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Veröffentlicht am 06.06.2021

Hüte dich vor dem Kreis

Dark Blue Rising (Bd. 1)
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Dark Blue Rising war mein erstes Buch der Autorin Teri Terry, welche sich mit Jugendthrillern einen Namen gemacht hat. Auch dieser Reihenauftakt reiht sich in die Liste von Thrillern ein, wobei ...

Dark Blue Rising war mein erstes Buch der Autorin Teri Terry, welche sich mit Jugendthrillern einen Namen gemacht hat. Auch dieser Reihenauftakt reiht sich in die Liste von Thrillern ein, wobei es mir hierfür etwas an Action und Tempo gefehlt hat. Dennoch konnte es bei mir vorallem mit seinen geheimnissvollen und mystischen Aspekten und einer tollen Protagonistin punkten. Und auch der Schreibstil von Teri Terry war wahnsinnig angenehm zu lesen und sehr einnehmend.

Teri Terry erzählt in ihrem Jugendroman die Geschichte der 16-jährigen Tabby, welche mit ihrer Mutter Cate ein sehr verstecktes und eingeschränktes Leben führt. Nicht nur, dass Tabby von zu Hause unterrichtet wird, sie darf auch niemanden ihren Namen sagen, Freundschaften sind tabu und auch alltägliche Dinge wie Handy und Internet sind fast schon ein Fremdwort. Cates Anliegen ist es auf keinen Fall Spuren zu hinterlassen und so ziehen die beiden auch ständig um; verweilen nie lange am selben Ort - bis eines Tages der Schutzwall, den Cate erschaffen hat, einreißt und Tabbys Leben von heute auf morgen auf den Kopf stellt. Entspricht irgendetwas der Wahrheit, was Cate Tabby erzählt hat? Ist Tabbys gesamtes bisheriges Leben eine einzige große Lüge? Das müsst ihr natürlich selber herausfinden und ich garantiere dabei jede Menge Spannung. Denn das muss man Teri Terry lassen. Sie weiß wie sie ihre Leser*innen gefangen nimmt, sodass man trotz recht vieler ruhiger Passagen unbedingt wissen will, wie es weiter geht; wo die Geschichte hinführt. Die Autorin wirft nämlich gleich zu Beginn so unglaublich viele Fragen auf, deren Antwort einem keine Ruhe lassen. So ist zum Beispiel die Tatsache, dass sich Tabby unglaublich vom Meer und Wasser angezogen fühlt ein Rätsel, welches es zu lüften gilt. Aber auch Cates eindringliche Warnung vor "dem Kreis" hat mir beim Schmökern keine Ruhe gelassen.

Wie gesagt, Teri Terry hat gekonnt Spannung erzeugt, lässt das ganze dann aber im Mittelteil etwas abflauen. Wir lernen in diesem Teil Protagonistin Tabby, aus deren Ich-Perspektive wir übringens alles mitverfolgen, kennen. Tabby ist ein Teenager, den ich als sehr erwachsen und reif für ihr Alter empfunden habe. Kein Wunder allerdings, wenn man bedenkt, was sie in ihren jungen Jahren schon alles mitmachen musste. Man spürt allerdings auch, dass Tabby gerne ausbrechen würde und einfach mehr will, als das was Cate ihr zu bieten hat. Und so tut sie auch ein paar unbedachte Dinge, welche die Ereignisse so richtig ins Rollen bringen. Für mich haben diese Handlungen Tabby erst richtig authentisch und echt werden lassen. Und auch durch die Tatsache, dass sie nicht alles so hinnimmt, wie man es ihr vorgibt und sie Fragen stellt, hat sie Pluspunkte bei mir gesammelt. Alle Fragen wurden zwar bei weitem noch nicht beantwortet, aber dafür gibt es ja dann die Fortsetzungen.
Außerdem versprüht Tabby eine gewisse geheimnissvolle Aura und dann ist da noch ihre besondere Gabe die Luft sehr lange unter Wasser anzuhalten. Hier hat die Autorin ihrem Jugendthriller einen Hauch Fantasy verpasst. Für mich sehr gelungen.

Wie gesagt, der Mittelteil war eher ruhig, dennoch interessant, hat mich aber zweitweise vergessen lassen, was Tabbys Ziele eigentlich sind...wo das Buch hinführen wird. Dafür hat Teri Terry Dark Blue Rising im letzten Drittel dann so richtig zu einem regelrechten Pageturner werden lassen, der mit einem ordentlichen Cliffhanger endet.

An dieser Stelle möchte ich auch ein paar Worte zum Hörbuch fallen lassen, welches von der wunderbaren Stimme Nadine Zaddams eingelesen wurde. Die Sprecherin hat eine wahnsinnig einnehmende Art zu lesen. Ihre Stimmmelodie hat einfach perfekt zu Tabby gepasst und die 16-jährige so richtig lebendig werden lassen. Wahrscheindlich ist es auch Nadine zu einem großen Teil zu verdanken, dass ich die Geschichte trotz ihrer vielen ruhigen Passagen gebannt weiter verfolgt habe. Ich denke, dass ich beim Lesen alleine nicht so gefesselt gewesen wäre. Für das Hörbuch bzw. die Auswahl der Sprecherin vergebe ich daher auf jeden Fall 5 Sternchen.

Ein Wort noch zum Schluss: Dark Blue Rising wird als Klima-Thriller angepriesen. Ich persönlich habe es nicht so empfunden. Es sind zwar schon "Spuren von Umweltschutz und Klimawandel" enthalten, allerdings nicht so präsent, dass ich von einem Klima-Thriller sprechen würde. Mal sehen, was die beiden Fortsetzungen dazu noch bringen, die ich auf jeden Fall auch lesen oder hören werde.

Fazit

Dark Blue Rising ist der Auftakt zur neuen Klima-Thriller-Trilogie aus der Feder von Teri Terry. Die Autorin erzählt die Geschichte der 16-jährigen Tabby, deren Leben völlig auf den Kopf gestellt wird. Die Handlung ist vollgepackt mit Geheimnissen, hat einen gewissen mystischen Touch und auch paar Fantasy-Elemente kommen durch. Mich konnte Teri Terry mit ihrem eher ruhigen Jugendthriller, der sich im letzten Drittel zu einem mitreißenden Pageturner entwickelt, überzeugen. Daher gibts auch eine Leseempfehlung!

Außerdem möchte ich auch eine absolute Hörempfehlung aussprechen. Nadine Zaddam hat als Sprecherin großartige Arbeit geleistet und die Geschichte noch lebendiger werden lassen.

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Veröffentlicht am 19.05.2021

Herrlich schräger Fantasyroman

Tinte und Siegel (Die Chronik des Siegelmagiers 1)
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»Tote Schüler sind auf Dauer schlecht für den Ruf. Inzwischen frage ich mich, ob meiner noch zu retten ist.« Al MacBharrais

Al hat es aber auch wirklich nicht leicht in seinem Leben. Denn es ...

»Tote Schüler sind auf Dauer schlecht für den Ruf. Inzwischen frage ich mich, ob meiner noch zu retten ist.« Al MacBharrais

Al hat es aber auch wirklich nicht leicht in seinem Leben. Denn es lastet nicht nur ein Fluch auf seine Schultern. Da ist zunächst die Tatsache, dass Al nur über Apps mittels Computerstimme kommunizieren kann. Hört nämlich jemand seine Stimme, geht dieser jemand hasserfüllt auf ihn los. Und dann sterben Als Lehrlinge ihm unter der Hand weg. Sowie auch sein jüngster Azubi Gordie, welcher an Rosinen erstickt ist. Aber wer isst auch schon freiwillig Rosinen? Urg! Auf jeden Fall wird Al, der übrigens Siegelmagier ist, an den Tatort gerufen und findet schnell Spuren, die in die Welt der Feen, Pixies und Goblins führen. Hat sein Freund und Lehrling Gordie etwa illegale Geschäfte betrieben? War er gar in den Handel mit nicht-menschlichen Wesen verstrickt? Das müsst ihr natürlich selber herausfinden, aber ich verspreche euch ein geniales, witziges Spektakel.

Eigentlich wusste ich zunächst nicht so recht worauf ich mich in Tinte & Siegel einlasse. Aber probieren geht bekanntlich über studieren, also bin ich ins kalte Wasser gesprungen und nicht mehr aufgetaucht. Schon nach dem ersten Kapitel wusste ich: Das Buch ist meins! Skurril, herrlich derb, voll gespickt mit schwarzem Humor, unglaublich witzig und spannend obendrein. Was Kevin Hearne hier zu Papier gebracht hat, ist einfach genial und hat mir eine Lachsalve nach der anderen beschert.

Al, seines Zeichens Siegelmagier, ist ein unglaublich kantiger Charakter und so wunderbar unperfekt. Allein schon die Tatsache, dass der Schotte nur über Apps kommunizieren kann, ist einfach skurill und klasse. An dieser Stelle möchte ich auch gleich aufs Hörbuch zu sprechen kommen, denn Stefan Kaminski hat einen wahren Hörgenuss daraus gemacht. Ich habe Stefan die Figuren aber sowas von abgenommen und vorallem bei Al hat er einen erstklassigen Job gemacht. Wie er die roboterhafte Stimme imitiert, ist einfach genial. Mit Stefan Kaminski wurden die 10 Stunden 44 Minuten, die ich der Geschichte lauschen durfte, an keiner Stelle langweilig.

Aber jetzt zurück zu Al, den ich trotz oder vielleicht auch wegen seiner schrägen Art ins Herz geschlossen habe. Seine Magie ist aber auch nicht zu verachten. Al kann sich mittels einer speziellen, geheimen Tinte nämlich seine eigenen Zaubersprüche schreiben. Einfach simpel, aber sehr wirkungsvoll, um in der gefährlichen Feenwelt zu bestehen.

Mit von der Partie sind auch Al's Managerin Nadia und der chaotisch, liebevoll schräge Hobgoblin Buck. Ein tolles Ermittlerteam!

Handlungsort ist übrigens Glasgow, also die Menschenwelt. Kevin Hearne hat geschickt die irische bzw. schottische Mythologie hinein verwoben und den fantastischsten und außergewöhnlichsten Wesen eine Heimat gegeben. Dabei spricht er auch ernste Themen wie Menschenhandel und Sklaverei an, das ganze mit einer Fantasy-Schleife verpackt.

Mir hat das Buch wie gesagt unglaublich gut gefallen. Als Hörbuch hat es aufgrund des perfekt ausgewählten Sprechers nochmal mehr Spaß gemacht. Und die kleinen Längen zwischendurch wurden beim Hören auch mehr als weg gemacht. Ich freue mich schon auf Teil 2 und spreche natürlich eine absolute Empfehlung aus.

Fazit

Tinte & Siegel ist der erste Teil einer Fantasy-Reihe rund um den schrulligen, schottischen Agenten und Siegelmagier Al. Kevin Hearne schickt seinen Ermittler in Glasgow auf eine gefährliche Jagd nach einem Feenhändlerring. Das Buch glänzt mit Spannung, ausgefallenen Charakteren einem tollen Worldbuilding und einer herrlich lockeren, teilweise derben Sprache. Ich hab jedenfalls selten so viel gelacht und beim Lesen bzw. Hören meine Bauchmuskeln trainiert. Stefan Kaminski leistet als Hörbuchsprecher erstklassige Arbeit. Einfach perfekt!

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Veröffentlicht am 18.05.2021

Romantasy-Auftakt, der einen alten Mythos wiederbelebt

Meeresglühen (Bd. 1)
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Anna Fleck konnte mich mit ihrem Romantasy-Auftakt Meeresglühen - Geheimnis der Tiefe absolut begeistern. Ist aber auch kein Wunder, denn allein schon der Schauplatz Cornwall mit seiner rauen ...

Anna Fleck konnte mich mit ihrem Romantasy-Auftakt Meeresglühen - Geheimnis der Tiefe absolut begeistern. Ist aber auch kein Wunder, denn allein schon der Schauplatz Cornwall mit seiner rauen Küstenregion hat mich in Verzückung versetzt. Das ganze wurde dann noch garniert mit einem geheimnisvollen Fremden, einer versunkenen, mystischen Welt und einer gefährlichen und wilden Hetzjagd zwischen den Welten. Na, klingt das nicht toll? Mich hats wie gesagt begeistert.

Anna Fleck hat mich bereits nach den ersten gelesenen Seiten für sich eingenommen. Es beginnt auch gleich ziemlich spannend und rasant damit, dass Ella ein ganz besonderes Treibgut aus dem Meer fischt. Der junge Mann, der sich später als Aris vorstellt, hatte wohl einen Surfunfall. Aber wie kam es zu dem Unfall? Und warum benimmt sich Aris so seltsam? Gleichzeitig verschwinden auch Menschen spurlos auf dem Meer und hinterlassen verwaiste Boote. Gibt es da etwa einen Zusammenhang? All diese Geschehnisse haben dazu geführt, dass ich schnell in einem Sog gefangen war und das Buch nur mehr schwer aus der Hand legen konnte. Anna Fleck schreibt dermaßen packend und bildlich; mein Kopfkino ist beim Lesen auf Hochtouren gelaufen.

Die Welt, die uns die deutsche Autorin neben dem englischen Cornwall eröffnet ist einfach genial. Schillernd, bunt, andersartig und bevölkert mit seltsamen und außergewöhnlichen Wesen. Die Schilderungen sind unglaublich bildhaft und detailreich, sodass man das Gefühl hat selbst vor Ort zu sein und nicht nur stiller Begleiter an Ellas Seite.

Ella habe ich im Übrigen wirklich lieb gewonnen. Sie ist eine mutige junge Frau, sehr selbstständig und stark. Mit ihrer inneren Stimme - ihrem Gewissen - ist sie in permanenten Streit, was zu unglaublich witzigen Dialogen geführt hat. Hier hat Anna Fleck gezeigt, dass sie nicht nur wortgewandt ist, sondern auch sehr humorvoll schreiben kann.
Aber auch Aris war ein toller Protagonist. Als junger Mensch möchte er sich natürlich ausleben, er ist sich allerdings auch seiner Pflicht bewusst. Denn Aris hat in seinen jungen Jahren schon ein schwere Bürde zu tragen und ein wichtiges Amt inne. Seine Zerissenheit in Bezug auf Ella war richtig spürbar und sie hat der leichten Romanze einen gewissen dramatischen Touch verliehen.
An dieser Stelle möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass die Liebesgeschichte zwar unterschwellig immer präsent ist, diese die eigentliche Handlung bzw. Mission von Aris und Ella aber nicht überlagert. Es ist wirklich alles sehr schön ausgewogen.

Anna Fleck hat auch ihre Nebencharaktere toll und authentisch gezeichnet. Sie sind allesamt auf den ersten Blick nicht zu durchschauen, ihre Beweggründe und Handlungen bergen so manches Geheimnis und bei einigen hoffe ich zudem sehr auf ein Wiedersehen im zweiten Band. Ich gehe nämlich stark davon aus, dass einige von ihnen noch ihren Beitrag in der Geschichte zu leisten haben. Zu viele Fragen brennen mir einfach noch auf der Zunge und ich hoffe sehr auf Antworten. Außerdem ist das Ende einfach zu gemein. Das kann man Ella und Aris einfach nicht zumuten. Die Fortsetzung muss schnellst möglich her!

Fazit
Meeresglühen - Geheimnis der Tiefe ist der erste Teil einer Trilogie aus der Feder von Anna Fleck. In ihrem Romantasy-Auftakt schickt uns die Autorin von der sturmumtosten Küste Cornwalls auf eine Reise in eine ziemlich geniale und außergewöhnliche Welt und lässt dabei einen Mythos wieder aufleben. Ich habe Anna Flecks detailreichen und bildhaften aber auch humorvollen Schreibstil sehr genossen und war schnell in einem richtigen Sog gefangen. Zusammen mit dem tollen Worldbuilding und authentischen Charakteren hat sich das Buch für mich als wahres Lesehighlight heraus gestellt. Absolute Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 22.04.2021

Faszinierende Fantasy über die Macht der Worte

Hush (Band 1) - Verbotene Worte
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Hush - Verbotene Worte ist ein Fantasyroman, bei dem die Meinungen ziemlich auseinandergehen. Und wie es letztlich so ist, hat bei mir die Neugierde gesiegt und ich habe mir kurzerhand das Hörbuch ...

Hush - Verbotene Worte ist ein Fantasyroman, bei dem die Meinungen ziemlich auseinandergehen. Und wie es letztlich so ist, hat bei mir die Neugierde gesiegt und ich habe mir kurzerhand das Hörbuch über Audible geladen, welches von der wunderbaren Dagmar Bittner eingelesen wurde. Dagmar Bittner hat Protagonistin Shea einen starken Ausdruck verliehen und ich habe mich recht schnell in der mittelalterlich gestalteten Welt verloren. Natürlich ist es aber in erster Linie Dylan Farrows geschickter Umgang mit den Worten, welcher eine regelrechte Sogwirkung bei mir ausgelöst hat. Manipulation, Vertuschung, gefährliche Mächte, Wahnsinn und Realitätsverlust, eine mysteriöse und tötliche Krankheit - ziemlich geniale Themen, welche die Autorin aufgreift. Es hat sich zwar leider nicht alles komplett für mich erschlossen, aber bis auf ein paar kleine Schwächen habe ich mich tatsächlich bestens unterhalten gefühlt.

Dylan Farrow hat sich für ihr Fantasydebüt ein unglaublich faszinierendes Thema ausgesucht - die Macht der Worte. Protagonistin Shae lebt in einer Welt, in der gesprochene und geschriebene Worte äußerst gefährlich sein können. Einzig den Barden des Hohen Hauses, welche das verarmte Land mit eisener Hand regieren, ist es erlaubt mit Worten Magie zu wirken. Sie führen Beschwörungen aus, die sowohl für Glück und Segen, als auch für Verlust sorgen können. Es ist also kein Wunder, dass die Menschen den Barden sehr unterwürfig und ängstlich gegenüber stehen. Doch Shae selbst hat ebenfalls eine besondere Gabe, die sie vorallem vor den Barden geheim halten muss. Denn alles was sie stickt, wird Wirklichkeit. Als ein furchtbares Ereignis Shaes Leben komplett durcheinander wirft, sieht sich das junge Mädchen gezwungen Hilfe und auch Antworten bei den Barden zu suchen - eine Mission, welche Shae nahezu den Verstand raubt.

Ich habe Shae trotz all ihrer Schwächen als Protagonistin sehr lieb gewonnen. Ja, sie ist sehr naiv, sie vertraut zu schnell, sie ist stur und ihre Handlungen teilweise überstürzt. Und doch beweist Shae Mut, als sie sich den Barden anschließt. Ich habe jedenfalls sehr mir ihr mitgefiebert, auch wenn ich ihre Handlungen nicht immer nachvollziehen konnte.

Bis zu Shaes Aufbruch zu den Barden wird die Geschichte eher ruhig erzählt. Wir bekommen einen ersten Eindruck von Montane, einer mittelalterlich anmutenden Welt, in der die Menschen in Angst vor den blauen Flecken leben. Auch Shaes Bruder ist als Kind den blauen Flecken zum Opfer gefallen, was dazu geführt hat, dass Shaes Mutter verstummt ist. An dieser Stelle erhalten wir schon mal ein gutes Bild davon, welch tötliche Macht Wörter und Tinte in Montane haben können. Ich hätte gerne noch mehr dazu erfahren, doch Dylan Farrow bleibt hier eher wage und so müssen wir uns als Leser leider mit ein paar wenigen Informationen zu dieser schrecklichen und mysteriösen Krankheit zufrieden geben.
Überhaupt geizt die Autorin mit tiefergehenden Informationen, insbesondere was das Worldbuilding und die Magie betrifft. Wir erfahren zwar so einiges aus dem Wirken und Handeln der Barden, so richtig begreifen und fassen, konnte ich die Magie aber bis zum Schluss hin nicht richtig. Und auch die Barden selbst warfen Fragen bei mir auf. Ich hätte gerne mehr zu ihnen erfahren; woher zum Beispiel ihre Begabung kommt oder wie sie überhaupt an die Macht gekommen sind. Trotz dieser Lücken war ich dennoch durchwegs gefangen und an die Seiten gefesselt.

Wie ich oben schon geschrieben habe, hat Dylan Farrow ihre Geschichte eher ruhig, dafür sehr stimmungsvoll aufgebaut. Das ändert sich als sich Shaes Weg mit dem der Barden kreuzt. Ab da wird die Geschichte lauter, teilweise aber auch verwirrender. Genauso wie Shae konnte auch ich bald nicht mehr Realität und Wahnvorstellung voneinander unterscheiden. Was entspricht noch der Wirklichkeit? Wer ist Freund, wer Feind? Ein Spiel der Irrungen und Wirrungen und zugleich eine Tatsache, die eine unglaubliche Sogwirkung auf mich hatte. Hush punktet im weiteren Verlauf auch noch mit so einigen überraschenden Wendungen und Handlungsverläufen, die mich tatsächlich verblüfft haben. Auch das Ende hat mich überrascht und macht auf jeden Fall Lust auf mehr.

Der zweite Teil ist es auch, in dem ich meine Hoffnungen setze, dass so manche Lücke noch gefüllt wird und meine offenen Fragen zur Gänze beantwortet werden. Trotz einiger Schwachpunkte, die vorallem mangelnde Tiefe betreffen, habe ich Hush sehr gerne gehört und daher gibt's auch eine Lese- bzw. Hörempfehlung.

Fazit

Hush - Verbotene Worte ist ein beeindruckender und faszinierender Debütroman aus der Feder von Dylan Farrow. Die amerikanische Autorin hat sich eines unglaublich spannenden Themas bedient - die Macht, die hinter Worten - egal ob gesprochen oder geschrieben - steckt. Hush ist eine Geschichte über Manipulation, Vertuschung, Wahnsinn und Realutätsverlust, sowie gefährliche Mächte und eine mysteriöse, tötliche Krankheit. Auch wenn in der Umsetzung so einige Schwachstellen sind, habe ich gebannt die Geschichte verfolgt, denn Dylan Farrow weiß es geschickt mit Worten umzugehen und Spannung aufzubauen. Ich freue mich jedenfalls schon sehr auf die Fortsetzung.

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Veröffentlicht am 21.04.2021

Tron trifft auf Matrix in diesem raffinierten Sci-Fi -Jugendbuch

Der Zwillingscode
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Der Zwillingscode war mein erstes Buch von Margit Ruile, einer Autorin, die, wie ich festgestellt habe, gerne mit dystopischen Zukunftsszenarien spielt. Die Schriftstellerin katapultiert uns in eine Zeit ...

Der Zwillingscode war mein erstes Buch von Margit Ruile, einer Autorin, die, wie ich festgestellt habe, gerne mit dystopischen Zukunftsszenarien spielt. Die Schriftstellerin katapultiert uns in eine Zeit um 2060, die auf dem ersten Blick unserer Zeit gar nicht unähnlich ist. Aber nur auf dem ersten Blick, denn in dieser Version der Zukunft haben längst Künstliche Intelligenzen das Ruder übernommen und es liegt an dem jungen Technikfan und Bastler Vincent das Gleichgewicht wieder herzustellen und damit die Menschheit zu retten.

Margit Ruile hat ein erschreckendes, aber gar nicht so weit hergeholtes, Zukunfsszenario erschaffen, in dem eine künstlich generierte Welt - eine Simulation unserer Welt - dabei ist, sich ihren eigenen Platz zu schaffen, lernt und ihren eigenen Willen entwickelt. Das erschreckende dabei ist, dass die Menschen davon scheinbar nichts mitbekommen. So ist es für Vincent, dem 17-jährigen Protagonisten, schon fast normal, dass alle Menschen nach einem Punktestand bewertet werden, der ihren sozialen Status widerspiegelt. Als Doppel-C hat Vincent keine Möglichkeit eine Schule zu besuchen und steht sogar kurz vor der Obdachlosigkeit und das alles wegen eines scheinbar willkürlichen Algorithmus, nach dem die Punkte verteilt werden. Als eines Tages eine alte Dame eine Katze zur Reparatur in Vincents private Werkstatt bringt, werden Ereignisse losgetreten, die Vincent auf die Spur eines allumfassenden Geheimnisses bringt, dessen Ursprung mit seiner eigenen Vergangenheit eng verknüpft ist.

Am besten lässt sich das Buch als eine rasante und gefährliche Schnitzeljagd beschreiben, die Vincent und seine Freunde mitten in die Simulation, wo alles künstliche Leben seinen Anfang nimmt, führt. Dabei baut Margit Ruile die Spannung eher gemächlich auf und wir bekommen auch immer nur kleine Schnipsel zugeworfen, aus denen sich nach und nach das große Ganze ergibt. Und hier kommt auch schon mein größter und eigentlich auch einziger Kritikpunkt - mangelnde Tiefe. Ich hätte mir die Geschichte im Ganzen mehr ausgearbeitet gewünscht. Sowohl das Worldbuilding, als auch die Charaktere, lassen die notwendige Tiefe und Details vermissen, um voll und ganz abtauchen zu können. So hätte ich zum Beispiel gerne mehr Infos zum Sozialpunktestand gehabt, was dieser - abgesehen von den Dingen, die wir erfahren - letztlich für Auswirkungen hat. Was sich uns präsentiert, ist ein digitales Zeitalter, in dem scheinbar alles und jeder überwacht wird. Roboterhaustiere ersetzen allmählich die aussterbenden Arten und künstliche Zwillinge nehmen Arbeitsplätze weg und ersetzen Menschen zum Beispiel in Ämtern. Das Bild ist gleichermaßen faszinierend wie erschreckend. Ich hätte gerne mehr darüber gelesen. 100 Seiten mehr hätten dem Buch mit Sicherheit nicht geschadet. So aber hatte ich beim Lesen teilweise das Gefühl etwas verpasst zu haben und ich musste mir einige Dinge auch selber zusammen reimen, um Lücken zu schließen. Vorallem zu Beginn waren mir einige Geschehnisse zu unrund, die Protagonisten zu allwissend.
Nichts desto trotz habe ich den Sci-Fi-Thriller an zwei Nachmittagen verschlungen, denn an Spannung hat es auf keinen Fall gemangelt und auch Margit Ruiles Schreibstil ist einfach herrlich unkompliziert.

Trotz der Tiefe, die ich vermisst habe, habe ich die Protagonisten nach und nach ins Herz geschlossen. Vincent, Quirin und Delia sind ein großartiges Trio. Jeder ist auf seine Weise einzigartig und bringt sich mit besonderen Fähigkeiten ein. Dazu haben sich weitere Charaktere gesellt, bei denen ich von Anfang an unsicher war, auf welcher Seite sie eigentlich stehen. Aber ich würde sagen ihr macht euch am besten selber ein Bild von ihnen. Denn eine Leseempfehlung gibt's alle mal.

Fazit

Der Zwillingscode aus der Feder von Margit Ruile nimmt uns mit in eine Zukunft, in der Künstliche Intelligenzen am Vormarsch sind. Die deutsche Autorin hat einen raffinierten Sci-Fi-Thriller geschrieben, in dem sie ihren jungen Protagonisten Vincent gemeinsam mit seinen Freunden auf eine Schnitzeljagd zur Rettung der Menschheit schickt. Mich hat das ganze Szenario ein bisschen an Tron erinnert. Es sind aber auch Spuren von Matrix enthalten. Ziemlich genial!
Da mir im gesamten aber die Tiefe gefehlt hat und vieles einfach zu oberflächlich abgehandelt wurde, kann ich "nur" 3,5 Herzchen vergeben. Gerade Einsteigern ins Genre kann ich das Buch aber wirklich empfehlen, da es sich wunderbar locker und flüssig lesen und nichts an Spannung vermissen lässt.

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