilderungen von Varenia, der am Wasser erbauten Stadt, fand ich unglaublich faszinierend, ideenreich, gleichzeitig aber auch erschreckend. Die Bevölkerung der Wasserstadt lebt vom Verkauf von rosa Perlen an das Königreich Ilara. Nicht nur, dass das Perlentauchen gefährlich ist, auch die Überfischung des Meeres macht dem Volk sehr zu schaffen. Dazu kommt, dass der König die Preise immer mehr senkt und die Bevölkerung damit in die Armut zwingt. Es wundert also nicht, dass Nor davon träumt all dem zu entfliehen und die Welt zu bereisen und als eventuelle zukünftige Königin für mehr Gerechtigkeit und Hilfe zu sorgen.

Nor war mir als Protagonistin von Anfang an unglaublich nah. Sie liebt ihre Familie, vorallem ihre Schwester Zadie, hat einen wahnsinnig hohen Beschützerinstinkt und sie nimmt sich kein Blatt vor dem Mund. Gerade ihre voreiligen und undurchdachten Handlungen haben Nor für mich so herzlich und echt gemacht.

Als Nor die Reise ins Königreich Ilara antritt und feststellt, dass ihr neues zu Hause "New Castle" eine finstere Festung aus Fels und Stein ist und ihr zukünftiger Ehemann Prinz Ceren schreckliche Ziele verfolgt, habe ich wahnsinnig mit ihr mitgelitten und mitgefiebert. Wie soll man nur in einem Schloss leben, in dem die Wände Ohren haben und hinter jeder Ecke ein Verbündeter des Prinzen lauert? Doch Nor schafft es inmitten der lauernden Gefahren zu überleben und das grausame Spiel des Prinzen mitzuspielen. Ich muss allerdings zugeben, dass mich Mara über Prinz Ceren und seine Absichten immer wieder hat nachdenken und zweifeln lassen. Ist er denn wirklich so schlecht wie sie uns glauben machen will? Hat Ceren wirklich all die Dinge getan, welche ihm zur Last gelegt werden? Das sind nur zwei der Fragen, die das Buch für mich so spannend gemacht haben. Und dann ist da auch noch eine kleine und leichte Liebesgeschichte über eine Liebe, die eigentlich nicht sein darf und die mein Herz ein bisschen zum Flattern gebracht hat.

Mara Rutherford hat einen unglaublich packenden, sehr bildhaften, aber auch unkomplizierten Schreibstil. Man fliegt nur so durch die einzelnen Kapitel, die aus Nors Sicht erzählt werden. Ihre Chataktergestaltung ist sehr authentisch. Die Protagonisten haben die notwendige Tiefe, um sie zu begreifen und ihr Verhalten nachvollziehen zu können, auch wenn dieses natürlich nicht immer richtig und gut ist.

Mich hat Mara Rutherford mit ihrer ersten Romanveröffentlichung überzeugt und ich werde die Autorin mit Sicherheit im Auge behalten, allein schon um die Fortsetzung nicht zu verpassen.

Fazit
Coral & Pearl aus der Feder von Mara Rutherford hat mich komplett überzeugt. Die Autorin erzählt von den ersten Seiten sehr fesselnd und einnehmend eine Geschichte über die Bürde der Schönheit, Ausbeutung und Macht. Nor ist eine mutige Protagonistin, die das Herz auf der Zunge trägt und einen ausgeprägten Beschützerinstinkt hat. Wer gerne über höfische Intrigen, Machtspiele und verbotene Liebe liest, sollte sich Coral & Pearl nicht entgehen lassen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.04.2021

Düster, kalt und unglaublich atmosphärisch

RAVNA – Tod in der Arktis
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Ravna - Tod in der Arktis hat aufgrund mehrerer Punkte meine Aufmerksamkeit auf sich gelenkt. Da waren zum einen das Cover, das mich irgendwie magisch angezogen hat. Und wenn "Nordic" und "Thriller" in ...

Ravna - Tod in der Arktis hat aufgrund mehrerer Punkte meine Aufmerksamkeit auf sich gelenkt. Da waren zum einen das Cover, das mich irgendwie magisch angezogen hat. Und wenn "Nordic" und "Thriller" in einem Satz vorkommen, kann ich sowieso nicht nein sagen. Ich habe mich also ohne groß auf den Klappentext zu achten auf das Abenteuer Arktis eingelassen und was soll ich sagen: Ich bin begeistert von Elisabeth Herrmanns All-Age-Thriller.

Obwohl Elisabeth Herrmann kein unbekannter Name auf dem Buchmarkt ist, war Ravna mein erstes Buch von ihr. Die Autorin erzählt unglaublich einnehmend und atmosphärisch, mit einem Hauch Melancholie die Geschichte der jungen Polizeipraktikantin Ravna Persen. Die junge Frau hat keinen leichten Start in der von Männern dominierten Polizeistation Vardø und das nicht nur weil sie eine Frau ist. Ravna ist außerdem Samin und sie eckt mit ihrer Berufswahl nicht nur bei ihren Landsleuten an. Als gleich nach ihrem Dienstantritt auf einer alten Ritualstätte die Leiche des Großgrundbesitzers Olle Trygg, welcher ebenfalls Same war, gefunden wird und Ravna Hinweise darauf findet, dass der Mörder einer "ihrer Leute" sein könnte, sieht sich die junge Frau gezwungen gegen ihr eigenes Volk zu ermitteln. Hilfe erhält Ravna dabei von ungewöhnlicher Stelle. Der exzentrische, sehr umstrittene aber geniale Kommissar Rune Thor übernimmt den Fall und bringt damit Ereignisse ins Rollen, die auch für Ravna zur Gefahr werden.

Elisabeth Herrmann hat mit Ravna eine starke Protagonistin erschaffen, die an ihren selbst auferlegten Herausforderungen wächst und reift. Sie lässt sich nicht unterkriegen und zeigt allen, dass man auch als Frau aus einer Minderheit alles schaffen kann. Durch Ravna, vorallem aber durch Ravnas Großmutter Lena, erfahren wir viel über die samische Kultur, alte Riten, das Leben und den Alltag der Samen. Unglaublich authentisch wirkt das ganze durch die samischen Begriffe, die immer wieder Erwähnung finden und in den Fußnoten zum besseren Verständnis erklärt werden.
Aber auch Rune Thor ist mir irgendwie ans Herz gewachsen, auch wenn er alles andere als eine sympathische Art an den Tag legt. Der Kommissar aus der Stadt ist gebrochen und kaputt. Schreckliche Ereignisse aus seiner Vergangenheit setzen ihm zu und das spiegelt sich in seinem kompletten Auftreten wieder. Ausgerechnet Rune Thor soll unter einer Volksgruppe ermitteln, die ohnehin misstrauisch gegenüber Fremden ist.
Zugegeben, zunächst dachte ich mir: Nicht schon wieder ein kaputter Kommissar, der in einem nordischen Thriller eine tragende Rolle spielt. Ich habe meine Meinung dazu aber schnell geändert, denn der aufbrausende, gerne über die Strenge schlagende Ermittler, passt einfach in das kalte und dunkle Setting am Polarkreis.

Mich konnte der Thriller komplett überzeugen, obwohl - oder vielleicht auch weil - er ganz ohne Action auskommt. Ein bisschen davon gibt es zwar zum Schluss, der Großteil des Buches ist aber eher ruhig geschrieben. Ernste Themen wie Diskriminierung und sexueller Missbrauch werden aufgegriffen. Im Kontrast dazu stehen alte samische Riten wie die Seelenwanderung und ein nach wie vor herrschender Aberglaube. Elisabeth Herrmann hat die unterschiedlichen Aspekte geschickt miteinander verflochten und einen faszinierenden und spannenden Thriller für Jung und Alt geschrieben.

Gegen Ende hatte ich dann zwar eine Vermutung was bzw. wer hinter den ganzen brutalen Ereignissen steckt, trotzdem muss ich sagen, dass Elisabeth Herrmann uns ganz schön lang hat im Dunkeln tappen lassen. So mag ich das!

Fazit
Nordische Thriller landen immer recht schnell auf meiner Wunschliste und so bin ich auch an Ravna - Tod in der Arktis nicht vorbei gekommen. Elisabeth Herrmann hat einen dunklen und kalten Schauplatz für ihr gewaltsames Verbrechen gefunden und mit Ravna und Thor zwei komplett gegensätzliche und ungewöhnliche Protagonisten ins Rennen bzw. zum Ermitteln ausgeschickt. Mich konnte der ruhige und unglaublich atmosphärische All-Age-Thriller, welcher uns einen kleinen Einblick in die samische Kultur gibt, überzeugen. Ein bisschen mehr Action hätte es an mancher Stelle schon sein können und auch der mystische Aspekt kam mir ein bisschen zu kurz. Ich persönlich hätte gerne mehr über die alten Rituale der Samen erfahren. Nichts desto trotz ist Ravna - Tod in der Arktis ein genialer Thriller und ein absolutes Must Read!

  • Cover
  • Erzählstil
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