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Veröffentlicht am 18.08.2017

QED

Mumien in Palermo
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Mark Benecke ist so ziemlich der bekannteste Kriminalbiologe der Welt und als solcher hat er eine ziemliche Fangemeinde. In diesem (Hör-)Buch, das zwar durchaus nicht uninteressant oder gar unspannend ...

Mark Benecke ist so ziemlich der bekannteste Kriminalbiologe der Welt und als solcher hat er eine ziemliche Fangemeinde. In diesem (Hör-)Buch, das zwar durchaus nicht uninteressant oder gar unspannend war, lässt er sich allerdings ganz schön selbst feiern, das ist mir bei anderen (Hör)Büchern von ihm nicht so aufgefallen. Vielleicht steigt's ihm langsam zu Kopf, aber wer kann's ihm verdenken? ^^

Das Buch heißt zwar Mumien in Palermo, aber diese Mumien sind nur ein Teil des Buches. Benecke befasst sich hier mit Alienuntersuchungen, Stigmatahysterien, Selbstenzündungen, heiligen Leichenöl, den erwähnten Mumien und einem absolut überflüssigen Kapitel, das sich mehr mit Reisetipps für Globetrotter beschäftigt als dem, was man von einem Mann wie Benecke erwarten kann. Wie erwähnt sind bis auf die Reisetipps die Kapitel nicht unspannend, aber trotzdem nicht immer das Wahre. Er fällt vom Hundertsten ins Tausendste, wiederholt viele Dinge doppelt, dreifach, sonstmal wie oft (ja, wir haben es irgendwann verstanden, dass es "nicht glauben oder vermuten, sondern messen" heißt!). Das wirkt ab und zu ernsthaft anstrengend, obwohl ich persönlich sogar gut mit der leicht hektischen Erzählweise von Benecke zurechtkomme (teilweise hatte ich Mitfahrer im Auto, die seine Sprechweise unerträglich fanden). Und so sehr ich Benecke dafür schätze, dass er sich anscheinend für die Gleichberechtigung aller einsetzt, so nervig wirkt es, wenn es jedes Mal heißt: Die Forscherinnen und Forscher, die Kriminalbeamtinnen und Kriminalbeamten, die Insektinnen und Insekten (Letzteres habe ich mir ausgedacht, ok, aber die Richtung ist klar).

Alles in allem ist es von meiner Seite aus eher nicht das Erwartete gewesen, obwohl ich auch hier wieder einiges lernen konnte. Vielleicht muss man sich immer von Beneckes doch irreführenden Titeln trennen, um unbelastet in seine (Hör)Bücher einsteigen zu können.

Veröffentlicht am 16.08.2017

Amrita - Am Anfang beginnt die Langeweile

Amrita
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Amrita ist der Name der Hauptperson dieses Buches, und sie ist die 16jährige Hauptperson des Buches, Prinzessin von Shalingar. Als der Tyrann Sikander, der Reich um Reich erobert, auch vor den Toren ihrer ...

Amrita ist der Name der Hauptperson dieses Buches, und sie ist die 16jährige Hauptperson des Buches, Prinzessin von Shalingar. Als der Tyrann Sikander, der Reich um Reich erobert, auch vor den Toren ihrer Heimat steht, beschließt ihr Vater, sie Sikander zur Frau zu geben, wenn er Shalingar, das Land, dafür verschont. Doch dann überlegt er es sich anders, und Sikander bringt ihn um. Amrita gelingt die Flucht mit dem Orakel Thala, die eine Sklavin Sikanders war und behauptet, man könne die Ereignisse verhindern, wenn man in die Zeit eingreift. Auf der Flucht geraten sie unter anderen in einem Tempel, in dem Amrita eine Entdeckung macht und zu einem geheimnisvollen Volk, das für die Drogenproduktion des Landes verantwortlich ist (auf die ist Sikander besonders scharf).

Das ist mal eine Kunst, unter solchen exotischen Vorgaben so langweilig zu schreiben. Man wartet allein einhundert Seiten, bis es mal überhaupt losgeht. Und damit es beim Losgehen auch besonders schwer ist, wird mal eben von vornherein alles getan, um es so dümmlich wie möglich laufen zu lassen. Da ist ein Tyrann, der alle Völker unterwirft? Ach, warum sollten wir, die wir sehr wahrscheinlich die nächsten sind, der Prinzessin was darüber erzählen? Warum sollten wir ihr den Fluchtweg aus dem Schloss zeigen? Ist doch nur die Prinzessin, die braucht das nicht wissen. Oder warum was über die Mutter der Prinzessin erzählen? Ist doch nur die Mutter, wen interessiert's? Danach wird das Buch aus einzelnen Versatzstücken zusammengeklaubt. Man muss eine wichtige Person treffen? Kein Problem, Prinzessin nimmt natürlich - obwohl auf der Flucht - das Tuch ab, das ihr Gesicht verbirgt. Wie sonst sollte sie erkannt werden? Oder warum sollte man der Prinzessin überhaupt was von sich erzählen? Ist doch nur ihr Leben, was geht's sie an? Vergiss die Göttin, die so aussieht wie sie. Aber all das wäre noch zu verkraften gewesen, wenn dieses dümmliche Ende nicht das ganze bröcklige Gebäude des Buches noch mehr eingerissen hätte. Ich kann jetzt nicht spoilern, aber eine ungefähre Message ist so: Wenn du, liebe Frau, dich nicht prostituierst, wird es deine Schuld sein, wenn ein Tyrann Leute umbringt und verrückt wird. So ein Tyrann ist nämlich nicht für seine eigenen Taten verantwortlich, es ist die unerwiderte Liebe, die ihn zu bösen Taten treibt. Alles klar? Nun, mir nicht. Thema verfehlt, sechs, setzen.

Veröffentlicht am 16.08.2017

Homo Homini Lupus

Wolf Road - Die Angst ist immer einen Schritt voraus
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Es war einmal ein tiefer, dunkler Wald. Dort stand eine Hütte, und in dieser Hütte lebten ein Mann, der manchmal, aber auch nur heimlich, Vater von dem Mädchen genannt wurde, das dort wohnte ... Was gerade ...

Es war einmal ein tiefer, dunkler Wald. Dort stand eine Hütte, und in dieser Hütte lebten ein Mann, der manchmal, aber auch nur heimlich, Vater von dem Mädchen genannt wurde, das dort wohnte ... Was gerade so klingt wie ein Märchen ist gar keines. Denn eines Tages erfährt Elka, so der Name des Mädchens, etwas Entsetzliches. Trapper, der Mann, der sie im Wald gerettet und zehn Jahre lang aufgezogen hat, ist ein Mörder. Ein Serienkiller. Und eine knallharte Frau, Sheriff Lyon, ist ihm auf der Spur, und jeder, der gemeinsame Sache mit Trapper gemacht hat, wird ebenfalls gejagt. Elka lässt ihr altes Leben hinter sich und macht sich auf die Suche nach ihren leiblichen Eltern - durch ein Land, das durch eine lange zurückliegende Katastrophe grausam und tödlich geworden ist, doch längst nicht so grausam und tödlich wie die Menschen, die in ihm wohnen.

Was dieses Buch besonders macht, ist, dass wir es hier nicht nur mit einem Thriller zu tun haben, sondern auch mit der Andeutung eines dystopischen Szenarios. Durch vage Erwähnungen Elkas kann man sich zusammenreimen, dass es irgendwann einmal einen Atomschlag oder "saubere Bomben" gegeben hat. Ein paar Überbleibsel davon sind Giftseen und ab und zu Stromversorgung, ansonsten leben die Menschen wie am Ende des 19. Jahrhunderts. Die Brutalität, die sich in so vielem äußert, hat aber nicht unbedingt was mit dieser Katastrophe zu tun, sie ist ein Teil der Menschheit, scheint es, und Elka, in ihrer ungebildeten Art, weiß sie gut rüberzubringen. Um sich auf dieses Buch einlassen zu können, muss man sich mit Psychologie beschäftigen, gerade mit der Psyche von Kindern oder Gewaltopfern. Es geht um Verdrängung und dem Verschieben von Erinnerungen, von Aufbrechen derselben, um Copemechanism der primitivsten Form. Das ist vielleicht nicht jedermanns Sache, zumal man sich viel selbst denken und zusammenstückeln muss, doch dafür bekommt man ein Buch, das einen nicht so schnell loslässt. Ich hätte mir noch einen Ticken mehr Tiefenpsychologie gewünscht, gerade bei der Dynamik zwischen Trapper und Elka, aber ansonsten war es eine faszinierende Lektüre. 4,5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 09.08.2017

Arachnophobie

Die Brut - Sie sind da
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Aus allen Teilen der Welt gibt es beunruhigende Nachrichten, aus Peru, China, Indien, selbst vom Ozean. Zuerst glauben alle, es handelt sich um Terroristen, zumal ein Flugzeug mit einem milliardenschweren ...

Aus allen Teilen der Welt gibt es beunruhigende Nachrichten, aus Peru, China, Indien, selbst vom Ozean. Zuerst glauben alle, es handelt sich um Terroristen, zumal ein Flugzeug mit einem milliardenschweren Fettsack abstürzt, doch dann stellt sich heraus, dass es sich um etwas Schlimmeres als Terroristen handelt: Spinnen. Wie eine Flut fallen sie über Dörfer und Städte her und fressen Menschen, wobei sie ekelhafte Kaugeräusche machen (als wäre es nicht genug, dass Spinnen, zumal in solchen Massen, ekelhaft sind). Eine Spinnenforscherin, ein FBI-Agent und die Präsidentin der Vereinigten Staaten tragen die Hauptlast der Entscheidungen ...

Ein Buch, das mit den schlimmsten Urängsten der Menschheit spielt. Die Angst und der Ekel vor Spinnen sitzt aus welchen Gründen auch immer sehr tief in Menschen, obwohl die wenigten der 35.000 bekannten Spinnenarten dem Menschen überhaupt Schaden zufügen könnten, wenn sie denn wollten (in der Regel wollen sie nicht, warum auch?). Und so gibt es hier auch entsprechende Szenen, die das bereits vorhandene Kopfkino ordentlich ankurbeln: intelligente Spinnen, die sich in Jagdgruppen vereinigen, Spinnen, die Leute oder Beute ablenken, um selbst etwas "Fieses" zu unternehmen, Spinnen, die sich unter die Haut bohren, um dort Eier oder gar ganze Kokons abzulegen ... Für Leser mit Arachnophobie ist es eher nicht zu empfehlen. Ich leide nicht darunter, eher darunter, wenn ein Buch in superkurze Kapitel aufgeteilt ist und immer wieder andere Baustellen eröffnet, die eigentlich nicht viel die Handlung vorantreiben, sondern rein dazu geschaffen werden, um Hektik zu verursachen. Die ganze Story hätte locker in die Hälfte des Buches gepasst, aber dann wäre vielleicht rausgekommen, auf welch tönernen Boden das Ganze steht.

Veröffentlicht am 07.08.2017

Zodiac - Sex and Crime

Murder Park
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Paul ist vierundzwanzig, Polizeireporter und zu einer Presseveranstaltung eingeladen, bei welcher auf einer Insel der Murder Park eröffnet werden soll. Außerdem hat er eine Geschichte mit dieser Insel, ...

Paul ist vierundzwanzig, Polizeireporter und zu einer Presseveranstaltung eingeladen, bei welcher auf einer Insel der Murder Park eröffnet werden soll. Außerdem hat er eine Geschichte mit dieser Insel, denn ausgerechnet dort ist seine Mutter ermordet worden, von dem berühmten Serienkiller Jeff Bohner. Drei Frauen sind damals von Bohner getötet worden, und die ersten beiden Morde wurden vertuscht, um den Betrieb des damaligen Vergnügungsparks Zodiac aufrechtzuerhalten. Als Paul und die anderen elf auf der Insel ankommen, rühren sich daher nicht nur verschütt geglaubte Erinnerungen in ihm - jemand scheint Bohners Morde im Zeichen der Tierkreise vollenden zu wollen, und die Fähre mit Hilfe und aufs Festland zurück kommt erst in drei Tagen, während gleichzeitig aller Handyempfang ausgefallen ist.

Nichts Neues mit der abgeschiedenen Insel, dem umhergehenden Mörder und der Killerversion von zehn kleinen Negerlein. (Ob ich politisch korrekt lieber geschrieben hätte: zehn kleine, dunkelhäutige Leute?) Trotzdem eine spannende Voraussetzung für ein Buch, wenn es richtig angestellt wird, und auf gewisse Weise gelingt es Winner, zumindest manchmal. Dass mich das Ganze nicht immer fesseln konnte, liegt an seiner Wischi-Waschi-Beschreibung, wenn es wieder zu einem Mord kam. Zufälligerweise ist genau zu diesem Moment Paul scheinbar unfähig zu beschreiben, was er sieht, und mehr als einmal glaubt man, ein Junkie erzähle von seinem letzten Trip. Dazu die ewig nervenden Sexfantasien, die in genau diesem Junkiestil beschrieben werden, außerdem völlig unnötig waren und in keiner Sache weiterhalfen, schon gar nicht was Sympathien anging. Der Twist wiederum gegen Ende des Buches wusste zu gefallen, nur um durch den völlig unsinnigen Schluss (ich sag nur Riesenrad!) wieder zerstört zu werden. Ich konstatiere also mal, dass es zwar keine unspannende Lektüre war, jedoch auch nicht wirklich überzeugen konnte.